Eilmeldung - Ossis retten die Demokratie

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Was haben die Düsseldorfer Königsallee, die Münchener Leopoldstraße, die Frankfurter Zeil und Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam? Hüben Hui drüben Pfui.

Das war nicht immer so. Aber Schuhe, Klamotten oder Champagner gibt es auch in jeder gut sortierten Diktatur.

Jetzt, wo unsere Führung wieder Götterdämmerung feiert, muss es erneut jemand richten, der aus einem Landstrich kommt, in dem die Menschen nicht in den Supermarkt, sondern in die Kaufhalle gehen. Mecklenburg-Vorpommern. Die meisten Westdeutschen haben nur eine grobe Ahnung, wo das ist. Wäre mal eine Frage für den vielbeschäftigten Millionär, den Jauch, Günter.

Nach der Spendenaffäre hatte die CDU nichts mehr zu lachen. Die Pfarrerstochter mit Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern musste ran. Die lachte nicht viel, aber die Regierung stand. Christian Wulff hat nichts anders gemacht als Otto-Normal-Verbraucher. Vorteilsnahme im Lebensverlauf, dass vermittelt das kapitalistische System schon mit der Muttermilch. Geiz ist geil und ich bin doch nicht blöd. Solidarität ist doch nur noch ein Sonntagswort und der Soli muss sowieso weg.

Und wieder muss ein Ossi ran, wieder einer aus Mecklenburg-Vorpommern. Die Medien haben ihm schon den Stempel aufgedrückt. Er soll der Bürgerpräsident werden.

Was ist los in der BRD? 65 Millionen zeigen 15 Millionen im Osten seit 20 Jahren, wo der Bartels den Most holt. Die Wessis sind so kompetent, dass sie auch eine Generation nach der Wende noch in Amtsstuben und Geschäftsstellen in den „neuen“ Ländern unersetzlich sind – glauben sie jedenfalls. Im Westen findet man Ossis in vergleichbaren Positionen nicht einmal mit der Lupe. Ein Sachse als Oberbürgermeister von Gelsenkirchen? Eher wird Karl Theodor zu Guttenberg Dschungelkönig.

Nur die wichtigsten Ämter im Staat können sie nicht. Da kommt es den Ossis gerade recht, dass sie immer noch den Exotenbonus haben. In den USA regiert ein Schwarzer, in Deutschland zwei Ossis. Woher kommt das? In einem Land, wo Ganztagskitas, Ganztagsschulen und Polykliniken selbst von Christdemokraten eingeführt werden, man es aber tunlichst vermeidet zu erwähnen, dass das DDR Modelle sind. Im Osten regierten ja 40 Jahre Elend und Not!

Sind Merkel und Gauck nun die Besten oder ist das westdeutsche Demokratiesystem so verfilzt, dass es nun die im Westen gefühlten Aliens aus dem, mit 1,6 Millionen Einwohnern, drittkleinsten Bundesland machen müssen? Sorry und Einwohnerinnen natürlich.

Schluss aus, irgendwann muss doch mal Schluss sein mit dem Ost-West Gerede. Die veröffentlichte Meinung wird uns die beiden Provinzler, sozialisiert in einem vergessenen Land, nun als Beweis präsentieren, wie stark die Einheit gewachsen ist.
So gesehen stimmt das ja auch. Vom Osten lernen, heißt siegen lernen. In guter DDR Tradition haben die vier westdeutschen Blockparteien im Bundestag per Deklamation das neue Staatsoberhaupt ausgerufen. Die Bundesversammlung müsste eigentlich nur dann noch wählen, wenn die ostdeutsch dominierte Linke einen eigenen Kandidaten ausruft. Oder Kandidatin. Haben sie ja auch. Ossis retten unsere Demokratie.
 

Duisburger

Mitglied
Platte Polemik auf Stammtischniveau.
Das hätte richtig gut werden könne, wenn der Sarkasmus wirklich zünden würde. Tut er leider nicht, weil er leider nur Klischees auf Bildzeitungsniveau bedient. Das reisst keinen mehr vom Hocker.
Da sagt einer, dass esndlich Schluss sein müsste mit dem Ost-West-Gerede und haut schon gleich im Titel in diese Kerbe.
Um das nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, mach der Autor das ma Ende dann gleich noch mal.

Uwe
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich versteh den Anfang nicht.
Tun wir mal so, als könne man diese "Meilen" mit diesem Land überhaupt vergleichen und als sei „hüben und drüben" nicht standortabhängig, und tun wir mal so, als gäbe es wirklich überall und immer nicht nur Anziehsachen (von deren Qualität ist ja keine Rede) sondern auch Champagner (das eindeutig ein Qualitätshinweis): Eine Seite gilt als glamourös, die andere als stinkig/anrüchig. Das war nicht immer so, früher (wann?) galten beide als gleichwertig. Bis dahin ok (zumindest der Sprachlogik nach). Aber was meinst du mit „Früher galten sie als gleichwertig, aber einkaufen kann man ja überall.“? Man kann das kann man heute auch noch - wieso dann heute diese Ungleichheit?


Auch sonst ist manches "seltsam". "Die lachte nicht viel" – warum hätte sie das auch sollen bei dem „Desaster"? Und warum „aber die Regierung stand." – tut sie das für gewöhnlich nur mit einen Spaßmacher als Kanzler?
Was meinst du mit dem „selbst" bei "In einem Land, wo Ganztagskitas, Ganztagsschulen und Polykliniken selbst von Christdemokraten eingeführt werden…"? Meinst du "sogar"? Wieso "sogar"? Oder meinst du es im Sinne des umgangssprachlichen "selber"?


Von inhaltlichen Bizarrheiten wie dem "Exotenbonus" red ich mal gar nicht. Den mag es bei TV-Shows geben oder innerhalb einer Fraktion, die sich mit dem „Vorzeige-Moslem" oder dem „Alibi-Behinderten" oder sowas „schmückt“, aber nicht in diesen politischen Positionen. Aber das ist, wie gesagt, eine eher inhaltliche als schreibhandwerkliche Sache.



Noch kurz die paar Rechtschreibsachen und dergleichen:

Bei Worte wie DDR-Modelle, DDR-Tradition und Ost-West-Gerede (oder Hühnerfarm-Tor oder BRD-Delegation) gehören Bindestriche zwischen die Wortteile.

Bei "Schluss aus, …" meinst du sicher „Schluss, aus, …" oder noch genauer: „Schluss! Aus!" oder "Schluss und aus!" oder sowas.

"die im Westen gefühlten Aliens" – wieso werden im Westen Aliens gefühlt? ;) Nein im Ernst, du meinst „die im Westen als Aliens empfundenen"

Auch unsauber: "Vorteilsnahme im Lebensverlauf, dass vermittelt das kapitalistische System schon mit der Muttermilch." Unter "Vorteilsnahme im Amt" kann ich mir was vorstellen, aber „Vorteilsnahme im Lebenslauf"? Und: Was vermittelt das System („Auto vermittelt das System“ ergibt ebenso wenig Sinn)? Ein System hat Muttermilch? Ein echter Fehler: Das "das" nach dem Komma nur mit einen „s".



PS: "In einem Land, wo Ganztagskitas, Ganztagsschulen und Polykliniken selbst von Christdemokraten eingeführt werden, man es aber tunlichst vermeidet zu erwähnen, dass das DDR Modelle sind." – Das kommt mir aus dem Herzen.
 
Was haben die Düsseldorfer Königsallee, die Münchener Leopoldstraße, die Frankfurter Zeil und Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam? Hüben Hui, drüben Pfui.

Das war nicht immer so. Aber Schuhe, Klamotten oder Champagner gibt es auch in jeder gut sortierten Diktatur.

Jetzt, wo unsere Führung Götterdämmerung feiert, muss es erneut jemand richten, der aus einem Landstrich kommt, in dem die Menschen nicht in den Supermarkt, sondern in die Kaufhalle gehen. Mecklenburg-Vorpommern. Die meisten Westdeutschen haben nur eine grobe Ahnung, wo das ist. Wäre mal eine Frage für den vielbeschäftigten Millionär, den Jauch, Günter.

Nach der Spendenaffäre hatte die CDU nichts mehr zu lachen. Die Pfarrerstochter mit Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern musste ran. Die lachte auch nicht viel, aber die Regierung stand.
Christian Wulff hat nichts anders gemacht als Otto-Normal-Verbraucher. Vorteilsnahme im Lebensverlauf, das mischt das kapitalistische System schon in die Muttermilch. Geiz ist geil und ich bin doch nicht blöd. Solidarität ist nur noch ein Sonntagswort und der Soli muss sowieso weg.

Und wieder muss ein Ossi ran, wieder einer aus Mecklenburg-Vorpommern. Die Medien haben ihm schon den Stempel aufgedrückt. Er soll der Bürgerpräsident werden.

Was ist los in der BRD? 65 Millionen zeigen 15 Millionen im Osten seit 20 Jahren, wo der Bartels den Most holt. Die Wessis sind so kompetent, dass sie auch eine Generation nach der Wende noch in Amtsstuben und Geschäftsstellen in den „neuen“ Ländern unersetzlich sind – glauben sie jedenfalls. Im Westen findet man Ossis in vergleichbaren Positionen nicht einmal mit der Lupe. Ein Sachse als Oberbürgermeister von Gelsenkirchen? Eher wird Karl Theodor zu Guttenberg Dschungelkönig.

Nur die wichtigsten Ämter im Staat können die Wessis nicht mehr. Da kommt es gerade recht, dass die Ossis immer noch so selten in Spitzenfunktionen sind, dass sie Exotenstatus genießen. In den USA regiert ein Schwarzer, (Farbiger, Afroamerikaner - wie heißt es im Moment?), in Deutschland zwei Ossis. Woher kommt dieses Fremdeln? In einem Land, wo Ganztagskitas, Ganztagsschulen und Polykliniken sogar von Christdemokraten eingeführt werden, man es aber tunlichst vermeidet zu erwähnen, dass das DDR-Modelle sind. [Beziehungsweise Modelle aus der so genannten DDR oder der ehemaligen DDR - gibt es eigentlich auch das ehemalige Dritte Reich? ] Im Osten regierten 40 Jahre Elend und Not, da kann nichts Übernehmenswertes herauskommen, daran hält die veröffentlichte Meinung fest.

Sind Merkel und Gauck nun die Besten oder ist das westdeutsche Demokratiesystem so verfilzt und überholt, dass es nun die im Westen als Aliens wahrgenommenen aus dem, mit 1,6 Millionen Einwohnern, drittkleinsten Bundesland machen müssen? Sorry und Einwohnerinnen natürlich.

Schluss, aus, irgendwann muss doch mal Schluss sein mit dem Ost-West Gerede. Die veröffentlichte Meinung wird uns die beiden Provinzler, sozialisiert in einem vergessenen Land, nun als Beweis präsentieren, wie stark die Einheit gewachsen ist.
So gesehen stimmt das ja auch. Vom Osten lernen, heißt siegen lernen. In guter DDR Tradition haben die vier westdeutschen Blockparteien im Bundestag per Deklamation versucht, das neue Staatsoberhaupt ausgerufen. Die Bundesversammlung müsste eigentlich nur dann noch wählen, wenn die ostdeutsch dominierte Linke einen eigenen Kandidaten ausruft. Oder Kandidatin. Haben sie ja auch. Ossis retten unsere Demokratie.
 
Reaktion auf Uwe und Jon

Uwe, ich habe befürchtet, dass ein Duisburger das nicht versteht. Das ist nicht bös gemeint, ich komme selbst aus dem Ruhrgebiet und wohne seit 12 Jahren im Osten.

Jon, danke für Deine Anmerkungen. Ich hoffe, ich habe etwas verständlicher umgearbeitet und alle Rechtschreibfehler gefunden
 
A

Architheutis

Gast
Mecklenburg-Vorpommern. Die meisten Westdeutschen haben nur eine grobe Ahnung, wo das ist.
Meinst Du ernsthaft, dass dies in einem Forum für Belesene funzt? Ich für meinen Teil habe hier ob der einfältigen Polemik gedanklich bereits abgeschaltet.

Ich bewundere jon, dass sie sich den Rest angetan hat.

Schreibensdochauf - oder lieber doch nicht?

Gruß,
Archi
 
Ich bleib dran Architheutis - Meck-Pom

Ja, es muss manchmal holzschnittartig bleiben. Ich war letztens im Sauerland (West-gebirgig) und traf eine Frau die noch nie - frag mich nicht warum - in Berlin war. Ich fuhr mit ihr dorthin und ihre Freunde hatten sie vorher gebrieft - "Wenn Du nach Berlin fährst, musst Du ins Kadewe". Wer diese Surrealität versteht (20 Jahre nichts mitbekommen) darf meine Texte weiter lesen. Wer nicht, der nicht. Da verhärte ich mich langsam - als Wessi, im Osten lebend. Sorry!
 
A

Architheutis

Gast
Wer diese Surrealität versteht (...) darf meine Texte weiter lesen. Wer nicht, der nicht.
Punkt 1:
Dein Text birgt keine Surrealität, sondern verfängt sich in Profanität.

Punkt 2:
Wer benötigte dein Einverständnis, deine Texte lesen zu dürfen?

Mir fällt eher die Vokabel "müssen" ein.

Gruß,
Archi
 

Duisburger

Mitglied
Uwe, ich habe befürchtet, dass ein Duisburger das nicht versteht. Das ist nicht bös gemeint, ich komme selbst aus dem Ruhrgebiet und wohne seit 12 Jahren im Osten.
Damit gewinnst du den Preis für die dümmste und sinnfreieste Antwort des Jahres bei der LL.
Das ist nicht zu toppen. Ganz sicher.

Nur mal für dich, weil ich deine (beleidigenden und kurzsichtigen) Scheuklappen mal für einen Moment öffnen will.

Ich komme aus eine DDR-Flüchtlingsfamilie (Ronneburg / Thüringen). Mutter und Kinder sind über die thüringische Grenze gegangen, mein Vater hat sich nach West-Berlin durchgeschlagen und ist von dort in den Westen ausgeflogen worden.
Unsere restliche Verwandschaft blieb da. Meine Eltern konnte die Verwandschaft erst fast zwanzig Jahre später wiedersehen.
Ich könnte dir nun noch was von Repressalien und nicht zugestellter Post erzählen, von einem Onkel, der deswegen seinen Job verloren hat, von ...

Komm mal wieder runter.
Jemanden, der behauptet, als Westdeutscher nach zwölf Jahren dort die Ossi / Wessi Problematik zu verstehen und dann noch versucht, einen verqueren geschichtlichen Diskurs über die DDR an den Leser zu bringen, kann ich nicht ernst nehmen.

verärgert
Uwe
 
"Schnauze Wessi" -ein neues Buch

Liebe Kollegen,

ich habe eure Debatte aufmerksam verfolgt und finde die gegenseitigen Vorurteile der "Ossis" und der "Wessis" langsam anachronistisch und antiquiert. Die Tatsache, dass nun bald zwei in der DDR geborene und sozialisierte Menschen an der Spitze unseres Staates stehen, ist in der ganzen Geschichte ohne Beispiel.

Und dennoch: es scheint, für die im Westen des Landes lebenden Menschen völlig unverständlich und fremd, im Osten des Landes ein Gefühl zu geben, durchaus auch bei nach der Wende 1989 Geborenen, das in den letzten beiden Jahren auch die Griechen kennengelernt haben - eine beseerwisserische Musterelternschaft, die verletzend und beschämend ist.

Gestern erhielt ich vom Verlag ein Buch, das erst am 5. März erscheint, und was hoffentlich in der Lage ist, in die Debatte einen satirischen und doch ernst gemeinten Schuss Scharfsinn und Ehrlichkeit zu bringen. Es heißt "Schnauzi Wessi" , ist geschrieben von dem 1968 in Leipzig geboren und seit 1990 als Journalist arbeitenden (seit 1996 für den STERN) Holger Witzel und ist eine Sammlung von "Kolumnen voller Vorurteile, Bissigkeit, mit spitzer Feder und schonungslosem Scharfsinn".

Ich möchte an dieser Stelle auf dieses Buch hinweisen.

Winfried Stanzick
 
Winfried/Uwe

Danke Winfried. Ich befürchte allerdings, dass Uwe noch verägerte sein wird, wenn er die Kolumnen "Schnauze Wessi" liest - sie sind auch online bei stern verfügbar. Ich bin ja bereit, meine These diskutieren zu lassen. Aber noch einmal: Solange wir der Elitenproblematik nach Parsons (Eliten kreieren Eliten - sprich Wessis, auch im Osten, stellen Wessis ein) erliegen, haben wir keine Einheit.Und Merkel und Gauck sind eben nicht der Beweis für gelungene Einheit, sondern die Ausnahme von der Regel. Soweit meine These, die natürlich angegriffen werden darf. Uwe: (Familie gefüchtet, etc. - meine übrigends auch). Hier verweise ich auf den Satz der verstorbenen BÜRGERRECHTLERIN Bärbel Bohley - also nicht SED oder sowas: "40 Jahre DDR heißt erstmal, dass hier 40 Jahre Menschen gelebt haben." Dem ist nichts hinzuzufügen.Die Welt ist leider nicht gut und böse Uwe. Es wünscht sich doch keiner die DDR zurück. Aber es muss gestattet sein, auf Schwächen im jetzigen System hinzuweisen, auf Alternativansätze in der DDR hinzuweisen, die durchaus gelungen (wenn auch mit fortschreitender Zeit ideologisch pervertiert)waren. Noch etwas zum Stil hier. Ich finde es unangemessen, wenn man hier für literarische Texte beleidigt wird. Wenn ein Text unsachlich wirkt, heißt das nicht, dass man sich in der realen Auseinandersetzung unsachlich begegnen muss.
 

Duisburger

Mitglied
"Aber es muss gestattet sein..."
Aber sicher doch.
Ich empfehle dir aber dringend, erst einmal das, was du geschrieben hast, noch einmal vor den Einlassungen der anderen Leser hier zu reflektieren.
Wenn du das getan hättest, würdest du merken, dass kaum das "was", aber massiv das "wie" kritisiert wurde.
Ich nannte das "schlecht umgesetzt".
"Uwe, ich habe befürchtet, dass ein Duisburger das nicht versteht."
Diese vollkommen sinnfreie Aussage habe ich kritisiert, weil sie impliziert, das alle, die hier im Westen leben, nicht nachvollziehen können, was du an den Mann (die Frau) zu bringen versuchst(!)
Richtig lesen tut not.
Ich bin ja bereit, meine These diskutieren zu lassen.
Welche These?
Ich lese da nur stumpfe Polemik, die oberhalb des Stammtisches keinerlei Ansatzpunkte für eine sinnvolle Diskussion bietet.
"Die Welt ist leider nicht gut und böse Uwe."
Danke, Papa.
Den belehrenden Zeigefinger packe gleich mal wieder ein. Aus dem Alter und dem Stadium bin ich raus.
Ich finde es unangemessen, wenn man hier für literarische Texte beleidigt wird.
Wo?
Wer?
Womit?
Kann es sein, dass du negative Kritik als Beleidigung deines schreiberischen Genius empfindest?
Wenn ein Text unsachlich wirkt, heißt das nicht, dass man sich in der realen Auseinandersetzung unsachlich begegnen muss.
Tut er das, dein Text? Interessant.
Unsachlich wurdest du doch, als du mir als "Duisburger" (und damit auch allen anderen "Wessies") das Verständnis absprechen wolltest.

Komm mal von deinem hohen Roß wieder runter und dann bin ich auch gerne bereit, mit dir sachlich und konstruktiv zu diskutieren.

Uwe
 

FrankK

Mitglied
Werter Schreibensdochauf
Bedauerlicherweise habe auch ich so meine Probleme mit Deinem Text, dem ich nicht sehr viel unterhaltsames abgewinnen kann.
Unverständliche Aussagen wie:
Was haben die Düsseldorfer Königsallee, die Münchener Leopoldstraße, die Frankfurter Zeil und Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam? Hüben Hui, drüben Pfui.
Was können die drei Straßen schon mit dem Bundesland gemeinsam haben? Außer nichts?
„Hüben Hui, drüben Pfui“ ist auch eher eine wiedersprüchliche Aussage als eine Gemeinsamkeit.

Aber Schuhe, Klamotten oder Champagner gibt es auch in jeder gut sortierten Diktatur.
Nur nicht für jeden Bürger einer „gut sortierten Diktatur“. Gegenfrage: Was ist demzufolge eine „schlecht sortierte Diktatur“?

… in dem die Menschen nicht in den Supermarkt, sondern in die Kaufhalle gehen.
Wir sprechen von der aktuellen Zeit, da gab es die Geschäftsform „Kaufhalle AG“ auch weit verbreitet in den alten Bundesländern. Als eingefleischte Ossi-Bewohner ging es wohl eher in den „Konsum“.
So, wie man als Kölner völlig vergeblich in Kassel ein „Kölsch“ bestellt, ist für den „Wessi“ weitestgehend unverständlich die Bestellung von nem „halben Broiler“ oder einer großen „Fassbrause“. Den notwendigen aber feinen Unterschied kannte ich schon als „Dötzke“. Du führst eine Erklärung mit unterschiedlichen Begrifflichkeiten.
Übrigens geht es mir diesbezüglich wie dem Duisburger Uwe, neben Mutter, Vater und ner Tante kam der Rest meiner Sippschaft von „drüben“ (was durchaus noch harmlos ausgedrückt war, den Begriff „Zone“ empfand ich persönlich als schlimmer).

… Mecklenburg-Vorpommern. Die meisten Westdeutschen haben nur eine grobe Ahnung, wo das ist.
Bitte vertu Dich da nicht. Als ernstgemeinter Text (Wir sind hier nicht im Satireforum!) funktioniert das nicht. Als "Kolumne" mag ich es auch nicht so recht verstehen.
Solcherlei „Kalauer“ gehen nocht zu dicht unter die Gürtellienie. Für einen Knie- oder Knöcheltreffer reicht es da nicht.
Hier hätte etwas kommen müssen in der Art:
„Wäre mal ne Frage für „Who wants to be a Millionair“ fom NBC Networks:
The Mecklenburg-Vorpommern lays in which Country?
A: Australia
B: Germany
C: South-Africa
D: Mare Imbrium

Anschließend kommt Du mit einer Nebeneinanderstellung von Angie und Achim. Lass mich erklären: Die beiden haben nichts (!) gemeinsam, ausser dem Bundesland, in dem sie geboren wurden. Genausogut könntest Du versuchen Nero und Spartacus gleichzusetzen. Oder Jopi Heesters und Otto Waalkes. Geht auch nicht.

Und wenn sich Karl-Theodor als Dschungelcamper bewirbt und das Ding tatsächlich gewinnt? Das (und nur das) würde ich ihm ernsthaft zutrauen.

Schluss, aus, irgendwann muss doch mal Schluss sein mit dem Ost-West Gerede.
Die Aussage untersschreibe ich. Nur leider hält sich Dein Text auch nicht daran, er zielt genau auf diese Differenzierung ab.
Mir persönlich hängen alle Statisken und Erklärungen zum Hals raus, die nach einer Generation der Wiedervereinigung immer noch fein säuberlich zwischen Ost und West unterscheiden. Sucht hier der „Wessi“ immer noch nach dem verlorenen Feindbild aus dem Osten? Vermisst der „Ossi“ seinen liebgewonnenen Klassenfeind?
Verdammt, mit der Grenze war doch alles noch so klar und einfach und – Überschaubar.

Nur die wichtigsten Ämter im Staat können die Wessis nicht mehr.
Bezeichnend, dass Angie mit ihrem Wunschprinzen Christian, den sie so kraftvoll durchgeboxt hat, auf die Nase gefallen ist. Hier wäre wieder ein guter satirischer Ansatzpunkt gewesen. Statt dessen verlegst Du Dich wieder nur auf das „Wessi – Ossi“ – Phänomen.

In den USA regiert ein Schwarzer … in Deutschland zwei Ossis.
Immer vorausgesetzt, Du glaubst daran, dass dieses, unser Land, tatsächlich von Angie und Achim regiert würden. Ackermann ist, soweit ich weiß, aber kein Ossi, so wie viele andere Wirtschaftsbonzen auch nicht.

… gibt es eigentlich auch das ehemalige Dritte Reich?
Immer wieder gerne genutzt: Wenn nichts mehr geht, geht immer noch ein Bezug auf die NS-Zeit. Nach meinem dafürhalten in diesem Text völlig deplaziert.

Im Osten regierten 40 Jahre Elend und Not ... daran hält die veröffentlichte Meinung fest.
Welche veröffentlichte Meinung? Die aus dem Tageblatt mit den vier großen Buchstaben? Ich „bild“ mir meine Meinung selber. Dafür brauche ich keine „Telefongesprächs-Abschriften-Verteiler-dies-als-einzige-nicht-selber-drucken-Schreiberlinge“.

Sind Merkel und Gauck nun die Besten oder ist das westdeutsche Demokratiesystem so verfilzt und überholt, dass es nun die im Westen als Aliens wahrgenommenen …
Ich sehe Gauck nicht als Alien, bei Angie bin ich mir nicht so sicher.
Insgesamt ist dierser Satz aber immer noch viel zu kompliziert, um bei der ersten Lektüre als unterhaltsam empfunden zu werden. So, wie leider einige andere Sätze in diesem Texterl ebenfalls.

Die veröffentlichte Meinung wird uns die beiden Provinzler, sozialisiert in einem vergessenen Land, nun als Beweis präsentieren, wie stark die Einheit gewachsen ist.
Schon wieder dieser Spezial-Zeitungs-Bezug.
Unterhaltsamer wäre eine Betrachtung gewesen, dass Angie aus ihrer großen Volkspartei keinem anderen Kandidaten ein solches Amt wohl zutrauen täte. Ersatzweise greift Sie nach einem ehemaligen Ministerpräsidenten auf einen evangelisch-lutherischer Pastor zurück. Amen.
Gauck - Rostock. Schwerlich als Provinz zu bezeichnen. Hier bricht die unterschwellige Meinung des Wessis über den Osten deutlich zu Tage.

In guter DDR Tradition haben die vier westdeutschen Blockparteien im Bundestag per Deklamation versucht, das neue Staatsoberhaupt ausgerufen. Die Bundesversammlung müsste eigentlich nur dann noch wählen, wenn die ostdeutsch dominierte Linke einen eigenen Kandidaten ausruft.
Was ist verkehrt daran, wenn der eine Kandidat über die eigene Unfähigkeit solpert, einfach den einzigen Gegenkandidaten zu nominieren?
Was ist verkehrt daran, weitere Vorschläge ebenfalls zu berücksichtigen? Vielleicht nominieren „Die Linken“ einen Kandidaten, der (oder die) auch bei den „Blockparteien“ große zustimmung findet.
Wieso überhaupt „westdeutsche“ Blockparteien? Dies suggeriert, dass genannte Parteien im „Osten“ nicht vertreten wären.
Bitte Korrigieren: „... versucht, das neue Staatsoberhaupt aus[blue]zu[/blue]rufen.“

Ossis retten unsere Demokratie.
Vorausgesetzt, diese unsere politische Form könne noch als Demokratie bezeichnet werden.


Ob Du, als Verfasser dieses Werkes, Deinen Wohnsitz jetzt Irgendwo im „Osten“ hast, ist für den Entstehehungsprozess belanglos. Der Unterhaltungswert zündet so schlecht wie ein Dieselmotor bei -40°C.
Die Sichtweise des Verfassers spielt eine Rolle für den Inhalt des Textes. Das Stück lebt von der Trennung zwischen Ost und West, nicht von der Vereinigung. Dies scheint den Standpunkt des Verfassers wiederzuspiegeln.
Weitere Betrachtungen der abgegebenen Kommentare will ich uns schenken.


Aus meiner Sicht ist mehr als ein „Dieser Text müsste noch stark überarbeitet werden“ nicht drin.


Bedauerliche Grüße aus Westfalen
Frank
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hinweis des Redakteurs:
Leider war ich am Wochenende nicht online, so dass ich in den Streit nicht gleich eingreifen konnte. Ab dieser Stelle tue ich es. Also ab sofort keine "Bewunderung, dass du dir das angetan hast"-Bemerkungen sowie Blindheits- und Verbohrtheitsvorwürfe mehr!
 
A

Architheutis

Gast
Liebe jon,

ich habe Verständnis für die Sicht des Redakteurs; aber:

Der Text ist ein Sammelsurium bunt gemischter, ins polemische verklärter Ost-Wet-Stereotypen. Darauf wird man hinweisen dürfen, gell?

Ich stimme ein, dass man nicht den Weg der sachlichen Diskussion verlassen sollte. Gehör findet der, der nicht in die selbe Kerbe schlägt wie der Text. Da sollte ich mit meinen Beiträgen vor meiner eigenen Haustüre kehren, zugegeben.

Weniger Verständnis habe ich jedoch für die einseitige Inschutznahme.
Wer setzt denn hier wem eine Brille auf, durch die man hindurchschauen soll, damit man die Texte des Authors weiter lesen darf? Wer spricht denn hier wem das Urteilsvermögen ab, allein ob seiner Herkunft? Nennt man so ein Verhalten nicht Chauvinismus?

Wer muss hier eigentlich vor wem geschützt werden?

Es bleibt einigermaßen verwundert zurück,
Archi
 
Allen an der Diskussion Beteigten empfehle ich dringend, sich
mit dem Werk 'Die Unvollendete' von Beatrice von Weizsäcker zu beschäftigen. Dieses Buch ist fern von jeder Polemik geschrieben und sollte sehr nachdenklich stimmen. Tatsache ist, dass ostdeutschen Schriftstellern und anderen verantwortungsbewussten Ossis damals kaum Gelegenheit gegeben wurde, sich an politischen Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Daher ist es verständlich, dass sie sich irgendwie "überfahren" fühlten. Das wirkt bis heute nach. Beatrice von Weizsäcker sieht die Entwicklung zwar optimistisch, aber es ist immer noch ein weiter Weg.
Dies schreibt ein ehemaliger Thüringer, der glaubt, sich ein Urteil bilden zu können.
Gruß "an Alle"
 

flammarion

Foren-Redakteur
Teammitglied
und

noch ne bemerkung am rande - mister obama stammt aus hawaii, seine dunkle haut hat nischt mit afrika zu tun.
lg
 

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