Ehm Welk

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blackout

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Dort zwischen Feldern,
die Wälder schliefen in den Flüssen,
einer mit wachen Augen, er blickte hin,
fremd blieb ihm nichts.

Nächtliche Eulenschreie,
Hähne bekrähten den Morgen, und der Herr Pastor
segnete die Dorfarmut. Biesenbrow,
Welks Kummerow. Er schrieb auf. Die Gespräche
der Dorfleute, trank mit ihnen, seine Späße
noch heute Legende, seine Bücher ein
trauriges Lächeln der Landschaft.

Ihn trieb es hinaus, hin in die Lüfte
der Städte, im Nacken den knorrigen Grambauer,
das schwere Gepäck.

Groß ist die Welt,
groß auch das Herz. Chronist war er, nichts
entging ihm, er las, schrieb zwischen den Zeilen –
Weimar, das harte Brot.

Die dunkle Zeit dann, er blieb im Lande.
Mutig bot er dem Goebbels die Stirn - dieser Ehm Welk,
der komische Dorfpoet, einer der
gerechten Heiden von Kummerow.
 
Lieber blackout,
Ehm Welk und seine Heiden von Kummerow habe ich als Jugendlicher, aber auch später noch mit großem Genuss gelesen, ja, verschlungen. Vor allem seinen Humor finde ich großartig. Dein Gedicht kann ich daher mit jeder Zeile bestens nachfühlen.
Sei herzlich gegrüßt
Karl
 

blackout

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Ich habe Ehm Welk leider erst sehr spät kennengelernt, die beiden Filme ("Die Gerechten" und die "Heiden")kannte ich, aber nicht seine Bücher. Dann war ich in Angermünde, dort gibt es ein Ehm-Welk-Museum, die ganze Ärmlichkeit der Lebensverhältnisse seiner Kindheit und Jugend ist dort ausgestellt. Sie verkaufen dort auch Neuauflagen seiner Bücher. Dann bin ich nach Biesenbrow, einem kleinen Dorf, wo ich alles wiederfand, was er in seinen Büchern beschrieben hat: die Kirche, den Gänsestall, das Pfarrhaus, die Schule. An der Schule gibt es seit DDR-Zeiten eine Tafel mit dem Hinweis, dass in diese Schule der Dichter Ehm Welk ging. Nur die Dorfkneipe gibt es nicht mehr, den Dörflern fehlt dadurch der vorige Zusammenhalt, sie hat die "neue Zeit" nicht überlebt. Die Leute dort sagten, dass sehr selten jemand wegen Ehm Welk nach Biesenbrow kommt.

Danke, Karl, war schön, dass du in das Ehm-Welk-Gedenkgedicht reingesehen hast.

blackout
 
Diesem Text entnahm ich vor allem den Hinweis auf Ehm Welk, der mir bislang völlig unbekannt war, danke dafür!

Zwar lag mir der Titel "Die Heiden von Kummerow", weil so einprägsam, irgendwo im Kopf herum, mehr aber auch nicht. Scheint ein interessanter Autor zu sein, dieser Welk.

Den sogleich in Youtube aufgefunden Film empfinde ich allerdings als ungenießbar. Vielleicht besorge ich mir ein Buch von ihm, mal sehn.
 

blackout

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Da hast du recht, Binsenbrecher, der Film "Die Heiden von Kummerow" ist ein ost-westdeutscher Kompromiss, eine Gemeinschaftsproduktion, die keiner der beiden gegensätzlichen Seiten auf die Zehen treten wollte, gemütlich, freundlich, lustig, mit einem Tropfen Sozialkritik. Ein Film für den Sonntagnachmittag, wenn die Familie beim Kaffee sitzt. Wobei ich aber auch finde, dass "Die Gerechten von Kummerow", reine DDR-Produktion, dem Buch Ehm Welks nicht gerecht wird.

Ehm Welk war ein Kämpfer. Der schrieb an Goebbels 1933 einen Brief, in dem er alle Standardüberzeugungen der Nazis über den Haufen warf und sogar Goebbels direkt angriff. Goebbels sah ihn zum Glück eher als einen unbedeutenden Dorfpoeten an, weil eben seine Texte meistens auf dem Dorf angesiedelt sind. Andere waren schon für weniger im KZ gelandet.

Das Buch über seinen Großvater Gottlieb Grambauer beschreibt die Zeit in Biesenbrow, als die Arnims dort herrschten, die Bauern im Grunde genommen Hörige waren und wie der schlaue Grambauer sich durch die Welt geschlagen hat. Welk hat entschieden was von ihm geerbt.

Ich kann Ehm Welk nur empfehlen. Man muss allerdings für Zeit und Ort Auge und Ohr haben, es ist das Land Brandenburg der Junker, Kaiserzeit. Wobei ich nicht weiß, was Ehm Welk dann in der DDR an Funktionen hatte, vermutlich nicht sehr bedeutende. Man kannte seinen Namen, aber seine Bücher wurden meiner Ansicht nach nicht sehr oft gelesen. Man muss ein Faible für ihn haben.

blackout
 

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