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Ein Kinderbuch über den Tod

Rezension zu:

Wolf Erlbruch, Ente, Tod und Tulpe, Antje Kunstmann Verlag 2007, 40 Seiten, ISBN 978-3-88897-461-8,

Wolf Erlbruch ist ein Kinderbuchautor, der es auf hervorragende Art und Weise versteht, kleineren und größeren Kindern tiefgehende Daseinsfragen auf eine Weise näher zu bringen, die den kleinen Lesern Sinnangebote macht, die ihnen die Freiheit des Denkens lässt, ja sie geradezu fördert, die ihnen, undogmatisch und religiös nicht eindeutig festgelegt, Antworten anbietet und sie gleichzeitig einlädt und auffordert, nach eigenen Antworten zu suchen und diese Suche niemals aufzugeben.

Deutlich ist Erlbruchs Büchern abzuspüren, dass er es für absolut notwendig hält für ein sinnvolles und menschenwürdiges Menschenleben, sich diesen Fragen zu stellen, was ja angesichts des Niedergangs der Deutungshoheit, besonders aber der Deutungskraft der christlichen Religion und vor allem der beiden großen Kirchen in unserem Land nicht gerade einfacher geworden ist. Eine große Zahl verschiedener Stimmen und Sinnangebote überfluten schon kleine Menschenkinder und haben vor allem eines im Sinn: sie vom eigenen Denken abzuhalten und zu guten und unkritischen Konsumenten zu machen.

Zuletzt hat Wolf Erlbruch mit einfachen Texten und Bildern in seinem bei Peter Hammer erschienenen Buch „Die große Frage“ darüber nachgedacht, welche Antworten möglich sind auf die Frage, warum ein Mensch respektive ein Kind auf der Welt ist, eine Frage, die früher oder später über jede Kinderlippe kommt und leider selten angemessen aufgenommen und noch seltener beantwortet wird.

In seinem hier vorliegenden Buch „Ente, Tod und Tulpe“, das Antje Kunstmann in gewohnt hervorragender Weise verlegt hat, denkt Wolf Erlbruch nach über den Tod. Ähnlich wie die Frage nach dem Sinn der eigenen Existenz und ihrer Begründung und ihres Anfangs, gerät auch die Frage der Endlichkeit allen Lebens und das Phänomen des Todes ziemlich bald in den Focus kindlichen Bewusstseins und Erlebens. Kinder fragen danach, warum etwas sterben muss, was dann mit dem ehemals Lebendigen geschieht und wie man damit umgehen kann und soll, dass etwas – ein geliebter Mensch oder ein Tier – was lange da war, nun nicht mehr da ist.

Wolf Erlbruch wählt eine Ente als Protagonisten seines Buches aus. Sie ist guter Dinge und freut sich ihres Lebens, doch schon lange hat sie so ein seltsames Gefühl gehabt, bis sie den Tod erkennt und ihn fragt, warum er ihr dauernd hinterher schleiche. „Schön, dass du mich endlich bemerkst,“ sagt die Gestalt, „ich bin der Tod.“

Wolf Erlbruch hat ihn schlicht gemalt mit einem einfachen, kaum Furcht erregenden Totenkopf, einer karierten Ober- und Unterbekleidung und einfachen, flachen Schuhen. Was man zunächst kaum wahrnimmt, ist, dass er quasi hinter seinem Rücken eine Tulpe hält und sie auch bis kurz vor dem Ende des Buches nicht loslässt. Die beiden kommen miteinander ins Gespräch, und die Ente erfährt vom Tod, dass er immer wieder und zu allen Zeiten schon in ihrer Nähe ist, eine wunderschöne Umsetzung der paulinischen Erkenntnis, dass wir alle mitten im Leben vom Tod umfangen sind. Sie freunden sich an, die Ente und der Tod und er folgt ihrem Vorschlag und begleitet sie zu ihrem Teich. Als er beginnt im Wasser zu frieren, wärmt ihn die Ente mit ihrem warmen Körper und sie schlafen engumschlungen ein. Am nächsten Morgen wird sich die Ente bewusst, dass sie gar nicht gestorben ist, obwohl sie sich so eng mit dem Tod eingelassen hat.
Und dann folgen tiefsinnige Gespräche der beiden über Vorstellungen von Himmel und Hölle und sie sind die folgenden Wochen täglich zusammen. Eines Abends wird es der Ente kalt und sie bittet den Tod sie etwas zu wärmen. Die Ente stirbt und der Tod legt sie auf das Wasser, legt die Tulpe auf ihre Brust und gibt ihr einen vorsichtigen Schubs.
„Lange schaute er ihr nach. Als er sie aus den Augen verlor, war der Tod fast ein wenig traurig. Aber so war das Leben.“

Ein wunderbares, schlicht und einfach gezeichnetes und knapp, aber tiefsinnig getextetes Bilderbuch für Kinder ab etwa 5 Jahren, so bald sie durch eigene Fragen über den Tod und das Sterben signalisieren, dass ihre Seele für das Thema offen und bereit ist.
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Was für ein Monstersatz am Anfang! ;-)

Im zweiten Absatz hab ich zwei Probleme mit dem Text:
Was hat das Fragenstellen mit der Deutungshoheit/Deutungskraft zu tun? Das Antwortengeben hat damit zu tun. Es mag für Erwachsene mangels "Instanz" schwerer sein, jemanden zu finden, den man fragt und dem man die eine kompetente Antwort zutraut, aber gerade für Kinder spielt Kirche da keine Rolle - für sie sind die Eltern (oder alle „Großen") ganz natürlich die gesuchte Instanz.
Ich bin immer skeptisch, wenn über die Intensionen eines Autor geredet wird. Man projiziert als Leser zu leicht seine eigene Anschauung auf jemanden, der etwas liefert, was zur eigenen Anschauung gut zu passen scheint. Bei solchen Passagen bin ich immer geneigt, eine Art „Legitimation“ der Aussage zu verlangen. Das ist – das gebe ich zu – oft eine reine Formulierungsfrage. Stünde da „Der Autor hält es für notwendig …" würde ich (zumindest erstmal) davon ausgehen, der Rezensent kennt den Autor (persönlich oder durch Beschäftigung mit ihm) gut genug, um das zu wissen. Du schreibst aber, es sei „den Büchern abzuspüren“ und das halte ich für dann doch eher für Spekulation.

Im hinteren Bereich fehlen Leerzeilen zwischen den Absätzen. Wobei das Zitat einfach so, ohne Absatz, drangehängt passender wäre, denke ich.


Details:

Wolf Erlbruch ist ein Kinderbuchautor, der es auf hervorragende Art und Weise versteht, kleineren und größeren Kindern tiefgehende Daseinsfragen auf eine Weise näher zu bringen, die den kleinen Lesern Sinnangebote macht, die ihnen die Freiheit des Denkens lässt, ja sie geradezu fördert, die ihnen, undogmatisch und religiös nicht eindeutig festgelegt, Antworten anbietet und sie gleichzeitig einlädt und auffordert, nach eigenen Antworten zu suchen und diese Suche niemals aufzugeben.
Monster-Satz
"kleineren und größeren Kindern" in den selben Büchern? Halte ich für nicht effektiv machbar. (Ich habe – aber das nur am Rande – ohnehin so meine Zweifel, ob das, was Erwachsene als "tiefsinnige Kinderbücher/lieder“ wahrnehmen, von den Kindern überhaupt in dem gleichen, dem "gewünschten" Sinn verstanden wird, oder ob das für sie im besten Fall nicht einfach ein paar Brocken "wichtiger Kram, auf den die Großen Wert legen", und im schlechtesten nur ein weiteres Rumspinn-Feld ist.)

Eine große Zahl verschiedener Stimmen und Sinnangebote überfluten schon kleine Menschenkinder und haben vor allem eines im Sinn: sie vom eigenen Denken abzuhalten und zu guten und unkritischen Konsumenten zu machen.
Sie
Das stimmt inhaltlich nicht: Es sind nur wenige Stimmen, die das wollen (die sind nur sehr laut und anscheinend allgegenwärtig). Und aisgepägte "Sinnangebote" sind da auch eher selten darunter, denn "Sinn" hat ja eben mit Denken, mit Reflektieren zu tun.


Zuletzt hat Wolf Erlbruch mit einfachen Texten und Bildern in seinem bei Peter Hammer erschienenen Buch „Die große Frage“ darüber nachgedacht, welche Antworten möglich sind auf die Frage, warum ein Mensch respektive ein Kind auf der Welt ist, eine Frage, die früher oder später über jede Kinderlippe kommt und leider selten angemessen aufgenommen und noch seltener beantwortet wird.
Nur am Rande Textarbeit: Wie kommst du darauf, dass die Frage so selten überhaupt beantwortet wird? Die Antworten mögen selten philosophisch tiefgründig sein, aber solche Antworten verstehen Erwachsene kaum, erst recht nicht kleine Kinder. „Weil wir (die Eltern) dich wollten.“ ist eine kindgerechte Antwort. Oder „Weil Gott dich will". "Weil es eben so ist/Das ist Natur“ , ist eine weitere Antwort, mit der wäre ein Kind aber kaum zufrieden. "Weil wer auch immer dir eine Aufgabe zugeteilt hat", ist eine Antwort, wobei das Kind da nur halb zufrieden sein dürfte (wer, welche Aufgabe?). Man könnte auch evolutionsbiologisch werden oder die alte Frage diskutieren, wer warum den Menschen geschaffen hat und/oder ihn lenkt – das dürfte entweder platt bleiben (und auf eine der beiden oben genannten Sachen hinauslaufen) oder so philosophisch werden, dass das Kind nicht mehr mitkommt. – Langer Rede kurzer Sinn: Du vermischst – vermute ich – da deinen Anspruch auf "sinnreiche Antwort" mit "Antwort", so als wäre nur eine nach deinem Maßstab sinnreiche Antwort überhaupt eine.


In seinem hier vorliegenden Buch „Ente, Tod und Tulpe“, das Antje Kunstmann in gewohnt hervorragender Weise verlegt hat, denkt Wolf Erlbruch nach über den Tod. Ähnlich wie die Frage nach dem Sinn der eigenen Existenz und ihrer Begründung und ihres Anfangs, gerät auch die Frage der Endlichkeit allen Lebens und das Phänomen des Todes ziemlich bald in den Focus kindlichen Bewusstseins und Erlebens. Kinder fragen danach, warum etwas sterben muss, was dann mit dem ehemals Lebendigen geschieht und wie man damit umgehen kann und soll, dass etwas – ein geliebter Mensch oder ein Tier – was lange da war, nun nicht mehr da ist.
Was genau meinst du mit "in hervorragender Wiese verlegt"?
Inhaltlicher Fehler: Kinder fragen in der Tat "Warum muss er/sie/es sterben?" und "Was passiert dann?" Aber sie fragen nicht "Wie soll ich damit umgehen?" – sie tun es einfach. Es kann sein, dass Eltern/Erwachsene ihnen sagen "wie man damit umzugehen hat" (Ein neuer Hund? Der alte ist noch nicht mal richtig beerdigt!), dadurch lernen sie, dass es Erwartungen gibt, und erst wenn sie das gelernt haben, fragen sie, was das für Erwartungen sind (das passiert aber erst recht spät). (Was du vielleicht meinst, ist, dass sie Hilfe beim Bewältigen der Gefühle (Trauer, Verwirrung) suchen, aber das ist was anderes.)
Stilistisch: Diese beiden Dinge "Warum? Was wird dann?" und "Wie damit umgehen" sind so verschieden, dass man sie im Text trennen sollte, statt sie in einen Satz zu pressen.


Wolf Erlbruch wählt eine Ente als Protagonisten seines Buches aus. Sie ist guter Dinge und freut sich ihres Lebens, doch schon lange hat sie so ein seltsames Gefühl gehabt, bis sie den Tod erkennt und ihn fragt, warum er ihr dauernd hinterher schleiche. „Schön, dass du mich endlich bemerkst,“ sagt die Gestalt, „ich bin der Tod.“
Das ist recht konfus. Was für ein seltsames Gefühl denn? Verfolgungs"wahn"? Und wie "den Tod erkennt" – als Umstand, Effekt sozusagen oder dass da eine Person namens Tod sie "stalkt"?

Wolf Erlbruch hat ihn schlicht gemalt mit einem einfachen, kaum Furcht erregenden Totenkopf, einer karierten Ober- und Unterbekleidung und einfachen, flachen Schuhen. Was man zunächst kaum wahrnimmt, ist, … wunderschöne Umsetzung der paulinischen Erkenntnis, dass wir alle mitten im Leben vom Tod umfangen sind. Sie freunden sich an, die Ente und der Tod und er folgt ihrem Vorschlag und begleitet sie zu ihrem Teich. Als er beginnt im Wasser zu frieren, wärmt ihn die Ente mit ihrem warmen Körper und … hat.
Wie: Kaum Furcht erregend? (Das ist wieder so ein Erwachsenen-Problem: Wir wissen, dass Totenköpfe Furcht erregend sein sollten (weil es TOTENköpfe sind), aber sie sind es in der Regel (wenn sie nicht besonders schaurig dagestellt werden) nicht per se, sondern nur durch die Assoziation. Es sei denn, man fürchtet sich grundsätzlich davor, dann gibt es keine "niedlichen" Totenköpfe. Da man aber weiß, dass ein netter Autor seine kleinen Leser nie absichtlich ängstigen würde, "weiß" man, dass diese Totenköpfe nicht Furch erregend sind …) Kurz: Entweder es ist gruselig oder nicht.
Ich versteh nicht so recht, warum es erwähnenswert ist, dass er einfache flache Schuhe trägt. Die karierten Sachen – ok, die wirken ein bisschen versnobt oder clownhaft (je nach Sichtweise und konkreter Ausführung), das verleiht der Figur einen bestimmten Charakter. Stöckel- oder Lackschuhe würden charakterisieren, Jesuslatschen oder Sneakers …
Komma nach "Tod"
Komma nach "beginnt"
(Der Tod friert???????????)

Und dann folgen tiefsinnige Gespräche der beiden über Vorstellungen von Himmel und Hölle und sie sind die folgenden Wochen täglich zusammen. Eines Abends wird es der Ente kalt und sie bittet den Tod sie etwas zu wärmen. Die Ente stirbt und der Tod legt sie auf das Wasser, legt die Tulpe auf ihre Brust und gibt ihr einen vorsichtigen Schubs.
„Lange schaute er ihr nach. Als er sie aus den Augen verlor, war der Tod fast ein wenig traurig. Aber so war das Leben.“
(Wenn in Zusammenhang mit Kinderbüchern über "tiefsinnige Gespräche" geredet wird, werde ich skeptisch. (siehe oben)) Hilfreich fände ich als Leser der Rezi, zu erfahren, inwieweit diese "tiefsinnigen Gespräche" kindgerecht gestaltet sind.
Komma nach "Tod"
(Er WÄRMT sie zu Tode???????? Und warum verliert der Tod sie aus den Augen? Sie ist tot, in SEINER Sphäre.)


Ein wunderbares, schlicht und einfach gezeichnetes und knapp, aber tiefsinnig getextetes Bilderbuch für Kinder ab etwa 5 Jahren, so bald sie durch eigene Fragen über den Tod und das Sterben signalisieren, dass ihre Seele für das Thema offen und bereit ist.
Doppelt gemoppelt
sobald (sobald es soweit ist / so bald wie möglich)
 

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