Ein Haus mit sieben Zimmern

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Ciconia

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[ 4]In einem Haus mit sieben Zimmern
[ 4]sitz ich allein im Dämmerlicht.
[ 4]Geheimnisvolles Kerzenflimmern
[ 4]skizziert dein müdes Angesicht.
[ 4]
[ 4]Ich wandle durch verlassne Räume,
[ 4]mein Ruf verhallt hier ungehört.
[ 4]Mag sein, dass ich schon wieder träume
[ 4]und mich dein Schattenbild betört.
[ 4]
[ 4]Es wird nie aufhörn, dieses Sehnen,
[ 4]das Suchen bis zur Ewigkeit.
[ 4]Auch wenn die Jahre sich unsäglich dehnen -
[ 4]zu guter Letzt werd ich befreit.
 

wüstenrose

Mitglied
Liebe Ciconia,
dein Gedicht gefällt mir gut und spricht mich an - mit Ausnahme der beiden Zeilen, welche den Reim Ewigkeit/befreit beinhalten. Natürlich darfst du es so sagen, wenn die im Raum stehenden Empfindung damit transportiert werden kann - mir ist es an dieser Stelle zu pathetisch, vielleicht auch irgendwie zu traditionell.
Ich würde es eher so ausdrücken (ahnend, dass es dann nicht mehr genau das trifft, was dir wichtig ist), wobei mich die relative Auflösung der metrischen Struktur (dein Einbau der fünfhebigen Zeile gefällt mir übrigens sehr gut!) nicht stören würde:

Es wird nie aufhörn, dieses Sehnen,
das Suchen nach Konturen.
Wie sich die Jahre doch unsäglich dehnen -
im Bann der Spuren.


lg wüstenrose
 

Ciconia

Mitglied
Moin Wüstenrose,

Du hast Recht, die fünfhebige Zeile war gewollt, um den Begriff des Dehnens zu unterstreichen. Allerdings kann ich mich nicht anfreunden mit einer weiteren Änderung der metrischen Struktur wie von Dir vorgeschlagen. Mir ging es ja auch besonders um die Aussicht auf Befreiung nach quälenden Jahren. Wenn dies wirklich zu pathetisch daherkommt, nehme ich weitere Vorschläge gern an, wie man dies anders ausdrücken könnte.

Vielen Dank für die Beschäftigung mit meinem Gedicht.

Gruß Ciconia
 

wüstenrose

Mitglied
Hallo Ciconia,
nachdem ich deine Antwort gelesen habe, kommt mir noch der ein oder andere Gedanke.
Vielleicht sollte ich mich vorsichtiger ausdrücken: Deine dritte Strophe wirkt nicht insgesamt (zu) pathetisch - das wäre ein ungerechtes Urteil. Das Quälende, unsäglich Bedrückende steht ja im Vordergrund, und das kommt bei mir als Leser auch unmittelbar an.
Darüber hinaus ist es dann womöglich einfach Geschacksache bzw. eine Frage des persönlichen Schreibstils. Ewigkeit gehört für mich in die Kategorie inhaltsschwangerer Wörter - ich bevorzuge im Zweifelsfall den eher vagen, flüchtigen Ausdruck, vielleicht nur das Andeuten einer Tragweite; du benennst die Dinge mehr zupackend ... da gehen wir im Detail unterschiedlich vor.
[ 4]Aber ich sehe doch, dass ich nicht zu sehr in deinen Stil "hineingreifen" sollte, ich sollte einfach akzeptieren, dass du die Dinge auf deine Weise ausdrückst - und wenn das dann in sich stimmig und rund wirkt, dann ist es nicht relevant, ob es ein Leser (in dem Fall ich) gerne anders haben möchte. In diesem Sinne gelobe ich Mäßigung.

lg wüstenrose
 

Ciconia

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Hallo Wüstenrose,

danke für Deine ergänzenden Überlegungen – dann lasse ich meine Version erst mal so stehen. ;) Weitere Kommentare wird es wohl sowieso nicht geben.

Schönen Sonntagabend!
Gruß Ciconia
 

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