Drei Pinscher in der Seilbahn

3,30 Stern(e) 4 Bewertungen

Ciconia

Mitglied
Ein Spätsommertag wie aus dem Bilderbuch, im Tal immer noch heiß, auf 1.700 m Höhe sicher gut auszuhalten. So dürften heute früh viele gedacht haben. Eine längere Warteschlange windet sich an der Talstation der Seilbahn. Eine Bahn ist soeben abgefahren. Bei fünfundzwanzig Personen pro Fahrt und einer Fahrtdauer von acht bis neun Minuten kann ich mir ausrechnen, wann ich dran sein werde: in einer knappen halben Stunde, wenn's gut geht. Man weiß ja nicht genau, ob Kleinkinder schon mitzählen und wie die drei Pinscher gerechnet werden.

Pinscher? Na ja, ich nenne sie so. Das sind diese Taschenhunde, auch Pfundhunde genannt, die herzallerliebst mit großen Knopfaugen in die Welt schauen. Vielleicht heißen sie Chihuahua. Manchmal tragen sie Schleifchen. Die drei Hündchen, die sich hier im Warteraum wohlerzogen und ruhig verhalten, tragen keine. Ihr Frauchen hält stolz zwei von ihnen an ihre üppigen Brüste gepresst, das dazugehörige Herrchen trägt – wie seine Mimik vermuten lässt, ein wenig widerwillig – das dritte Tier. An den Gesichtern der Wartenden kann man unterschiedliche Meinungen über diese zusätzlichen Fahrgäste ablesen. Immerhin nicht so schlimm wie der Riesenköter, der hier vor einigen Jahren Randale machte und deshalb nicht mitfahren durfte, denke ich.

Es geht wie vorausberechnet voran, mit mir steigt die Pinscher-Gruppe ein. Durch jahrelange Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten und zügiges Handeln erwische ich den einzigen Klappsitz in der Kabine. Nein, es sind keine noch älteren oder gebrechlich wirkenden Passagiere an Bord. Der Rucksack verschwindet unter dem Sitz, die Wanderstöcke halte ich seitlich eng an mich gepresst.

Nachdem sich alle Fahrgäste wie Sardinen in der Dose positioniert haben und bei allen angekommen ist, dass Rucksäcke und Taschen besser auf den Boden zu stellen sind, setzt sich die Bahn in Bewegung. Leider steht die Hundemutter direkt neben mir, die Hündchen hecheln nur wenige Zentimeter über meinem Kopf. Was für niedliche kleine Zungen sie haben! Die Mutti drückt beiden zur Beruhigung ein Küsschen aufs Schnäuzchen; ihr dunkles T-Shirt ist mit hellen Hundehaaren übersät. Lautstark unterhält sie sich über die Köpfe der Anderen mit Herrchen und einer dritten Person, die offenbar auch dazugehört und am anderen Ende der Kabine steht. Auf Fragen Umstehender gibt sie bereitwillig Auskunft, und so wissen wir nun alle, dass die drei Kleinen Weiberl sind und wie sie heißen. Tini zum Beispiel starrt stoisch in die Ferne; ich deute dies als eine Art Schockstarre. Ein permanentes leichtern Zittern lässt dennoch erkennen, dass die Lebensgeister nicht völlig entwichen sind. Das zweite Hündchen ist etwas lebhafter und schaut Frauchen immer wieder erstaunt an. Frauchen gibt Küsschen, Hündchen züngelt und schlabbert.

Nach fünf Minuten steiler Fahrt verspüre ich den üblichen Druck in den Ohren und überlege, ob das bei Hunden ähnlich ist. In mir keimt der plötzliche Gedanke, dass ihnen vielleicht übel werden könnte oder sie vor Aufregung nicht dichthalten. Ich möchte vorsichtshalber ein Stückchen zur Seite rücken, aber der Bewegungsspielraum gibt nicht viel her.

An den Stützpfeilern der Seilbahn wird derzeit gearbeitet. In schwindelnder Höhe kraxeln Arbeiter herum, durch eine dünne Plane schemenhaft zu erkennen. Was für ein irrer Arbeitsplatz, denke ich, und bin froh, als die Kabine auch den dritten Pfeiler mit einem leichten Ruck überwunden hat. Sanft gleitet sie gleich darauf in die Bergstation. Ich wähle den altbekannten bequemen Rundweg zum ersten Gipfel.

Wie nicht anders zu erwarten, treffe ich die Pinscher-Familie innerhalb der nächsten Stunde gleich zweimal, man hört sie, bevor man sie sieht. Dieser herrliche Sonnentag mit extrem guter Fernsicht verleitet mich dann zu einem Abstecher auf den zweiten Gipfel, der für kleine Hunde nun wirklich zu steinig und zu steil ist. Aber es gibt tatsächlich bergerfahrene, größere Hunde, wie sich zeigt. Einer springt mir so locker und trittsicher über Geröll und Fels entgegen, dass man direkt neidisch werden könnte.

Nach einer ausgiebigen Rast kehre ich am Nachmittag zur Station zurück. Diesmal muss ich nicht lange warten. Die Pinscher-Familie – Überraschung! - steht schon vor mir in der Schlange. Für den Klappsitz komme ich zu spät, also drücke ich mich an das kleine Schiebefenster, das einen Spalt geöffnet ist. Das Pinscher-Frauchen platziert sich direkt daneben. Die Hunde ignorieren mich, Frauchen auch.

In der engen Kabine kommt Heiterkeit auf, als kurz nach der Abfahrt ein zweisprachiger Funkverkehr einsetzt: Kabinenführer und Talstation auf Bayerisch, ein Arbeiter am Stützpfeiler II in breitestem Sächsisch. Er und sein Kollege möchten ins Tal mitgenommen werden, denn sie müssten heute noch … brabbel…der Rest geht im Geknister des Walkie Talkies unter.
Talstation an Kabinenführer: „Wievui seid’s denn in Wagen zwoa?“
Kabinenführer an Talstation: „Fümfazwanzg Fahrgäst plus Schaffner“
Sonore Stimme aus der Kabinenmitte: „… und drei Hund‘ …“
Da geht nichts mehr. Nach längerem Palaver einigt man sich, dass die Arbeiter erst einmal mit der nächsten bergwärts fahrenden Bahn nach oben gebracht werden, um dann in die nächste talwärts fahrende Bahn zu steigen. Die Pendelkonstruktion erfordert allerdings, dass beide Kabinen gleichzeitig auf freier Strecke halten müssen. Es herrscht atemlose Stille, als es durchs Funkgerät knattert:
Noch fünf … noch vier … noch drei … noch zwei … noch einer … Passt!
Gemütlicher wird es im Stillstand nicht. Allerdings bin ich froh, den Einstieg der Arbeiter vom Stützpfeiler in die Gegenkabine nicht sehen zu können. Eine unangenehme Hitze steigt in mir auf.

Irgendwann ist auch dieser Zwischenhalt überstanden. Mit einem kräftigen Ruck setzt die Bahn ihre Talfahrt fort. Zwei Pinscher ducken sich an ihr Frauchen, nur manchmal züngeln sie leicht. Der dritte gibt einmal kurz Laut, wahrscheinlich langweilt er sich alleine bei Herrchen. Frauchen ist inzwischen verstummt. War doch ein langer Tag.

Unten angekommen, tollen Tini und ihre Schwestern fröhlich kläffend über den Parkplatz. Ich meine ihnen die Erleichterung anzumerken, dass sie diesen Ausflug endlich überstanden haben.
Mir hat der Tag sehr gut gefallen.
 
Hallo Ciconia,

ich denke, aus der Geschichte könntest du mehr machen. Sie klingt so irgendwie nach einem braven Aufsatz für den Deutschlehrer ("schreibt einen Aufsatz über ein Ferienerlebnis"). Man wartet darauf, dass etwas passiert, aber es passiert so gut wie nichts, auch wenn du schöne Bilder lieferst.

LG SilberneDelfine
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Delfine,

schade, dass Du immer auf der Suche danach bist, dass etwas „passiert.“ Wir sind hier bei der Kurzprosa, da kommt es auch und vor allem auf "schöne Bilder" an.

Passieren sollte etwas im Kopf des Lesers, z. B. die Überlegung,

- was Menschen bewegt, ihre kleinen Hunde der Enge einer Kabinenbahn auszusetzen
- wie viel Stress so ein Ausflug für Hunde bedeutet
- wie die übrigen Fahrgäste, die nicht unbedingt Hundefreunde sein müssen, eventuell sogar Allergiker sind, auf diese niedlichen Hunde reagieren,

um nur einige Beispiele zu nennen. Wenn ich diese Anreize zum Nachdenken nicht liefern konnte, habe ich wohl etwas falsch gemacht.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Danke für die barmherzigen Wertungen.
Wo bleibt eigentlich der Aufschrei von Hundeliebhabern (gegen den Text, nicht gegen die Tierquälerei)? ;)

Gruß Ciconia
 

MicM

Mitglied
Hallo Ciconia,

aus meiner Sicht „passiert“ hier sehr viel - die verschiedenen Begegnungen mit den Hunden, die Enge der Kabine, das Zittern, später die Erleichterung etc. Das sind nicht nur Bilder, sondern Emotionen, die aber teilweise nur „angetippt“ werden. Das ist für mich als Leser - nicht allgemein, sondern in diesem Text - eher unbefriedigend, als anregend. Besonders deutlich wird das bei folgendem kurzen „Einschub“:

In schwindelnder Höhe kraxeln Arbeiter herum, durch eine dünne Plane schemenhaft zu erkennen. Was für ein irrer Arbeitsplatz, denke ich,
Aha, ein „irrer Arbeitsplatz“ - und sonst? Wenn die Gedanken der Prota eingeflochten werden, sollte da etwas mehr kommen. Oder es kann wegbleiben. Das schöne Bild des ersten Satzes genügt ja vollkommen an dieser Stelle.

Aber auch folgendes:

Leider steht die Hundemutter direkt neben mir,
Warum „leider“?

Wie nicht anders zu erwarten, treffe ich die Pinscher-Familie innerhalb der nächsten Stunde gleich zweimal,
Warum war das nicht anders zu erwarten?

Ich finde, an diesen Stellen verlässt du das reine Beschreiben von Bilder, sondern gehst „in den Kopf“ der Prota, ohne dass die angedeuteten Gedanken für den Leser nachvollziehbar sind.

Nach meinem ersten Eindrück würde ich es besser finden, den Text zu erweitern oder zu kürzen. Vielleicht eher letzteres, da es ja eine Kurzprosa sein soll.

Auf bald,
MicM
 

Ciconia

Mitglied
Hallo MicM,

vielen Dank für die ausführliche Beschäftigung mit diesem Text.
Das sind nicht nur Bilder, sondern Emotionen, die aber teilweise nur „angetippt“ werden.
Ich bin der Meinung, dass es in einer Kurzprosa hauptsächlich um das „Antippen“ und nicht um die ausführliche Beschäftigung mit den Emotionen der Erzählerin gehen sollte.
Aha, ein „irrer Arbeitsplatz“ - und sonst?
Man müsste vielleicht den zweiten Halbsatz zum Verständnis dazufügen:
… und bin froh, als die Kabine auch den dritten Pfeiler mit einem leichten Ruck überwunden hat
Die Erzählerin sieht die Gefahren und scheint froh, dass sie heil oben angekommen ist.
Warum „leider“?
Weil die Erzählerin vielleicht keine große Hundefreundin ist und ihr die Nähe von Hunden wenig Freude bereitet? Weil sie dann ja auch später die Gefahr, dass ein Hund direkt über ihr nicht „dichthalten“ könnte, erkennt?
Warum war das nicht anders zu erwarten?
Weil es auf dem genannten „bequemen Rundweg“, den Leute mit kleinen Hunden mit Sicherheit einschlagen werden, nicht anders geht.
ohne dass die angedeuteten Gedanken für den Leser nachvollziehbar sind
Ist das so? Das erstaunt mich. Für so extravagant halte ich meine Gedanken eigentlich nicht. ;)

Gruß Ciconia

P.S. Ich finde es übrigens schade, dass in letzter Zeit so viele User ihre manchmal doch sehr ausführlichen Kommentare als "spontane Leseeindrücke" einstellen. Vielleicht wäre diese Diskussion auch für externe Leser interessant.
 
Ich finde es übrigens schade, dass in letzter Zeit so viele User ihre manchmal doch sehr ausführlichen Kommentare als "spontane Leseeindrücke" einstellen. Vielleicht wäre diese Diskussion auch für externe Leser interessant.
Ich fand es schon immer schade, dass hier überhaupt ein Unterschied gemacht wird. Warum wird nicht einfach alles öffentlich eingeblendet? Fände ich besser, aber es ist wohl zwecklos, darüber eine Diskussion mit der Moderation zu starten (auch wenn ich mir das durchaus schon öfter überlegt hatte).

LG SilberneDelfine
 

FrankK

Mitglied
Hallo MicM
Ich finde, an diesen Stellen verlässt du das reine Beschreiben von Bilder, sondern gehst „in den Kopf“ der Prota, [blue]ohne dass die angedeuteten Gedanken für den Leser nachvollziehbar sind[/blue].
Gedanken springen ... nicht nachvollziebar sind meine Gedankengänge sogar manchmal für mich selbst. ;)
Während die Protagonistin noch an die eine Sache denkt - wirkt ihre Aufmerksamkeit schon wieder vom nächsten Ereignis (die Gondel rumpelt über den Mast) abgelenkt. In meinen Gedanken erschien sofort das Bild einer aufgeschlagenen Gondol und die verzweifelten Hilferufe Schwerverletzter zwischen zerschmetterten Körpern ... wie gesagt, die Gedanken sind sprunghaft.

Grüßend
Frank



Hallo Ciconia
Passieren sollte etwas im Kopf des Lesers, z. B. die Überlegung,

- was Menschen bewegt, ihre kleinen Hunde der Enge einer Kabinenbahn auszusetzen
- wie viel Stress so ein Ausflug für Hunde bedeutet
- wie die übrigen Fahrgäste, die nicht unbedingt Hundefreunde sein müssen, eventuell sogar Allergiker sind, auf diese niedlichen Hunde reagieren,

um nur einige Beispiele zu nennen. Wenn ich diese Anreize zum Nachdenken nicht liefern konnte, habe ich wohl etwas falsch gemacht.
Ich kann jetzt nur von unserem letzten Hund berichten:
Ein kleiner (5 kg) Jack-Russel / Yorki - Mischling. Er fühlte sich überhaupt nicht wohl, wenn er durch eine belebte Stadt laufen musste. So tief unten am Boden - war für ihn kaum ein durchkommen zwischen all den vielen Beinen. War er bei mir (oder bei meiner Frau) auf dem Arm, sah die Welt für ihn ganz anders aus. Höchst interessierter Blickkontakt mit anderen Menschen - flirten, was das Zeug hielt. :)
Die Gondel hätte ihm nichts ausgemacht. Wir waren mal in einem Hamburger Vorort im Hotel, mussten mit der S-Bahn ins Zentrum fahren ... wegen Bauarbeiten verkehrte ein Schienenersatzverkehr! Ein (1!) Bus (30min Takt) ersetzte eine ganze S-Bahn (20min-Takt). Die Seilbahngondel klingt danach recht geräumig ...
Wir hatten unseren Hund im Bus dabei. Auf dem Arm. Er hat mit den Stehplatznachbarinnen per Blickkontakt geflirtet.
"Ach, ist das ein niedlicher!" - "Der ist aber noch Jung!" Klar, er war zu dem Zeitpunkt gerade mal 10 Jahre alt. "Das sieh man ihm aber gar nicht an!" - "Lässt er sich streicheln?" - Er liebt es, gestreichelt zu werden. - "Der hat aber ein weiches Fell!"
"Nicht Hundefreunde" oder gar Allergiker haben in einer derartigen Situation - ich sag es mal ganz unverblümt - Pech gehabt. Ich (und mein Hund) haben das gleiche Recht, ein öffentliches Verkehrsmittel zu benutzen. Ich muss allerdings meinen Hund unter Kontrolle halten können. Bei unserem letzten Hund war ich mir in der Hinsicht absolut sicher, da würde nichts passieren. Bei unserer aktuellen Hündin bin ich mir (noch) nicht sicher, da versuche wir, derartige Situationen zu vermeiden.
Einem Allergiker wäre ich in der Enge des SEV in Hamburg möglichst aus dem Weg gegangen bzw. hätte mich von ihm abgewendet. Ich hätte es ihm nicht zugemutet, dass er seine Nase im Fell unseres Hundes vergraben müsste ...

Wo bleibt eigentlich der Aufschrei von Hundeliebhabern (gegen den Text, nicht gegen die Tierquälerei)?
Wieso Aufschrei von Hundeliebhabern? Ich hätte eher einen Aufschrei von "der anderen Fraktion" erwartet.
- Sowas kann man einem Hund doch nicht zumuten!
- Sowas kann man den anderen Fahrgästen nicht zumuten!
- In einer Gondel (Bus, Bahn, Taxi ... Metro) haben Hunde nichts zu suchen!
Wir kennen all diese Argumente. Sie sind hohl!
"Die Leute" müssen einsehen, das wir unseren Hund besser kennen und einschätzen können, woran er Spaß hat.

Weil sie dann ja auch später die Gefahr, dass ein Hund direkt über ihr nicht „dichthalten“ könnte, erkennt?
Hmmm ... wir haben mittlerweile unseren fünften Hund. Noch nie hat eines der Tiere "unter sich gemacht", während es bei uns auf dem Arm war.
Bei unserem letzten wärst du eher in der Gefahr gewesen, das er dich mit seinen großen, braunen Rehaugen anstarrt und zu hypnotisieren versucht ... "Vertraue mir ... ich bin ganz lieb ... streichle mich ... oder los, gib mir endlich ein Leckerchen!"

Zum Text:
Ich finde ihn absolut in Ordnung. Fast schon eine vollständige Kurzgeschichte, durch den fehlenden Höhepunkt und der damit einhergehenden fehlenden Spannungskurve jedoch gut hier unter Kurzprosa aufgehoben.
Eine nette und sauber reflektierte Beobachtung innerhalb der Gondel.


Herzlich Grüßend
Frank



Hallo SilberneDelfine
Warum wird nicht einfach alles öffentlich eingeblendet?
Für wen?
Du als angemeldete Userin kannst es auf zwei verschiedene Arten vollständig Einblenden - über den Button "Alle Kommentare anzeigen" oder über die Ansicht als "Druckversion".

Da dieser Kommentar von mir zwar relativ lang ist, aber nahezu "nichts" mit dem Text zu tun hat bzw. keinerlei "Konstruktive Vorschläge oder eine tiefere Analyse" beinhaltet, entscheide ich mich für die ausgeblendete Variante.

In gewissem Umfang lässt sich so untereinander ein ganz klein wenig über etwas "schwatzen" was den Inhalt des Textes (oder eines Kommentars) annähernd berührt, so wie es meine Ausführungen zu unserem letzten Hund machten.

Für den Gastleser sind derartige Kommentare nicht sichtbar und brauchen sie auch nicht, denn sie haben "nichts" mit dem Text zu tun. Persönliche Informationen von Verfasser / Verfasserin oder Kommentator / Kommentatorin bleiben auf diese Weise vor der breiten Öffentlichkeit verborgen.


Sonntäglich entspannte Grüße
Frank
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Frank,

mit Dir hatte ich eigentlich schon früher gerechnet … :D

Zunächst danke für Deine ausführlichen Schilderungen aus Sicht des Hundehalters und Deine Einschätzung des Textes. Ich würde allerdings nie ernstlich mit Hundehaltern diskutieren, was für den Hund das Beste ist. Ich könnte mir aber vorstellen, dass für den Hund eine Grenze überschritten wurde, wenn er stark zittert und völlig apathisch vor sich hin starrt, und dass das Laufen auf gerölligem Boden auf dem Gipfel für so ein kleines Tier auch keine Freude ist.

Ich gebe zu, dass ich Hunden meistens lieber aus dem Weg gehe. Auf meinen Spaziergängen kommt es aber oft zu unliebsamen Zusammenstößen, weil viele Hundehalter ihre (nicht angeleinten) Hunde nicht im Griff haben. Dieser „Der-tut-nix“-Fraktion ist es völlig egal, wenn der [strike]Kö[/strike] Hund einen anbellt, anspringt und besabbert und auch auf zehnmaliges Rufen nicht reagiert. Von den nicht eingesammelten Hinterlassenschaften, die man als Souvenir unter den Schuhen vom Spaziergang mitbringt, ganz zu schweigen. Da werde ich wirklich gallig! Aber das kann ich keinem Hund zum Vorwurf machen, sondern nur deren Herrchen und Frauchen … Ich plädiere schon lange für einen Hundeführerschein.

Soweit die Sicht einer Nichthundefreundin. Aber jedem Tierchen sein Pläsierchen. Oder wie Du schreibst: Leben und leben lassen.
In diesem Sinne noch einen weiterhin entspannten Sonntag!

Gruß Ciconia
(gerade ohne unliebsame Begegnung vom Spaziergang zurückgekommen)
 

MicM

Mitglied
Hallo Frank,

Gedanken springen ... nicht nachvollziebar sind meine Gedankengänge sogar manchmal für mich selbst.
Das dürfen die Gedanken gern beim Sonntagskaffee oder unter der Dusche, aber wenn die Gedanken niedergeschrieben werden, fände ich es schön, wenn sie sich etwas sortiert hätten.

In meinen Gedanken erschien sofort das Bild einer aufgeschlagenen Gondol und die verzweifelten Hilferufe Schwerverletzter zwischen zerschmetterten Körpern ...
Und dieses Bild konnte bei dir erst entstehen, nachdem du gelesen hast, dass die Prota „irrer Arbeitsplatz“ dachte? Nicht schon vorher?

Hallo Ciconia,

Ist das so? Das erstaunt mich. Für so extravagant halte ich meine Gedanken eigentlich nicht.
Richtig. Das ist genau das, was ich meine: die Gedanken, die „angetippt“ werden, sind banal, nicht anregend. Ich brauche als Leser kein „leider“, das möchte ich als Leser gern selbst in meinem Kopf ergänzen dürfen und Raum für mehr haben. Hier werde ich aber ohne Not auf die banalen Gedanken gelenkt. Ohne diese Einschränkungen ist der Text offener und interessanter.

„Nicht nachvollziehbar“ finde ich, warum mir solche banalen Äußerungen überhaupt mitgeteilt werden. Im Fokus der Geschichte steht doch, was die Prota beobachtet hat (das ist anregend), nicht ihre Gedankenwelt (die ist hier langweilig).

Wenn ich als Leser hingegen mit der Prota „mitfühlen“ soll, dann brauche mehr emotionale Nähe, als sie in diesem Text aufgebaut wird.

Auf bald,
MicM
 

Ciconia

Mitglied
Hallo MicM,

ich fürchte, ich werde Deine Erwartungen an eine Kurzprosa nicht erfüllen können.

Wenn ich „atmosphärisch und assoziativ“ (siehe Forentext) erzähle, sind immer auch Gedanken des Erzählers enthalten. Ich habe sie in diesem Text so gering wie möglich gehalten, sondern mehr erwartet, dass man die Einstellung der Erzählerin auch zwischen den Zeilen erkennt. Das ist mir offensichtlich (bei Dir) nicht gelungen.

Dass der kurze Hinweis auf die Arbeiter überhaupt schon bei der Bergfahrt erfolgt, ist nur der Aufhänger für die Geschehnisse bei der Talfahrt. Du beschreibst diesen Gedanken als banal – erwartest Du, dass man in so einem Urlaubsumfeld anfängt zu philosophieren oder sich weitergehende Gedanken über die Arbeitsbedingungen der Männer in schwindelnder Höhe macht? Vielleicht später, aber sicher nicht in dieser klaustrophobischen Enge.
Wenn ich als Leser hingegen mit der Prota „mitfühlen“ soll, dann brauche mehr emotionale Nähe, als sie in diesem Text aufgebaut wird.
Wenn Du mitfühlen möchtest, könntest Du Dir allein aufgrund der Beschreibung der offensichtlich älteren Erzählerin vorstellen, was diese Enge - mit mehreren Hunden und einer lauten, mit Hundehaaren übersäten Hundemutter - für sie bedeutet. Für mehr „emotionale Nähe“ ist meines Erachtens in einer Kurzprosa kein Platz. Dann müsste man eine Erzählung daraus machen.

Gruß Ciconia
 

MicM

Mitglied
Hallo Ciconia,

wunderbar! Genau das ist es doch! Die Prota denkt eben nicht bloß "irrer Arbeitsplatz", sondern empfindet das, was du schreibst:

...erwartest Du, dass man in so einem Urlaubsumfeld anfängt zu philosophieren oder sich weitergehende Gedanken über die Arbeitsbedingungen der Männer in schwindelnder Höhe macht? Vielleicht später, aber sicher nicht in dieser klaustrophobischen Enge.
Wenn das Gesehene für die Prota trotz ihre Situation nicht diese zusätzliche Intensität gehabt hätte, hätte sie sich später beim "Erzählen" der Geschichte nicht mehr an diesen Moment erinnert.

Also in etwa so (mit nahezu deinen Worten):

An den Stützpfeilern der Seilbahn wird derzeit gearbeitet. In schwindelnder Höhe kraxeln Arbeiter herum, durch eine dünne Plane schemenhaft zu erkennen. [blue]Trotz Vorfreude auf einen entspannten Urlaubstag und klaustrophobischer Enge, die neben der Nahaufnahme der Pinscher eigentlich keinen Platz für einen weiteren Gedanken zulässt, ziehen mich die Männer über dem Abgrund für einen Moment in einen mulmigen Bann. Mit flauem Gefühl im Magen, denke ich, wie verrückt man sein muss, sich so einen irren Arbeitsplatz auszusuchen. Umso mehr spüre die Erleichterung[/blue], als die Kabine auch den dritten Pfeiler mit einem leichten Ruck überwunden hat. Sanft gleitet sie gleich darauf in die Bergstation. Ich wähle den altbekannten bequemen Rundweg zum ersten Gipfel.

Dass der kurze Hinweis auf die Arbeiter überhaupt schon bei der Bergfahrt erfolgt, ist nur der Aufhänger für die Geschehnisse bei der Talfahrt.
Nein, bitte nicht! Wenn der Leser DAS merkt, hast du ihn verloren.

Auf bald,
MicM
 

Ciconia

Mitglied
Lass es gut sein, MicM, ich fürchte, ich kann nur noch erahnen, worum es Dir wirklich geht.
Weiter oben schriebst Du
Im Fokus der Geschichte steht doch, was die Prota beobachtet hat (das ist anregend), nicht ihre Gedankenwelt (die ist hier langweilig).
Jetzt möchtest Du die Gedanken (die mit dem Hauptthema, nämlich den Hunden, in diesem Moment überhaupt nichts zu tun haben) doch lieber weiter ausgebaut haben. Da bin ich dann endgültig raus.
Wie ich gestern schon sagte: Deine Erwartungen kann ich nicht erfüllen.

Gruß Ciconia
 

MicM

Mitglied
Hallo Ciconia,

Erwartungen habe ich keine, nur eine (persönliche) Meinung zu lesenswerten Texten. Es sind alles nur verschiedene Anregungen und Ideen, die mir beim Lesen des Textes und bei unserem Austausch kamen. Da aus meiner Sicht dein Text auf unterschiedliche Weise verbessert werden kann, sind die Vorschläge teilweise alternativ gemeint, je nachdem welche Richtung (Kurzprosa, Erzählung) dir besser gefällt. Aber selbstverständlich darfst du deinen Text auch genau so belassen; ich bin ja kein Missionar.

Auf bald,
MicM
 

molly

Mitglied
""Ich fand es schon immer schade, dass hier überhaupt ein Unterschied gemacht wird. Warum wird nicht einfach alles öffentlich eingeblendet? Fände ich besser, aber es ist wohl zwecklos, darüber eine Diskussion mit der Moderation zu starten (auch wenn ich mir das durchaus schon öfter überlegt hatte).""

schreibt Silberne Delfine.

Dann dürfte es auch keine anonymen Wertungen mehr geben.

Ich hatte viel Spaß beim Lesen der Geschichte und den Kommentaren.

Viele Grüße

molly
 
R

Ray Catcher

Gast
Hmmm...wenn Kurzprosa so definiert ist, dass nichts passieren muss und nur kurz angetippt, wie ein flüchtiger Moment ohne Klammer darum oder Faden hindurch, dann soll es so sein. Ich persönlich finde hier aber keinen Zugang weder im Thema, Protagonist noch im Stil. Aber wie man an den Kommentaren sieht, wird das sehr unterschiedlich beurteilt.
Liebe Grüße
Ray
 

Ciconia

Mitglied
Schade, Ray. Aber laut Forentext ist Kurzprosa durchaus so definiert, auch wenn viele Leser nichts damit anfangen können. Dass in diesem Fall kein Faden durch die Geschichte führt, würde ich allerdings nicht gelten lassen.

Gruß Ciconia
 

Oben Unten