• Liebe Forenmitglieder,

    das Redaktionsteam sucht Verstärkung. Einige von uns wollen nach vielen Jahren emsiger Sorge für ein gepflegtes Lupen-Leben in die Lupen-Rente gehen, anderen wird schlichtweg die Zeit für dieses Ehrenamt knapp. Deshalb suchen wir Nachwuchs.

    Interesse? Mehr Infos finden sich hier.

Ein bemerkenswerter Roman aus Indonesien

5,00 Stern(e) 1 Stimme
Rezension zu:

Andrea Hirata, Die Regenbogentruppe, Hanser Berlin 2013, ISBN 978-3-446-24146-6

„Unter den zehn Schülern werden Sie einem Jungen namens Ikal begegnen. Ikal bedeutet Lockenkopf, und dieser Junge bin ich. An einem verregneten Morgen sah ich meine Lehrerin, diese schmächtige junge Frau über den Schulhof eilen. Zum Schutz vor dem Regen hielt sie in Bananenblatt über dem Kopf. Meine arme Lehrerin. In diesem Augenblick schwor ich mir, dass ich eines Tages, wenn ich erwachsen bin, ein Buch schreiben würde, um ihr für alles, was sie für uns tat, zu danken.“

Jahrzehnte später hat Andrea Hirata diesen Schwur eingelöst. Er hat ein Buch geschrieben, das sich allein in Indonesien über fünf Millionen Mal verkaufte. Und das ist kein Wunder, erzählt doch dieser faszinierende Roman nicht nur die Geschichte einer jungen, zu Beginn der Handlung gerade einmal 15 Jahre alten Lehrerin namens Bu Mus, von ihren Schülern ehrfurchtsvoll „Ibunda Guru“ genannt, die zusammen mit dem alten und erfahrenen Lehrer Pak Harfan eine alte muslimische Schule übernimmt, die Muhammadiya. Er erzählt auch die Geschichte von zehn Schülern, alle aus armen Familien von Bergarbeitern, die seit Jahrhunderten schon von den wechselnden Eigentümern der Zinkminen ausgebeutet werden.

Über viele Jahre machen die beiden Lehrer mit sehr bescheidenen Mitteln und einem Schulhaus, das eher einer verfallenen Hütte gleicht, aus den Kindern eine verschworene Gemeinschaft, die sich selbst die „Regenbogentruppe“ nennt. Gegen alle Versuche der Bergbaugesellschaft und der ihr hörigen Schulbehörde, die Schule zu schließen, behaupten sie sich und bringen in ihrer Schule eine beachtlicher Zahl außerordentlich talentierter Schüler hervor, denen es zusammen mit den anderen Kindern der Regenbogentruppe irgendwann sogar gelingt, die Eliteschule der Bergbaugesellschaft in einem Wettbewerb des Wissens zu schlagen.

Als Schüler ab etwa 10 Jahren hätte ich in meiner Kindheit ein solches Buch geliebt und verschlungen. Zeigt es doch eine Gruppe von Kindern und ihre engagierten Lehrer, die etwas lernen wollen und die mit dem, was sie lernen, ihr Leben verändern. Auch wenn sie nicht alle ihre ursprünglichen Pläne verwirklichen werden, die Zeit in ihrer kleinen Dorfschule haben sie nie vergessen. Andrea Hirati hat sie und die Kinder der Regenbogentruppe mit diesem Buch unvergesslich gemacht. Ein Buch, das in der Lebensgeschichte der einzelnen Kinder und Lehrer die Geschichte eines ganzen, lange geschundenen Landes und seiner ganzen Kultur widerspiegelt, und das deshalb in Indonesien so überaus erfolgreich war. In der Originalausgabe schon 2005 erschienen, wurde das Buch in Indonesien 2008 verfilmt und ist mittlerweile in 25 Sprachen übersetzt. Dank Hanser Berlin auch ins Deutsche. Dem Buch wünsche ich auch hier großen Erfolg. Es kann Kindern und Erwachsnen zeigen, warum wir lernen und wofür. Vielleicht kann man dann auch bald einmal eine deutsche Fassung des Films im Fernsehen sehen.

Zusammenfassend zitiere ich noch einmal die Haltung des alten Lehrers Pak Harfan, der das dem zunehmenden Materialismus geschuldete Ede seiner Schule nicht mehr erlebte. Er war davon überzeugt, „dass Wissen einen Wert an sich darstellte, dass unsere Erziehung eine Pflicht ist, die wir dem Schöpfer gegenüber schuldig sind. Und dass Schule nicht immer mit dem Ziel verbunden sein darf, Titel zu erwerben, Geld zu verdienen und reich zu werden. Vielmehr soll Schule Freude am Lernen schaffen, das Licht der Zivilisation verbreiten, zu Würde und Selbstachtung führen, die Werte der Humanität vermitteln.“

Wer Ohren hat zu hören, höre!
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Gut gemachte Kurz-Rezi. Der Lesbarkeit tut gut, dass die Sätze „handlichere“ Längen haben, als in manch anderer Rezi von dir.


Tippfehler und andere Mini"fehler":

die Schule zu schließen, behaupten sie sich und bringen in ihrer Schule eine beachtliche[red]r[/red] Zahl außerordentlich talentierter Schüler hervor,
Zeigt es doch eine Gruppe von Kindern und ihre engagierten Lehrer, die etwas lernen wollen und die mit dem, was sie lernen, ihr Leben verändern.
Die Lehrer wollen etwas lernen? Wen es gut Lehrer sind, lernen sie sich auch noch, aber es geht bei "lernen wollen" wohl eher um die Kinder.

Zusammenfassend zitiere ich noch einmal die Haltung des alten Lehrers Pak Harfan, der das dem zunehmenden Materialismus geschuldete[red] Ede[/red] seiner Schule nicht mehr erlebte.
Er war davon überzeugt, „dass Wissen einen Wert an sich darstellte, dass unsere Erziehung eine Pflicht ist, die wir dem Schöpfer gegenüber schuldig sind. Und dass Schule nicht immer …
Ok, wenn das so im Buch steht. Aber eigentlich: Man ist es „jemandem oder etwas schuldig“, nicht „jemandem gegenüber“.


Nachtrag – was mir noch so durch den Kopf ging:
Ich weiß nicht, wie du als 10-Jähriger warst, ob du wirklich „weil die lernen wollen und ihr Leben verändern“ als „Cool!"-Argument angeführt hättest. Ich weiß nicht mal, ob ich mit 10 es so wahrgenommen hätte, mit 14 sicher (da war ich schon beinahe auf dem „Bildung ist ein Wert an sich"-Tripp). Ich vermute aber, dass du die Passage ohnehin nicht als Blick auf dich gemeint hast, sondern so eher den Tipp unterbringen wolltest, für wen das Buch geeignet ist. "Gute Eltern" werden dein Argument mögen, „normale“ 10-Jährige interessiert eher, ob es spannend ist oder/und dass da die Rede ist von einer verschworenen Truppe angeblich Unterlegener, die gegen die angeblich Besseren gewinnen. Aber das nur am Rande, so von wegen Zielgruppe und so.
 
Rezension zu:

Andrea Hirata, Die Regenbogentruppe, Hanser Berlin 2013, ISBN 978-3-446-24146-6

„Unter den zehn Schülern werden Sie einem Jungen namens Ikal begegnen. Ikal bedeutet Lockenkopf, und dieser Junge bin ich. An einem verregneten Morgen sah ich meine Lehrerin, diese schmächtige junge Frau über den Schulhof eilen. Zum Schutz vor dem Regen hielt sie in Bananenblatt über dem Kopf. Meine arme Lehrerin. In diesem Augenblick schwor ich mir, dass ich eines Tages, wenn ich erwachsen bin, ein Buch schreiben würde, um ihr für alles, was sie für uns tat, zu danken.“

Jahrzehnte später hat Andrea Hirata diesen Schwur eingelöst. Er hat ein Buch geschrieben, das sich allein in Indonesien über fünf Millionen Mal verkaufte. Und das ist kein Wunder, erzählt doch dieser faszinierende Roman nicht nur die Geschichte einer jungen, zu Beginn der Handlung gerade einmal 15 Jahre alten Lehrerin namens Bu Mus, von ihren Schülern ehrfurchtsvoll „Ibunda Guru“ genannt, die zusammen mit dem alten und erfahrenen Lehrer Pak Harfan eine alte muslimische Schule übernimmt, die Muhammadiya. Er erzählt auch die Geschichte von zehn Schülern, alle aus armen Familien von Bergarbeitern, die seit Jahrhunderten schon von den wechselnden Eigentümern der Zinkminen ausgebeutet werden.

Über viele Jahre machen die beiden Lehrer mit sehr bescheidenen Mitteln und einem Schulhaus, das eher einer verfallenen Hütte gleicht, aus den Kindern eine verschworene Gemeinschaft, die sich selbst die „Regenbogentruppe“ nennt. Gegen alle Versuche der Bergbaugesellschaft und der ihr hörigen Schulbehörde, die Schule zu schließen, behaupten sie sich und bringen in ihrer Schule eine beachtliche Zahl außerordentlich talentierter Schüler hervor, denen es zusammen mit den anderen Kindern der Regenbogentruppe irgendwann sogar gelingt, die Eliteschule der Bergbaugesellschaft in einem Wettbewerb des Wissens zu schlagen.

Als Schüler ab etwa 12 Jahren hätte ich in meiner Kindheit ein solches Buch geliebt und verschlungen. Zeigt es doch eine Gruppe von Kindern und ihre engagierten Lehrer, die, Lehrer und Schüler auf unterschiedliche Weise, etwas lernen wollen und die mit dem, was sie lernen, ihr Leben verändern. Auch wenn sie nicht alle ihre ursprünglichen Pläne verwirklichen werden, die Zeit in ihrer kleinen Dorfschule haben sie nie vergessen. Andrea Hirati hat sie und die Kinder der Regenbogentruppe mit diesem Buch unvergesslich gemacht. Ein Buch, das in der Lebensgeschichte der einzelnen Kinder und Lehrer die Geschichte eines ganzen, lange geschundenen Landes und seiner ganzen Kultur widerspiegelt, und das deshalb in Indonesien so überaus erfolgreich war. In der Originalausgabe schon 2005 erschienen, wurde das Buch in Indonesien 2008 verfilmt und ist mittlerweile in 25 Sprachen übersetzt. Dank Hanser Berlin auch ins Deutsche. Dem Buch wünsche ich auch hier großen Erfolg. Es kann Kindern und Erwachsnen zeigen, warum wir lernen und wofür. Vielleicht kann man dann auch bald einmal eine deutsche Fassung des Films im Fernsehen sehen.

Zusammenfassend zitiere ich noch einmal die Haltung des alten Lehrers Pak Harfan, der das dem zunehmenden Materialismus geschuldete Ende seiner Schule nicht mehr erlebte. Er war davon überzeugt, „dass Wissen einen Wert an sich darstellte, dass unsere Erziehung eine Pflicht ist, die wir dem Schöpfer gegenüber schuldig sind. Und dass Schule nicht immer mit dem Ziel verbunden sein darf, Titel zu erwerben, Geld zu verdienen und reich zu werden. Vielmehr soll Schule Freude am Lernen schaffen, das Licht der Zivilisation verbreiten, zu Würde und Selbstachtung führen, die Werte der Humanität vermitteln.“

Wer Ohren hat zu hören, höre!
 
Liebe(r) Jon,


vielen Dank für Deine Rückmeldung und Deine Kritik. Natürlich ist das Buch für 10- jährige Kinder nicht geeignet. Deshalb habe ich auch die Angabe für mich selbst in 12 Jahre umgeändert. In diesem Alter hätte ich dieses Buch verschlungen. Über die gute Bewertung habe ich mich sehr gefreut.

Frohe Ostern wünscht

Winfried Stanzick
 

Oben Unten