die miniatur des sommers durch den warmen wind

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surrusus

Mitglied
was im streit angeklagt hart wie ein stein
nehme ich mit in's bett und wiege schwer
in der dritten dimension eines briefes
und. die geknickten ecken des briefs
hundeohr wird schon irgendwann
denke ich an himmel und. hölle und dem
fliederbusch am ruinierten saum des flusses
nach meinem flug zwischen frieden und brücke
würde meine seele zu schlamm? würde
der schlamm zu meiner seele? ist das wasser
beim aufprall ein. engel oder ein hund
den ich einst verlor im licht seines
letzten liebetrunkenen blickes aus dem
anbegin eines schlafes wiedergeboren zu.
einer neuen angst? ich grüße alles freundlich
verschenke was ich verschenken muss an freund x und y
umarme die decke meiner mutter und den zimtgeruch
des. windes der aus dem quarkkuchen emporsteigt raune ich

will mich allem senken und siechen
in das bett der bäume kriechen erdboden verwurzelt.
sein im gedeck des pilzgeflechts
ergründen die zäune einer schimmernden. forelle
sein und im goldverschwommenem licht fiept und piepst
ein federfreund mit zwei schwarzen knöpfen am kopf
über vergebung
liebe selbst den kleinsten
stein und respektiere die angst einer mücke
heißt es. und so heiße ich und kraft schafft
zug am geländer hoch und springe den sprung in den himmel
 

Patrick Schuler

Foren-Redakteur
Teammitglied
was im streit angeklagt hart wie ein stein
nehme ich mit in's bett und wiege schwer
in der dritten dimension eines briefes
und. die geknickten ecken des briefs
hundeohr wird schon irgendwann
denke ich an himmel und. hölle und dem
fliederbusch am ruinierten saum des flusses
nach meinem flug zwischen frieden und brücke
würde meine seele zu schlamm? würde
der schlamm zu meiner seele?

Ich denke bei diesem außerordentlichen Gedicht an engmaschig geknüpfte Decken, wo das je eine "Loch" (denn es ist bodenlos) übergeht in das nächste und das Ganze nur gehalten wird von der dünnen Naht der Wiederholung bestimmer Bilder, Muster.

Aus dem Gewicht der Anklage wird der Stein, aus dem Stein im Bett das gewichtige Wort, aus dem gewichtigem Wort das Merkohr usw.

Verdammt gut komponiert und daher empfohlen!


LG
Patrick

PS: die gesetzten Punkt geben dem Text einen neuen Rhythmus, ja sie unterbechen den Sog und verhindern so, dass ich als Leser zu sehr erschlagen werden. Richtig gut gelöst.
 
Zuletzt bearbeitet:

sufnus

Mitglied
Ja... großartig! :)
Mit der Interpunktion zu spielen, ist ein, wie ich finde, gar gefährlich Ding in der Lyrik, weil es ziemlich schnell prätentiös wirkt ("Prätentiös?! Moi?"), aber, ABER: Hier sind die Punkte, wie von Patrick beangemerkt, wirklich wundervoll! Es gbit ja kaum einen Ort in einem Satz, in dem ein Punkt natürlicherweise weniger auftacht als nach einem "und" (oder auch: nach einem Artikel), aber in diesem Gedicht passt es einfach perfekt.
Was lacht mich sonst bei dem Gedicht an? Vielleicht dies: Ziemlich unanmoderiert tauchen in dem Text kurze Anknüpfungspunkte an eine heile (?) Kindheit an: Der Kuchenduft natürlich, aber auch das Stofftier mit den Knopfaugen. Das sind die ganz besonders berührenden Stellen für mich in einem rundum gelungenen Gedicht! :)
LG!
S.
 

Scal

Mitglied
wundersam

ergründen die zäune
beim aufprall
wird schon irgendwann
ich grüße alles freundlich

LG

(anbegin?)
 

surrusus

Mitglied
Liebe Alle! @Patrick Schuler @sufnus @Scal

Die Interpunktiona. Hier mehr als ein Zwang: Trennt die "allgemeine" Weisheit von der persönlichen Annahme und Integration dieser Weisheit in das Selbst.
Aber auch die Entschleunigung, ein Stoppschild im Aldi wo der Käse liegt. Ansonsten ist das Gedicht ja eher düsterlich mit einem glimpflichen Ende.

Danke auch für die Empfehlung. Ich ging davon aus, es würde im Lokus des Forums verschwinden. Ich freue mich über Gedanken und Teilhabe. :)
 
G

Gelöschtes Mitglied 27550

Gast
Lieber Matze, die hast Du Dir weiß Gott verdient...
liebe Grüße Sue
 



 
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