Ein Bauernbub

onivido

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Herr Josef Weidenmüller war ein sehr eigenwilliger Lehrer am Gymnasium einer bayrischen Kleinstadt. Nicht nur, weil er einen ausgefallenen Stundenplan durchgesetzt hatte, sondern auch, da er ausser Mathematik und Physik mit grosser Leidenschaft Sportuntericht gab. Seiner Meinung nach verbrachten die Schüler den grössten Teil ihrer Freizeit vor einem Computer in einer virtuellen Welt. Ohne das Kultusministerium zu informieren, oder gar um dessen Absegnung zu bitten, hatte dieses Gymasium im rückwärtsgewandten Alpenland die letzten zwei täglichen Unterrichtsstunden dem Sport gewidmet. Dieser Stundenplan, Weidenmüllers Lebenswerk, war nicht unumstritten. Es gab sogar Eltern, die vehement dagegen protestierten, weil ihre Sprösslinge dadurch physisch überlastet würden. Ihre Meinung wurde zur Kenntnis genommen, aber nicht beachtet, nicht nur weil sie in der Minderzahl waren, sondern auch aus kulturellen Gründen. Sie waren ausnahmlos nicht aus der Umgebung und sprachen nicht bayrisch.

Weidenmüller selbst war in seinen Jugendjahren ein ausgezeichneter, viel versprechender, Fussballer gewesen, hatte sogar zwei Saisonen professionell gespielt, aber sein Verletzungspech und seine ausgedehnten, abenteuerlichen, Reisen von Alaska bis in das argentinische Patagonien gerieten in Konflikt mit dem Arbeitsplan seines Dienstherren und er wurde zu den Amateuren abkommandiert. Der damit verbundene finanzielle Verlust veranlasste ihn vom Intensivfussball Abschied zu nehmen. Warum er sich danach ausgerechnet dem Lehramt widmete, blieb sein Geheimnis.

Nicht nur als Trainer des Eisacher Sportvereins befasste er sich immer noch mit seinem Lieblingssport. Im Gymnasium unterrichtete er seine Schüler im Herbst und von März bis Juni des öfteren drei mal wöchentlich im Ballkicken. Die übrigen Stunden des Sportunterrichts widmete er Schwimmen und Bodenturnen in allen Varianten. In den kalten Jahreszeiten ersetzte er Fussball mit Basketball und Volleyball. Seiner Ansicht nach mussten junge Menschen verschiedene Sportarten betreiben, um muskuläre Fehlentwicklungen zu vermeiden. Weidenmüller erzielte Erfolge ohne die Teenager zu einer kasernenartigen Lebensweise zu zwingen, wie dies bei der Nachwuchsarbeit der Profivereine üblich ist. Niemand schickte seine Schüler um neun Uhr abends ins Bett. Sie assen keine von einem Starkoch zubereiteten Mahlzeiten. Im Gegensatz zum Nachwuchs der Bundesligavereine genossen sie ihre Ferien. Dennoch gingen aus seinen Klassen Spitzensportler aller Disziplinen hervor. Die fussballbegabtesten rekrutierte er für den Eisacher Sportverein. In der Kreisliga war seine Mannschaft ungeschlagen.

Josef Heimstetter, die Spinne, war ein sehr dünner, übergrosser, blonder Junge, dessen Arme so lang waren, dass man von ihm sagte, er könne sich an den Knöcheln kratzen ohne sich bücken zu müssen. Seine spindeldürren Arme und Beine hatten ihm diesen Spottnamen eingebracht. Seit ihn Herr Weidenmüller zu einem ausgezeichneten Basketballspieler und schier unschlagbaren Fussballtorwart gemacht hatte, ärgerte er sich nicht mehr über diese Bezeichnung, sondern war stolz auf sie. Als Kind hatte er manchmal deswegen geweint. Kein Wunder, dass sein bester Freund seit diesen Tagen der Schokobua war, jetzt auch Schokosepp genannt. Das “Schoko” vor dem Sepp war notwendig, weil es im Dorf viele Sepps gab und es dadurch einfach war, ihn von irgendeinem anderen Sepp zu unterscheiden, wenn man von ihm sprach. Sein Familienname war für bayrische Zungen eine Zumutung. Er war Sohn eines Programmierers aus Äquatorialguinea und einer Informatikerin, Bauerntochter aus der Eisacher Umgebung. Ihr Vater, der Sepp Breitenwieser, war froh gewesen, dass seine Tochter keinen lutheranischen Preussen angeschleppt hatte. Die beiden hatten sich in der Hauptstadt kennen gelernt und waren nach der Hochzeit aufs Land gezogen. Ihr Sohn, mit bürgerlichen Namen Josef Antonio Ndongo, war unter Herrn Weidenmüllers Regie zu einem Starstürmer gereift. Weidenmuller setzte ihn ebenso wie die Spinne trotz ihrer erst 15 Jahre manchmal in der Männermannschaft seines Vereins ein.
Und da war auch Herrn Weidenmüllers geheimer Lieblingsschüler, Robin Hufschmied, “Soiznega” genannt, wohl wegen seiner sonnengebräunten Haut und weil der Name Robin für die Eisacher zu fremd klang. Ein hochaufgeschossener Junge, der erst vor drei Jahren aus dem Ausland auf das Gymnasium gekommen war.Weidenmüller hatte sich intensiv seiner angenommen, um ihn an das bayrische Schulniveau anzupassen. Beim Sportunterricht war er sofort aufgefallen, nicht nur weil er ein ausgezeichneter Schwimmer war, sondern beim Fussball- und Basketballspielen. Was ihn vor allem auszeichnete, war seine Spielübersicht. Es schien als hätte er Momentaufnahmen des Spiegeschehens im Kopf und seine Pässe kamen ohne aufzusehen, haargenau zum bestpositionierten Mitspieler. Überdies war er ein schier unüberwindbarer Verteidiger. Als der defensive Mittelfeldspieler des Eisacher Sportvereins wegen einer Verletzung ausfiel, stellte Weidenmüller den Jungen in dieser Position auf. Er sollte es nicht bereuen. Schon bei seinem ersten Einsatz spielte Robin, als wäre er eine Mischung aus Iniesta und Ramos.

Das Duo Ndongo und Hufschmied zermürbte die Gegner, was dem ungeheuer schnellen Robert Becker zu Gute kam, da man ihn weniger beachtete und Hufschmied unweigerlich in freie Räume flankte, wo Becker seine Gegenspieler überrannte. Weidenmüller hatte das tiki-taka System Barcelonas auf ein tiki System reduziert, das von den Spielern absolute Konzentration und Konditionsstärke verlangte. Das Ergebnis der Arbeit Weidenmüllers war, dass seine Mannschaft ihre Gegner in der Kreisliga degradierte und die meisten Spiele sogar mit zweistelligem Ergebnis gewann.
Jedoch Herr Josef Weidenmüller hatte bedeutend höhere Ziele. Und so geschah das bisher noch nie Dagewesene, Unglaubliche. Eisach hatte sich bei den Pokalspielen gegen Mannschaften aller höheren Ligen durchgesetzt und nachdem es auch den Bundesligisten Freiburg ausgeschaltet hatten, belächelte sie niemand mehr.

Am Tag des Endspiels in Berlin gegen Bayern München war Eisach menschenleer, Geschäfte und Werkstätten geschlossen. Sogar Fans aus Bad Tölz, Lengries, Kochel, Kreuth und Jachenau, ja, bis von Rosenheim waren angereist, viele in Trachten gekleidet, um die Berliner mit zur Schau getragener Heimatverbundenheit und bayrischer Rückständigkeit zu schockieren. Sie zeigten Fahnen des Eisacher Sportvereins mit der herausforderden Aufschrift “mia san a mia”.
Reporter belagerten den Mannschaftsbus der Eisacher, als diese bei ihrem Hotel ankamen.
Herr Weidenmüller liess nicht zu, dass einer von ihnen mit seinen Schützlingen sprach. Er selbst stellte sich ihren Fragen mit steinener Miene.
“Wir sind nicht bis nach Berlin gefahren, um zu verlieren“, erklärte er den verblüfften Journalisten, die etwas mehr Demut und Realismus erwartet hatten.
“Wir stellen den Ballakrobaten aus München eine Mannschaft entgegen.”
Auf der Pressekonferenz wurde Deutschlands Vorzeigetorwart, Neumann, gefragt was er von den Chancen seiner Gegner hielt.
“Der Ball ist rund”, antwortete er diplomatisch.
“Die Jungen aus dem Oberland sind nicht zufällig bis ins Endspiel gekommem”, meinte Curt Idowu, “aber natürlich gewinnen wir. Es fragt sich nur wie hoch. “
“Was ist Ihre Vorhersage?”
“Ich schatze so um 10:0, wenn wir nicht aufpassen, könnte es sogar zu einem 10:1 kommen. “
“Finden Sie, dass der DFB Pokal an Atraktivität verloren hat, weil ein Championsligasieger einem Kreisligaverein gegenübersteht.”
“In gewisser Weise schon. Diese Situation ist inflationär für den deutschen Fussball, scheint mir.”
“Herr Hoeness, was ist ihre Meinung”
“Diese noch nie dagewesene Konstellation wird sogar im Ausland sehr ausgiebig kommentiert und das Resultat mit Spannung erwartet. Es kommen genügend Zuschauer, nur weil sie innigst hoffen, dass der FC Bayern von einem Kreisligaverein gedemütigt wird.”
“Was sagen Sie zu dem “mia san a mia” der Eisacher?”
“Sie sind sehr selbstbewusst.”
Die inhaltsreichste Vorhersage über den Spielverlauf kam wie immer von Anton Gruber:
”Ja mei, des is a Spiel bei dem wir aufpassen müssen, dass uns der offensichtliche Qalitätsunterschied nicht zu Unaufmerksamkeiten verleiten lässt. Ich glaube die grösste Gefahr für uns sind wir selbst.”

Anpfiff. Die Eisacher stossen an. Hödl passt auf Robin Hufschmied. Idowu und Hammels wollen von der ersten Sekunde an Druck machen. Sie sind sehr weit aufgerückt, etwas arrogant. Der erst 17 jährige Hufschmied flankt in den leeren Raum hinter den Verteidigern. Robert Becker gewinnt das Laufduell gegen Hammels. Er ist allein gegen Neumann der aus dem Tor geeilt kommt. Becker passt zurück auf Sepp Ndongo. Ndongo trickst Idowu aus und schiesst ins leere Tor.
Tor.Toooor.
“dongo, dongooo, dongooo, dongoooo !” gellt es von den Rängen.
Damit hatte niemand gerechnet. Keine 10 Sekunden sind vergangen seit dem Anpfiff und schon liegt das Starassemble aus der Weltstadt mit einem Tor im Rückstand.
Bayern hat Anstoss. Rodriguez versucht ein Dribbling, scheitert an Kehl. Kehl Querpass auf Hufschmied. Hufschmied setzt sich gegen Vidal durch, passt auf den muskelbepackten Anton Maier, nicht umsonst der “Stierdoni” genannt. Der Toni fackelt nicht lange. Er drischt auf das Tor. Neumann ist zur Stelle. Er wagt sich mit dem Ball am Fuss überheblich weit aus dem Strafraum. Robin Hufschmied stellt sich ihm entgegen, stiehlt ihm den Ball und schiesst in das verwaiste Tor.
“Huf, Huf, Huf, Huf,Huf,Huf,Huf, Huf, Huf”,dröhnt es von den Rängen.
Soizeee, Soizeee, Soiz……negaaaa, Soiz……..negaaa!” brüllen die Zuschauer aus dem unzivilisierten Eisach.
2:0 für den Kreisligisten nach noch keinen 6 Minuten Spielzeit. Eine Demütigung für die Bayern. Offensichtlich haben sie ihren Gegner gewaltig unterschätzt. Jetzt ist ihre Geduld gerissen, Rodriguez überdribbelt Simon Holzhauer. Sein Bruder Andreas will den Fehler ausbügeln, wird aber von dem angespielten Gruber getunnelt. Gruber schiesst. Die Spinne hält.
Dreissig Minuten lang scheitern die Bayern an der kompakten Verteidigung der Eisacher. Die Innenverteidiger, die beiden Recken, die Geschwister Holzhauer, wegen ihrer oft sehr rustikalen Defensivmethoden von ihren Gegenspielern nicht umsonst “Holzhackerbuam” genannt, haben den Stars Respekt eingeflösst. Zu allem Überfluss wird ein von Anderl Holzhauer verursachter Foulelfmeter an Rodriguez, den Olschevski ausführt, von der Spinne gehalten.
Das Stadion tobt.
Jetzt versteht man, warum Weidenmüller die drei Teenager Ndongo, Hufschmied und Heimstetter aufgestellt hat. Sie sind ihren berühmten Gegenspielern fast ebenbürtig. Sie sind Pfeffer und Salz in der kompakten Mannschaft Weidenmüllers. Bis jetzt ist es noch keinem Gegenspieler gelungen Hufschmied oder Ndongo vom Ball zu trennen.
Dennoch wird das Spiel immer einseitiger. Die Eisacher kommen nur noch gelegentlich an den Ball, um ihn gleich darauf wieder zu verlieren. Sie verteidigen jetzt mit zehn Mann. Fast zwei Dutzend Schüsse auf das Eisacher Tor. Die Spinne ist bis jetzt zwar ungeschlagen, aber es ist natürlich nur eine Frage der Zeit, bis sich das Blatt wendet. Bayern wird den frechen Burschen aus dem Kuhdorf eine Lektion erteilen.
Zu lässiger Pass von Perez auf Olschevski, Hufschmied kommt an den Ball, überdribbelt Gruber, schlägt den Ball weit in die gegnerische Hälfte wieder hinter den Rücken von Hammels und Idowu. Ein Befreiungsschlag. Nein, eher ein einstudierter Spielzug. Die Bayernspieler sind wieder in die Eisacher Falle gelaufen.Der pfeilschnelle Robert Becker gewinnt erneut das Laufduell gegen Hammels, rennt mit dem Ball am Fuss auf das Bayerntor zu. Neumann läuft ihm engegen. Pass Becker zurück auf den aufgerückten, ungedeckten, Maier. Der Stierdoni hämmert den Ball an den zurückhastenden Neumann vorbei ins Tor. Fehlpass von Vidal landet bei Hödl. Hödl sucht einen freien Mitspieler. Maier steht mit dem Rücken zum Tor, wird angespielt, will aus der Drehung schiessen, aber Vidal stoppt ihn mit einem sehenswürdigen Foul. Der Schiedsrichter zeigt auf den Elfmeterpunkt, widerwillig zwar, aber das Foul war zu offensichtlich. Maier berät sich mit Ndongo und Becker. Wer wird den Strafstoss ausführen. Maier selbst. Der bullige Bursche legt sich den Ball zurecht. Er läuft an und bolzt den Ball ohne anzutäuschen in die linke obere Ecke. Ein äusserst riskanter Schuss, der nur mit unglaublichem Glück nicht über das Tor ging. Neumann erkannte die Schussrichtung, hechtete nach dem Ball, erreicht ihn mit den Fingern, aber die Wucht des Schusses war zu gross, er konnte das Geschoss nicht halten.

Mit einer 4:0 Führung geht Eisach in die Halbzeitpause. 89% Ballbesitz der Bayernstars und dennoch dieses Ergebnis. Die “Buam“ hatten Bayern schlicht überrannt. Eine Sensation, ein Skandal. Hoeness wird toben. Bayern macht sich lächerlich. Eine Kreisligamannschaft scheint ihnen den sicher geglaubten Pokal zu entreissen. Was sie für eine kuriose unspektakuläre Formsache hielten, entpuppt sich als eine Herauforderung.
Eisach verlor 9:4.

“Herrr Weidenmüller, was passierte in der zweiten Halbzeit. Warum gelang es Bayern das überraschende Ergebnis der ersten Halbzeit so überzeugend zu drehen?”
“Unsere Spieler sind Amateure. Sie müssen ihrer Arbeit, oder Studium nachgehen, haben keine Fitnesstrainer, ernähren sich nicht mit von Experten ausgearbeiteten Mahlzeiten. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass sie in der zweiten Halbzeit einfach körperlich nicht mit den Bayernspielern mithalten konnten. Ich musste Ndongo und Becker auswechseln, weil sie offensichtlich am Ende ihrer Kräfte waren und Hufschmied hat gewaltig nachgelassen. Andreas Holzhauer war drauf und dran eine rote Karte zu sehen und musste raus. Das hat unsere Defensive empfindlich geschwächt. Es war mir natürlich immer klar, dass wir gegen Bayern nicht gewinnen konnten. Wir haben uns auf dieses Abendteuer eingelassen, um den FCB darauf aufmerksam zu machen, dass es in Eisach Jungen gibt, die es wert wären in ihre Fussballschule aufgenommen zu werden. ”

“Robin! Robin! Was sagst du zu dem Ergebnis?”
“Mei, uns is d´ Luft ausganga.”
“Und jetzt bitte auf Deutsch.”
“Wir waren körperlich und natürlich auch spielerisch den Profistars unterlegen.”
“Wie erklärst du dir, dass eure Mannschaft eine 4:0 Vorsprung erzielen konnte?
“Weder Neuman und noch weniger Hammels und Idowu haben uns für voll genommen. Niemand. Alle Spieler des FCB dachten anscheinend sie würden gegen einen Kindergarten spielen. Wir haben ihre Arroganz ausgenützt. Die Bayernspieler sind Künstler am Ball. Als sie endlich begriffen, dass sie Ernst machen mussten, hatten wir keine Chance.
“Nach deinem Tor schrie das Publikum Soiznega. Was bedeutet das?”
“Soiznega heisst auf Schriftdeutsch Salzneger.”
“Wie kommst du zu diesem anrüchigen Namen?”
“Das weiss ich nicht. Den habe ich als kleines Kind abgekriegt, als ich zum ersten mal in Eisach bei meinen Grosseltern zu Besuch war. “
“Stört dich das nicht?”
“Warum? Es ist eben ein Spitzname? Jetzt ist er mein Kriegsname.”
Von political correctness hat man in Eisach und Umgebung noch nichts gehört.

Bild: Das Pokalendspiel ein Betrug, eine Verhöhnung des Publikums! Ergebnis abgesprochen zwischen Bayern und Eisach!
… wie anders kann man sich sonst erklären, dass ein Championleaguesieger nach 30 Minuten mit 4:0 gegen einen Kreisligaverein aus einem hinterwäldlichen Städchen in Bayern im Rückstand lag?

Die Zeit: Wie kann es anders sein? Der skandalöse, rechtslastige Münchner Staranwalt Simon Mittenleitner vertritt die Lederhosenträger bei ihrer Klage gegen Bild.

Viele Bundesligisten wetteiferten mit Angeboten an die Spieler des Aufgebots Weidenmüllers. Der Stierdoni, jetzt auch der Eisacher Gerd Müller genannt, und Robert Becker, alias Robert Bolt, wurden von Augsburg verpflichtet. Bayern heuerte Hufschmied und Ndongo für ihre Jugend an und sie mussten ihr Heimatdorf verlassen und nach München umziehen. Noch weiter hatte es die Spinne verschlagen. Er wurde als Torwart von Freiburg verpflichtet.
Herr Weidenmüller selbst würde eine neue Generation von Talenten heranziehen und als Vermittler seiner Stars sein Lehrergehalt aufbessern. Wer weiss, vielleicht würde er einmal sogar seinen Lehrerjob an den Nagel hängen und eine Bundesligamannschaft trainieren.

Nach seinem achtzehnten Geburtstag, lieh Bayern Robin an Augsburg aus, damit er Spielpraxis auf Bundesliganiveau sammeln konnte. Josef Ndongo wurde direkt in die erste Mannschaft des Vereins übernommen. Robin wurde bald berühmt, vieleicht besser ausgedrückt berüchtigt. Nicht nur, weil es vor allem sein Verdienst war, dass Augsburg in der nächsten Saison in der Europaliga spielen würde, sondern weil er seine Ansichten gefragt und ungefragt unverblümt zum Besten gab.
Spiegel: Herr Hufschmied, Sie stehen jetzt bei Bayern München unter Vertrag. Seit dem sensationellen Pokalendspiel sind nun zwei Jahre verstrichen. Wie sehen Sie im Nachhinein die Leistung des FC Eisach? Wie war es möglich, dass ein Kreisligaverein bis ins Endspiel des DFB -Pokals kommen konnte. Eisach hat damals zwei Bundesligavereine aus dem Wettbeweb geworfen.
Hufschmied: Unser Trainer, Wille und Glück. Ausserdem, alle haben uns unterschätzt und sind immer mit dem Gepäck der Ueberlegenheit gegen uns angetreten, hochnäsig. Ihnen fehlte Motivation.Und noch was. Wir waren eine Mannschaft, Sportler, Kameraden. Unsere Gegner waren Fussballarbeiter, bestenfalls eine Gruppierung von Künstlern am Ball. Die Spieler einer Profimannschaft sind keineswegs elf Freunde. Der Konkurrenzkampf ist hart. Nicht alle beziehen das gleiche Gehalt. Das mag zwar gerecht sein, wirkt sich aber oft negativ auf den Zusammenhalt der Manschaft und damit der Einsatzbereitschaft der Spieler aus.
Spiegel: Fussballarbeiter?
Hufschmied: Fussballprofis sind Arbeiter, oder vielleicht besser gesagt so etwas wie Zirkusartisten. Die Spieler eines Kreisligavereins sind Sportler.
Spiegel: Diese Aussage wird bei ihren neuen Kollegen nicht gut ankommen. Glauben Sie nicht, dass Sie bei den Profis Schwierigkeiten mit dieser Ansicht bekommen werden?
.Hufschmied: Damit muss ich leben. Man muss sich eben anpassen, den Mund halten und die Dinge nehmen, wie sie sind, nicht wie man sie gerne hätte. Mit irgend etwas muss man sich seinen Unterhalt verdienen. Da ist Fussball nicht die schlechteste Option.

Kicker: Hufschmied, das junge Mittelfeldtalent des FCB wurde auch dieses Mal nicht zu den Vorbereitungen zur U-20 Meisterschaft berufen.

Bild: Rassismus aus dem ländlichen Bayern. Der neue Mittelfeldstar des FCB wurde anscheinend wegen seiner rassistischen Einstellung nicht in die U-20 Mannschaft aufgenommen.

Welt: Herr Hufschmied, laut Bild wurden Sie wegen rassistischen Aussagen nicht in der U-20 aufgestellt. Was sagen Sie dazu?
Hufschmied: Unsinn! Rassismus ist eine Dummheit. Das wissen sogar die linken Studenten, und dümmer zu sein als ein solcher, wird von der Polizei geahndet. Jedoch kann ich mir vorstellen, dass ich mir die Aufstellung verpatzt habe, weil ich sagte, dass meiner Ansicht nach Spieler, die sich das Trikot der Nationalmannschaft überstreifen, die Nationalhymne mitsingen sollten. Das glaube ich, sind sie ihrem Publikum schuldig. Wenigstens sollten sie die Lippen bewegen.

Bild Redakteur Ralf Baginski interviewt Josef Ndongo
Baginski: Herr Ndongo, Sie sind mit Hufschmied aufgewachsen. Was sagen Sie zu den fremdenfeindlichen Standpunkten Hufschmieds?
Ndongo: Welche?
Baginski: Er vertritt die Ansicht Deutsche müssten gar nichts tun, um die Ausländer zu integrieren, sondern es sei deren Aufgabe sich anzupassen, oder das Land zu verlassen.
Ndongo: Recht hat er. Ich verstehe nicht, was daran fremdenfeindlich sein soll.
Baginski: Gerade Sie sollten sensibler in dieser Hinsicht sein.
Ndongo: Interessant Ihre Bemerkung! Wenn ich ein Erbsenzähler wäre, würde ich Sie jetzt des Rassismus bezichtigen.
Baginski: Was ich ausdrücken wollte, war, dass Sie auf Grund ihres Migrationshintergrunds mehr Empathie für die Flüchtlinge empfinden sollten.
Ndongo: Ich bin in Kreuth geboren. Meine Mutter ist aus Eisach…
Baginski: Aber ihr Vater…
Ndongo:…. mein Vater kommt aus Äquatorialguinea, aber er kam keineswegs als Flüchtling, sondern von einer deutschen Firma in seinem Heimatland angeworben. Meiner Mutter zuliebe entschloss er sich in Deutschland zu bleiben. Migrationshintergrund ist eine Sache der Definition. Sie heissen Ralf Baginski. Das heisst einer ihrer Vorfahren war ein Immigrant aus Polen. Dasselbe gilt für Dirk Nowitzki. Das macht euch also zu Deutschen mit Migrationshintergrund. Finden Sie den Fehler!
Baginski: Unsere Urahnen kamen vermutlich vor Jahrhunderten.
Ndongo:Vor Jahrhunderten dürfte etwas übertieben sein. Wahrscheinlich kamen sie so um 1870. Das heisst vor ungefähr 150 Jahren, oder anders gesagt vor 5 Generationen. Özil ist dritte Generation in Deutschland und wird als Deutscher mit Migrationshintergrund bezeichnet. Ab wie vielen Generationen gehört man nicht mehr in diese Kategorie?
Baginski: Das ist schwer zu beantworten. Özil ist ein spezieller Fall. Seine Fotografie mit Erdogan hat nicht dazu beigetragen ihn als Vorzeigeintegrierten darzustellen und sie hat viele Menschen gegen ihn aufgebracht.
Ndongo: Ich verstehe nicht warum. Es gibt doch auch Fotos von Frau Merkel mit Erdogan.

Bei den Bayernanhängern waren Ndongo und Hufschmied überaus beliebt. Man sah sie als die Nachfolger Schweinsteigers, echte Bayern. Daran liessen sie auch bei Interviews keinen Zweifel. Sie sprachen mit unverkennbarem süddeutschen Tonfall und verfielen manchmal in den Dialekt. Oft mussten ihre Antworten von zweisprachigen Journalisten für nicht bayrische Zuhörer verdeutscht werden.In den Medien tauchte sogar ein Foto der beiden auf, in Tracht als Goasslschnalzer. Eine Fotomontage?

Robins gewagte Pässe, seine spärlichen, aber spektakulären Dribblings und seine Weltklasse Balleroberungen sorgten stets für Kommentare. Auch seine erfolgreichen Torschüsse aus mehr als dreissig Metern wurden immer wieder angesprochen. Seine Antwort auf diesbezügliche Fragen war unweigerlich:
” A Glück ghabt. Wenn da Boi a bisserl höher gflogn war, war er ned neiganga und i war jetzt der Depp des Tages.”
Zu weiteren Kommentaren liess er sich nicht verleiten. Seine Vorgesetzten hatten ihm offensichtlich jetzt einen Maulkorb verpasst.
Seine älteren deutschen, nicht bayrischen, Mitspieler sprach er spöttisch mit “Herr”an. Vor einem Spiel kam nie ein Wort über seine Lippen. Bei der Anfahrt zu den Stadien schien er zu meditieren. Es war nicht verwunderlich, dass er für einen bayrischen Bauernlümmel gehalten wurde.
Vor allem bei dem Berliner, Curt Idowu, und dem Torwartriesen Rafael Neumann aus Essen stiess er auf Ablehnung. Idowu war erbost über Robins spöttische Bemerkungen. Robin war der Meinung, dass gendergerechte Sprache Unsinn sei und political correctness eine Krücke für Menschen, die kein Gefühl für Anstand hatten. Die Aenderung althergebrachter Namen und Ausdrücke bezeichnete er als läppisch. Dennoch wolle er nicht hinter dem Zeitgeist zurückbleiben und er schlug deshalb vor, das Zigeunerschnitzel zum Nichtsesshaftenschnitzel umzubenennen.
Bei dem angeordneten Oktoberfestbesuch, zu dem alle Spieler mit ihren Frauen, oder Freundinnen kamen, erschien Robin mit seiner Schwester, einer jungen Dame, die alle anwesenden Modelle mit ihren körperlichen Attributen ausstach. Da man ihn nie mit irgendeinem anderen weiblichen Wesen in der Oeffentlichkeit gesehen hatte, war es nicht verwunderlich, dass die Boulevardpresse ihn danach zum Schwulen stempelte. Als er sich dann auch noch weigerte an einer Werbeaktion teilzunehmen, bei der die Spieler zusammen mit ihren Partnerinnen vor der Kamera Zärtlichkeiten austauschten, munkelte man auch vereinsintern darüber.

Dem Ruf seiner Bauernnatur wurde er nicht ganz gerecht nach einem 5:2 Sieg über Schalke in München, bei dem Ndongo und er je ein Tor erzielt hatten. Die beiden irrten danach durch die Innenstadt. Um ihren Erfolg zu feiern, hatten sie mehr als die zwei erlaubten Biere getrunken, was ihr Verhalten etwas beeinflusste. In der Fussgängerzone machten sie Halt bei einer Gruppe kubanischer Strassenmusikanten, die umringt von einer Publikumsschar Salsa zum besten gaben. Einige Paare tanzten. Eine vollschlanke Negerin, die offenbar zur Band gehörte, wiegte sich im Rythmus von “Guantanamera”. Robin näherte sich der Frau und begann fast in Tuchfühlung mit ihrem ausgeprägtem Hinterteil zu tanzen. Die Frau drehte sich und die beiden zeigten dem Publikum, wie man in der Karibik Salsa tanzt. Als die Musik eine Pause machte, umarmte Robin seine Partnerin und küsste sie. Die Zuschauer klatschten und johlten. Robin tauchte in der Menge unter.

Ein Bayernfan hatte den Vorfall mit seinem Handy gefilmt und das Video ins Netz gestellt.
In der Bayernkabine gab es darauf reichlich Kommentare dazu. Auch Idowu und Neuman sahen es sich mehrmals ungläubig an.
"Vielleicht ist er auch gar nicht so bäuerlich, wie er sich immer gibt. Manchmal habe ich den Eindruck, dass er uns auf den Arm nimmt", meinte Neumann
“Und wer hat eigentlich erfunden, dass er schwul ist? fügte Idowu hinzu.

Die Welt
………….Bayern München hat den Champions League Sieg der letzten Saison gestern wiederholt. Die spektakulären Auftritte von Ndongo und Hufschmied dürften ihren Weg in die Nationalmannschaft nun endgültig geebnet haben. Der Siegestreffer den Hufschmied in der siebenundachtzigsten Minute aus zweiunddreissig Metern mit einer Ballgeschwindigkeit von 128 km/h in das gegenerische Tor hämmerte, wird noch lange in Erinnerung bleiben………

Robin Hufschmied ein rechtsradikaler Rassist!
Bild sprach mit Bundestrainer Johann Aslan.
Bild: Herr Aslan, warum haben Sie bei diesem so wichtigem Qualifikationsspiel der Nationalmannschaft auch dieses Mal auf Robin Hufschmied, den Mittelfeldstar des Rekordmeisters, verzichtet?
Aslan: Hufschmied passt nicht zur Mannschaft.
Bild: Können Sie das ein wenig erläutern.
Aslan: Seine Meinungen sind nicht mannschaftsdienlich. Er spaltet das Team.
Bild: In wiefern?
Aslan: Er macht kein Hehl aus seiner rechten Gesinnung und wie er glaubt, dass sich die Spieler als Integranten der Nationalmannschaft zu präsentieren hätten.

Nicht nur die deutsche Sportpresse kopierte diese von Bild gedruckte Information. Die Mainstreampresse stürzte sich erwartungsgemäss mit Begeisterung und grossem Eifer dankbar auf diese weltbewegende Nachricht, förderte sie doch ihre Bemühungen die Fremdenfeindlichkeit der Deutschen, vor allem der reaktionären Bayern, anzuprangern. Robin Hufschmied wurde deshalb auch bei Menschen bekannt, denen Fussball gleichgültig war und reifte bei politisch korrekten Zeitungslesern zum Inbild alles Verachtungswürdigen. Grüne und Linke Politiker forderten gar seine Suspendierung, wobei sie allerdings weder bei Bayern noch dem DFB Gehör fanden. Dennoch herrschte bei der Führung des FC Bayern Unmut darüber, dass ihr bayrisches Aushängeschild als einziger nicht standesgemäss Mitglied einer Nationalmannschaft war, wie es bei diesem Verein vorausgesetzt wird.

Seinem Ruf als Rassist hätte Hufschmied beinahe geschadet, als er sich als erster schützend vor den afrikanischen Stürmer Wolfburgs stellte, als dieser mit Bananen beworfen wurde. Jedoch auch bei dieser unzweifelhaft noblen Tat, fehlte es ihm an political correctness. Er fing eine der Früchte und schleuderte sie mit Wucht zielsicher an den Werfer zurück und traf diesen am Kopf. Er wurde deswegen gerichtlich belangt. Auch in diesem Fall stemmte sich die konservative Vereinsführung des FCB gegen die Suspendierung ihres Spielers.

Vereinsintern sorgte Hufschmied für Verwirrung, weil er seinem Ruf als Rassist keinesfalls gerecht wurde, nicht nur weil seine Freudschaft mit Ndongo seit Kindestagen allbekannt war, sondern auch wegen seines ungezwungenen Umgangs mit Spielern aus anderen Erdteilen. Auch die öffentliche Meinung bezüglich seiner sexuellen Neigung kam erheblich ins Wanken, als er bei dem rituellen Oktonberfestbesuch anstatt mit seiner Schwester, mit einer dunkelhäutigen, grossen, wohldotierten Schönheit in schwarzwälder Tracht erschien und sie seinen Mannschaftskameraden in urgrossväterlicher Manier als seine Braut aus seinem Heimatort vorstellte. Diese begannen sich zu fragen welches wohl der Phänotyp in der Eisacher Umgebung sei.

Bild am Sonntag: Hufschmied entlarvt.
Hufschmied, das Aushängeschild Bayern Münchens, ist kein gebürtiger Bayer. Vielmehr stammt er aus einer venezolanischen Kleinstadt und ist laut venezolanischem Recht sogar venezolanischer Staatsbürger.
Kicker: Robin Hufschmied wurde von Mario Blasini, dem argentinischen Trainer der venezolanischen Nationalmanschaft, in die Auswahl zum Qualifikationsspiel gegen Kolumbien berufen. Ob er mit der Berufung des zweikampfstarken Mittelfeldstrategen von Bayern München dem venezolanischen Aufgebot einen Gefallen getan hat, sei dahingestellt. Der Vorzeigebayer ist ein Fremdkörper in der südamerikanischen Mannschaft.
Süddeutsche Zeitung: Herr Hufschmied, Sie sind in die venezolanische Nationalmannschaft berufen worden. Die spanische Sportzeitung “Marca” behauptet sogar Sie seien mit Raúl Romero, dem venezolanischen Pelé, von Atlético Madrid verwandt. Ist das nicht ein wenig übertieben? Versucht man hier krampfhaft ihre venezolanische Identität zu untermauern?
Hufschmied: Nein, bis zu meinem dreizehnten Lebensjahr bin ich mit Raúl zusammen aufgewachsen. Sein Vater war venezolanischer Nationalspieler. Von ihm haben wir als kleine Kinder die ersten Fussballlektionen erhalten.
SZ: Aber eine Verwandschaft mit Romero scheint auf den ersten Blick doch etwas unwahrscheinlich.
Hufschmied: Raúl ist mein Cousin.
SZ: Cousin welchen Grades?
Hufschmied: Unsere Mütter sind Schwestern. Mein Vater ist aus der Gegend von Eisach, meine Mutter aus einem Dorf in Venezuela, das vor sechs Generationen von Bauern aus dem Schwarzwald im Gebirge gegründet wurde. Nachdem eine Strasse zu einem Fischerdorf an der Küste gebaut wurde, fand ein gewisser Genaustausch statt. Da hat meine Tante auch mitgewirkt. Die Einwohner dieses Dorfs sind Schwarze. Daher der Unterschied in der Pigmentation von Raúl und mir, wenn das der Grund Ihres Zweifels sein sollte.

Kicker: Gegen alle Prognosen hat sich die Mannschaft um den venzolanischen Wunderstürmer, Raúl Romero, in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft nicht nur behauptet, sondern Argentinien, Uruguay und sogar Brasilien überzeugend besiegt. Mit den Bundesligisten Verdu, Ostos, Prieto, Aponte und dem unberechenbaren Hufschmied sind einige der Integranten den deutschen Fussballfans bestens bekannt. Die hart an der Grenze des Erlaubten agierenden Verteidiger Nieto von Liverpool und Filizzola von Juventus Turin, sowie der Torhüter von Southampton, Denis Simanca, auch Black Panther genannt, geben dem Team eine ausserordentliche Stabilität im eigenen Strafraum. Venezuela wird bei seiner ersten Teilnahme an einer Weltmeisterschaft zu einem durchaus ernst zu nehmenden Titelanwärter.

Bild: Herr Hufschmied, Venezuela spielt am Sonntag gegen Deutschland. Was ist Ihre Prognose?
Hufschmied:”Schaugn ma moi, na segn ma ’s scho.”

(Schauen wir einmal, dann sehen wir es schon)
 


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