Die kleine Maus und der Dachs

Seize

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Die kleine Wühlmaus stand zitternd am Eingang ihrer Höhle und blickte ehrfürchtig zu dem großen dunklen Schatten auf, der gerade an ihrem Nest vorbeilief. Gerade als sie wieder in ihr Nest fliehen wollte hörte sie den Schatten grollen: „Was zitterst du denn wie Espenlaub, kleine Maus?“

Die Maus schrak zusammen, drehte sich mit eingezogenem Kopf wieder um und schaute in das große, längliche, weiß und schwarz gestreifte Gesicht des Schattens.

„Meine Nahrungsvorräte sind aufgebraucht“, fiepte die Maus. „Jetzt muss ich mein sicheres Nest verlassen und neue Nahrung sammeln, aber ich habe viel zu große Angst vor der Welt da draußen. Kannst du mir sagen ob es sicher für mich ist?“

Der Dachs lachte laut auf, was die Maus einen Satz nach hinten machen ließ.

„Natürlich ist die Welt voller Gefahren, kleine Maus. An jeder Ecke wartet jemand der dich fressen will oder du könntest stürzen und dir etwas brechen, auch das wäre dein Todesurteil. Das gilt vor allem für so einen Zwerg wie dich. Aber du musst dich diesen Gefahren stellen. Du siehst was passiert, wenn du nur in deinem Zuhause sitzt. Deine Vorräte gehen zu neige und du wirst verhungern, wenn du deine sichere Höhle nicht verlässt.“

„Du redest dich leicht“, antwortete die Maus empört. „Du bist groß und stark und nimmst es im Wald mit jedem auf. Da kannst du leicht so mutig sein. Kannst du denn auch garantieren, dass mir nichts passiert, wenn ich meinen sicheren Bau verlasse?“

Wieder lachte der Dachs sein grollendes Lachen und die Maus zitterte am ganzen Körper.

„Wie könnte ich für deine Sicherheit garantieren, wenn es doch sein kann, dass du als nächstes auf meiner Speisekarte landest? Du kannst jetzt deine Höhle verlassen; wohlgenährt, bei Kräften und mit deiner Flinkheit oder du wartest bis du hungrig, schwach und langsam bist. Wann schätzt du deine Chancen besser ein? Ich muss jetzt weiter, du bist nicht die Einzige die hungrig ist, kleine Maus.“

Der Dachs ging weiter und die Maus wagte probehalber einen ersten Schritt nach draußen.
 
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