Dreams

2,00 Stern(e) 1 Stimme

shwinchester

Mitglied
Vorwort

Ich denke, dass ich nicht nur für mich spreche, wenn ich sage: Viele Menschen haben Träume. Sie träumen, wie sie die Liebe ihres Lebens treffen, wie sie Millionen im Lotto gewinnen oder einfach nur, wie es wäre, wenn sie im Leben mehr Glück hätten. Dann gibt es aber auch diejenigen, zu denen ich mich zähle, die davon träumen Abenteuer zu erleben, gegen Monster und Dämonen zu kämpfen oder Mädchen aus allen möglichen lagen zu retten. Dabei frage ich mich immer wieder, wie unsere Welt wohl aussehen würde, wenn Drachen, Dämonen, Hexen, Zauberer, Elfen, Riesen usw. existieren würden. Gäbe es dann auch Helden, die Unschuldige beschützen, Jungfrauen vor riesigen Drachen retten und die Welt vor dem Bösen bewahren? Es gäbe sie, bestimmt. Ich gebe zu, in den meisten meiner Träume bin ich selbst so ein Held, der mutige Taten vollbringt. Aber in Wirklichkeit bin ich auch nur ein Mensch, wie alle anderen. Ich habe eine Familie, Kinder und einige Freunde, stehe morgens auf und gehe zur Arbeit oder treibe ab und zu etwas Sport. Dennoch habe ich noch etwas, das viele Menschen nicht mehr oder nur sehr wenig besitzen: Fantasie! In meinen Träumen kann ich meinem Alltag entfliehen und ein sogenannter Held sein. Jeder Mensch kann das, wenn er will. Die Hoffnung, irgendwann etwas Außergewöhnliches zu leisten, das niemals vergessen wird, sollte nie sterben. Dieses Buch soll für mich der Anfang sein. Ich will euch einen meiner Träume erzählen. Einen Traum, in dem ich ein Held werden kann und mir die Chance gegeben ist Außergewöhnliches zu leisten.


Kapitel 1: Eine fast verlorene Liebe

Es war ein heißer Nachmittag im Spätsommer. Nick Smith stand an einer Ampel, die Hand schützend über die Augen haltend. Als die Ampel auf Grün schaltete nahm er die Hand herunter und lief los. Einen kurzen Augenblick reflektierten seine blauen Augen die Sonne, dann senkte er den Kopf.
Er war ein 20-jähriger junge, etwa eins achtzig und sportlich.
Er hatte gerade Feierabend und machte sich auf den Nachhauseweg. Er freute sich die lange Jeans durch eine etwas bequemere Shorts zu ersetzen. An seinem Arbeitsplatz, der Entwicklungsabteilung eines renommierten Automobilzulieferers, war es ein ungeschriebenes Gesetz, das männliche Angestellte keine kurzen Hosen tragen sollten.
Es war kurz nach halb vier, als er sein Auto erreicht hatte und nach Hause fuhr.
Er war vor einem Jahr von der Schule zu der Firma gewechselt, somit reichte das Geld noch nicht für eigene Wohnung. Er wohnte bei seinen Eltern, träumte aber davon bald auszuziehen. Er hoffte, dass er in seinen eigenen vier Wänden etwas mehr Ruhe und Zeit für sich hätte, als in seinem Elternhaus, bei dem es auch für ihn immer etwas im Haushalt zu tun gab.
Nick hatte wegen der Hitze das Fenster auf der Fahrer Seite komplett geöffnet. Er mochte keine Klimaanlagen, da er fürchtete sie könnte Krankheiten verursachen. Er fuhr gerade auf die Autobahnauffahrt, als aus den Lautsprechern „Hells Bells“ von AC/DC tönte. „Perfekt!“, dachte er sich, setzte seine Sonnenbrille auf und drehte die Lautstärke höher.

Zuhause wärmte er sich die Reste vom Mittagessen auf und zog sich damit in sein Zimmer zurück, um fern zu sehen. Das war sein normaler Tagesablauf an Werkta-gen, weshalb er schon montags voller Vorfreude auf das Wochenende war. Dann kam er aus seinem Arbeits- und Alltagstrott etwas heraus. Mit Freunden weggehen oder au einem Fest bis in die Morgenstunden feiern, waren dabei die üblichen Akti-vitäten.
Immer wieder nahm er sich vor es nicht zu übertreiben mit dem Trinken und Rauchen, aber wenn seine Freunde es taten, wollte er ihnen in nichts nachstehen.

Nick war ein Mensch, der für alles gerne einen Plan hatte. Also ging er in Gedanke stichpunktartig den weiteren Ablauf durch:
„Essen, Nickerchen machen, dann duschen und fertigmachen. Gegen acht mit den Jungs treffen. Vielleicht das ein oder andere Mädchen ansprechen. Und vor allem: Es nicht so ausarten lassen wie letzte Woche.“
Ein guter Plan, wie er befand.

Nicks Erfahrungen mit Frauen waren überschaubar. Nicht, dass er unattraktiv gewesen wäre.
Er hatte leuchtend blaue Augen und schwarze Haare, meist etwas zerzaust. Dazu war er witzig, gebildet und hilfsbereit; einfach jemand mit dem man Pferde stehlen konnte, wie ihm auch seine Freunde attestierten. Allerdings ging er lieber unauffällig durchs Leben. Auch kleidungstechnisch verzichtete er darauf groß aufzufallen. Am liebsten trug er normale Jeans, Kapuzenpullis und an den Füßen Turnschuhe. Einfach bequem. Auf modische Accessoires wie Piercings, Ohrringe oder Tattoos legte er keinen Wert. Einzig und allein sein Glücksbringer in Form einer Halskette musste immer dabei sein.
Schlechte Eigenschaften hatte er natürlich auch, hauptsächlich das Rauchen und übermäßiges Feiern. Dazu gesellten sich Jähzorn, Ironie und Schüchternheit, was sich beim Kennenlernen von Frauen als großes Problem erwies.
Seine Frauen Bekanntschaften ließen sich an einer Hand abzählen. Er hatte hohe Ansprüche an die Frau seiner Träume und meistens fand er einen Grund die Bekanntschaft zu beenden oder erst gar nicht einzugehen.

Die Sonne verschwand langsam hinter dem Horizont und tauchte den Himmel in ein sanftes orange. Nick war bereit für den bevorstehenden Abend: Genügend Geld war im Portemonnaie, Zigaretten und Feuerzeug waren in den Taschen und was für ihn das Wichtigste war, sein Glücksbringer in Form eines schwarzen Lederban-des und eines kleinen Schwertes, um das ein Drache gewunden war, hing um seinen Hals.
Nick wartete auf der Straße vor seinem Elternhaus auf seine Freunde, dabei bemerkte er nicht, dass seine Großmutter, die auch mit im Haus wohnte, von einem der oberen Fenster auf ihn herabsah.
Sie hatte im ersten Stock des Hauses ihre eigene kleine Wohnung: Wohnzimmer, Küche, ein kleines Badezimmer und ein geräumiges Schlafzimmer. Darin wohnte sie ganz alleine, seit ihr Mann vor einigen Jahren gestorben war.
Die alte Dame rief zu Nick herunter:
"Wo geht es denn heute Abend hin?"
Nick hatte drehte sich um und sah zu ihr hoch. Er sah ihr faltiges aber gütiges Gesicht, das von weißen locken bedeckt war. Eine dicke Hornbrille thronte auf ihrer knolligen Nase.
"Ich treffe mich mit meinen Freunden. Wir wollen nach Townville, zum Dorffest. Wird wohl spät werden.", antwortete er mit fester Stimme.
"Aber übertreib es nicht mit dem Alkohol wie letzte Woche! Und rauch bitte nicht so viel!", mahnte sie.
Er nickte nur, wohl wissend, dass sie es nur gut meinte und ihm nicht den Spaß verderben wollte.
Der Kopf der alten Frau verschwand und das Fenster schloss sich. Während Nick sich umdrehte, holte er wie aus Protest seine Zigarettenschachtel aus der Hosentasche und steckte sich eine Zigarette an. Auch wenn sie es nur gut meinte, er mochte es nicht mit 20 Jahren noch bemuttert zu werden.

In der Zeit, in der er auf seine Freunde wartete und seine Zigarette genoss, dachte er über seine Arbeit nach. Würde es ihm ergehen wie den meisten anderen Menschen auch? Das ganze Leben lang arbeiteten, nur um irgendwann unbekannt und vielleicht sogar allein zu sterben. Wer erinnert sich an solche Menschen? Die Verwandten, klar, aber auch die würden einen irgendwann vergessen?
Nick dachte kurz an seinen Opa.
So wollte er nicht enden. Er wollte Fußspuren hinterlassen, die nicht wie ein Rauschen im Wind in Vergessenheit geraten würden. Aber er wusste noch nicht, was ER der Welt hinterlassen könnte, dass ihn unvergesslich machen würde.

Stimmen drangen die Straße herauf und rissen ihn aus dem Gedanken. Nick konnte sie seinen beiden Freunden, Andy und Michael, zuordnen. Andy hielt ebenfalls eine Zigarette in der Hand. Neben ihm lief Michael, den sie nur Mike nannten. Er hatte das Rauchen schon vor längerer Zeit aufgegeben. Das ungleiche Duo kam Nick entgegen und sie begrüßten sich mit einem Handschlag. Danach machten sie sich sofort auf den Weg zum Fest, ohne sich länger vor Nicks zuhause aufzuhalten.
"Wo hast du deine Freundin gelassen?"
Nicks Frage war an Andy gerichtet, den einzigen der drei, der eine Beziehung hatte.
"Sie war müde und hatte keine Lust mitzukommen. Umso besser für mich, hehehe!", antwortete er und beendete den Satz mit einem für ihn typischen, lauten, hämischen Lachen.
Andy war fast zwei Meter groß, schlank, hatte einen Kinnbart und kurze schwarze Haare, die er wie die Stacheln eines Igels hochgestellt hatte. Trotz seiner 21 Jahre verhielt er sich aber manchmal wie ein Vierzehnjähriger. Er war kindisch, wollte immer im Mittelpunkt stehen und machte Witze, über die niemand lachen konnte.
Mike war das genaue Gegenteil von Andy: klein, sehr kurze, blonde Haare, Brille. Er war noch zurückhaltender was Frauen anbelangte als Nick, trotz, dass er mit 25 Jahre der älteste der Freunde war.

Der Weg zum Dorffest war nicht sonderlich weit. Sie mussten an der Kirche ihres Dorfs vorbei. Von dort aus führte ein Feldweg, der von Mais- und Kornfeldern umringt war. Zu dieser Zeit des Jahres standen die Pflanzen im vollen Korn. Der Weg führte Sie über eine schmale Brücke, die einen kleinen Bach kreuzte. Dann kamen sie an Schafsgehegen vorbei. Die Tiere lagen faul auf dem Feld und genossen wohl, dass die Sonne unterging und es etwas kühler wurde. Der Fußmarsch dauerte nur etwa 20 Minuten. Während dessen tauschten sie die neuesten Nachrichten aus, lachten oder sangen sogar.

Es herrschte schon reger Betrieb auf dem Fest. Viele bekannte Gesichter, aus Fußballverein, Schule oder die man einfach so kannte, ragten aus der Menge und wollten begrüßt werden.
Es war inzwischen halb neun und Andy fand, dass es Zeit für die erste Runde war. Sie liefen durch die Straßen und suchten sich einen Platz in einem gemütlichen Hof mit Musik.
Überall an den Straßenseiten waren Essensstände, Läden mit Süßigkeiten oder Geschäfte mit allerlei Schmuck, Spielzeug oder Kleidern. Hier roch es nach Bratwürsten, da nach gebrannten Mandeln. Ein ganzes Sammelsurium an Eindrücken prasselte auf die Besucher ein
Die Freunde beschlossen, dass Nick die erste Runde Getränke besorgen sollte. Er steckte sich eine weitere Zigarette und machte sich auf zum Getränkestand.
Eine lange Schlange hatte sich gebildet und es dauerte einige Zeit, bis er an die Reihe kam. Gerade als er die drei Bier zu ihrem Tisch bringen wollte und sich einen Weg durch die Schlange bahnen wollte, sah er im Augenwinkel in einiger Entfer-nung ein blondes Mädchen, dass in seine Richtung winkte. Das Gesicht konnte er allerdings nicht genau erkennen. Er drehte sich um und schaute nach, ob sie je-mand anderes meinen könnte, aber niemand reagierte. Als er sich wieder umdrehen wollte um genauer nachzusehen, wer ihn dort grüßte, schwappte eines der Biergläser über und kleckerte auf seinen Pullover. Er schaute an sich herunter, regte sich über seine Ungeschicklichkeit auf und schaute wieder in die Richtung, wo er zuvor das Mädchen gesehen hatte. Aber sie war in der Menge verschwunden. Nick vergaß sie schnell wieder und ging zurück zu seinen Freunden.
Jeder der drei Freunde holte nach und nach eine Runde. Sie lachten und sangen mit den Musikern auf der Bühne mit. Dann und wann gesellte sich ein Bekannter zu ihnen und sie redeten, sofern es die Lautstärke in dem Hof zuließ. Zuletzt tanzten und schunkelten sie auf den Bänken. Der Alkohol hob die Stimmung von Minute zu Minute und die Freunde feierten ausgelassen. Nach der letzten Runde Bier beschlossen sie den Hof zu verlassen und woanders weiter zu feiern. Andy meinte, dass er einen tollen anderen Hof kannte, in dem Musik gespielt wurde und immer viel los war. Es war inzwischen halb elf, als die Jungs weiterzogen.
Der Andrang war noch größer geworden und sie hatten alle Mühe, zusammen zu bleiben.
Nick merkte die Auswirkungen des Alkohols schon leicht. In seinem Kopf wurde alles leichter. Er hatte die Arbeitswoche vergessen und seine schweren Gedanken, die er am früheren Abend hatte, waren wie weggewischt. Plötzlich wurde er am Arm festgehalten und jemand sprach ihn an:
„Hey, du hast mich vorhin wohl nicht erkannt oder?“
Das Gesicht des Mädchens, das vorhin winkend in einiger Entfernung gestanden hatte, lächelte ihn an. Blaue Augen strahlten ihn an wie die Scheinwerfer eines alten Käfers und ein kleines Muttermal zierte die rechte Wange. Ihr schlankes, hübsches Gesicht wurde von schulterlangen, blonden Haaren umrandet. Sie war etwas kleiner als Nick und durch ihre Bluse und ihre engen Jeans konnte man ihre sehr schlanke Figur erkennen.
„Eve Miller. Klar erkenne ich dich. Du warst vorhin nur zu weit weg und dann auch so schnell wieder verschwunden.“, log Nick leicht verlegen.

Eve Miller war eine ehemalige Mitschülerin Nicks auf dem Gymnasium. Sie besuch-ten einige Kurse zusammen und sie war sehr klug. Sie machte ihren Abschluss als eine der Jahrgangsbesten.
Nick war nach seinem Realschulabschluss auf das Gymnasium gewechselt, da er noch nichts mit seinem Leben anzufangen wusste. Er dachte drei weitere Jahre Schule würden ihm in dieser Hinsicht die Augen öffnen. In gewisser Weise stimmte das auch. Allerdings anders, als er sich das vorgestellt hatte. Er hatte erkannt, dass das Abitur doch nichts für ihn war und verließ die Schule nach zwei Jahren ohne Abschluss. Er wollte nicht studieren und für einen sehr guten Abschluss hätte er mehr Zeit investieren müssen, als er bereit war.
Zu ihrer gemeinsamen Schulzeit war Nick etwas verliebt in Eve, hatte sich aber nie getraut, sie nach einer Verabredung zu fragen, da er dachte sie wäre zu gut für ihn und könnte sich sowieso nie für ihn interessieren. Er bewunderte sie, da sie die Schule mit einer Leichtigkeit bewältigte, die er auch gerne gehabt hätte. Aber auch Eve musste hart für ihre guten Noten arbeiten. Sie war die Tochter einer Ärztin und eines Uni Professors. Von daher lastete schon ein immenser familiärer Leistungsdruck auf ihr. Auch wenn ihre Eltern sich das niemals eingestehen würden, aber sie wünschten sich, dass ihre einzige Tochter einmal genauso erfolgreich sein würde wie sie selbst. Auch Eve würde ihren Eltern niemals attestieren, dass sie Druck auf sie ausüben würden, aber dennoch wollte sie Unterbewusst die Erwar-tungen an sie mehr als erfüllen.

„Wie lange ist das jetzt her? Was machst du zurzeit?“, wollte Eve wissen.
„Es ist schon eine Weile her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben. Über ein Jahr glaube ich. Ich habe inzwischen eine Ausbildung als Konstrukteur bei einem großen Automobilzulieferer angefangen und bin derzeit zweiten Lehrjahr. Was machst du?“, antwortete Nick.
„Wow, das klingt interessant, du musst mir unbedingt mehr darüber erzählen. Ich fand es schade, dass du die Schule verlassen hast. Ich bin auf der Uni und studiere Kunstgeschichte. Mein erstes Semester hat gerade angefangen…“, fing Eve an zu erzählen. Doch sie wurde unterbrochen.
„Kommst du, Nick?“, rief Andy, der ungeduldig gewartet hatte, bis Nick das Gespräch endlich beenden würde und sie weiterziehen konnten. Als das nicht der Fall war, entschloss er sich nachzuhelfen.
Nick war etwas verwirrt, dass Eve so an seinem neuen Job interessiert war und enttäuscht war, dass er die Schule verlassen hatte. Die meisten ihrer Gespräche in der Schule waren nur oberflächlicher Smalltalk. Er dachte aber sie wolle wahrschein-lich nur höflich sein.
„Gleich.“ sagte Nick zu Andy gewandt.
„Ich muss weiter. Vielleicht sehen wir uns später nochmal. Ist Susan auch hier? Ihr wart doch immer gut befreundet.“, diese Frage richtete er wieder an Eve.
Sie antwortete mit einem etwas Verstörten lächeln:
„Ich habe sie vorhin kurz gesehen aber wir haben nicht mehr so viel miteinander zu tun. Warum fragst du?“
Susan und Eve waren zu seiner Schulzeit beste Freundinnen und da er sich bei Eve nie Chancen ausgerechnet hatte, machte er das bei ihrer besten Freundin. Sie war bestimmt genauso klug wie Eve aber äußerlich komplett anders. Nick erinnerte sich: Schulterlange braune Haare, Brille, sportlich.
Er hatte gehofft, Eve und sie wären zusammen hier und er könnte sie treffen. Er ignorierte Eves Frage nach dem „warum“. Stattdessen fragte er:
„Weißt du, ob sie im Moment mit jemandem zusammen ist?“
Eves Gesicht verlor das Lächeln jetzt endgültig. Sie drehte sich um und ging kopf-schüttelnd durch die Menge. Nick war im ersten Moment perplex und hörte nur noch Eves abgehacktes Gemurmel:
„Ich hätte gar nicht erst herkommen sollen!“
„Komm schon, lass uns weitergehen.“ sagte Andy genervt und zog einen konster-nierten Nick am Arm weiter.

Eve wusste nicht genau, wohin sie wollte. Einfach nur weg von dem Idioten. Irgendwann kam sie zur Dorfkirche, um die sie herumging und sich unter einen der Bäume im Kirchgarten setzte. Tausend Gedanken schossen ihr durch den Kopf und vereinzelte Tränen rannen über ihre Wangen.
„Was habe ich mir dabei nur gedacht! Er hatte sich schon zu unserer Schulzeit nicht für mich interessiert, warum sollte sich das heute geändert haben?“, dachte sie.
Tatsächlich war sie in ihrer gemeinsamen Schulzeit auch in Nick verliebt gewesen. Sie konnte sich noch genau daran erinnern, wann es passiert war. Eines Tages regnete es wie in Strömen. Sie fuhr auf den Schulparkplatz, stieg aus und rechnete schon damit durchnässt im Schulgebäude anzukommen. Doch Nick kam mit gro-ßen Schritten zu ihr gelaufen und hielt ihr einen Schirm über den Kopf.
„Ist zwar nicht groß, aber für uns beide reicht er.“ scherzte und lachte er.
Auf dem Weg zur Schule unterhielten sie sich und lachten zusammen. Das war der Moment, in dem Eve sich in Nick verliebt hatte. Aber sie war immer zu sehr mit Ler-nern oder Bücher wälzen beschäftigt und dachte, dass diese Gefühle im Moment nur stören würden und sie keine Zeit dafür hätte. Später, als Nick weg war und ihre Gefühle für ihn nicht verschwanden, bereute sie ihm nie gesagt zu haben, was sie empfand. Sie hatte zwar gehofft ihn irgendwo wiederzusehen und das nachzuho-len, bis zum Tag des Dorffestes. Und tatsächlich, an einem Getränkestand in einiger Entfernung hatte sie ihn gesehen. Sie winkte ihm in der Hoffnung, dass er sie be-merken würde. Aber er hatte sie wohl nicht bemerkt und als sie sich bis zu seiner Position durchgekämpft hatte, war er schon wieder weg. Sie zog mit ihren Freun-dinnen weiter, bekam Nick aber nicht aus den Gedanken. Irgendwann liefen sie durch die Straßen und plötzlich stand Nick vor ihr. Sie hielt ihn am Arm fest und fragte ihn aufgeregt:
„Hey, du hast mich vorhin wohl nicht erkannt oder?“…
Als Nick nach Susan fragte und ob sie mit jemandem zusammen wäre, wusste sie, dass sie sich lächerlich machen würde, wenn sie ihm nun ihre Gefühle offenbarte. Er hatte kein Interesse an ihr. Das hatte sie nun begriffen. Trotzdem tat es höllisch weh.


Nach einiger Zeit beruhigte sie sich wieder und fasste den Entschluss zurück zu ihrem Auto zu gehen und von dort aus ihre Freundinnen zu kontaktieren. Sie hat-ten schon probiert sie anzurufen und Nachrichten geschrieben, weil sie so lange weg war, aber Eve ignorierte sie. Sie stand auf, wischte sich die feuchten Wangen und Augen trocken und ging zurück auf die Straße. Sie war eine ganze Weile an dem Baum gesessen und es waren nicht mehr so viele Menschen unterwegs wie zuvor. Ein Blick auf die Uhr zeigte ihr, dass es schon halb eins war. Viele der Höfe waren bereits geschlossen Doch nach einigen Minuten sah sie blaue Lichter und eine Menschenmenge. Sie ging darauf zu und versuchte auszumachen, was dort los war und was sie sah, ließ ihr den Atem stocken.

Nick war zuerst mit seinen Freunden mitgegangen und hatte noch was getrunken. Aber die Situation mit Eve hat ihn nicht losgelassen und seine Laune war nicht mehr so fröhlich wie vor dem Treffen. Warum hatte sie so reagiert? Hätte er nicht nach Susan fragen sollen? Nachdem er sich eine ganze Weile den Kopf darüber zerbrochen hatte, verabschiedete er sich von seinen Freunden und suchte auf dem fest nach Eve, um nochmal über das Geschehene zu reden, doch er konnte sie nicht finden.
„Sie ist bestimmt schon nach Hause gefahren“, dachte er.
Er wollte sich auch gerade auf den Nachhauseweg machen und schlich durch eine schlecht beleuchtete Nebenstraße des Dorfs, als er plötzlich von etwas aus den Gedanken gerissen wurde. Vor ihm standen ein paar ältere Leute aus deren Mitte er lautstarke Schreie hörte. Neugierig ging er darauf zu. Auf dem Boden kniete eine junge Frau, wohl kaum älter als er selbst, die ein erschreckendes Bild abgab. Sie weinte. Das Gesicht war blutverschmiert und ihre Hände waren aufgeschürft. Ein Mann mittleren Alters kniete neben ihr und versuchte sie zu beruhigen. Doch sie schrie immerzu:
„Er will mich umbringen! Er will mich umbringen!“
Nick konnte sich aus solchen Situationen noch nie raushalten und kniete sich zu dem Mann.
„Was ist hier passiert? Soll ich die Polizei oder einen Krankenwagen rufen“, fragte er.
„Polizei und Krankenwagen sind schon unterwegs. Sie wurde offenbar von ihrem betrunkenen Freund verprügelt, ist hingefallen und hat sich dabei die Verletzungen an Gesicht und Händen zugezogen,“ antwortete der Mann.
„Kennst du sie?“ fragte er weiter.
„Nein. So ein drecksack, hoffentlich wird er…“, doch er konnte den Satz nicht zu Ende sprechen.
Vor ihnen öffnete sich die Menge und mit wütendem und lallendem Gebrüll kam ein etwa zwei Meter großer, kräftiger Mann mit Glatze auf die drei am Boden knienden Menschen zu.
Die Frau fing sofort hysterisch an zu schreien und machte sich immer kleiner.
„Die Schlampe gehört zu mir! Macht, dass ihr hier wegkommt sonst passiert was“, brüllte er.
„Bleib hier du Hure, sonst bring ich dich um! Ich werde dir zeigen was passiert, wenn man mich betrügt!“
Der Mann, der neben ihr gekniet war, sprang auf und baute sich vor dem wütenden Kerl auf. Nick kniete noch, hatte sich aber zum Geschehen umgedreht. Der ältere Mann schrie:
„Lass das Mädchen in Ruhe. Die Polizei ist schon unterwegs. Am besten du gehst jetzt!“
„Sonst was?“ damit schlug der Glatzkopf dem Mann ansatzlos mitten ins Gesicht, so dass dieser wie ein nasser sack zusammenfiel. Er hielt sich die Nase und steckte noch einen weiteren tritt in die Magengegend ein, der ihn komplett außer Gefecht setzte. Die anderen Leute, die bei dem Geschehen standen, waren von der Gewalt eingeschüchtert und machten keine Anstalten den Kerl aufzuhalten. Im Gegenteil, die meisten wichen zurück, um selbst nicht Ziel der Gewalt zu werden.
Nick stand auf und stellte sich beschützend vor die Frau. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Er musste den betrunkenen Kerl solange aufhalten, bis die Polizei kam. Er war unberechenbar und Nick wollte sich nicht ausmalen, was er mit der Frau machen würde. All seinen Mut zusammennehmend sprach er den Glatzkopf an:
„Es reicht jetzt. Wenn du jetzt nicht abhaust wird dich die Polizei verhaften.“
Nicht das Klügste oder Schlagfertigste was ihm in dem Moment einfiel.
Der Glatzkopf stand etwa einen Meter entfernt von Nick und fing an zu lachen:
„Ich scheiß auf die Bullen. Hast du nicht gesehen was mit Leuten passiert, die sich zwischen mich und diese Schlampe stellen? Mach Platz du kleiner passen, sonst reiß ich dich in Stücke!“
„Komm schon, ich spendiere dir ein Bier und du beruhigst dich jetzt mal!“, versuchte Nick die Situation zu entschärfen und den Angreifer zu besänftigen.
Ohne weitere Worte zu verlieren, sprang er auf Nick los.


Nick war überrascht, doch er konnte dem ersten Schlag um Haaresbreite ausweichen. Die Bewegungen des angreifenden waren zwar nicht so schnell und ziel-strebig, was wohl am Alkohol lag, dennoch lag viel Wucht und Brutalität darin. Ad-renalin schoss durch Nicks Körper. Dem zweiten Angriff des Glatzkopfs konnte er nicht komplett ausweichen. Die linke Faust des Mannes erwischte Nick an der Wange, zwar nicht mit voller Wucht, da er noch etwas zurückweichen konnte, aber dennoch kraftvoll genug, um ihn taumeln zu lassen. Er fühlte etwas Warmes, mit metallischem Geschmack in seinem Mund. Er hatte sich weggedreht und stand auf der Seite, von der der Angreifer gekommen war. Er tastete in seinen Mund und sah, dass Blut an seinem Finger klebte. Um ihn herum herrschte Stille, von der er nicht wusste, ob sie sich nur in seinem Kopf abspielte. Leicht benommen starrte er auf seinen blutverschmierten Finger. Der Glatzkopf drehte sich zu ihm um und machte sich für den nächsten Angriff bereit. Nick sah von seinem Finger auf und im Hinter-grund sah er etwas, das ihn wieder klarer denken ließ: das Mädchen saß mit weit aufgerissenen Augen vor ihm und schrie etwas für ihn Unverständliches. Er wuss-te, dass sie die nächste sein würde, könnte er den Angreifer nicht lange genug auf-halten. Nick sah auf und blickte zu seinem Gegner, der wie ein wilder Stier auf ihn zu gerannt kam. Während er noch mit seiner Rechten ausholte, machte Nick einen schnellen schritt auf ihn zu, drehte sich dabei und rammte ihm den Ellenbogen in die Seite. Der Glatzkopf stoppte abrupt seinen Angriff, sank keuchend auf die Knie und schnappte nach Luft. Mit diesem Gegenangriff hatte er nicht gerechnet. Nick selbst war von sich überrascht, wo er die Kraft hergenommen hatte, doch letztend-lich schob er es auf den Adrenalinstoß. Nick stand wieder auf der Seite der verletz-ten Frau. Von weitem hörte er Sirenen, wodurch er eine Sekunde abgelenkt war.
Ein dumpfer Schlag ertönte. Nick spürte einen brennenden schmerz auf seinem Hinterkopf. Warmes Blut rann durch sein Haar, über die Ohren und Wange. Nick drehte sich um und der schmerz auf seinem Kopf wurde überlagert von einem ste-chenden Schmerz in seiner Seite, der ihn auf die Knie sinken ließ.
Der Glatzkopf hatte sich von dem Ellenbogenschlag erholt und war, während Nick kurzzeitig von den Sirenen abgelenkt war, rasend schnell aufgesprungen, riss ei-nem Mann eine leere Bierflasche aus der Hand und schlug sie dem Jungen auf den Kopf. Der Boden der Flasche zersprang bei dem Schlag und nachdem sich Nick umgedreht hatte, stach er ihm die Reste der Flasche in den Bauch.
Doch zur Verwunderung aller, auch des Glatzkopfes, stand Nick wieder auf. Kurz-zeitig vergaß er den Schmerz und seine Übelkeit. Er ging auf den verdutzten Glatz-kopf zu, packte ihn an den Schultern und rammte ihm in einer schnellen Bewegung sein Knie in den Magen. Er stöhnte auf und musste sich wieder hinknien. Nick ließ keine weitere Sekunde verstreichen und schlug ihm mit voller Wucht ins Gesicht. Dabei glaubte er spüren zu können, wie der Schädel des Glatzkopfes unter der Wucht seines Schlages brachen. Er fiel bewusstlos zu Boden und Blut lief ihm aus Mund und Nase. Nick spuckte das Blut, dass sich in seinem Mund gesammelt hatte, auf den Gegner am Boden. Dann wurde er sich seines eigenen Schmerzes wieder bewusst und fiel seinerseits zu Boden. Er konnte noch blaue Lichter erkennen und dass immer mehr Leute sich um ihn versammelten. Dann wurde er ohnmächtig.

Eine Gestalt mit langem schwarzem Mantel und Kapuze löste sich aus der Menschenmenge und verschwand im Schatten einer Seitenstraße.
 

flammarion

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo shwinchester, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Schön, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem Maße an neue Mitglieder richtet. http://www.leselupe.de/lw/titel-Leitfaden-fuer-neue-Mitglieder-119339.htm

Ganz besonders wollen wir Dir auch die Seite mit den häufig gestellten Fragen ans Herz legen. http://www.leselupe.de/lw/service.php?action=faq


Viele Grüße von flammarion

Redakteur in diesem Forum
 

shwinchester

Mitglied
Vorwort

Ich denke, dass ich nicht nur für mich spreche, wenn ich sage: Viele Menschen haben Träume. Sie träumen, wie sie die Liebe ihres Lebens treffen, wie sie Millionen im Lotto gewinnen oder einfach nur, wie es wäre, wenn sie im Leben mehr Glück hätten. Dann gibt es aber auch diejenigen, zu denen ich mich zähle, die davon träumen Abenteuer zu erleben, gegen Monster und Dämonen zu kämpfen oder Mädchen aus allen möglichen lagen zu retten. Dabei frage ich mich immer wieder, wie unsere Welt wohl aussehen würde, wenn Drachen, Dämonen, Hexen, Zauberer, Elfen, Riesen usw. existieren würden. Gäbe es dann auch Helden, die Unschuldige beschützen, Jungfrauen vor riesigen Drachen retten und die Welt vor dem Bösen bewahren? Es gäbe sie, bestimmt. Ich gebe zu, in den meisten meiner Träume bin ich selbst so ein Held, der mutige Taten vollbringt. Aber in Wirklichkeit bin ich auch nur ein Mensch, wie alle anderen. Ich habe eine Familie, Kinder und einige Freunde, stehe morgens auf und gehe zur Arbeit oder treibe ab und zu etwas Sport. Dennoch habe ich noch etwas, das viele Menschen nicht mehr oder nur sehr wenig besitzen: Fantasie! In meinen Träumen kann ich meinem Alltag entfliehen und ein sogenannter Held sein. Jeder Mensch kann das, wenn er will. Die Hoffnung, irgendwann etwas Außergewöhnliches zu leisten, das niemals vergessen wird, sollte nie sterben. Dieses Buch soll für mich der Anfang sein. Ich will euch einen meiner Träume erzählen. Einen Traum, in dem ich ein Held werden kann und mir die Chance gegeben ist Außergewöhnliches zu leisten.


Kapitel 1: Eine fast verlorene Liebe

Es war ein heißer Nachmittag im Spätsommer. Nick Smith stand an einer Ampel, die Hand schützend über die Augen haltend. Als die Ampel auf Grün schaltete nahm er die Hand herunter und lief los. Einen kurzen Augenblick reflektierten seine blauen Augen die Sonne, dann senkte er den Kopf.
Er war ein 20-jähriger junge, etwa eins achtzig und sportlich.
Er hatte gerade Feierabend und machte sich auf den Nachhauseweg. Er freute sich die lange Jeans durch eine etwas bequemere Shorts zu ersetzen. An seinem Arbeitsplatz, der Entwicklungsabteilung eines renommierten Automobilzulieferers, war es ein ungeschriebenes Gesetz, das männliche Angestellte keine kurzen Hosen tragen sollten.
Es war kurz nach halb vier, als er sein Auto erreicht hatte und nach Hause fuhr.
Er war vor einem Jahr von der Schule zu der Firma gewechselt, somit reichte das Geld noch nicht für eigene Wohnung. Er wohnte bei seinen Eltern, träumte aber davon bald auszuziehen. Er hoffte, dass er in seinen eigenen vier Wänden etwas mehr Ruhe und Zeit für sich hätte, als in seinem Elternhaus, bei dem es auch für ihn immer etwas im Haushalt zu tun gab.
Nick hatte wegen der Hitze das Fenster auf der Fahrer Seite komplett geöffnet. Er mochte keine Klimaanlagen, da er fürchtete sie könnte Krankheiten verursachen. Er fuhr gerade auf die Autobahnauffahrt, als aus den Lautsprechern „Hells Bells“ von AC/DC tönte. „Perfekt!“, dachte er sich, setzte seine Sonnenbrille auf und drehte die Lautstärke höher.

Zuhause wärmte er sich die Reste vom Mittagessen auf und zog sich damit in sein Zimmer zurück, um fern zu sehen. Das war sein normaler Tagesablauf an Werkta-gen, weshalb er schon montags voller Vorfreude auf das Wochenende war. Dann kam er aus seinem Arbeits- und Alltagstrott etwas heraus. Mit Freunden weggehen oder au einem Fest bis in die Morgenstunden feiern, waren dabei die üblichen Akti-vitäten.
Immer wieder nahm er sich vor es nicht zu übertreiben mit dem Trinken und Rauchen, aber wenn seine Freunde es taten, wollte er ihnen in nichts nachstehen.

Nick war ein Mensch, der für alles gerne einen Plan hatte. Also ging er in Gedanke stichpunktartig den weiteren Ablauf durch:
„Essen, Nickerchen machen, dann duschen und fertigmachen. Gegen acht mit den Jungs treffen. Vielleicht das ein oder andere Mädchen ansprechen. Und vor allem: Es nicht so ausarten lassen wie letzte Woche.“
Ein guter Plan, wie er befand.

Nicks Erfahrungen mit Frauen waren überschaubar. Nicht, dass er unattraktiv gewesen wäre.
Er hatte leuchtend blaue Augen und schwarze Haare, meist etwas zerzaust. Dazu war er witzig, gebildet und hilfsbereit; einfach jemand mit dem man Pferde stehlen konnte, wie ihm auch seine Freunde attestierten. Allerdings ging er lieber unauffällig durchs Leben. Auch kleidungstechnisch verzichtete er darauf groß aufzufallen. Am liebsten trug er normale Jeans, Kapuzenpullis und an den Füßen Turnschuhe. Einfach bequem. Auf modische Accessoires wie Piercings, Ohrringe oder Tattoos legte er keinen Wert. Einzig und allein sein Glücksbringer in Form einer Halskette musste immer dabei sein.
Schlechte Eigenschaften hatte er natürlich auch, hauptsächlich das Rauchen und übermäßiges Feiern. Dazu gesellten sich Jähzorn, Ironie und Schüchternheit, was sich beim Kennenlernen von Frauen als großes Problem erwies.
Seine Frauen Bekanntschaften ließen sich an einer Hand abzählen. Er hatte hohe Ansprüche an die Frau seiner Träume und meistens fand er einen Grund die Bekanntschaft zu beenden oder erst gar nicht einzugehen.

Die Sonne verschwand langsam hinter dem Horizont und tauchte den Himmel in ein sanftes orange. Nick war bereit für den bevorstehenden Abend: Genügend Geld war im Portemonnaie, Zigaretten und Feuerzeug waren in den Taschen und was für ihn das Wichtigste war, sein Glücksbringer in Form eines schwarzen Lederban-des und eines kleinen Schwertes, um das ein Drache gewunden war, hing um seinen Hals.
Nick wartete auf der Straße vor seinem Elternhaus auf seine Freunde, dabei bemerkte er nicht, dass seine Großmutter, die auch mit im Haus wohnte, von einem der oberen Fenster auf ihn herabsah.
Sie hatte im ersten Stock des Hauses ihre eigene kleine Wohnung: Wohnzimmer, Küche, ein kleines Badezimmer und ein geräumiges Schlafzimmer. Darin wohnte sie ganz alleine, seit ihr Mann vor einigen Jahren gestorben war.
Die alte Dame rief zu Nick herunter:
"Wo geht es denn heute Abend hin?"
Nick hatte drehte sich um und sah zu ihr hoch. Er sah ihr faltiges aber gütiges Gesicht, das von weißen locken bedeckt war. Eine dicke Hornbrille thronte auf ihrer knolligen Nase.
"Ich treffe mich mit meinen Freunden. Wir wollen nach Townville, zum Dorffest. Wird wohl spät werden.", antwortete er mit fester Stimme.
"Aber übertreib es nicht mit dem Alkohol wie letzte Woche! Und rauch bitte nicht so viel!", mahnte sie.
Er nickte nur, wohl wissend, dass sie es nur gut meinte und ihm nicht den Spaß verderben wollte.
Der Kopf der alten Frau verschwand und das Fenster schloss sich. Während Nick sich umdrehte, holte er wie aus Protest seine Zigarettenschachtel aus der Hosentasche und steckte sich eine Zigarette an. Auch wenn sie es nur gut meinte, er mochte es nicht mit 20 Jahren noch bemuttert zu werden.

In der Zeit, in der er auf seine Freunde wartete und seine Zigarette genoss, dachte er über seine Arbeit nach. Würde es ihm ergehen wie den meisten anderen Menschen auch? Das ganze Leben lang arbeiteten, nur um irgendwann unbekannt und vielleicht sogar allein zu sterben. Wer erinnert sich an solche Menschen? Die Verwandten, klar, aber auch die würden einen irgendwann vergessen?
Nick dachte kurz an seinen Opa.
So wollte er nicht enden. Er wollte Fußspuren hinterlassen, die nicht wie ein Rauschen im Wind in Vergessenheit geraten würden. Aber er wusste noch nicht, was ER der Welt hinterlassen könnte, dass ihn unvergesslich machen würde.

Stimmen drangen die Straße herauf und rissen ihn aus dem Gedanken. Nick konnte sie seinen beiden Freunden, Andy und Michael, zuordnen. Andy hielt ebenfalls eine Zigarette in der Hand. Neben ihm lief Michael, den sie nur Mike nannten. Er hatte das Rauchen schon vor längerer Zeit aufgegeben. Das ungleiche Duo kam Nick entgegen und sie begrüßten sich mit einem Handschlag. Danach machten sie sich sofort auf den Weg zum Fest, ohne sich länger vor Nicks zuhause aufzuhalten.
"Wo hast du deine Freundin gelassen?"
Nicks Frage war an Andy gerichtet, den einzigen der drei, der eine Beziehung hatte.
"Sie war müde und hatte keine Lust mitzukommen. Umso besser für mich, hehehe!", antwortete er und beendete den Satz mit einem für ihn typischen, lauten, hämischen Lachen.
Andy war fast zwei Meter groß, schlank, hatte einen Kinnbart und kurze schwarze Haare, die er wie die Stacheln eines Igels hochgestellt hatte. Trotz seiner 21 Jahre verhielt er sich aber manchmal wie ein Vierzehnjähriger. Er war kindisch, wollte immer im Mittelpunkt stehen und machte Witze, über die niemand lachen konnte.
Mike war das genaue Gegenteil von Andy: klein, sehr kurze, blonde Haare, Brille. Er war noch zurückhaltender was Frauen anbelangte als Nick, trotz, dass er mit 25 Jahre der älteste der Freunde war.

Der Weg zum Dorffest war nicht sonderlich weit. Sie mussten an der Kirche ihres Dorfs vorbei. Von dort aus führte ein Feldweg, der von Mais- und Kornfeldern umringt war. Zu dieser Zeit des Jahres standen die Pflanzen im vollen Korn. Der Weg führte Sie über eine schmale Brücke, die einen kleinen Bach kreuzte. Dann kamen sie an Schafsgehegen vorbei. Die Tiere lagen faul auf dem Feld und genossen wohl, dass die Sonne unterging und es etwas kühler wurde. Der Fußmarsch dauerte nur etwa 20 Minuten. Während dessen tauschten sie die neuesten Nachrichten aus, lachten oder sangen sogar.

Es herrschte schon reger Betrieb auf dem Fest. Viele bekannte Gesichter, aus Fußballverein, Schule oder die man einfach so kannte, ragten aus der Menge und wollten begrüßt werden.
Es war inzwischen halb neun und Andy fand, dass es Zeit für die erste Runde war. Sie liefen durch die Straßen und suchten sich einen Platz in einem gemütlichen Hof mit Musik.
Überall an den Straßenseiten waren Essensstände, Läden mit Süßigkeiten oder Geschäfte mit allerlei Schmuck, Spielzeug oder Kleidern. Hier roch es nach Bratwürsten, da nach gebrannten Mandeln. Ein ganzes Sammelsurium an Eindrücken prasselte auf die Besucher ein
Die Freunde beschlossen, dass Nick die erste Runde Getränke besorgen sollte. Er steckte sich eine weitere Zigarette und machte sich auf zum Getränkestand.
Eine lange Schlange hatte sich gebildet und es dauerte einige Zeit, bis er an die Reihe kam. Gerade als er die drei Bier zu ihrem Tisch bringen wollte und sich einen Weg durch die Schlange bahnen wollte, sah er im Augenwinkel in einiger Entfernung ein blondes Mädchen, dass in seine Richtung winkte. Das Gesicht konnte er allerdings nicht genau erkennen. Er drehte sich um und schaute nach, ob sie je-mand anderes meinen könnte, aber niemand reagierte. Als er sich wieder umdrehen wollte um genauer nachzusehen, wer ihn dort grüßte, schwappte eines der Biergläser über und kleckerte auf seinen Pullover. Er schaute an sich herunter, regte sich über seine Ungeschicklichkeit auf und schaute wieder in die Richtung, wo er zuvor das Mädchen gesehen hatte. Aber sie war in der Menge verschwunden. Nick vergaß sie schnell wieder und ging zurück zu seinen Freunden.
Jeder der drei Freunde holte nach und nach eine Runde. Sie lachten und sangen mit den Musikern auf der Bühne mit. Dann und wann gesellte sich ein Bekannter zu ihnen und sie redeten, sofern es die Lautstärke in dem Hof zuließ. Zuletzt tanzten und schunkelten sie auf den Bänken. Der Alkohol hob die Stimmung von Minute zu Minute und die Freunde feierten ausgelassen. Nach der letzten Runde Bier beschlossen sie den Hof zu verlassen und woanders weiter zu feiern. Andy meinte, dass er einen tollen anderen Hof kannte, in dem Musik gespielt wurde und immer viel los war. Es war inzwischen halb elf, als die Jungs weiterzogen.
Der Andrang war noch größer geworden und sie hatten alle Mühe, zusammen zu bleiben.
Nick merkte die Auswirkungen des Alkohols schon leicht. In seinem Kopf wurde alles leichter. Er hatte die Arbeitswoche vergessen und seine schweren Gedanken, die er am früheren Abend hatte, waren wie weggewischt. Plötzlich wurde er am Arm festgehalten und jemand sprach ihn an:
„Hey, du hast mich vorhin wohl nicht erkannt oder?“
Das Gesicht des Mädchens, das vorhin winkend in einiger Entfernung gestanden hatte, lächelte ihn an. Blaue Augen strahlten ihn an wie die Scheinwerfer eines alten Käfers und ein kleines Muttermal zierte die rechte Wange. Ihr schlankes, hübsches Gesicht wurde von schulterlangen, blonden Haaren umrandet. Sie war etwas kleiner als Nick und durch ihre Bluse und ihre engen Jeans konnte man ihre sehr schlanke Figur erkennen.
„Eve Miller. Klar erkenne ich dich. Du warst vorhin nur zu weit weg und dann auch so schnell wieder verschwunden.“, log Nick leicht verlegen.

Eve Miller war eine ehemalige Mitschülerin Nicks auf dem Gymnasium. Sie besuchten einige Kurse zusammen und sie war sehr klug. Sie machte ihren Abschluss als eine der Jahrgangsbesten.
Nick war nach seinem Realschulabschluss auf das Gymnasium gewechselt, da er noch nichts mit seinem Leben anzufangen wusste. Er dachte drei weitere Jahre Schule würden ihm in dieser Hinsicht die Augen öffnen. In gewisser Weise stimmte das auch. Allerdings anders, als er sich das vorgestellt hatte. Er hatte erkannt, dass das Abitur doch nichts für ihn war und verließ die Schule nach zwei Jahren ohne Abschluss. Er wollte nicht studieren und für einen sehr guten Abschluss hätte er mehr Zeit investieren müssen, als er bereit war.
Zu ihrer gemeinsamen Schulzeit war Nick etwas verliebt in Eve, hatte sich aber nie getraut, sie nach einer Verabredung zu fragen, da er dachte sie wäre zu gut für ihn und könnte sich sowieso nie für ihn interessieren. Er bewunderte sie, da sie die Schule mit einer Leichtigkeit bewältigte, die er auch gerne gehabt hätte. Aber auch Eve musste hart für ihre guten Noten arbeiten. Sie war die Tochter einer Ärztin und eines Uni Professors. Von daher lastete schon ein immenser familiärer Leistungsdruck auf ihr. Auch wenn ihre Eltern sich das niemals eingestehen würden, aber sie wünschten sich, dass ihre einzige Tochter einmal genauso erfolgreich sein würde wie sie selbst. Auch Eve würde ihren Eltern niemals attestieren, dass sie Druck auf sie ausüben würden, aber dennoch wollte sie Unterbewusst die Erwartungen an sie mehr als erfüllen.

„Wie lange ist das jetzt her? Was machst du zurzeit?“, wollte Eve wissen.
„Es ist schon eine Weile her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben. Über ein Jahr glaube ich. Ich habe inzwischen eine Ausbildung als Konstrukteur bei einem großen Automobilzulieferer angefangen und bin derzeit zweiten Lehrjahr. Was machst du?“, antwortete Nick.
„Wow, das klingt interessant, du musst mir unbedingt mehr darüber erzählen. Ich fand es schade, dass du die Schule verlassen hast. Ich bin auf der Uni und studiere Kunstgeschichte. Mein erstes Semester hat gerade angefangen…“, fing Eve an zu erzählen. Doch sie wurde unterbrochen.
„Kommst du, Nick?“, rief Andy, der ungeduldig gewartet hatte, bis Nick das Gespräch endlich beenden würde und sie weiterziehen konnten. Als das nicht der Fall war, entschloss er sich nachzuhelfen.
Nick war etwas verwirrt, dass Eve so an seinem neuen Job interessiert war und enttäuscht war, dass er die Schule verlassen hatte. Die meisten ihrer Gespräche in der Schule waren nur oberflächlicher Smalltalk. Er dachte aber sie wolle wahrscheinlich nur höflich sein.
„Gleich.“ sagte Nick zu Andy gewandt.
„Ich muss weiter. Vielleicht sehen wir uns später nochmal. Ist Susan auch hier? Ihr wart doch immer gut befreundet.“ Sie antwortete mit einem etwas Verstörten lächeln:
„Ich habe sie vorhin kurz gesehen aber wir haben nicht mehr so viel miteinander zu tun. Warum fragst du?“
Susan und Eve waren zu seiner Schulzeit beste Freundinnen und da er sich bei Eve nie Chancen ausgerechnet hatte, machte er das bei ihrer besten Freundin. Sie war genauso klug wie Eve aber äußerlich komplett anders. Nick erinnerte sich: Schulterlange braune Haare, Brille, sportlich.
Er hatte gehofft, Eve und sie wären zusammen hier und er könnte sie treffen. Er ignorierte Eves Frage nach dem „warum“. Stattdessen fragte er:
„Weißt du, ob sie im Moment mit jemandem zusammen ist?“
Eves Gesicht verlor das Lächeln jetzt endgültig. Sie drehte sich um und ging kopfschüttelnd durch die Menge. Nick war im ersten Moment perplex und hörte nur noch Eves abgehacktes Gemurmel:
„Ich hätte gar nicht erst herkommen sollen!“
„Komm schon, lass uns weitergehen.“ sagte Andy genervt und zog einen konsternierten Nick am Arm weiter.

Eve wusste nicht genau, wohin sie wollte. Einfach nur weg von dem Idioten. Irgendwann kam sie zur Dorfkirche, um die sie herumging und sich unter einen der Bäume im Kirchgarten setzte. Tausend Gedanken schossen ihr durch den Kopf und vereinzelte Tränen rannen über ihre Wangen.
„Was habe ich mir dabei nur gedacht! Er hatte sich schon zu unserer Schulzeit nicht für mich interessiert, warum sollte sich das heute geändert haben?“, dachte sie.
Tatsächlich war sie in ihrer gemeinsamen Schulzeit auch in Nick verliebt gewesen. Sie konnte sich noch genau daran erinnern, wann es passiert war. Eines Tages regnete es wie in Strömen. Sie fuhr auf den Schulparkplatz, stieg aus und rechnete schon damit durchnässt im Schulgebäude anzukommen. Doch Nick kam mit großen Schritten zu ihr gelaufen und hielt ihr einen Schirm über den Kopf.
„Ist zwar nicht groß, aber für uns beide reicht er.“ scherzte er.
Auf dem Weg zur Schule unterhielten sie sich und lachten zusammen. Das war der Moment, in dem Eve sich in Nick verliebt hatte. Aber sie war immer zu sehr mit Lernen oder Bücher wälzen beschäftigt und dachte, dass diese Gefühle im Moment nur stören würden. Später, als Nick weg war und ihre Gefühle für ihn nicht verschwanden, bereute sie ihm nie gesagt zu haben, was sie empfand. Sie hatte zwar gehofft ihn irgendwo wiederzusehen und das nachzuholen, bis zum Tag des Dorffestes. Und tatsächlich, an einem Getränkestand in einiger Entfernung hatte sie ihn gesehen. Sie winkte ihm in der Hoffnung, dass er sie bemerken würde. Aber er hatte sie wohl nicht bemerkt und als sie sich bis zu seiner Position durchgekämpft hatte, war er schon wieder weg. Sie zog mit ihren Freundinnen weiter, bekam Nick aber nicht aus dem Kopf. Irgendwann stand Nick plötzlich vor ihr. Sie hielt ihn am Arm fest und fragte ihn aufgeregt:
„Hey, du hast mich vorhin wohl nicht erkannt oder?“…
Als Nick nach Susan fragte und ob sie mit jemandem zusammen wäre, wusste sie, dass sie sich lächerlich machen würde, wenn sie ihm nun ihre Gefühle offenbarte. Er hatte kein Interesse an ihr. Das hatte sie nun begriffen. Trotzdem tat es höllisch weh.


Nach einiger Zeit beruhigte sie sich wieder und fasste den Entschluss zurück zu ihrem Auto zu gehen und von dort aus ihre Freundinnen zu kontaktieren. Sie hat-ten schon probiert sie anzurufen und Nachrichten geschrieben, weil sie so lange weg war, aber Eve ignorierte sie. Sie stand auf, wischte sich die feuchten Wangen und Augen trocken und ging zurück auf die Straße. Sie war eine ganze Weile an dem Baum gesessen und es waren nicht mehr so viele Menschen unterwegs wie zuvor. Ein Blick auf die Uhr zeigte ihr, dass es schon halb eins war. Viele der Höfe waren bereits geschlossen Doch nach einigen Minuten sah sie blaue Lichter und eine Menschenmenge. Sie ging darauf zu und versuchte auszumachen, was dort los war und was sie sah, ließ ihr den Atem stocken.

Nick war zuerst mit seinen Freunden mitgegangen und hatte noch was getrunken. Aber die Situation mit Eve hat ihn nicht losgelassen und seine Laune war nicht mehr so fröhlich wie vor dem Treffen. Warum hatte sie so reagiert? Hätte er nicht nach Susan fragen sollen? Nachdem er sich eine ganze Weile den Kopf darüber zerbrochen hatte, verabschiedete er sich von seinen Freunden und suchte auf dem fest nach Eve, um nochmal über das Geschehene zu reden, doch er konnte sie nicht finden.
„Sie ist bestimmt schon nach Hause gefahren“, dachte er.
Er wollte sich auch gerade auf den Nachhauseweg machen und schlich durch eine schlecht beleuchtete Nebenstraße des Dorfs, als er plötzlich von etwas aus den Gedanken gerissen wurde. Vor ihm standen ein paar ältere Leute aus deren Mitte er lautstarke Schreie hörte. Neugierig ging er darauf zu. Auf dem Boden kniete eine junge Frau, wohl kaum älter als er selbst, die ein erschreckendes Bild abgab. Sie weinte. Das Gesicht war blutverschmiert und ihre Hände waren aufgeschürft. Ein Mann mittleren Alters kniete neben ihr und versuchte sie zu beruhigen. Doch sie schrie immerzu:
„Er will mich umbringen! Er will mich umbringen!“
Nick konnte sich aus solchen Situationen noch nie raushalten und kniete sich zu dem Mann.
„Was ist hier passiert? Soll ich die Polizei oder einen Krankenwagen rufen“, fragte er.
„Polizei und Krankenwagen sind schon unterwegs. Sie wurde offenbar von ihrem betrunkenen Freund verprügelt, ist hingefallen und hat sich dabei die Verletzungen an Gesicht und Händen zugezogen,“ antwortete der Mann.
„Kennst du sie?“ fragte er weiter.
„Nein. So ein Drecksack, hoffentlich wird er…“, doch er konnte den Satz nicht zu Ende sprechen.
Vor ihnen öffnete sich die Menge und mit wütendem und lallendem Gebrüll kam ein etwa zwei Meter großer, kräftiger Mann mit Glatze auf die drei am Boden knienden Menschen zu.
Die Frau fing sofort hysterisch an zu schreien und machte sich immer kleiner.
„Die Schlampe gehört zu mir! Macht, dass ihr hier wegkommt sonst passiert was“, brüllte er.
„Bleib hier du Hure, sonst bring ich dich um! Ich werde dir zeigen was passiert, wenn man mich betrügt!“
Der Mann, der neben ihr gekniet war, sprang auf und baute sich vor dem wütenden Kerl auf. Nick kniete noch, hatte sich aber zum Geschehen umgedreht. Der ältere Mann schrie:
„Lass das Mädchen in Ruhe. Die Polizei ist schon unterwegs. Am besten du gehst jetzt!“
„Sonst was?“ damit schlug der Glatzkopf dem Mann ansatzlos mitten ins Gesicht, so dass dieser wie ein nasser sack zusammenfiel. Er hielt sich die Nase und steckte noch einen weiteren tritt in die Magengegend ein, der ihn komplett außer Gefecht setzte. Die anderen Leute, die bei dem Geschehen standen, waren von der Gewalt eingeschüchtert und machten keine Anstalten den Kerl aufzuhalten. Im Gegenteil, die meisten wichen zurück, um selbst nicht Ziel der Gewalt zu werden.
Nick stand auf und stellte sich beschützend vor die Frau. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Er musste den betrunkenen Kerl solange aufhalten, bis die Polizei kam. Er war unberechenbar und Nick wollte sich nicht ausmalen, was er mit der Frau machen würde. All seinen Mut zusammennehmend sprach er den Glatzkopf an:
„Es reicht jetzt. Wenn du jetzt nicht abhaust wird dich die Polizei verhaften.“
Nicht das Klügste oder Schlagfertigste was ihm in dem Moment einfiel.
Der Glatzkopf stand etwa einen Meter entfernt von Nick und fing an zu lachen:
„Ich scheiß auf die Bullen. Hast du nicht gesehen was mit Leuten passiert, die sich zwischen mich und diese Schlampe stellen? Mach Platz du kleiner passen, sonst reiß ich dich in Stücke!“
„Komm schon, ich spendiere dir ein Bier und du beruhigst dich jetzt mal!“, versuchte Nick die Situation zu entschärfen und den Angreifer zu besänftigen.
Ohne weitere Worte zu verlieren, sprang er auf Nick los.


Nick war überrascht, doch er konnte dem ersten Schlag um Haaresbreite ausweichen. Die Bewegungen des angreifenden waren zwar nicht so schnell und zielstrebig, was wohl am Alkohol lag, dennoch lag viel Wucht und Brutalität darin. Ad-renalin schoss durch Nicks Körper. Dem zweiten Angriff des Glatzkopfs konnte er nicht komplett ausweichen. Die linke Faust des Mannes erwischte Nick an der Wange, zwar nicht mit voller Wucht, da er noch etwas zurückweichen konnte, aber dennoch kraftvoll genug, um ihn taumeln zu lassen. Er fühlte etwas Warmes, mit metallischem Geschmack in seinem Mund. Er hatte sich weggedreht und stand auf der Seite, von der der Angreifer gekommen war. Er tastete in seinen Mund und sah, dass Blut an seinem Finger klebte. Um ihn herum herrschte Stille, von der er nicht wusste, ob sie sich nur in seinem Kopf abspielte. Leicht benommen starrte er auf seinen blutverschmierten Finger. Der Glatzkopf drehte sich zu ihm um und machte sich für den nächsten Angriff bereit. Nick sah von seinem Finger auf und im Hintergrund sah er etwas, das ihn wieder klarer denken ließ: das Mädchen saß mit weit aufgerissenen Augen vor ihm und schrie etwas für ihn Unverständliches. Er wusste, dass sie die nächste sein würde, könnte er den Angreifer nicht lange genug aufhalten. Nick sah auf und blickte zu seinem Gegner, der wie ein wilder Stier auf ihn zu gerannt kam. Während er noch mit seiner Rechten ausholte, machte Nick einen schnellen schritt auf ihn zu, drehte sich dabei und rammte ihm den Ellenbogen in die Seite. Der Glatzkopf stoppte abrupt seinen Angriff, sank keuchend auf die Knie und schnappte nach Luft. Mit diesem Gegenangriff hatte er nicht gerechnet. Nick selbst war von sich überrascht, wo er die Kraft hergenommen hatte, doch letztendlich schob er es auf den Adrenalinstoß. Nick stand wieder auf der Seite der verletzten Frau. Von weitem hörte er Sirenen, wodurch er eine Sekunde abgelenkt war.
Ein dumpfer Schlag ertönte. Nick spürte einen brennenden schmerz auf seinem Hinterkopf. Warmes Blut rann durch sein Haar, über die Ohren und Wange. Nick drehte sich um und der schmerz auf seinem Kopf wurde überlagert von einem stechenden Schmerz in seiner Seite, der ihn auf die Knie sinken ließ.
Der Glatzkopf hatte sich von dem Ellenbogenschlag erholt und war, während Nick kurzzeitig von den Sirenen abgelenkt war, rasend schnell aufgesprungen, riss einem Mann eine leere Bierflasche aus der Hand und schlug sie dem Jungen auf den Kopf. Der Boden der Flasche zersprang bei dem Schlag und nachdem sich Nick umgedreht hatte, stach er ihm die Reste der Flasche in den Bauch.
Doch zur Verwunderung aller, auch des Glatzkopfes, stand Nick wieder auf. Kurzzeitig vergaß er den Schmerz und seine Übelkeit. Er ging auf den verdutzten Glatz-kopf zu, packte ihn an den Schultern und rammte ihm in einer schnellen Bewegung sein Knie in den Magen. Er stöhnte auf und musste sich wieder hinknien. Nick ließ keine weitere Sekunde verstreichen und schlug ihm mit voller Wucht ins Gesicht. Dabei glaubte er spüren zu können, wie der Schädel des Glatzkopfes unter der Wucht seines Schlages brach. Er fiel bewusstlos zu Boden und Blut lief ihm aus Mund und Nase. Nick spuckte das Blut, dass sich in seinem Mund gesammelt hatte, auf den Gegner am Boden. Dann wurde er sich seines eigenen Schmerzes wieder bewusst und fiel seinerseits zu Boden. Er konnte noch blaue Lichter erkennen und dass immer mehr Leute sich um ihn versammelten. Dann wurde er ohnmächtig.

Eine Gestalt mit langem schwarzem Mantel und Kapuze löste sich aus der Menschenmenge und verschwand im Schatten einer Seitenstraße.
 

simbad

Mitglied
Ich habe die Geschichte nicht komplett gelesen. Aber dennoch mal meine völlig unmaßgebliche Meinung dazu.

Gleich im ersten Abschnitt fangen, gefühlt, alle Sätze mit „Er …..“ an. Das nervt regelrecht. Ich hätte nicht gedacht das es jemals Situationen geben würde in denen ich den Begriff für einen Text verwenden würde

Ich bin ziemlich ungeübt darin Texte vernünftig zu beurteilen. Aber im vierten Absatz fängt es an:

Nicks Erfahrungen mit Frauen waren überschaubar. Nicht, dass er unattraktiv gewesen wäre.
Naja. Was als attraktiv gilt sieht wohl jeder anders. Hier denkt sich jeder was anderes. Vor allem wird das wohl zwischen Männlein und Weiblein nochmal unterschiedlich bewertet werden.

Aber dann beginnst du mit der Beschreibung wie Nick aussieht. Erst objektive Dinge:

Er hatte leuchtend blaue Augen und schwarze Haare, meist etwas zerzaust.
Und dann wieder Dinge die völlig subjektiv sind, und wo jeder sich was anderes drunter vorstellt:

Dazu war er witzig, gebildet und hilfsbereit; einfach jemand mit dem man Pferde stehlen konnte, wie ihm auch seine Freunde attestierten.
Worauf ich hinaus will. Man schafft es nicht sich die Person initial vorzustellen und dann im Kopf mit dieser Figur durch die Handlung zu gehen.
Selbst wenn du ihn nicht näher beschrieben hättest, wäre die Geschichte problemlos erzählbar gewesen. Denn auf sein Äußeres kommt es doch nicht an. Oder?

Vielleicht kann das mal einer von den Könnern hier nochmal besser beschreiben.
Letztendlich ist das halt auch der Grund warum ich den Text nicht so überzeugend finde.
 

shwinchester

Mitglied
Hallo Simbad.

Vielen Dank für dein Feedback. Ich werds mir zu Herzen nehmen und den Text nochmals überarbeiten.
Einige Male ist auch mir aufgefallen, dass ich oft Füllwörter und Wiederholungen benutze. Ich werds nochmal Korrekturlesen.
Ich dachte mit einer Beschreibung der Hauptfigur hat man ein besseres Bild von ihr, aber ich gebe dir Recht, das Aussehen ist in dem Fall irrelevant.

Mfg
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Nach dem Vorwort wollte ich aufhören zu lesen: Es ist
  • anmaßend (den meisten Menschen Fantasie abzusprechen und sich selbst als rühmliche Ausnahme darzustellen, macht das Ich dieses Vorwortes sehr unsympathisch),
  • banal (dass alle - nicht nur viele! - Menschen Träume und Wünsche haben, ist eine Binsenweisheit)
  • und droht mit einem Mary-Sue (also mit einer dieser unsäglichen Geschichten, in denen der Autor sich zum supertollen Superhelden aufschwingt).

Der Text ist fehlerdurchsetzt. Noch stört das die Lesbarkeit wenig, aber zusammen mit dem sehr holprigen Stil wirkt das Ganze … wie soll ich es nett ausdrücken? … unreif.

Es war ein heißer Nachmittag im Spätsommer. Nick Smith stand an einer Ampel, die Hand schützend über die Augen haltend. Als die Ampel auf Grün schalteteKOMMA nahm er die Hand herunter und lief los. Einen kurzen Augenblick reflektierten seine blauen Augen die Sonne, dann senkte er den Kopf.
Die Namenswahl empfinde ich als unglücklich. "Smith" ist durch die Kombi aus S- und Th-Laut für deutsche Leser eine kleine (oder größere) Herausforderung. Zweitens steht auch im Englischen "Smith" für "irgendwer wie jeder, deshalb gut als Tarnname". Drittens klingt es auch in der Kombination eher wie ein Künstlername.
Nein: Menschen-Augen reflektieren die Sonne nicht.
Warum senkt er den Kopf? Diese Geste von (z. B.) Traurigkeit passt nicht zu seinem Elan (er läuft los - das ist zügiger als gehen).

Er war ein 20-jähriger junge Junge, etwa eins achtzig und sportlich.
Wirkt extrem eingestreut, fügt sich nicht harmonisch in den Textfluss.
Mit 20 ist er längst kein Junge mehr.


Er hatte gerade Feierabend und machte sich auf den Nachhauseweg. Er freute sichKOMMA die lange Jeans durch eine etwas bequemere Shorts zu ersetzen. An seinem Arbeitsplatz, der Entwicklungsabteilung eines renommierten Automobilzulieferers, war es ein ungeschriebenes Gesetz, dass männliche Angestellte keine kurzen Hosen tragen sollten.
Es war kurz nach halb vier, als er sein Auto erreicht hatte und nach Hause fuhr.
Er steht doch schon an der Ampel, ist also bereits auf dem Weg.
Shorts ist ein Mehrzahlwort: "eine" streichen!
Wenn die Shorts nur etwas bequemer sind, stimmt entweder mit der Jeans oder mit den Shorts etwas nicht.


Er war vor einem Jahr von der Schule zu der Firma gewechselt, somit reichte das Geld noch nicht für eigene Wohnung. Er wohnte bei seinen Eltern, träumte aber davon bald auszuziehen. Er hoffte, dass er in seinen eigenen vier Wänden etwas mehr Ruhe und Zeit für sich hätte, als in seinem Elternhaus, bei dem es auch für ihn immer etwas im Haushalt zu tun gab.
Nick hatte wegen der Hitze das Fenster auf der Fahrer Seite Fahrerseite komplett geöffnet. Er mochte keine Klimaanlagen, da er fürchteteKOMMA sie könnten Krankheiten verursachen. Er fuhr gerade auf die Autobahnauffahrt, als aus den Lautsprechern „Hells Bells“ von AC/DC tönte. „Perfekt!“, dachte er sich, setzte seine Sonnenbrille auf und drehte die Lautstärke höher.
Er ist vor einem Jahr in die Firma gekommen - also ist er Lehrling und hat deshalb nicht viel Geld. Aber Lehrling in der Entwicklungsabteilung?? Und: Warum denkt er denn, bald mehr "Lehrlingsgeld" zu bekommen?
Der Typ ist ein Unsympath: Ja nüscht zu Hause machen. Was denkt der denn, wer später seine Wohnung aufräumen wird, wer ihn bekocht und für ihn einkauft?
Die Infos zur Wohnsituation passen nicht an diese Stelle - das hat mit dem Autofahren gar nichts zu tun und trägt auch nicht zum besseren Verständnis dieses Teils der Handlung bei.
Der Sprung vom Thema Wohnen zurück zur konkreten Autofahrt ist zu abrupt.
Bei der Bemerkung mit der Klimanlage dachte ich: Er ist also auch noch ein bisschen … wie sag ich das nun nett? … wahnhaft.
"Sich etwas denken" ist umgangssprachlich und klingt "literarisch unreif". (Wenn Nick "sich" etwas denken kann, müsste er auch "mir" oder "seiner Mutter" etwas denken können. ;))

Zuhause wärmte er sich die Reste vom Mittagessen auf und zog sich damit in sein Zimmer zurück, um fern zu sehen. Das war sein normaler Tagesablauf an Werkta-gen, weshalb er schon montags voller Vorfreude auf das Wochenende war. Dann kam er aus seinem Arbeits- und Alltagstrott etwas heraus. Mit Freunden weggehen oder auf einem Fest bis in die Morgenstunden feiern, waren dabei die üblichen Akti-vitäten.
Immer wieder nahm er sich vorKOMMA es nicht zu übertreiben mit dem Trinken und Rauchen, aber wenn seine Freunde es taten, wollte er ihnen in nichts nachstehen.
Trennungen entfernen!
Ich verstehe nicht: Weil er an Werktagen faulenzt (es ist erst Nachmittag! er könnte noch was unternehmen!), freut er sich auf das Wochenende?
Der Typ wird mir immer unsympathischer: In der Woche faulenzen (und möglichst wenig zu Hause helfen), am Wochenende feiern bis zum Abwinken (und dabei bedauern, dass das Geld nicht für eine eigene Bude reicht). Und dann noch der Umstand, dass er säuft und raucht wie ein Schlot; schlimm genug, dass er es tut, aber "weil er den Freunden nicht nachstehen will" - der Typ erfüllt wirklich alle Klischees. Wie konnte so einer in der "Entwicklungsabteilung eines renommierten Auotmobilzulieferers landen?
Wie "auf einem Fest"? Hochzeit, Taufe, Volksfest? Oder meinst du Party und/oder Disko?

Nick war ein Mensch, der für alles gerne einen Plan hatte. Also ging er in Gedanke stichpunktartig den weiteren Ablauf durch:
„Essen, Nickerchen machen, dann duschen und fertigmachen. Gegen acht mit den Jungs treffen. Vielleicht das ein oder andere Mädchen ansprechen. Und vor allem: Es nicht so ausarten lassen wie letzte Woche.“
Ein guter Plan, wie er befand.
Nein, der Typ, den ich bisher sah, ist einer, der sich treiben lässt und eben keinen echten Plan von irgendwas hat.
Was denn für einen weiteren Ablauf? Also entweder freut er sich aufs Wochenende, weil er da Freunde trifft und sich die Kante gibt - dann ist dieser Tag noch nicht Wochenende und er trifft die Jungs nicht -, oder es ist Wochenende, dann sag das irgenwo!
Kein Absatz nach dem Doppelpunkt

Nicks Erfahrungen mit Frauen waren überschaubar. Nicht, dass er unattraktiv gewesen wäre.
Sprung nicht nachvollziehbar: Zuletzt war die Rede von "ausarten lassen". Tipp: Oben rumdrehen und "Mädchen ansprechen" als letztes erwähnen.

Er hatte leuchtend blaue Augen und schwarze Haare, meist etwas zerzaust. Dazu war er witzig, gebildet und hilfsbereit; einfach jemandKOMMA mit dem man Pferde stehlen konnte, wie ihm auch seine Freunde attestierten.
Das ist gelogen: Wäre er hilfsbereit, würde er zu Hause helfen. Und wäre er gebildet, würde er nicht so eine Generalangst vor Klimaanlagen haben.
Die Ansage von (angeblichen) Eigenschaften bleibt leere Behauptung.

Allerdings ging er lieber unauffällig durchs Leben. Auch kleidungstechnisch verzichtete er darauf groß aufzufallen. Am liebsten trug er normale Jeans, Kapuzenpullis und an den Füßen Turnschuhe. Einfach bequem. Auf modische Accessoires wie Piercings, Ohrringe oder Tattoos legte er keinen Wert. Einzig und allein sein Glücksbringer in Form einer Halskette musste immer dabei sein.
Ja natürlich trug die Schuhe an den Füßen. Erwähnenswert wäre es, wenn er sie gern an den Händen oder auf dem Kopf trüge.
Die Kette ist also der Glückbringer. Ungewöhnlich, aber okay.

Schlechte Eigenschaften hatte er natürlich auch, hauptsächlich das Rauchen und übermäßiges Feiern. Dazu gesellten sich Jähzorn, Ironie und Schüchternheit, was sich beim Kennenlernen von Frauen als großes Problem erwies.
Jähzorn und Schüchternheit gehen eigentlich nie Hand in Hand. Es sei denn, er hat eine Hormonstörung, die ihn einmal so und einmal so sein lässt.
Ironie ist keine Eigenschaft, wie du sie hier meinst, also kein menschlicher Charakterzug.

Seine Frauen Bekanntschaften Frauenbekannschaften ließen sich an einer Hand abzählen. Er hatte hohe Ansprüche an die Frau seiner Träume und meistens fand er einen GrundKOMMA die Bekanntschaft zu beenden oder erst gar nicht einzugehen.
Das mit den wenigen Frauenbekanntschaften sagtest du schon.
Also entweder ihm stehen (wie eben behauptet) Jähzorn, Ironie und Schüchternheit im Weg oder seine Ansprüche sind zu hoch.
Eine Bekanntschaft geht man nicht ein, man macht sie. Tipp: Frauenbekanntschaft ist ein altmodisches Wort (wie so manche andere Formulierung in diesem Text), das sowieso extrem schlecht zum erzählten Inhalt passt - versuch, es anders auszudrücken.

Die ganze Passage mit den Frauen-Erfahrungen wirkt nicht nur optisch, sondern auch inhaltlich wie ein Fremkörper an dieser Stelle.

Die Sonne verschwand langsam hinter dem Horizont und tauchte den Himmel in ein sanftes orange Orange. Nick war bereit für den bevorstehenden Abend: Genügend Geld war im Portemonnaie, Zigaretten und Feuerzeug waren in den Taschen und was für ihn das Wichtigste war, sein war: Sein Glücksbringer in Form eines schwarzen Lederban-des und eines kleinen Schwertes, um das ein Drache gewunden war, hing um seinen Hals.
Moment! Schon Abend? Eben hatte er noch einen Plan gemacht.
Es ist Sommer, um acht will er sich mit den Freunden treffen - da steht die Sonne noch recht hoch am Himmel.
Trennungen entfernen!
MOOOOOMENT MAL! Vorhin war der Glücksbringer eine Kette. Jetzt gibt es die Kette gar nicht mehr und Glücksbringer ist ein Lederband mit Anhänger …

Nick wartete auf der Straße vor seinem Elternhaus auf seine Freunde, dabei bemerkte er nicht, dass seine Großmutter, die auch mit im Haus wohnte, von einem der oberen Fenster auf ihn herabsah.
Sie hatte im ersten Stock des Hauses ihre eigene kleine Wohnung: Wohnzimmer, Küche, ein kleines Badezimmer und ein geräumiges Schlafzimmer. Darin wohnte sie ganz alleine, seit ihr Mann vor einigen Jahren gestorben war.
Die alte Dame rief zu Nick herunter:
"Wo geht es denn heute Abend hin?"
Die Großmutter hätte vorn schon erwähnt werden sollen.
Die Angaben zu Omas Wohnung sind irrelevant.
Kein Absatz nach dem Doppelpunkt.

Nick hatte drehte sich um und sah zu ihr hoch. Er sah ihr faltiges aber gütiges Gesicht, das von weißen locken Locken bedeckt war. Eine dicke Hornbrille thronte auf ihrer knolligen Nase.
"Ich treffe mich mit meinen Freunden. Wir wollen nach Townville, zum Dorffest. Wird wohl spät werden.", antwortete er mit fester Stimme.
Dopplung "sah"
Oma-Klischees en mass. Naja nicht ganz: Ihr Gesicht war von Locken bedeckt - sie trägt also Vollbart.
Townville - echt jetzt? Das klingt nach "Wie Hänschen sich Amerika vorstellt".
Was soll das mit der festen Stimme? Fürchtet er sich normalerweise vor Oma, so dass er jetzt "Nicht-Furcht" vorgaukeln muss?

Ich hör hier mal auf. Tipp: Versuch dich doch erstmal an Kurzgeschichten - da kannst du Sprache und Erzählhandwerk üben und es nicht so schlimm, wenn etwas in die Hose geht, an dem du nur wenige Stunden und nicht Tage, Monate oder gar Jahre gearbeitet hast.
 
Zuletzt bearbeitet:

Oben Unten