Die Telefonzelle

Ich schlendere die Straße herunter und schaue mir die Leuchtreklamen an. Seit letzter Woche ist es schon merklich kälter geworden und so ziehe ich meinen Kragen hoch. Am Abend beobachte ich gerne die Leute, die noch schnell eine Flasche Wein für den Liebsten besorgen, bevor die Geschäfte schließen, um dann einen romantischen Abend am Kamin zu verbringen.
Andere unterhalten sich angeregt vor einem Imbiss, aus dem der Pommesgeruch strömt, der mich daran erinnert, dass mir seit geraumer Zeit der Magen knurrt. Dann entdecke ich eine Gruppe von Jugendlichen, die aus der Kondomerie kommen und sich lustig machen, über die Vielfalt der Kondome. Andere wiederum haben sich in Schale geworfen und stehen an der Abendkasse des Theaters schlange und hoffen, dass noch gute Plätze frei sind. Ich komme in eine Gegend, die etwas einsamer ist und schaue gelangweilt in den Nachthimmel. Mal wieder sternenklar, es gibt wohl Bodenfrost heute Nacht. Der Mond versteckt sich hinter der einzig am Himmel stehenden Wolke und wirkt verloren. Mir fällt ein, dass ich meinen Kumpel anrufen könnte, doch der ist selten anzutreffen, da er viel auf Reisen ist, eigentlich schade, denn wir haben immer zusammen viel Spaß. Nichts desto trotz werde ich mal bei ihm durch rufen. Ich suche eine Telefonzelle und finde dann auch eine. Wie sollte es anders sein, besetzt und das in dieser einsamen Gegend. Also stelle ich mich ein wenig abseits und warte. Das Licht in der Zelle scheint defekt zu sein, denn die Leuchtröhre flackert und gibt eine unheimliche Stimmung wieder.
Ein junges Mädchen mit einem frechen Kurzhaarschnitt und leichter Bekleidung ist in ein scheinbar angeregtes Gespräch verwickelt. Sie steht mit dem Rücken zu mir und ihre langen Beine, welche durch schwarze Stiefel besonders hervorgehoben werden, lassen mir das Wasser im Munde zusammenlaufen. Schade, dass ich das Gesicht nicht erkennen kann, doch das defekte Licht lässt dies nicht zu.
Langsam wird mir kalt und ich trete auf der Stelle, bis sich die Tür der Zelle ein wenig öffnet. Endlich, es wird Zeit, dass ich meinen Kumpel anrufe. Ich schaue auf meine Uhr, die Zeiger haben sich auf dreiundzwanzig Uhr vorgeschoben, doch der Sekundenzeiger bewegt sich keinen Millimeter. So ein Mist, ich habe doch erst vorgestern die alte Batterie ersetzt. Irgendwie rührt sich nichts in der Zelle, laufe zu ihr und klopfe an das Glas der Tür, um nachzufragen, ob ich nun telefonieren könne.
Die Tür öffnet sich nun vollständig und ich schaue in das Gesicht des Mädchens. Das Mondlicht unterstreicht ihren schon ohnehin blassen Teint. Sie lächelt mich geheimnisvoll an. Ich versuche ihren Blick standzuhalten, doch auch wenn ich wollte, könnte ich mich nicht von ihm lösen. Sie öffnet einige Knöpfe ihrer Bluse und lässt mich einen Blick auf ihr üppiges Dekollete werfen. Ich bin etwas verwirrt und wie gelähmt. Weiterhin starre ich auf ihren Körper und lese in ihren Augen, Schmerz, Verderbnis, Einsamkeit und ewiges Leben.
Plötzlich nimmt sie meine Hand und zieht mich in die Zelle. Trotz ihrer kühlen Lippen, scheinen meine zu verbrennen und ich spüre ihre aufkeimende Gier. Ihre Berührungen hinterlassen bleibende Schauer, die mich sowohl erregen als auch ängstigen. Sie führt meine Hand unter ihr Höschen und ich weiß, dass sie mich haben will, hier und jetzt. Langsam macht sie sich an meiner Hose zu schaffen und lässt ihre Hand auf meinem erregten Freund gleiten. Ich stöhne und genieße ihre Liebkosungen in vollen Zügen. Mir ist alles gleich, Anruf hin, Anruf her, ich weiß nur eins, ich will sie auf der Stelle vögeln, mich ihr unterwerfen, ihre kühlen Lippen nochmals auf den meinen spüren, um meine erregte Angst in sie strömen zu lassen. Sie schaut mich an, setzt sich auf die Telefonbücher und zeigt mir mit gespreizten Beinen, ihr Reich. Ich lasse meine Hose fallen, näher mich dem fantastischen Ausblick und überlasse meinem erregten Freund die Führung. Mit stoßenden Bewegungen reiten wir davon. Ich spüre ihre Krallen auf meiner Brust. Eine ihrer Krallen hat sich in meine Haut geritzt, ein Blutstropfen läuft über meine Brustwarze und sie umschließt ihn mit ihren kühlen Lippen, um ihn zu trinken. Es ist bald soweit und wir reiten dem Sonnenaufgang entgegen. Ich schaue sie dabei an, sie lächelt wieder, doch dieses mal zeigt sie ihr vollkommen makelloses Gebiss. Ihre Eckzähne sind riesig und bevor ich etwas sagen kann, schlägt sie sie schon in meine wild pulsierende Halsschlagader. Es schmerzt und sie trinkt sich satt, an meinem Blut. Ich sehe wie ein letzter Blutstropfen an ihren Lippen klebt, den sie genüsslich mit der Zunge aufnimmt.
Mit schwachen Beinen öffne ich die Tür und versuche mich unbeholfen anzuziehen. Ich schaue mich um und die Telefonzelle ist leer.
 

oguh

Mitglied
Hallo !

Sehr schoen geschrieben - das ueberraschende
Ende ist sehr schoen.
Die Telefonzelle als Falle - eine nette Idee.

Tschuess, Oguh
 
B

BeautifulExperience

Gast
Irre gut!

Hallo Martina!

Ich liiiiebe das Vampirthema(!!), und deine Umsetzung dieses Mythos ist einwandfrei gelungen!
Sehr erotisch und gruselig zugleich. Gib mir mehr davon ;-)!
 
Hallo oguh und BeautifulExperience

Vielen Dank für das Kompliment. Ich mag auch gern Vampire und ihre Geschichten, zur Zeit gibt es nur diese, doch mir fällt sicher noch ein Nachfolger ein.

Liebe Grüße Martina
 

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