Durch die Siedlung

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Etma

Foren-Redakteur
Teammitglied
Uh was erwartet mich denn hier feines!
Allein das Habichtshaupt habe ich nicht durchblickt.
Sind da wirklich Habichte hinter den Gardinen?
Ist das eine Referenz?
Eine Metapher?
Stellt das Wort "Habichtshaupt" etwas anderes dar, als von mir gedacht?

Ansonsten aber gefällt mir die Überraschung gewisser Formulierungen (siehe: Rasen saugen, Wasweißich-Hecken etc.), denn sie ergeben sehr viel Sinn für mich. Ich denke mir bei Hecken auch stets: was weiß ich denn wie sie heißen aber sie sind schick gestylt! :D

Auch die Rose hat mich nicht wirklich gestört, riecht man doch gerne an ihnen!

Die Hypotaxe ("Ich, im Weitergehen, [...]") klappt auch gut.

Zwergenidyll: nachvollziehbar,

Dass das lyrische Ich sich in die Fortschrittszeit versenkt, könnte auch veranschaulicht werden, oder nicht? Etwa dadurch, dass auch etwas aus dieser Fortschrittszeit gezeigt wird, denn ja, irgendwie gehören die Vorgärten unserer Siedlungen auch zur Fortschrittszeit aber das ist doch wohl nicht gemeint, oder?

Oder ist das alles hier sexuell konnotiert? (durch die Siedlung, Vorgärten, etc.) Könnte ich mir auch vorstellen, in diesem Fall wäre also das Gedicht eine Art Parabel, ich weiß nicht, wie mir das gefallen würde.

Grüße,
Etma
 

blackout

Mitglied
Etma, ich sehe es ein, es ist ein zu schwieriges Gedicht, und du brauchst eine Erklärung.

Du weißt sicher, dass es auf der Welt viele Kontinente, viele Länder, viele Städte und auch viele Vorortsiedlungen gibt.
Nun sind mir Kontinente, Länder und Städte zu umfangreich, in zwei Stunden nicht abzuschreiten, so dass ich mir einen kleinen Ausschnitt aus der Welt ansehen wollte, nämlich unsere Vorortsiedlung dichtebei. Das klappte auch ganz gut, die Haupttür vor dem imposanten Hauptweg war gerade mal nicht verschlossen, und so drang ich ins Innerste des deutschen Gemüts ein, ins Einfamilienhaus-Idyll mit Bodenimmobilie. Unerlaubt, ich mache mir noch heute Vorwürfe, das Schild am Eingangstor unbeachtet gelassen zu haben, das da lautete: "Unbefugten ist das Betreten des Siedlungsgeländes verboten". Aber was tut man nicht alles für ein gutes Gedicht.

Es war eine Offenbarung, als ich den Hauptweg entlangschritt und die Schönheiten der Siedlungsgärten auf mich einwirken ließ. Ich war überwältigt.

Und dann dachte ich daran, wie gut, dass es diese Siedlung gibt, ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur Erhöhung
unserer Sensibilität für die Umweltproblematik, eine Rose ragte über einen sorgfältig geflochtenen Edelstahlzaun, ich musste prüfen, ob es auch kein Hybride war (war es nicht), sie duftete, wie ich mir den Duft von Rosen vorstellte.

Berauscht von der Rose und dem grinsenden Gartenzwerg vor
einem stattlichen Kleingebäude, ging ich weiter, prüfend meinen Blick in die Runde werfend, und was ich sah, erzählt dir dieses Gedicht.

Zugegeben, es ist ein bisschen kurz geworden, in zwei Stunden prasseln die herrlichsten Eindrücke ja nur so auf den (unerlaubten) Spaziergänger ein. Ich habe sie entsprechend den hiesigen Anweisungen auf ein Gedicht verdichtet auf drei Zeilen.

Und was du da über unsere Fortschrittszeit gelesen hast, kannst du vergessen, das habe ich nur anstandshalber drangehängt, weil ich mir dachte, bei der Kürze wird vielleicht jemand eine Parabel vermuten (was eingetroffen ist), dies aber war nicht meine Absicht. Deshalb das Schwänzchen mit der Fortschrittszeit, um meinen Leser vom ungreifbaren Rosenduft auf den Boden handfester Tatsachen zurückzuführen.

Ich hoffe, dir die Entstehungsursache und die Absicht des Gedichts zu deiner Zufriedenheit hiermit erklärt zu haben. Leider musste ich dies mehrmals mit Hypotaxen tun, ich bitte um Entschuldigung, für einen Deutschen weist die deutsche Sprache häufig Schwierigkeiten auf. Ich hatte deshalb Bedenken, sehe aber an deinem Kommentar, dass du einiges ganz richtig mitgekriegt hast von meinem Gedicht. Und wer es nicht so gut verstanden hat wie du, hat das Nachsehen.

blackout
 

revilo

Mitglied
schönes Gedicht, aber "ich , im Weitergehen" halte ich für überflüssig und sprachlich liest es sich ein wenig gestelzt ... LG revilo
 

blackout

Mitglied
Kann ich nichts machen, Revilo. Die Lyrik drückt sich nun mal so verquast in ihrer eigenen Sprache aus. Und ein bisschen Lyrik muss eben im Gedicht sein. Aber beim nächsten Gedicht halte ich mich an deine Anweisungen. Versprochen.

blackout
 

Etma

Foren-Redakteur
Teammitglied
Entschuldige, blackout, dass ich bisher noch nicht geantwortet habe. Vielen Dank für deine ausführliche Erklärung. Ich bin begeistert, wie viel hinter deinem kleinen Gedichtle steckt, wie viele Eindrücke! So viel mir Bekanntes, so viel allzu Menschliches! Und vielleicht warst du denn befugt dort einzutreten, da du ja nur deinen Job getan hast, letztendlich.

LG, Etma :)
 

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