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Ein gewaltiges und liebevoll sinnlich gezeichnetes Porträt einer rauen Inselwelt

Rezension zu:

Peter May, Beim Leben deines Bruders, Zsolnay 2014, ISBN 978-3-552-05671-8

Mit seiner Serie um den Polizisten Fin Macleod aus Edinburgh hat der 1951 in Glasgow geborene schottische Schriftsteller und Drehbuchautor Peter May in seiner Heimat großen Erfolg gehabt und wurde mehrfach ausgezeichnet.

Nun in seinem neuen Buch hat Fin Macleod aus persönlichen Gründen seinen Polizistenberuf aufgegeben und fährt zurück in seine Heimat, nach Lewis, der größten der äußeren Hebrideninseln vor Schottland.

Kurz nach seiner Ankunft wird beim Torfstechen eine zunächst als archäologischer Fund angesehene Leiche ausgegraben. Doch als der bald hinzugezogene Gerichtsmediziner am Arm der Leiche ein Tattoo von Elvis Presley entdeckt mit der Inschrift „Heartbreak Hotel“ ist klar, dass der Tote spätestens 1956 auf unnatürliche Weise um sein Leben kam.

Fin Macleod, der eigentlich in Ruhe sein Leben wieder auf die Reihe bringen wollte, sieht sich sehr schnell involviert in die Sache. Denn der an schwerer Demenz erkrankte Vater von Fins großer Jugendliebe Mona gerät durch eine DNA - Spur in den Verdacht, damals der Täter gewesen zu sein. Fin hatte als junger Mann die Liebe Monas fahrlässig missachtet, und er sucht vorsichtig nach möglichen neuen Anknüpfungspunkten, zumal sein eigener Sohn, den er mit Mona gezeugt hatte, gerade selbst Vater geworden ist. Auch deshalb fängt er schnell an zu ermitteln, erfährt von einem lokalen Polizisten viel Unterstützung und Hilfe. Sie wollen den Fall selbst lösen, bevor ein offizieller Ermittler vom Festland beauftragt wird.

Da Monas Vater Tormod sich an nichts erinnert, weil seine Demenz schon weit fortgeschritten ist, greift Peter May zu einem Kunstgriff. Parallel zu den Ermittlungen und Nachforschungen von Fin lässt er Tormod, der ursprünglich ganz anders hieß, wie sich herausstellen wird, seine Geschichte erzählen, die in einem katholischen Waisenhaus auf dem Festland beginnt. Zusammen mit anderen Kindern und seinem Bruder wird er eines Tages auf die Hebriden gebracht, wo er bei einer Familie fast wie ein Sklave gehalten wird.

Immer mehr wird durch die wechselnden Perspektiven die Geschichte klarer und der Leser wird einer Lösung nähergebracht. Und die Frage wird immer drängender: hat der alte Mann damals seinen Bruder umgebracht? Denn als solcher ist der Tote bald identifiziert.

„Beim Leben deines Bruders“ ist nicht nur ein spannend erzählter Kriminalroman mit einer sich über Jahrzehnte hinziehenden Vorgeschichte, sondern auch ein gewaltiges und liebevoll sinnlich gezeichnetes Porträt einer rauen Inselwelt und ihrer historischen Abgründe.

Atemberaubend schöne Naturbeschreibungen erzählen von einer Landschaft, in der das Meer, das Klima und die Armut die Menschen schon immer in ihrer dramatischen Gefangenschaft gehalten haben.
 

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