Ein Strauß roter Rosen

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Cellist

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Ein Strauß roter Rosen


Da war diese Schnapsidee. Über zwanzig Euro hat sie mich gekostet.

Welche Farbe soll es sein, fragte die Verkäuferin. Wenn schon Rosen, dann Rot, dachte ich mir und nahm fünf mehr als ursprünglich geplant. Ein bisschen Grün gab sie kostenlos dazu. Papier oder Folie? Mein Einkauf konnte sich sehen lassen, daher kam nur Folie in Frage.
Dann stand ich an der Haltestelle und wartete auf den Bus. So wie all die anderen. Die mich gar nicht beachteten, noch weniger die Blumen für den Zwanziger. Sie telefonierten, lasen in einem Buch, studierten den Fahrplan oder schlossen für Sekunden ihre Augen. Und ich? Stand da, mit diesem unhandlichen Strauß in der Hand. Und wartete. Wann kam endlich der Bus?
Ein Jugendlicher näherte sich. Direkt vor mir blieb er stehen und schaute auf meine Blumen. Ich wusste es doch …
„Hey, Alter“, meinte er, „du Umweltsau! Die kannst du auch in Papier einschlagen lassen.“ Und ging weiter.
Ich hinterher. Wir hatten dieselbe Richtung. Man muss ja nicht immer fahren, dachte ich.
Der Jugendliche verschwand wenig später in einem Haus und ich legte auf meinem weiteren Heimweg die Blumen an irgendeiner fremden Haustür ab. Entfernte vorher die Folie, die ich zuhause im Gelben Sack entsorgen würde.

Alles gut, meine Frau mag eh keine Schnittblumen.
 

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