Dritter Brief an Mascha Kaleko

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Dritter Brief an Mascha Kaleko

Ich sitz im Bistro an der Straßenkreuzung
In einer Ecke, ziemlich ungestört,
Dann kommt ein Blonder mit Krawallkotletten,
Er blinkert im Vorübergehn, und wetten,
Er denkt: Da sitzt was, das jetzt mir gehört!

Von großer Liebe will der Kerl nichts wissen,
Als Großstadtlover nimmt er, was er kriegt,
Sein Blinkern kommt wie Eisenbahnsignale:
He, freie Fahrt! – Ich schüttel mich und zahle
Und seh, wie er auf was Brünettes fliegt.

Und du? Die große Liebe war kein Thema,
Beim Himbeereis hast du dein Herz verschenkt
An einen, der in Paddelbooten küsste,
Und was er sonst von großer Liebe wüsste,
Hast du ihn das gefragt? Und was er denkt?

Und was er hofft? Habt ihr das je besprochen?
So nebenbei vielleicht und dann und wann,
Ach, Großstadtliebe ist kein Zuckerschlecken,
Vor so viel Größe muss der Mensch erschrecken.
Das schrieb einmal ein informierter Mann.

Du schreibst vom leisen Sterben einer Liebe,
Und alle Traurigkeiten packst du mit hinein,
Ich würde gern mit dir darüber schweigen,
Auf einer Parkbank sitzend unter Zweigen,
Auf denen Spatzen um die Wette schrein.
 

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