drei minuten gedicht

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Vera-Lena

Mitglied
Lieber Herbert,

da hast Du einmal etwas ganz Neues auf den Plan gebracht. Wahrscheinlich bin ich nur zu unwissend, so dass es mir als etwas Neues vorkommt.

Sich drei Minuten festzusetzen, um etwas Gültiges auszusagen, habe ich jedenfalls noch nirgendwo gefunden. Der Trick dabei ist, dass man einfach ganz plötzlich aufhören kann, weil die Zeit um ist.

Aber man kann das natürlich auch anders betrachten. Niemand hat Lust, länger als drei Minuten zuzuhören, und wenn ich mir anschaue, was in den drei Minuten mitgeteilt wird, neige ich eher zu meiner zweiten Version der Betrachtung.

Was immer man in Worte bringt, es landet in zerbrochenen Krügen und man muss sich auch noch bemühen, niemandem damit auf die Füße zu treten (aufpassen dass keine füße nass werden).

So verbleibt man dann resigniert bei dem Gedanken, dass man ein Fremder unter angeblich Bekannten ist.

Mir gefällt der Text.

Liebe Grüße
Vera-Lena
 
H

Heidrun D.

Gast
Lieber Herbert,

ich finde dein Gedicht ebenfalls vortrefflich, wenn auch aus etwas anderen Gründen als Vera-Lena.

Ich lese es als ein Art "fünf vor zwölf" (hier "drei vor zwölf"), also eine sehr kurze Zeit, die LyrI (uns) noch zugemessen ist.

Und selbst da sieht es sich genötigt, Rücksicht zu nehmen, wie es dies schon immer getan hat. Nur wie gut, dass niemand weiß ... wie es im Inneren lacht.

Schweigen ist eben doch Gold. -
Am Ende.
Oder nicht? ;)

Grüßle
Heidrun
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Vera-Lena,

mit Deinen beiden Sichtweisen auf den Text hast Du natürlich recht. Beim Schreiben habe ich mir tatsächlich überlegt gehabt, dass wahrscheinlich der Leser sich - gerade bei der Fülle von guten Leseangeboten hier in der LL - eher die kurzen Gedichte durchliest. Mit den ganz kurzen Gedichten hat mancher Leser aber vielleicht Schwierigkeiten. So passt das Motto "drei minuten gedicht" vielleicht ganz gut zu der online-Rezeption von Gedichten.

Was Deine etwas resignative Schlussbemerkung angeht, so gebe ich zu Bedenken, dass - weil das Gedankenlesen doch wohl kaum funktioniert - jeder stets in seinem eigenen Kopf "gefangen" ist und nie die Anderen in allen Einzelheiten kennen kann. Aber das darf nicht ausschliessen, dass es viele schöne Gruppenerlebnisse gibt, die es erlauben, trotzdem die Anderen ganz gut kennenzulernen, selbst hier, in einem Online-Forum.

Das Motto dazu: "An ihren Texten sollt Ihr sie erkennen."

Danke für Deinen wie so oft sehr einfühlsamen und gedankenreichen Kommentar, der mir Dich wieder ein Stück näher gebracht hat, wenn ich so sagen darf.

Liebe Grüße

Herbert
 

HerbertH

Mitglied
Liebe Heidrun,

unsere Zeit ist schnelllebig und wird immer rasanter. Das ist sicher eine Herausforderung, beim Schreiben und beim Lesen.

Der Hintergrund bei diesem Gedicht: Ich hatte vor einer Verabredung gerade noch drei Minuten Zeit, ein Blatt Papier und einen Stift, außerdem um mich herum viele Fremde, die aus und ein gingen. Daraus entsprang dann dieses Gedicht. Die Urfassung zu schreiben war tatsächlich in drei Minuten erledigt. Beim Eintippen für die Leselupe habe ich dann noch kleine Änderungen gemacht, die dann vielleicht nochmal drei Minuten dauerten ;).

Wie in letzter Zeit häufiger bei mir geht es um die Innenwelt des LyrI im Kontakt mit der Aussenwelt, also um Selbstreflexion. Dass da häufig die Muße für Schreiben und Lesen fehlt, ist ein Aspekt. All die schnell erscheinenden und wieder verschwindenden Fremden um mich her haben mir eins um so deutlicher werden lassen: Mein Kopf gehört mir, und meine Gedichte nur beim Schreiben mir :)

Oft schweigt man über das, was in einem vorgeht - so geht es auch dem LyrI hier.

Aber das Lachen ist oft ein guter Weg, und wenn er auch, um andere nicht zu kränken, zunächst einmal in den Bart im Stillen führt :D.

Liebe Grüße

Herbert
 

HerbertH

Mitglied
Hallo rogathe,

mit Deinem Einwurf hast Du ganz recht, ich habe tatsächlich auch an die 5-Minuten-Terrine gedacht :).

Wenn man will, kann man auch auf den Titel
den Reim "drei-minuten-gericht" finden. Aber das ist schon der Stoff für ein weiteres Gedicht.

Liebe Grüße

Herbert
 

Vera-Lena

Mitglied
Lieber Herbert,

danke für Deine liebenswürdige Antwort und Deine freundliche Erklärung.

Es tut immer gut, etwas Positives zu hören und "An ihren Texten sollt ihr sie erkennen", ja mit dem Motto hast Du sicher Recht.

Liebe Grüße
Vera-Lena
 

HerbertH

Mitglied
lieber walther,

hab dank fürs lesen und werten !

Lieber anonym wertende(r),

mich würden die gründe für deine überraschende wertung interessieren !

lG

herbert
 


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