Ein Fragment

Susi M. Paul

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Ein Fragment

Als ich die Wohnungstür aufschloss, hörte ich Lisa stöhnen. Das beunruhigte mich etwas. Nicht die Tatsache, dass sie so stöhnte, wie nur sie es tut, wenn ihre Lust sie packt und mit sich fortreißt. Einfach herrlich. Davon kann ich normalerweise nie genug hören. Nein, Sorgen machte ich mir, weil sie es alleine mit sich selbst trieb, obwohl ich angerufen hatte, dass ich in einer Viertelstunde heimkommen würde.

Zugegeben, im Verlauf des Nachmittags hatte ich meine Spermaquellen praktisch vollständig erschöpft. So leid es mir auch tat, für Lisa war erstmal nichts mehr übrig, und das wusste sie natürlich. Aber musste sie mich deswegen gleich so empfangen? Von: „Schau her, was du verpasst“, über: „Eigentlich bräuchte ich dich gar nicht“, bis: „Nochmal sowas und du kannst dich verpissen“, konnte das ja wirklich alles Mögliche bedeuten. Und ich hatte, offen gestanden, keine Ahnung, was genau sie mir mit dem Solo auf ihrer Mandoline sagen wollte. Genau deswegen war ich beunruhigt.

Ich warf einen Blick ins Schlafzimmer, um zu sehen, ob ich ihr irgendwie helfen könnte, die letzten Stufen zu erklimmen. Es ist ja nicht so, dass ich nicht ein paar Techniken in petto hätte, um Frauen in ihre Ekstase zu treiben, auch wenn mein Stecher im kümmerlichen Regenerationsmodus hängt. Aber Lisa war schon so weit in sich versunken, horchte so angespannt in ihren Körper hinein und bekam aus ihrer unteren Bauchregion genau die Resonanz, die sie spüren wollte, dass sie mich offensichtlich gar nicht richtig wahrnahm. Da fand ich es unanständig stehenzubleiben, um ihr dabei zuzuschauen, auch wenn ich mich sonst nie sattsehen kann, wenn sie sich freizügigst auf dem Bett oder dem Sofa aalt und anfängt, für mich die süßeste aller Spalten zu bespielen.

Ich überließ sie also dem diesmal einsamen Konzert auf ihrer Muschi und verschwand in die Küche. Dort hoffte ich darauf, dass der Orgasmus, der sich da auftürmte, ihren Ärger über mich einfach wegschwemmen würde. Und gleichzeitig baute ich darauf, dass mein Körper die verausgabten Säfte schnell wieder ersetzen würde. Für den Fall, dass sie die hinterher noch einfordern würde. In der Zwischenzeit machte ich für sie einen Tee, holte mir ein Bier aus dem Kühlschrank und setzte mich an unseren Klapptisch.

Seit ich mit Lisa zusammenlebe, übe ich natürlich mein altes Gewerbe nicht mehr aus. Das hatte ich ihr hoch und heilig versprechen müssen. Allerdings hat mein neuer Job in einem der Luxusgeschäfte der Maximilianstraße einiges mit dem gemeinsam, was ich vorher fünf Jahre lang recht erfolgreich praktiziert hatte. Denn viele der Kundinnen kaufen dort ja nicht nur eine neue Handtasche oder füllen ihre Parfümvorräte auf, sondern suchen etwas Ansprache und das eine oder andere Kompliment, das nicht allzu verlogen daherkommt. Und für das passend schmeichelnde, aber nicht einschmeichelnde Wort im richtigen Moment bin ich der unangefochtene Spezialist.

Es läuft also ganz gut mit meiner Karriere als Verkäufer. An sich kann ich mich nicht beklagen. Aber weil der Münchner Wohnungsmarkt mörderisch ist und Lisa noch studiert, brauchen wir eben doch ab und zu eine Nebeneinkunft. Wirklich begeistert sind wir beide nicht darüber, aber so ist das Leben eben. Lieber ich als sie, sage ich mir immer.

Von meinen früheren Klientinnen hatte ich drei besonders netten und, das will ich nicht verschweigen, auch besonders zahlungskräftigen, meine neue Telefonnummer gegeben. Ich hatte sie gebeten, mit Rücksicht auf meine Freundin nicht allzu exzessiv davon Gebrauch zu machen. Und sie haben sich tatsächlich daran gehalten. Doch das an diesem Samstag war ein echter Notfall gewesen. Das hatte sogar Lisa eingesehen und mich zur Eile gedrängt, nachdem Frau S. völlig aufgelöst angerufen hatte.

Eine halbe Stunde hatte ich sie nur umarmt, um sie zu beruhigen und zu trösten. Als ich schon dachte, damit meine Schuldigkeit getan zu haben, hatte sie sich energisch aufgerichtet und verkündet, dass sie jetzt gedenke, sich ihren Frust systematisch und bis zur letzten Konsequenz aus dem Leib ficken zu lassen. Ich solle doch, bitteschön, sofort damit anfangen.

Ich tat ihr den Gefallen, wobei sie das mit dem sich den Frust passiv ausficken zu lassen, nicht allzu wörtlich nahm, denn sie arbeitete außergewöhnlich heftig daran mit. Um allerdings meine Potenz nicht über Gebühr zu beanspruchen, beauftragte sie mich nach einer kurzen Pause, sie mit einer Auswahl ihrer Dildos durchzurammeln. Darin bin ich nämlich auch ganz gut. Aber weil das eben doch nicht dasselbe sei, musste ich hinterher noch einmal mit vollem Einsatz meiner Körperkraft ran.

Während des Abendessens, das Frau S. sich standesgemäß aus erlesenem Hause bringen ließ, hatte ich den Eindruck, dass ihre selbstverordnete Therapie mit mir als beflissenem Therapeuten wirkte. Die umfassende Leibesertüchtigung hatte ihr sichtlich gut getan. Genauso wie meine wahrlich ernst gemeinten Versicherungen, dass ihre Libido alles in den Schatten stelle, was ein junges Flittchen einem älteren Mann bieten könne. Allerdings hätte ich dieses spezielle Kompliment vielleicht nicht ganz so weit ausschmücken sollen, denn natürlich wollte Frau S. daraufhin zum Abschied noch eine praktische Rückversicherung, dass dem tatsächlich so sei, und natürlich mit deftig sprudelndem Schniedel.

Diesen letzten Einsatz meiner tröstenden Kräfte direkt in der Heimstätte ihres sexuellen Verlangens hatte sie rückhaltlos genossen. Um nicht zu sagen, dass sich ihre Fleischeslüste sich zu ungeahnten Höhen aufgeschwungen hatten, sogar für ihre Verhältnisse, während ich es mit Mühe schaffte, noch einmal eine nennenswerte Portion abzusondern. Frau S. blieb abgefüllt und gesättigt zurück, aber für mich war es das eine Mal zu viel gewesen, weil dieser finale Erfolg mich eben daran hinderte, meiner im Bett stöhnenden Freundin für ihr Verständnis auf die Art und Weise zu danken, die uns eigentlich am besten gefällt.

Allerdings hatte dieses letzte Mal zusammen mit dem Kompliment von wegen ihrer überbordenden Libido auch etwas Gutes gehabt. Denn es hatte sicher dazu beigetragen, dass das Trinkgeld von Frau S. überaus üppig ausgefallen war. So üppig, dass der Gesamtlohn für meine Bemühungen, ihren ehelichen Frust zu bewältigen, nicht nur die Nebenkostennachzahlung deckte, sondern dass auch noch ein paar sexy Dessous für Lisa herausspringen würden.

In denen sieht sie nämlich himmlisch verrucht aus, vor allem in den durchlöcherten und geschlitzten. Andererseits, um verrucht auszusehen, braucht sie diese edlen Fetzen eigentlich nicht. Als sie sich das erste Mal für mich auszog, schälte sie sich aus einem ganz banalen und billigen weißen Höschen. Das machte auf meinen Schniedel einen solchen Eindruck, dass ich fast Angst um sie bekam, wie sie da so zart und zerbrechlich vor ihm lag. Was wiederum eine massive Selbstüberschätzung meinerseits war. Denn zerbrechlich war gar nichts an ihr, als sie sich gleich darauf mit wachsender Begeisterung eben jenen mutmaßlich für sie viel zu großen Schniedel einverleibte und dabei jeden einzelnen meiner Zentimeter herzlich willkommen hieß.

Am verruchtesten sieht Lisa aber aus, wenn sie gar nichts anhat. Und genau so, splitternackt, kam sie nach ihrem Solo zu mir in die Küche. Was mich einigermaßen beruhigte. Denn wenn sie wirklich mir den Nachmittag bei Frau S. unter die Nase hätte reiben wollen, dann wäre sie dafür in ihren alten Jogginganzug geschlüpft. Und hätte sich vor allem nicht, nackt wie sie war, auf meinen Schoß gekuschelt.

„War es schön?“, fragte ich sie, während ich ihr eine Tasse Tee gab. Die Frage war eigentlich überflüssig, denn jede Faser ihres Körpers strahlte eine solche Sinnlichkeit aus, dass kein Zweifel daran bestehen konnte: Der gerade durchlebte Orgasmus war an diesem Tag nicht der Abschluss ihrer sexuellen Bedürfnisse gewesen, sondern nur eine Zwischenstation. Vielleicht hatte er ja auch tatsächlich, wie ich gehofft hatte, jeden Ansatz von Verärgerung aus ihr herausgeschüttelt.

Ich begann, sie an den Stellen zu streicheln, wo ihre an sich schon weiche Haut noch weicher wurde. Sie nippte an ihrem Tee und nickte. Das wertete ich als Antwort auf meine Frage und gleichzeitig als Zustimmung zu meinem Streicheln. Also machte ich dort weiter, wo sie nicht nur weich, sondern auch feucht war. So feucht, dass das nicht nur von ihrem Mandolinenspiel auf ihrer Muschi stammen konnte. Das braute sie extra für mich zusammen, damit meine Finger einfacher hineinflutschen konnten.

Doch als die es sich gerade in ihr bequem machen wollten, nahm sie meine Hand, zog sie sanft, aber bestimmt wieder heraus, legte sie auf ihren Schenkel und stellte, genau wie ich befürchtet hatte, die Gegenfrage: „War es schön?“

„Es war wichtig für Frau S.“, wich ich aus. Als ich aber sah, dass sie ihre Stirn in fragende Falten legte, gab ich es zu. „Ja, es war auch schön, warum soll ich es leugnen, die Frau hat's einfach drauf.“ Und nach einer winzigen Pause fügte ich hinzu: „Ist das schlimm für dich?“

Lisa schüttelte den Kopf. Wir hatten Frau S. einmal in der Stadt getroffen und die beiden waren sich auf Anhieb sympathisch. Von daher war es nicht überraschend, dass sie es ihr gönnte, in ihrer Not mit mir herumgeschnackselt zu haben, und auch mir zugestand, dass ich das Nützliche mit dem Vergnüglichen verbunden hatte. Sie lächelte sogar und gab mir einen Hauch von Kuss auf den Mund. „Nicht, wenn du mich auch tröstest. Wenn du es denn heute noch schaffst.“

Als kleinen Ansporn führte sie meine Hand zurück an den zentralen Ort der Tröstung. Schnurrend wie eine Katze ließ sie es sich gefallen, dass meine Finger wieder eintauchten, bis sie unter sich eine Regung spürte, auf die sie scheinbar gewartet hatte. Denn sie krabbelte von meinem Schoß herunter und verzog sich, aufreizend mit dem Hintern wackelnd, Richtung Schlafzimmer. An der Tür drehte sie sich um und warf mir einen schmachtenden Blick zu. Sie sah dabei noch eine Spur nackter und verruchter aus als vorher.

Die zarte Regung, die an ihren Hintern gedrückt hatte, ...


An dieser Stelle endet der handgeschriebene Text, der uns mit der expliziten Bitte zugespielt wurde, „etwas draus zu machen“. Wir haben uns allerdings bislang darauf beschränkt, das Fragment abzuschreiben. Aber selbstverständlich geben wir die Bitte, noch mehr daraus zu machen, an die Kolleginnen und Kollegen von der Leselupe. Wer eine Idee dazu hat, sei herzlich eingeladen, seine oder ihre Fortsetzung(en) zu posten.

 

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