Die Probefahrt (gelöscht)

Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Und die Moral von der Geschicht'? Streit dich mit Polizisten nicht... aber so ganz steige ich hier nicht durch. Dass der Hund alles versaut hat, ist ja nun eigentlich keine richtige Pointe...

LG SilberneDelfine
 

ThomasQu

Mitglied
Hallo Frau Delfine,

na ja, hätte der Ich-Erzähler den Hund gleich rausgelassen, damit der mal ein paar Schritte auf dem Parkplatz herumgehen kann und sich erst danach mit den Polizisten gestritten, dann wäre nix passiert. Der Ich-Erzähler wusste ja von der Gefahr. Die hatte er aber aus lauter Ärger über die Polizisten vollkommen vergessen. Geht das denn nicht aus dem Text hervor?
 
Das geht schon aus dem Text hervor, aber so richtig witzig finde ich es nicht... das kann halt passieren bzw. war vorhersehbar und ist deswegen keine überraschende Pointe. Auch nicht sehr witzig beschrieben.
 

ThomasQu

Mitglied
Aha, wie schade!
Jedenfalls vielen Dank für deine Rückmeldung.
Vielleicht haben wir einen unterschiedlichen Humor.

Grüße, Th.
 

FrankK

Mitglied
Hallo, Thomas
Dies könnte eine nette Geschichte werden, wenn ...

Entschuldige, aber es wird wirklich heftig. Ich habe mit dieser Geschichte gleich mehrere Probleme:
- Im Hinblick auf den Hund
- Im Hinblick auf die technische Ausrüstung
- Im Hinblick auf die literarische Konstruktion

Fang ich mal mit dem Hund an:
Im Tierheim meiner Wahl hatte ich mir eine kleine Mischlingshündin ausgesucht. Nachdem [blue]sie sich schnell in unseren Haushalt eingefügt hatte[/blue] ...
...
Ich kaufte für Nora ein Brustgeschirr, passte es ihr an, setzte sie in das Boot und fixierte die Leine an der Lehne des Beiwagensitzes. [blue]Sicherheitsgurt à la Thomas[/blue].
...
Jedoch - [blue]Aufregungen schlugen sich bei ihr meistens auf den Darm![/blue] Das hatte ich vorher bei anderen Gelegenheiten schon leidvoll erfahren.
Ich habe die leidvolle Erfahrung gemacht – wo ein Hund mit dem Kopf durchpasst, passt auch der Arsch durch. Bei Tempo 100 auf der Autobahn hast du keine (!) Chance, dies zu verhindern, wenn ihr das Gerappel und Gedröhne zu viel wird und sie dir stiften gehen will. Ein „Sicherheitsgurt à la Thomas“ erscheint mir da die denkbar schlechteste Möglichkeit, zumal er mir an der Lehne recht hoch angebracht erscheint.
Es gibt spezielle Geschirre, die den Bewegungsspielraum im Boot nicht nennenswert einschränken aber ein „unerlaubtes aussteigen“ sicher verhindern. Vorausgesetzt: der Beiwagen ist entsprechend ausgerüstet. Kann man aber gegebenenfalls mit Teilen vom Hersteller leicht nachrüsten.
An den Stress während der Fahrt hätte ich das Tier auch erst langsam herangeführt, um Situationen wie die Beschriebene zu vermeiden. Klar kann es sein, dass es aussieht, sie hätte Spaß daran. Dies kann aber schnell in Panik umschlagen ...
Ebenfalls anmerken möchte ich die Darstellung, dass das Tier quasi die ganze Zeit über „rückwärts“ fährt, sie kann nur nach hinten schauen. Sehr übelkeitserregend – für das Tier.


Mein technisches Verständnis:
Technisch wiederholt sich hier für mich das Thema „Sicherheitsgurt“, insbesondere das Thema „Ladungssicherung“. Tiere gelten bei uns immer noch als Sache, deshalb greift prinzipiell die „Ladungssicherung“.
Nicht ganz eindeutig geht die Befestigung der Plane hervor:
Die Abdeckplane über dem Einstieg knipste ich über ihr zu ...
...
Nora beruhigte sich und ich knipste die Druckknöpfe auf.
Nach meinem Wissen dürfen Planen, die lediglich mit Druckknöpfen befestigt sind, nicht während der Fahrt montiert sein. Sie müssen zwingend zusätzlich mit Riemen oder Gurten gegen unbeabsichtigtes abreißen gesichert werden. Wenn der Hund sich nur ein wenig Mühe gibt – bekommt er die auch alleine aufgedrückt.


Literarisch aus meiner Sicht:
Eine Kurzgeschichte ist eine „kurze Geschichte mit direktem Einsieg, einer stringenten und einsträngigen Handlung sowie einer Wendung bzw. Pointe am Schluss“ (grob vereinfacht).

Den direkten Einstieg hast du halbwegs geschafft, es hätte noch direkter sein können.
Durch den Titel „Die Probefahrt“ legst du den Schwerpunkt auf die Fahrt an sich, in der Geschichte taucht aber eine Polizeikontrolle auf, die fast zwei Drittel der Handlung einnimmt, dies ist ein zweiter Handlungsstrang, der nicht zu einer Kurzgeschichte gehört.
Die Pointierung am Ende ist auch nicht überzeugend, das Stoffwechselendprodukt wurde zuvor angekündigt.
Ich kann mir auch nur schwerlich vorstellen, dass die Polizeikontrolle darauf wartet, dass der Hundehalter mit seinem Tier „fertig Gassi geht“.
Erzählerisch wirkt das Verhalten der Polizisten durchaus angebracht. Ich wäre auch ziemlich echauffiert, würde ich ein solches Gespann kontrollieren.

Der ältere forderte mich auf, den Kofferraum des Beiwagens zu öffnen. [blue]Er begann, Stück für Stück herauszuräumen und auf dem Asphalt des Parkplatzes auszubreiten.[/blue]
Meines Wissens – darf er das nicht. Er darf das Innere in Augenschein nehmen, aber nicht auspacken. Er darf dich aber dazu auffordern, dies zu tun ...

Mit Knurren und [blue]wildem Gebell[/blue] begleitete sie die Aktivitäten des Beamten.
Spätestens hier hätte ich erwartet, dass die Polizeibeamten dich auffordern, dem Tier einen Maulkorb anzulegen oder sie aus dem Fahrzeug herauszuholen und in ausreichendem Abstand gesichert abzulegen.

Der Bärtige sah das anscheinend ein und die beiden [blue]entfernten sich ein paar Schritte[/blue] von meinem Gespann.
Für mein Verständnis sollte hier die Ladungssicherung kontrolliert werden. Das geht aber wohl kaum aus der Distanz. Daher eine Aufforderung der Beamten wie zuvor.


Du könntest folgendes versuchen:
Den Einstieg noch weiter komprimieren, etwa in der Art:
„Nora, unsere neue Mischlingshündin aus dem Tierheim, hatte sich schon sehr gut in unserem Haushalt eingefügt. Nun wollte ich sie langsam daran gewöhnen, meine Hobbys zu verknüpfen: Hund und Motorrad. Langsam hatte ich sie an den Beiwagen gewöhnt, die ersten Runden im Dorf bei Tempo dreißig und fünfzig hatte sie auch schon erfolgreich absolviert. Heute sollte es auf die Landstraße und ein kleines Stück auf die Autobahn gehen.“
Jetzt könntest du mit den vorbereitenden Aktivitäten (anschnallen, Plane befestigen) beginnen.

Der Titel sollte ebenfalls von dir überdacht werden. Der Schwerpunkt liegt nicht auf der Probefahrt, sondern auf der Polizeikontrolle. „Missglückte Probefahrt“ war mein erster Gedanke, taugt aber nicht viel. „Durchgefallen“ bei der Polizeikontrolle ... dass wäre herrlich doppeldeutig.

Abschließende Pointierung: Die Weiterfahrt wird untersagt.
„Wir belassen es mal bei einer mündlichen Verwarnung. Sie sind ja mit dem Putzen schon gestraft genug!“


Anmerkung:
Versuche auch mal, den Erzählstil etwas aufzulockern, er wirkt sehr nüchtern und wie ein Bericht, weniger wie eine erzählte Geschichte.
Stell dir vor, du würdest dieses Erlebnis als Anekdote in einer geselligen Runde unter Freunden zum Besten geben ...



Aufmunternde Grüße
Frank
 

ThomasQu

Mitglied
Grüß Gott, Herr K.!

Dass vieles, was ich hier in der Lupe hervorbringe, nüchtern klingt wie ein Bericht, das wissen wir seit Jahren und ich fürchte, dass sich das nicht mehr so leicht ändern lässt. Ich kann eben nicht anders.

Du hast dir zu dem Text dankenswerterweise eine Menge Notizen gemacht, was du als misslungen erachtest, aber ich glaube, dass ich einen Großteil davon entkräften kann.
Dann fangen wir gleich mal bei dem Hund an.

Zuerst zum Stress:
Man sieht ja, wie sich das Tier während der Fahrt verhält. Und wenn der Hund bei Tempo 30 und Tempo 50 relaxed bleibt und bei 80 immer noch nicht anfängt zu zappeln oder unruhig wird, dann kann man die 100 wohl auch noch riskieren. Zumal ja immer die Möglichkeit besteht, auf dem Autobahn-Standstreifen langsamer zu werden oder anzuhalten.
Beim Lesen bist du vermutlich davon ausgegangen, dass der Ich-Erzähler die Leine am oberen Rand der Lehne befestigt hat, also in Höhe der Kopfstütze. Dem ist aber nicht so, denn die wenigsten Boote haben Kopfstützen. Nein, die Leine wurde natürlich unten in dem Knick zwischen Sitz und Lehne befestigt und genau so lang eingestellt, dass der Hund nicht rausspringen kann.
Auch dein Hinweis auf das permanente Rückwärtsfahren ist nicht nachvollziehbar, denn der Hund kann seinen Kopf drehen, wie er will.

Jetzt zur Technik:
Mit einer Ausnahme war bei all meinen Gespannen, die ich bisher besaß, die Plane über dem Boot mit Druckknöpfen befestigt, aber alle hatten TÜV. Somit eine gängige Bauweise. Und glaub mir, die Druckknöpfe halten! Die kann man auch nicht von unten aufdrücken, weil die nicht oben an der Kante, sondern seitlich an der Bootsflanke angebracht sind.

Nun zu deiner Kritik unter der Überschrift “Literarisch …“:
Dass man eine Pointe unterschiedlich beurteilt, das ist halt so. Auch Frau Delfine hat die schon bemängelt. Das muss ich leider hinnehmen.
Dass die Polizeikontrolle ein neuer Handlungsstrang sein soll, ist vielleicht Geschmacksache. Die ist schließlich auch Teil der Probefahrt. Und wenn es wirklich ein neuer Handlungsstrang - und der Text deshalb keine Kurzgeschichte ist, dann steht der bedauerlicherweise im falschen Forum. Nun gut, in dem Fall bitte ich dich um einen Tipp, wo sie besser aufgehoben wäre.
Dass das “Stoffwechselendproduckt“ vorher angekündigt wird, das ist für mich ein elementarer Baustein.
Ob der Polizist nun selber den Kofferraum ausräumen darf, oder nicht, sei mal dahingestellt. Diese Szene kann man in der Geschichte aber leicht ändern.

Ich glaube, das Wichtigste hab ich jetzt beantwortet.
Nochmals Dank für die Erbsenzählerei und Grüße nach Westfalen …

Thomas
 

MicM

Mitglied
Hallo Thomas,

ich fand den Text nett zu lesen. Die Sprache (bzw. "Berichtsform") finde ich nicht störend. Allerdings bin ich (ebenfalls?) der Meinung, dass das keine Kurzgeschichte ist. Dafür fehlt mir der gewisse Spannungsaufbau und das pointierte Ende (hier läuft die Geschichte irgendwie so aus).

Aus meiner Sicht passt der Text (so wie er ist) sehr gut ins Forum "Kurzprosa" (für mich ist dein Text eher eine Art Anekdote). Dort finden sich eine Reihe von Texten mit ähnlichem Ton und Erzählfluss.

Auf bald,
MicM
 

ThomasQu

Mitglied
Servus MicM,

vielen Dank für deine Meinung zum Text.
Eine Anekdote, ja, aber ich glaube, für Kurzprosa ist die Geschichte zu lang. Die richtigen Überschriften und das richtige Forum zu finden, damit tue ich mich häufig schwer.
Mal schauen, vielleicht gibt´s ja noch Ansichten zum Thema.

Gruß, Th.
 

FrankK

Mitglied
Hallo Thomas
Oh weh, ich weiß jetzt gar nicht, ob ein zweiter Kommentar von mir erwünscht ist, ich versuche es mal trotzdem.

Deine Entkräftungen zum Hund:
Man sieht ja, wie sich das Tier während der Fahrt verhält.
Ich glaube, wir sind beide Hundehalter genug, um uns darüber im klaren zu sein, dass der sichtbare Kopf dazu nicht ausreicht (zumindest nicht, wenn das Tier erst so relativ kurz in deinem Besitz ist). Ist der Körper in entspannter Haltung? Zittert sie? Ist die Rute eingekniffen? Sieht man nicht unter der Plane.
Sind die Augen geweitet und das Maul aufgerissen? Ist das Begeisterung oder Panik?

Und wenn der Hund bei Tempo 30 und Tempo 50 relaxed bleibt und bei 80 immer noch nicht anfängt zu zappeln oder unruhig wird, dann kann man die 100 wohl auch noch riskieren.
Und beim ersten Schlagloch dreht der Hund durch und versucht bei Tempo 100 aus dem Boot zu entkommen ...

Zumal ja immer die Möglichkeit besteht, auf dem Autobahn-Standstreifen langsamer zu werden oder anzuhalten.
Erstens:
Nicht Gesetzeskonform.
Zweitens:
Was machst du dann mit dem panischen Hund? Herausholen und zur Beruhigung Gassi gehen? Entlang der Autobahn, wo ander Fahrzeuge (PKW und LKW) an euch vorbeibrausen?

Nein, die Leine wurde natürlich unten in dem Knick zwischen Sitz und Lehne befestigt und genau so lang eingestellt, dass der Hund nicht rausspringen kann.
Warum steht das nicht so im Text? Dort heißt es lapidar:
... setzte sie in das Boot und [blue]fixierte die Leine an der Lehne[/blue] des Beiwagensitzes.
Dies ist ein wunderbares Beispiel für die Differenz zwischen Kopfkino des Verfassers und geschriebenem Text. Dein Kopfkino funktioniert immer, störungsfrei, Full-HD, 3D, 360° und Surround-Sound. Beim Leser erscheinen Lücken oder (wie in diesem Fall) unscharfe Bilder.

Auch dein Hinweis auf das permanente Rückwärtsfahren ist nicht nachvollziehbar, denn der Hund kann seinen Kopf drehen, wie er will.
Oh, cool, eine sehr angenehme und entspannte Haltung für das Tier. Den Kopf gegen den Luftstrom um 180° drehen ...
Würdest du auch eine längere Strecke so fahren wollen?

Deine Entkräftungen zur Technik:
... die Plane über dem Boot mit Druckknöpfen befestigt, aber alle hatten TÜV.
Bist du mit aufgespannter Plane zum TÜV gefahren? Rhetorische Frage, brauchst du nicht beantworten.
Ich habe es in der Werkstatt mitbekommen, dass an einem Gespann der TÜV-Prüfer genau diese aufgezogene Plane moniert hat. Der Fahrer musste die Plane entfernen, bevor die Prüfung fortgesetzt wurde. Ich habe später – bei der Abrechnung – den Prüfbericht gesehen. Es ist auf dem Bericht vermerkt worden. Sinngemäß: „Das Gespann darf mit aufgezogener Regenplane auf dem Beiwagen nicht gefahren werden.“
Prüfer und Fahrer sind relativ laut geworden ...

Die kann man auch nicht von unten aufdrücken, weil die nicht oben an der Kante, sondern [blue]seitlich an der Bootsflanke[/blue] angebracht sind.
Tja, da es hinten bereits eine Lücke gibt (und die Plane damit nicht mehr über die Kante führt), reicht doch schon eine seitliche Kopfbewegung des Hundes, um die nächsten Druckknöpfe zu öffnen.

Deine Entkräftungen zur literarischen Kritik:
Dass die Polizeikontrolle ein neuer Handlungsstrang sein soll, ist vielleicht Geschmacksache. Die ist schließlich auch Teil der Probefahrt.
Nein, keine Geschmacksache, du beschreibst eine neue Situation, und hast damit einen weiteren Handlungsstrang.

Nun gut, in dem Fall bitte ich dich um einen Tipp, wo sie besser aufgehoben wäre.
Ich werde mich hüten, eine andere Schublade zu empfehlen. Du wolltest eine Kurzgeschichte schreiben, dann solltest du auch eine Kurzgeschichte daraus machen. Der Text wird nicht besser, nur weil er in eine andere Schublade gesteckt wird.

Dass das “Stoffwechselendproduckt“ vorher angekündigt wird, das ist für mich ein elementarer Baustein.
Was?
Das ist ja ungefähr so, als würdest du im Krimi bereits auf Seite 30 verraten, wer der Mörder ist, und die nächsten 270 Seiten sieht der Leser zu, wie es die Kriminaler auch endlich herausfinden. Die Pointe vorwegnehmen ist das schlechteste, was man machen kann.

Ob der Polizist nun selber den Kofferraum ausräumen darf, oder nicht, sei mal dahingestellt.
Okay, du hast recht, darauf kommt es auch nicht mehr an.


Betrachten wir mal die Aufteilung:
Einleitung:
Im Tierheim meiner Wahl ...
...
... windgeschützt die Nase herausstrecken konnte.
Vorstellung der Figuren (hier Hund und Herrchen). 101 von 916 Worten: ~ 11%

Erster Mittelteil, Aufbau des Spannungsbogens (wird der Hund im Beiwagen die Ruhe bewahren?):
Nun begann die Testfahrt. Wir starteten ...
...
... gleich am ersten Rastplatz raus.
Probefahrt, hier durch Stadt, über Land und über Autobahn mit Tempo 30, 50, 80 und 100, bis zum erreichen des Parkplatzes. 100 von 916 Worten: ~ 11%

Zweiter Mittelteil, Aufbau des Spannungsbogens (Was will die Polizei?):
Als ich vom Motorrad stieg und meinen Helm abnahm ...
...
... entfernten sich ein paar Schritte von meinem Gespann.
Polizeikontrolle. 574 von 916 Worten: ~ 63%

Abschluss, Auflösung des Spannungsbogens:
Nora beruhigte sich und ich ...
...
... in ihren Wagen und brausten davon.
Der Hund hat tatsächlich ins Boot gesch... 141 von 916 Worten: ~ 15%

Du siehst, es gibt zwei Erzählelemente. Der Titel verweist auf das kürzere Element, dem du dadurch einen vermeintlichen Schwerpunkt aufbürdest. Der erzählerische Schwerpunkt liegt aber auf der Polizeikontrolle.

Das einzige emotional eingefügte Element ist dein Unwillen über das unsympathische Verhalten der Beamten während der Kontrolle:
Wie Django aus dem Wilden Westen, dachte ich mir verärgert.
Mehr fühlt der Ich-Erzähler nicht?
Alles andere kommt faktisch einer rein sachlichen Schilderung der einzelnen, aneinandergereiten Ereignisse nah. Dadurch leidet der Spannungsbogen. Wenn der Ich-Erzähler nicht emotional angespannt ist – warum sollte es dann der Leser sein?
Durch die Vorwegnahme der Pointe wird der Spannungsbogen zusätzlich entschärft. Auf einer Skala von 1 bis 10 würde ich die Spannung bestenfalls – mit viel wohlwollen – bei 3 ansiedeln. Aber auch nur, weil ich mir den Hund im Beiwagen etwas später mit Lederkappe, Fliegerbrille und dem berühmten roten Seidenschal vorstelle.

Thomas – du hast es sprachlich drauf. Deine Texte sind flüssig zu lesen, das wurde dir mehrfach bescheinigt. Deine Ideen sind nicht schlecht – auch das wurde dir mehrfach bescheinigt. Dein Manko ist lediglich – du versäumst es, eine Bindung zwischen deinen Figuren und dem Leser aufzubauen.
Wenn deine Figuren keine Gefühle zeigen, ist der Leser nicht in der Lage, mitzufühlen.
Ohne emotionale Bindung – keine Erregung. Ohne Erregung – keine Spannung. Ohne Spannung – langweilig.


Wie schon erklärt – ich bin mir sicher, diese Episode funktioniert in deinem eigenen Kopfkino. Schau es dir in Ruhe noch einmal an und finde heraus, an welchen Stellen der Ich-Prot weitere Emotionen empfindet.
Betrachte die Polizeikontrolle näher, lief das wirklich so gnadenlos Stumm von Seiten der Polizisten ab? Drei Worte habe ich gefunden: „Führerschein, Fahrzeugschein!“ und „Personalausweis!“. So kommt kein Dialog zustande, Dialoge sind aber ein wunderbares Mittel, um Emotionen und Konflikte zu transportieren.


By the Way – du bist scharfäugiger bei der Betrachtung anderer Texte, warum klappt das bei deinen eigenen Werken nicht? ;)


Grüßend
Frank
 

ThomasQu

Mitglied
Top Kommentar, Frank!
Dafür hättest du dir ein Bienchen verdient.
Antworten kann ich aber nicht vor morgen.
Bis dann ...
Th.
 

ThomasQu

Mitglied
Servus Frank!

Du wolltest eine Kurzgeschichte schreiben …

Das hab ich nie gesagt. Eine kurze Geschichte wollte ich schreiben!
Es ist ja auch keine Kurzgeschichte, wie du mir erklärt hast. Gäbe man dem Kind jetzt eine andere Überschrift, z.B. “Die Polizeikontrolle“, dann ist es plötzlich eine, habe ich das richtig verstanden? Ist das nicht ein wenig schräg?

Ob nun die Leine in welcher Position am Sitz befestigt wird, ob der Hund 360 Grad Rundumblick braucht oder der Polizist ausräumen darf, ob die Druckknöpfe halten … ich glaube, da könnten wir uns noch lange streiten. Kommt es darauf wirklich an?
Es heißt ja immer: Schreibe, worüber du dich auskennst. Das habe ich getan. Eine Abdeckplane, die selbst, wenn sie nicht hundertprozentig geschlossen ist, unter starker Spannung steht, Druckknöpfe, für die man zum Schließen zwei Daumen braucht, bei denen man beim Öffnen aufpassen muss, dass das Kunstleder außenherum nicht einreißt … Wenn ich das alles bis ins kleinste Detail aufdrösle, wird der Anfang zehnmal so lang. Und sorry, sind das nicht nur Nebensächlichkeiten?

Ich glaube, viel entscheidender ist die Frage der Vorhersage der Darmbefreiung, aber das ist genau das, worauf es mir ankam. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt! Doch plötzlich kommen die Polizisten ins Spiel und der Protagonist gerät außer Konzept. Aber darüber, über die Vorhersage, könnte ich wirklich noch mal nachdenken.

Noch wichtiger ist das, was du über die Gefühle geschrieben hast, die Bindung zwischen Figur und Leser, (dafür das Bienchen von mir). Mein Kardinalproblem, das klappt einfach nicht, oder viel zu selten.
Die Polizisten maulfaule Rüpel, der Protagonist trotzig … wurde ja alles angesprochen und in die Erklärungsschiene möchte ich auch nicht geraten. Ziemlich schwierig.
Ich habe in der Szene mit den Polizisten eher versucht, die goldene Regel “show, don´t tell“ zu beherzigen, aber vermutlich ist das auch nicht sonderlich gelungen.

Na ja, schauen wir mal. Am besten, ich lasse deine beiden Kommentare eine Zeitlang sacken, bedanke mich artig bei dir und warte auf die goldenen Eingebungen, wie das alles mit den Gefühlsbeschreibungen funktionieren könnte.

Viele Grüße,

Thomas
(noch immer ohne Hund)
 
A

aligaga

Gast
Hallo @Thomas - lass dich von der Besserwisserei der Guhgelhüpfer nicht aus dem Konzept bringen - die Geschichte ist in sich stimmig; störend sind allenfalls ein paar Übertreibungen wie z. B. die Behauptung, Bayerische Polizisten seien qua Geburt unhöflich - das sind sie nicht. Sie sind ebenso gut erzogen wie die in den anderen Bundesländern.

Dass die geschilderten Sachverhalte einen Leser nicht mitnähmen, ist dummes Zeug. Du hast sie jederzeit dicht an der Seite, wenn's ans "Eingemachte" geht.

Nicht so gut ist allenfalls der Strick, mit dem das Hunderl an den Beiwagen gefesselt ist. Da könnte man sich eine tierwohlgerechtere Sicherung vorstellen. Warum hat der Beiwagen denn keine windabweisende Schutzscheibe?

Heiter, sehr heiter

aligaga
 

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Thomas,

ein klasse Plot, den Du leider vollkommen steril servierst. Ich kann noch nicht mal die Hundehinterlassenschaften riechen.

Viele Grüße,
DS
 
A

aligaga

Gast
Es gibt "Leser", die können Hundekot nicht mal dann riechen, wenn man sie, so wie hier, mit der der Nase mitten hineinsteckt.

Lass dich auch davon nicht irremachen, o @Thomas. In guten Skizzen (und das hier ist eine) zählt die geschickte Andeutung, nicht das platte Ausmalen aller Kulissen mit allerlei Deckfarben. Farben muss der Leser selbst mitbringen; die kommen aber nicht von der Fabrik "Pelikan", sondern speisen sich aus der Fantasie, ohne die niemand lesen und schreiben kann.

Wie schön doch, dass Fantasie ganz und gar unguhgelbar ist!

Heiter wieder weiter

aligaga
 

FrankK

Mitglied
Hallo, Thomas
Es ist ja auch keine Kurzgeschichte, wie du mir erklärt hast. Gäbe man dem Kind jetzt eine andere Überschrift, z.B. “Die Polizeikontrolle“, dann ist es plötzlich eine, habe ich das richtig verstanden?
Nein, das hast du missverstanden. Schau dir noch mal meinen ersten Kommentar ab "Du könntest folgendes versuchen" an.

… ich glaube, da könnten wir uns noch lange streiten. Kommt es darauf wirklich an?
Stimmt, darauf kommt es nicht wirklich an. Allerdings wenn du derartige Details erwähnst ... sollten sie im Kopfkino des Lesers ein stimmiges Bild ergeben.
(Beispielsweise erklärst du hier, du müsstest die Druckknöpfe mit zwei Daumen fest andrücken, um sie überhaupt zu schließen. Im Text wirkt es viel einfacher, da merkt der Leser nichts von der Mühe. Wieder eine Differenz zwischen deinen Bildern und dem, was du beschreibst.)

Wenn ich das alles bis ins kleinste Detail aufdrösle, wird der Anfang zehnmal so lang.
Der Anfang wird etwas umfangreicher, richtig. Konzentrier dich auf die Details, die für die Geschichte wichtig sind, beschreibe sie kurz aber deutlich. Wenn der Ich-Prot sich anstrengen muss, die Abdeckung zu befestigen - lass es den Leser ebenfalls spüren.

Ich glaube, viel entscheidender ist die Frage der Vorhersage der Darmbefreiung, aber das ist genau das, worauf es mir ankam.
Und genau damit nimmst du die "Pointe" vorweg. Wenn du die Vorstellung der Figuren und erste Fahrübungen zu einer Einleitung zusammenfasst, könntest du dort auch vom nervösen Darm schreiben und der Erwartung, dass dieses Problem nun überwunden sei.
Die Einleitung könnte Beispielsweise in einer Art "Rückblick" erfolgen, der Ich-Prot denkt während der Fahrt auf der Autobahn daran "zurück". Mit erreichen des Rastplatz gleitet die Perspektive in den Realmoment zurück und die Polizeikontrolle beginnt. Du könntest dich nun wesentlich deutlicher und umfangreicher über diese Szene auslassen. Ein anderer Titel würde nur dann einen Sinn ergeben.

"Show, don`t tell" ist ein "schlag-mich-tot-Argument".
Ich versuche es möglichst anders zu formulieren:
Erzähl nicht nur, dein Ich-Prot sei nass geworden - schmeiß den Leser mit ins Wasser. Lass deine Leser an den Gefühlen und Empfindungen teilhaben.

Wichtig könnte hierbei sein:
- Was empfindet der Fahrer des Krad auf der Autobahn? (Schlaglöcher, Windböen)
- Wie reagiert der Hund im Boot? (zusätzlich überholende Fahrzeuge, Fahrgeräusche wie Hupen, kaputter Auspuff)
- Wie gebärdet sich der Hund nach dem stoppen? (Hat sie es eilig, herauszukommen?)
- Gibt es Stolz oder Begeisterung beim Fahrer über sein Tier?
- Interessieren sich die Polizisten ausschließlich für das Gespann oder auch für die Sicherung des Hundes?
- Könnte einer der Polizisten eventuell selbst Hundehalter sein? (Spekulation des Ich-Prot)
- Resultiert sein scheinbar aggressives Verhalten aus dem Umstand eines übertriebenen Schutzbedürfnisses? (Interpretation des Ich-Prot resultierend aus der vorangegangenen Spekulation)
- Wie interpretiert der Fahrer das Verhalten der Polizisten?
- Wirken die Polizisten einschüchternd - auf den Fahrer oder womöglich auch auf den Hund?
- Versucht das Tier, den Kopf einzuziehen, bleibt aber an der Plane hängen?
- ...

Ich bin mir sicher, da fallen dir selbst noch eine Menge andere Frage ein. Nicht jede Frage muss detailliert beantwortet werden, sie geben dir aber eine Hilfestellung zu einer emotionaleren Grundbasis.


Noch zum Thema „Dein Kopfkino vs. Kopfkino des Lesers“:
Wenn du die Erfahrungswelt des Lesers einbeziehen willst, dann könntest du bei der Plane unspezifischer bleiben. Anstelle der Druckknöpfe lässt du die Fixierung einfach offen, du redest nur von „öffnen“ oder „verschließen“ – du vermeidest damit eine ausführliche Beschreibung, die den Text inhaltlich nicht wirklich weiter bringt.
Aus:
Die Abdeckplane über dem Einstieg [blue]knipste ich über ihr zu[/blue], bis auf eine kleine Stelle ganz hinten ...
könnte dann ein:
Die Abdeckplane über dem Einstieg [blue]verschloss ich[/blue], bis auf eine kleine Stelle ganz hinten ...
Äquivalent das Öffnen auf dem Rastplatz.

Versuche dich auf die Bilder, die du beschreiben möchtest, zu konzentrieren. Denke darüber nach, ob dieser Moment mit irgendeiner Mühe, Anstrengung oder Gefühlsregung verbunden ist. Analysiere, ob dies im Zusammenhang zur Geschichte steht und diese voranbringt bzw. dem Leser näher bringt.



(noch immer ohne Hund)
Dass es sich hier um deine "Luna" handelt und damit eine Rückschau darstellt, ist mir tatsächlich aufgefallen.


Herzliche Grüße
auch an deine Familie

Karin & Frank & Liany



Hallo DocSchneider
Der Begriff "steril" trifft es fast perfekt.
Der Plot ist gut, sonst würde ich mich nicht so sehr "reinhängen" – nicht nur, weil es eine Hunde-Geschichte ist.


Grüßend
Frank
 

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Frank, Du schreibst:

Der Begriff "steril" trifft es fast perfekt.
Der Plot ist gut, sonst würde ich mich nicht so sehr "reinhängen" – nicht nur, weil es eine Hunde-Geschichte ist.
Deshalb habe ich ja geschrieben: Vollkommen steril! :)

Mich stört auch der sehr langweilige Anfang. Ein unmittelbarer Einstieg in die Geschichte wäre doch viel besser. Kann ja auch mit wörtlicher Rede sein. Etwa, als er das Malheur des Hundes bemerkt ... wieso macht der überhaupt dorthin?

Um dann die Vorgeschichte aufzudröseln.

Oder so ähnlich.

Wie gesagt, Thomas Qu, ist doch eine völlig verrückte Story. Also mach etwas draus!

Gruß DS
 
A

aligaga

Gast
Wichtig könnte hierbei sein:
- Was empfindet der Fahrer des Krad auf der Autobahn? (Schlaglöcher, Windböen)
Hihi - Schlaglöcher auf der Autobahn? "Winböen" auf einem Krad bei hundert Sachen?
- Wie reagiert der Hund im Boot? (zusätzlich überholende Fahrzeuge, Fahrgeräusche wie Hupen, kaputter Auspuff)
Wen würde das wohl interessieren? Den Tierschutzverein?
- Wie gebärdet sich der Hund nach dem stoppen? (Hat sie es eilig, herauszukommen?)
Gar nicht - der bleibt ja gefesselt, nä!
Gibt es Stolz oder Begeisterung beim Fahrer über sein Tier?
Wer richtig liest, erkennt, dass der Kradmelder sein Tier ausprobieren will und dabei gestört wird. Worauf sollte er wohl "stolz" sein? Dass das Viecherl noch lebt?
Interessieren sich die Polizisten ausschließlich für das Gespann oder auch für die Sicherung des Hundes?
Wer richtig liest, erkennt, dass sie den Gespannfahrer auf dem Kieker haben und bei dem (gereizt!) nach einem Mangel suchen
- Könnte einer der Polizisten eventuell selbst Hundehalter sein? (Spekulation des Ich-Prot)
Oder Briefmarkensammler? Päderast? Veganer? Reichgsbürger?
- Resultiert sein scheinbar aggressives Verhalten aus dem Umstand eines übertriebenen Schutzbedürfnisses? (Interpretation des Ich-Prot resultierend aus der vorangegangenen Spekulation)
Mein Gott! Der Kradmelder hat ihnen zuvor doch - trotz Uniform - die Ausweise abverlangt!
- Wie interpretiert der Fahrer das Verhalten der Polizisten?
Er hält sie für typisch bayerisch-doof und unhöflich, wie wir lesen können.
Wirken die Polizisten einschüchternd - auf den Fahrer oder womöglich auch auf den Hund?
Steht alles da. Lesen!
- Versucht das Tier, den Kopf einzuziehen, bleibt aber an der Plane hängen?
Warum sollte es?

Zum dritten Mal, o @Thomas: lass dir die nette Skizze nicht kaputtquatschen. Das einzige, was du wirklich ändern könntest, und da hat unser selbsternannter "Doc" recht: Lass den Hund unvermutet in den Beiwagen scheißen. Das käm besser.

Quietschvergnügt

aligaga
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.

 
Oben Unten