Drum schenkt ihm noch ein Schnapserl ein ...

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Ciconia

Mitglied
Im Wirtshaus drunt am Weißenstein
schenkt Franz sich noch ein Schnapserl ein.
Babett ist heute durchgebrannt
mit Holger-Jan aus Norddeutschland.

Der Franz muss nun sehr tapfer sein,
drum schenkt ihm noch ein Schnapserl ein,
damit er irgendwann versteht,
warum Babett so einfach geht.

Man lässt den Franz auch nicht allein
und schenkt ihm noch ein Schnapserl ein.
„Babett kommt niemals mehr zurück“,
beteuern sie, „sieh’s auch als Glück!“

Spät schließt der Wirt die Flaschen ein,
Franz solle mal vernünftig sein.
Beim Weg durchs Dorf begreift er dann:
Ab jetzt bin ich ein freier Mann!

Brauch lang noch nicht nach Haus zu gehn,
der Alten Red und Antwort stehn.
Der Eckernwirt am Buchenhain
schenkt ganz bestimmt noch Schnapserl ein!
 
S

steky

Gast
Der Franz muss nun sehr tapfer sein,
[red]drum schenkt ihm noch ein Schnapserl ein,
damit er irgendwann versteht,
warum Babett so einfach geht.[/red]
Nichts wird der Franz verstehen, solange er angeäthert am Tresen hockt und sich ein Schnapserl nach dem anderen genehmigt. Aus dem ganz einfachen Grund: Alkohol bringt keine Erkenntnis. Um zu verstehen, müsste er nüchtern sein ...

Das ist die einzige Schwachstelle im Text, aus meiner Sicht.

LG
Steky
 

Ciconia

Mitglied
Auweia, steky, was für eine kühne Behauptung! Aber über Erkenntnisgewinnung im Rausch werde ich hier nicht diskutieren. Da hat wohl jeder, der alt genug ist, seine eigenen Erfahrungen.
Ich glaube, dass so ein harmloses Nonsense-Gedicht nicht für den moralischen Zeigefinger taugt.

Gruß Ciconia
 
S

steky

Gast
Moralischer Zeigefinger? Ich? Das nenne ich mal eine kühne Behauptung! Fakt ist: Trinkt der Franz weiter, wird er nie verstehen, warum die Babett sich aus dem Staub gemacht hat. Gerade deswegen betäubt er sich ja. Oder?

Erkenntnisse im Rauschzustand kann man durchaus haben und man kann sogar sein Bewusstsein erweitern. Aber was hätte das mit dem Franz seinem Problem zu tun? Nichts.

Es ist dein Text!

LG
Steky
 

Ciconia

Mitglied
Im Wirtshaus drunt am Weißenstein
schenkt Franz sich noch ein Schnapserl ein.
Babett ist heute durchgebrannt
mit Holger-Jan aus Norddeutschland.

Der Franz muss nun sehr tapfer sein,
drum schenkt ihm noch ein Schnapserl ein,
damit er erst einmal vergißt,
dass Frau Babett ein Miststück ist.

Man lässt den Franz auch nicht allein
und schenkt ihm noch ein Schnapserl ein.
„Babett kommt niemals mehr zurück“,
beteuern sie, „sieh’s auch als Glück!“

Spät schließt der Wirt die Flaschen ein,
Franz solle mal vernünftig sein.
Beim Weg durchs Dorf begreift er dann:
Ab jetzt bin ich ein freier Mann!

Brauch lang noch nicht nach Haus zu gehn,
der Alten Red und Antwort stehn.
Der Eckernwirt am Buchenhain
schenkt ganz bestimmt noch Schnapserl ein!
 

Ciconia

Mitglied
Hallo steky,

ich habe die entsprechende Passage jetzt geändert. Wahrscheinlich hast Du Recht mit Deinem Einwand – ich empfand ihn anfangs nur etwas sektiererisch. Aber wahrscheinlich hast du das gar nicht so gemeint.
Die Erkenntnis hat Franz dann ja sowieso in der vorletzten Strophe gewonnen. ;)
Danke für Deinen Hinweis!

Wem Miststück zu hart ist: Man könnte eventuell auch Flittchen/Flitscherl sagen.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Im Wirtshaus drunt am Weißenstein
schenkt Franz sich noch ein Schnapserl ein.
Babett ist heute durchgebrannt
mit Holger-Jan aus Norddeutschland.

Der Franz muss nun sehr tapfer sein,
drum schenkt ihm noch ein Schnapserl ein,
damit er erst einmal vergisst,
dass Frau Babett ein Miststück ist.

Man lässt den Franz auch nicht allein
und schenkt ihm noch ein Schnapserl ein.
„Babett kommt niemals mehr zurück“,
beteuern sie, „sieh’s auch als Glück!“

Spät schließt der Wirt die Flaschen ein,
Franz solle mal vernünftig sein.
Beim Weg durchs Dorf begreift er dann:
Ab jetzt bin ich ein freier Mann!

Brauch lang noch nicht nach Haus zu gehn,
der Alten Red und Antwort stehn.
Der Eckernwirt am Buchenhain
schenkt ganz bestimmt noch Schnapserl ein!
 

Mondnein

Mitglied
nicht schlecht!

Schöne volkstümliche Liedform. Sowas singt (sang) man doch mit Gruppenrefrain in alpinen Gaststuben, oder in Bayern vielleicht? Der Mitsinge-Refrain wäre hier (fast schon) die "Schnapserl"-Zeile. Da gibts ganz bestimmt eine "Feste Form".

Brauch lang noch nicht nach Haus zu gehn,
Da "brauchen" kein Modalverb ist (siehe den Infinitiv des abhängigen Verbs mit "zu ...") muß es die Personalendung "t" behalten (die hier fehlt): "Brauch[blue]t[/blue] lang noch nicht ..."
 

Ciconia

Mitglied
Danke mondnein, im ersten Moment war ich überzeugt, dass Du Recht hast, dann kamen mir Zweifel.

Die letzte Strophe ist ja in der 1. Person Präsens, d. h. aus Franzens Sicht gedacht: (ich) brauch lang noch nicht …
Da bräucht’s (!) doch kein „t“?
Hilfst Du mir auf die Sprünge?

Gruß Ciconia
 
S

steky

Gast
@Ciconia

Das Miststück nimmt der Geschichte irgendwie den Charme ... Wie wäre es mit "damit er vergisst, wie hart das Leben ist"? - nur mal so als Wegweiser ...

Sektieren wollte ich dich nicht.

LG
Steky
 

Herr H.

Mitglied
Hallo Ciconia,
dein Gedicht ist klasse - flüssig geschrieben und mit einer gehörigen Portion Humor gewürzt. Auch die späte Einsicht des verlassenen Ehemanns, dass jedes Ding zwei Seiten hat und in jedem Unglück ein Glück verborgen sein kann, kommt gut rüber. Ich finde nichts zu verbessern.

LG von Herrn H.
 

Ciconia

Mitglied
Vielen Dank für die anerkennenden Worte, HerrH. Dann hat Dich das „Miststück“ also nicht gestört? Ich glaube, dann werde ich es mal dabei belassen.

Gruß Ciconia

@steky: Trotzdem danke für Dein nochmaliges Vorbeischauen.
 

Mondnein

Mitglied
1.Pers.Sg.

Natürlich, Ciconia, das ist ja eigentlich klare Fortsetzung der ersten Person ("ich"), war mir nur durch den Sprung in die nächste Strophe entgangen.
Laß alles, wie es ist, es ist glatt, rund, konsistent und - wie bereits gesagt, ein gelungener Rundgesang (oder wie auch immer so ein Mitsingelied heißt).
 

anbas

Mitglied
Hallo Ciconia,

mir gefällt dieses Nonsensgedicht.

Als letzte Zeile könnte ich mir auch die folgende Variante vorstellen, die aus meiner Sicht den Text noch etwas mehr abrundet:
schenkt [blue]Franz[/blue] bestimmt noch Schnapserl ein!
Liebe Grüße

Andreas
 

Ciconia

Mitglied
Im Wirtshaus drunt am Weißenstein
schenkt Franz sich noch ein Schnapserl ein.
Babett ist heute durchgebrannt
mit Holger-Jan aus Norddeutschland.

Der Franz muss nun sehr tapfer sein,
drum schenkt ihm noch ein Schnapserl ein,
damit er erst einmal vergisst,
dass Frau Babett ein Miststück ist.

Man lässt den Franz auch nicht allein
und schenkt ihm noch ein Schnapserl ein.
„Babett kommt niemals mehr zurück“,
beteuern sie, „sieh’s auch als Glück!“

Spät schließt der Wirt die Flaschen ein,
Franz solle mal vernünftig sein.
Beim Weg durchs Dorf begreift er dann:
'Ab jetzt bin ich ein freier Mann!

Brauch lang noch nicht nach Haus zu gehn,
der Alten Red und Antwort stehn.
Der Eckernwirt am Buchenhain
schenkt ganz bestimmt noch Schnapserl ein!'
 

Ciconia

Mitglied
Moin Andreas,

grundsätzlich hast Du Recht, vielleicht würde es so runder klingen. Aber dann müsste Franz von sich in der 3. Person reden, denn ab S4Z4 handelt es sich ja um seine Gedanken (siehe auch den Austausch mit Mondnein).
Ich habe jetzt mal einfache Anführungsstriche gesetzt, vielleicht wird es so klarer.

Danke fürs Vorbeischauen.

Gruß Ciconia
 

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