Ein Tagesausflug ins Leben...

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timilu

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Leise Musik liegt über den Gästen dieses Cafés, das sie mit dem Auf und Ab ihres Gemurmels immer wieder übertönen. Das Klappern von Geschirr dringt an mein Ohr, was ich kaum wahrnehme. Ich schaue gebannt aus dem großen Panoramafenster vor mir. Es ist so lang wie das Café breit ist und sein Ausblick spektakulär.
„Entschuldigung.“ Die Bedienung schiebt sich schwerfällig zwischen meinem Stuhl und dem Nachbartisch hindurch und stößt dabei gegen meine Schulter. Ihr Tablett wankt bedenklich. Es wären nicht die ersten Getränke, die sich über mich ergießen würden.

Seufzend lege ich ein paar Münzen auf den Tisch und stelle mich ans Fenster. Meine Hände legen sich auf den Handlauf des Geländers, der sich an einem warmen Tag wie heute angenehm kühl anfühlt. Vor mir liegt Berlin in seiner ganzen Pracht. Der Blick auf seine Dächer ist fantastisch. Das Rote Rathaus zieht mich magisch an. Der untere Teil des Fernsehturms wird von leichten Nebelschwaden umhüllt, so dass die Kugel darüber zu schweben scheint. Gierig sauge ich diesen Anblick auf. Ich habe mich für einen Tag losgeeist, um nach Berlin zu kommen. Raus aus meinem Alltag, der sich oft deprimierend über meine Seele legt. Weg von meinem eintönigen Eheleben, das mir keinerlei Aufregung bietet. In diese Stadt einzutauchen ist Urlaub für meine vernachlässigten Emotionen. Sie zu fühlen, zu hören und ihren Pulsschlag ganz tief in meinem Herzen zu spüren, macht mich glücklich. Sobald ich den Zug aus Nirgendwo verlasse und den Boden von Berlin betrete, schießt mir das Blut dieser einzigartigen Stadt in den Körper und pulsiert heftig durch meine Venen. Nirgendwo fühle ich mich lebendiger, geerdeter, als in dieser Metropole. Ich bin neugierig, was dieser Tag für mich bereit hält. Keiner der Anwesenden Gäste scheint einen Blick für sie zu haben. Sie vergessen sich in Nichtigkeiten und beschäftigen sich lieber mit ihren Smartphones. Sie sind fernab jeder Wirklichkeit; blind für die Einzigartigkeit um sich herum.

Ein leichtes vibrieren unter meinen Händen läßt mich aufschauen und zwingt meinen Blick geradezu nach rechts. Einige Meter neben mir steht ein Mann, dessen gebräunte Hände kraftvoll den gebürsteten Edelstahl umfassen. Augenblicklich schießen mir Bilder in den Kopf, die meine Wangen zum Glühen bringen. Ich spüre seine Hände auf mir, auf meinem ganzen Körper, wie sie mich fest umschlingen, während ich unter der heftigen Lust erzittere, die sie mir eben bereitet haben. Mein Atem geht schnell und flach, während der Puls meine Halsschlagader rhythmisch gegen die dünne Hautwand presst. Zögernd wandert mein Blick über das weiße Hemd, dessen Arme locker zurückgekrempelt sind und schaue in ein Gesicht, das mich unverwandt ansieht. Mir wird leicht schwindelig. Er ist bei mir und irgendwie in mir.

Ein arrogantes Lächeln umspielt seine Lippen und er wirft mir einen: ich-weiß-alles-über-dich Blick zu. Schlagartig versiegt mein Speichelfluss. Vorsichtig räuspere ich mich. Diesen Kloß, der sich spontan in meinem Hals gebildet hat, werde ich nicht los. Langsam kommt er auf mich zu, obwohl ich keinerlei Bewegungen an ihm ausmachen kann. Er kommt näher; unaufhaltsam, Meter für Meter. Als er vor mir steht klopft mein Herz so laut, dass ich Angst habe er könne es hören. Zarte Duft-Akkorde schweben um meine Nase, dringen tief in meine Lungen und betören meine Sinne. Die warme Holznote im Hintergrund wird feurig und legt sich wie schützende Arme um mich. Diese Aromen wirken heiß und kalt, nah und fern, zurückhaltend und drängend. Alles an ihnen ist ein Widerspruch, der sich mit seiner persönlichen Note in mir zu einem Gesamtwerk vereint.
„Sie machen sich zu viele Gedanken.“ Himmel diese Stimme. Sein Vibrato zieht mich augenblicklich an den Rand eines gefährlichen Abgrunds. Mit beiden Händen umklammere ich das Geländer fester, um nicht zu fallen.

Sein Stöhnen dringt an mein Ohr und er flüstert mir sündige Worte hinein; teilt seine Fantasien mit mir. Alles klingt so unglaublich gut mit dieser Stimme. Meine Haut beginnt vor Erregung zu prickeln. Unerbittlich hält er meinen Blick fest als er weiter spricht: „In Kürze werden Sie sich nicht mehr an mein Hemd erinnern, nicht an mein Gesicht, nicht an mich. Nur an die süßen Momente die ich Ihnen schenken werde.“ Seine Augen schauen mit großer Ruhe in meine. Vergebens suche ich das Lodern der Flammen in ihnen, oder ist es nur der Feuerschein meiner Selbst den ich zu finden hoffe?
„Wie ist ihr Name?“
„Helen“, kommt es über meine bebenden Lippen. Er lächelt spöttisch. Verdammt, er hat mich durchschaut, aber scheinbar spielt es gar keine Rolle wie ich heiße. Ich möchte seinen Namen gar nicht wissen. Dieser Mann hat mich körperlich nicht berührt und doch bin ich das reinste Nervenbündel. Ausgelöst durch seine Präsenz und diese Stimme mit ihren markigen Worten; und dann ist da dieser Duft, der ein Versprechen an meine geheimen Sehnsüchte beinhaltet.
„Was erwarten Sie von mir?“, wage ich ihn zu fragen. Seine Braue zieht sich sexy nach oben und mir wird schon wieder schwindelig.
„Es geht nicht darum was ich von Ihnen erwarte, sondern nur um das, was Sie so dringend benötigen.“ Wieder schwingen Abertausende Versprechungen auf mich zu. Ich muss nur die Hand heben und mir etwas aussuchen. Es ist alles dabei was sich mein Verstand vorstellen kann. Gierig schaue ich sie durch, drehe sie und lasse auch die Rückseiten nicht aus. Was brauche ich denn schon? Und was von all diesen Dingen will er mir geben?

„Wenn Sie bereit sind sich von Ihren Dogmen zu befreien, werden Sie leben. Mit dem Leben werden Sie lieben lernen. Seien Sie nicht länger Gefangene in einer Welt, die nicht die Ihre ist. Fühlen Sie sich nur sich selbst verpflichtet und Sie werden Ihr Bewusstsein erweitern.“

In einer stillen Übereinkunft dreht er sich um und ich folge ihm. Angezogen von nicht definierbaren Kräften ergebe ich mich in das, was jetzt kommt. Als er in einem abgedunkelten Raum die Tür ins Schloss schnappen lässt, kann ich nicht sagen wie ich hierher gekommen bin. Wo ich überhaupt bin. Ich hatte die ganze Zeit nur Augen für ihn. Seine Energie nimmt mir den Atem. Schlägt mich in ihren Bann. Jedes Alltagsgeräusch verliert sich in anderen Sphären. Nichts zählt mehr. Es gibt nur noch hier und jetzt - ihn und mich - diesen Raum. Nur schemenhaft kann ich Umrisse ausmachen. Sein Atem weht in meinen Nacken. Sofort zucke ich zusammen. Mit magischen Kräften dirigiert er mich zu einem Bett. Was für ein profanes Detail. Seine Dominanz finde ich erregend und keinen Gebrauch von ihr zu machen noch viel mehr. Ungläubig schüttle ich meinen Kopf. Die Haare tanzen dabei um mein Gesicht. Es muss ein Traum sein. Alles andere ist rational nicht zu erklären.
„Befreien wir uns von der Kleidung.“ Welch nüchterner Satz in einer so aufgeladenen Atmosphäre. Langsam legt er Stück für Stück der weltlichen Sachen von seinem Körper ab. Ich folge seinem Beispiel.

„Wünschen Sie Licht oder ist Ihnen die Anonymität der Dunkelheit lieber?“
„Dunkel“, kann ich nur flüstern. Sein Grinsen ist spürbar. Wieso macht mich seine arrogante Art nur so an. Ich bin doch kein Schulkind, das man mit nichts beeindrucken kann. Warum fühle ich mich in seiner Gegenwart so schwach? Die nächste Geste macht alle klaren Gedanken in meinem Kopf zunichte. Seine bloße Berührung meiner Haut löst einen Flächenbrand in mir aus. Er ist mit jeder Faser seines Körpers in meinen getaucht, hat Besitz von mir genommen, obwohl kaum etwas passiert ist. Wie kann das nur sein? Ich finde mich unter ihm, auf ihm, neben ihm, über ihm. Wir rollen wie verirrte Seelen durchs Bett. Krallen uns in den Körper des anderen, riechen und schmecken ihn. Endlich vereinen sich unsere Münder und ich zerfließe unter seiner Leidenschaft. Oder ist es meine eigene die in meinem Kopf explodiert und verzweifelt SOS an meinen Unterleib sendet?

Die Kühnheit seiner Zunge raubt mir den letzten Nerv. In seinem Mund koste ich die Freiheit, Wildheit, Zügellosigkeit. In diesem Geschmack liegt die pure Lust auf Leben und die Liebe. Diese Kombination treibt mich durch das erregende Zungenspiel in ungeheure Geilheit. Meine Brüste schreien nach Aufmerksamkeit, die er ihnen augenblicklich zuteilwerden lässt. Alles von ihm entfacht ein Feuerwerk der Emotionen in mir. Die leuchtendsten Farben glitzern über meiner Seele auf. Jedes saugen, ziehen und zarte beißen an ihnen, schickt eine große Scharr Schmetterlinge los, die unbeschreibliche Gefühl in meinem Bauch auslösen. Zwischen meinen Beinen pulsiert es heftig. Ich schmecke das Salz seiner Haut, lecke darüber und beiße in seine Schulter, als er meine Perle berührt. Der Trommelwirbel auf meinem Lustpunkt und die Finger die mich dehnen, treiben meine Lust in ungeahnte Höhen. Wolkenfetzen streifen mein Gesicht. Während ich nach ihnen greife, verliere ich mich selbst.

Als ich es nicht mehr aushalte und meine Lust hinausschreie, kommt er mit der Kraft und Geschmeidigkeit eines Raubtiers über mich. Sein Schwanz bohrt sich unerbittlich in mich hinein. Spielend leicht stößt er an, füllt mich aus und läßt mich fliegen. Wir lieben uns mit einer Vertrautheit die es gar nicht geben kann und doch passiert es. Genau so, hier und jetzt. Zwischen uns, in uns, mit uns. Er stillt mein Verlangen nach Sanftheit und schenkt mir im richtigen Moment Rauheit. Er zieht sich zurück und überläßt mir die Führung, aber unterwirft mich augenblicklich, wenn mein Körper danach verlangt. Wir sind ein einziger Widerspruch und dennoch ist es perfekt. Er ist perfekt. Wie er mich liebt, wie er in mir ist. In diesem Momenten scheint er ich zu werden, oder bin ich er? Meine Mitte hat sich längst verschoben und Zeit und Raum existieren nicht mehr. Ich beginne mich aufzulösen, während er meine Seele um das fehlende Puzzle-Teil ergänzt. Im Gleichklang unserer Herzen erleben wir diese Lust, die so viel mehr ist, als die Sehnsucht nach Befriedigung. Sie macht keine Fragen nötig. Sie fordert nichts. Sie braucht keine Erklärung. Sie kommt aus uns selbst und komplettiert den jeweils anderen auf beinahe mystische Art und Weise. Seine Kraft und Ausdauer verlangen mir alles ab. In diesen Stunden lerne ich mehr über mich selbst, als in den letzten vierzig Jahren. Die Unerschütterlichkeit dieses Moments erfasst die Verletzungen meiner Seele und legt sich sanft darüber. Zeitlupen unvergessener Augenblicke brennen sich in mein Herz. Für immer unauslöschlich verbunden. Wie Blitz und Donner an einem heißen Sommerabend. Sie haben recht, denke ich, die Farbe Ihres Hemdes spielt keine Rolle. Auch Ihr Gesicht nicht. Gar nichts spielt eine Rolle; nur diese Momente werden uns für immer aneinander fesseln. Eine Gefangenschaft die ich gerne eingehe und dabei frei bin wie nie zuvor. Das „Sie“ ist kein Widerspruch, sondern gehört zum Weltlichen, das uns im Moment der Vereinigung nicht erreicht, weil wir es abgelegt haben. Mit dem Ankleiden nehmen wir wieder unsere Konventionen auf und an.

Die Landschaft fliegt geisterhaft an mir vorbei, während der Zug mit atemberaubenden Tempo durch die flache Landschaft gleitet. Zutiefst befriedigt schmiege ich mich in den Sitz und folge meinen Gedanken. Wenn ich überhaupt mal Sex hatte, dann gehörten immer öfter Schmerzen dazu. Meine Frauenärztin wollte mir sogar etwas hormonelles verschreiben. Wenn der Körper in die Jahre kommt wäre das normal, merkte sie mit ihrer sonoren Stimme an. Ein Problem, das wohl viele Frauen über vierzig haben. Diesmal war alles anders. Ich hatte keine Schmerzen und ich hatte reichlich Sex, an einem einzigen Tag! Es war also ein reiner Bedienungsfehler. Mein Körper funktioniert! Und wie! Irgendwie erfüllt mich das mit Stolz und Beruhigung. Leise lächle ich. Zum Glück habe ich die nächste Fahrt nach Berlin schon gebucht.
 

timilu

Mitglied
Leise Musik liegt über den Gästen dieses Cafés, das sie mit dem Auf und Ab ihres Gemurmels immer wieder übertönen. Das Klappern von Geschirr dringt an mein Ohr, was ich kaum wahrnehme. Ich schaue gebannt aus dem großen Panoramafenster vor mir. Es ist so lang wie das Café breit ist und sein Ausblick spektakulär.
„Entschuldigung.“ Die Bedienung schiebt sich schwerfällig zwischen meinem Stuhl und dem Nachbartisch hindurch und stößt dabei gegen meine Schulter. Ihr Tablett wankt bedenklich. Es wären nicht die ersten Getränke, die sich über mich ergießen würden.

Seufzend lege ich ein paar Münzen auf den Tisch und stelle mich ans Fenster. Meine Hände legen sich auf den Handlauf des Geländers, der sich an einem warmen Tag wie heute angenehm kühl anfühlt. Vor mir liegt Berlin in seiner ganzen Pracht. Der Blick auf seine Dächer ist fantastisch. Das Rote Rathaus zieht mich magisch an. Der untere Teil des Fernsehturms wird von leichten Nebelschwaden umhüllt, so dass die Kugel darüber zu schweben scheint. Gierig sauge ich diesen Anblick auf. Ich habe mich für einen Tag losgeeist, um nach Berlin zu kommen. Raus aus meinem Alltag, der sich oft deprimierend über meine Seele legt. Weg von meinem eintönigen Eheleben, das mir keinerlei Aufregung bietet. In diese Stadt einzutauchen ist Urlaub für meine vernachlässigten Emotionen. Sie zu fühlen, zu hören und ihren Pulsschlag ganz tief in meinem Herzen zu spüren, macht mich glücklich. Sobald ich den Zug aus Nirgendwo verlasse und den Boden von Berlin betrete, schießt mir das Blut dieser einzigartigen Stadt in den Körper und pulsiert heftig durch meine Venen. Nirgendwo fühle ich mich lebendiger, geerdeter, als in dieser Metropole. Ich bin neugierig, was dieser Tag für mich bereit hält. Keiner der Anwesenden Gäste scheint einen Blick für sie zu haben. Sie vergessen sich in Nichtigkeiten und beschäftigen sich lieber mit ihren Smartphones. Sie sind fernab jeder Wirklichkeit; blind für die Einzigartigkeit um sich herum.

Ein leichtes vibrieren unter meinen Händen läßt mich aufschauen und zwingt meinen Blick geradezu nach rechts. Einige Meter neben mir steht ein Mann, dessen gebräunte Hände kraftvoll den gebürsteten Edelstahl umfassen. Augenblicklich schießen mir Bilder in den Kopf, die meine Wangen zum Glühen bringen. Ich spüre seine Hände auf mir, auf meinem ganzen Körper, wie sie mich fest umschlingen, während ich unter der heftigen Lust erzittere, die sie mir eben bereitet haben. Mein Atem geht schnell und flach, während der Puls meine Halsschlagader rhythmisch gegen die dünne Hautwand presst. Zögernd wandert mein Blick über das weiße Hemd, dessen Arme locker zurückgekrempelt sind und schaue in ein Gesicht, das mich unverwandt ansieht. Mir wird leicht schwindelig. Er ist bei mir und irgendwie in mir.

Ein arrogantes Lächeln umspielt seine Lippen und er wirft mir einen: ich-weiß-alles-über-dich Blick zu. Schlagartig versiegt mein Speichelfluss. Vorsichtig räuspere ich mich. Diesen Kloß, der sich spontan in meinem Hals gebildet hat, werde ich nicht los. Langsam kommt er auf mich zu, obwohl ich keinerlei Bewegungen an ihm ausmachen kann. Er kommt näher; unaufhaltsam, Meter für Meter. Als er vor mir steht klopft mein Herz so laut, dass ich Angst habe er könne es hören. Zarte Duft-Akkorde schweben um meine Nase, dringen tief in meine Lungen und betören meine Sinne. Die warme Holznote im Hintergrund wird feurig und legt sich wie schützende Arme um mich. Diese Aromen wirken heiß und kalt, nah und fern, zurückhaltend und drängend. Alles an ihnen ist ein Widerspruch, der sich mit seiner persönlichen Note in mir zu einem Gesamtwerk vereint.
„Sie machen sich zu viele Gedanken.“ Himmel diese Stimme. Sein Vibrato zieht mich augenblicklich an den Rand eines gefährlichen Abgrunds. Mit beiden Händen umklammere ich das Geländer fester, um nicht zu fallen.

Sein Stöhnen dringt an mein Ohr und er flüstert mir sündige Worte hinein; teilt seine Fantasien mit mir. Alles klingt so unglaublich gut mit dieser Stimme. Meine Haut beginnt vor Erregung zu prickeln. Unerbittlich hält er meinen Blick fest als er weiter spricht: „In Kürze werden Sie sich nicht mehr an mein Hemd erinnern, nicht an mein Gesicht, nicht an mich. Nur an die süßen Momente die ich Ihnen schenken werde.“ Seine Augen schauen mit großer Ruhe in meine. Vergebens suche ich das Lodern der Flammen in ihnen, oder ist es nur der Feuerschein meiner Selbst den ich zu finden hoffe?
„Wie ist ihr Name?“
„Helen“, kommt es über meine bebenden Lippen. Er lächelt spöttisch. Verdammt, er hat mich durchschaut, aber scheinbar spielt es gar keine Rolle wie ich heiße. Ich möchte seinen Namen gar nicht wissen. Dieser Mann hat mich körperlich nicht berührt und doch bin ich das reinste Nervenbündel. Ausgelöst durch seine Präsenz und diese Stimme mit ihren markigen Worten; und dann ist da dieser Duft, der ein Versprechen an meine geheimen Sehnsüchte beinhaltet.
„Was erwarten Sie von mir?“, wage ich ihn zu fragen. Seine Braue zieht sich sexy nach oben und mir wird schon wieder schwindelig.
„Es geht nicht darum was ich von Ihnen erwarte, sondern nur um das, was Sie so dringend benötigen.“ Wieder schwingen Abertausende Versprechungen auf mich zu. Ich muss nur die Hand heben und mir etwas aussuchen. Es ist alles dabei was sich mein Verstand vorstellen kann. Gierig schaue ich sie durch, drehe sie und lasse auch die Rückseiten nicht aus. Was brauche ich denn schon? Und was von all diesen Dingen will er mir geben?

„Wenn Sie bereit sind sich von Ihren Dogmen zu befreien, werden Sie leben. Mit dem Leben werden Sie lieben lernen. Seien Sie nicht länger Gefangene in einer Welt, die nicht die Ihre ist. Fühlen Sie sich nur sich selbst verpflichtet und Sie werden Ihr Bewusstsein erweitern.“

In einer stillen Übereinkunft dreht er sich um und ich folge ihm. Angezogen von nicht definierbaren Kräften ergebe ich mich in das, was jetzt kommt. Als er in einem abgedunkelten Raum die Tür ins Schloss schnappen lässt, kann ich nicht sagen wie ich hierher gekommen bin. Wo ich überhaupt bin. Ich hatte die ganze Zeit nur Augen für ihn. Seine Energie nimmt mir den Atem. Schlägt mich in ihren Bann. Jedes Alltagsgeräusch verliert sich in anderen Sphären. Nichts zählt mehr. Es gibt nur noch hier und jetzt - ihn und mich - diesen Raum. Nur schemenhaft kann ich Umrisse ausmachen. Sein Atem weht in meinen Nacken. Sofort zucke ich zusammen. Mit magischen Kräften dirigiert er mich zu einem Bett. Was für ein profanes Detail. Seine Dominanz finde ich erregend und keinen Gebrauch von ihr zu machen noch viel mehr. Ungläubig schüttle ich meinen Kopf. Die Haare tanzen dabei um mein Gesicht. Es muss ein Traum sein. Alles andere ist rational nicht zu erklären.
„Befreien wir uns von der Kleidung.“ Welch nüchterner Satz in einer so aufgeladenen Atmosphäre. Langsam legt er Stück für Stück der weltlichen Sachen von seinem Körper ab. Ich folge seinem Beispiel.

„Wünschen Sie Licht oder ist Ihnen die Anonymität der Dunkelheit lieber?“
„Dunkel“, kann ich nur flüstern. Sein Grinsen ist spürbar. Wieso macht mich seine arrogante Art nur so an. Ich bin doch kein Schulkind, das man mit nichts beeindrucken kann. Warum fühle ich mich in seiner Gegenwart so schwach? Die nächste Geste macht alle klaren Gedanken in meinem Kopf zunichte. Die bloße Berührung meiner Haut löst einen Flächenbrand in mir aus. Er ist mit jeder Faser seines Körpers in meinen getaucht, hat Besitz von mir genommen, obwohl kaum etwas passiert ist. Wie kann das nur sein? Ich finde mich unter ihm, auf ihm, neben ihm, über ihm. Wir rollen wie verirrte Seelen durchs Bett. Krallen uns in den Körper des anderen, riechen und schmecken ihn. Endlich vereinen sich unsere Münder und ich zerfließe unter seiner Leidenschaft. Oder ist es meine eigene die in meinem Kopf explodiert und verzweifelt SOS an meinen Unterleib sendet?

Die Kühnheit seiner Zunge raubt mir den letzten Nerv. In seinem Mund koste ich die Freiheit, Wildheit, Zügellosigkeit. In diesem Geschmack liegt die pure Lust auf Leben und die Liebe. Diese Kombination treibt mich durch das erregende Zungenspiel in ungeheure Geilheit. Meine Brüste schreien nach Aufmerksamkeit, die er ihnen augenblicklich zuteilwerden lässt. Alles von ihm entfacht ein Feuerwerk der Emotionen in mir. Die leuchtendsten Farben glitzern über meiner Seele auf. Jedes saugen, ziehen und zarte beißen an ihnen, schickt eine große Scharr Schmetterlinge los, die unbeschreibliche Gefühl in meinem Bauch auslösen. Zwischen meinen Beinen pulsiert es heftig. Ich schmecke das Salz seiner Haut, lecke darüber und beiße in seine Schulter, als er meine Perle berührt. Der Trommelwirbel auf meinem Lustpunkt und die Finger die mich dehnen, treiben meine Lust in ungeahnte Höhen. Wolkenfetzen streifen mein Gesicht. Während ich nach ihnen greife, verliere ich mich selbst.

Als ich es nicht mehr aushalte und meine Lust hinausschreie, kommt er mit der Kraft und Geschmeidigkeit eines Raubtiers über mich. Sein Schwanz bohrt sich unerbittlich in mich hinein. Spielend leicht stößt er an, füllt mich aus und läßt mich fliegen. Wir lieben uns mit einer Vertrautheit die es gar nicht geben kann und doch passiert es. Genau so, hier und jetzt. Zwischen uns, in uns, mit uns. Er stillt mein Verlangen nach Sanftheit und schenkt mir im richtigen Moment Rauheit. Er zieht sich zurück und überläßt mir die Führung, aber unterwirft mich augenblicklich, wenn mein Körper danach verlangt. Wir sind ein einziger Widerspruch und dennoch ist es perfekt. Er ist perfekt. Wie er mich liebt, wie er in mir ist. In diesem Momenten scheint er ich zu werden, oder bin ich er? Meine Mitte hat sich längst verschoben und Zeit und Raum existieren nicht mehr. Ich beginne mich aufzulösen, während er meine Seele um das fehlende Puzzle-Teil ergänzt. Im Gleichklang unserer Herzen erleben wir diese Lust, die so viel mehr ist, als die Sehnsucht nach Befriedigung. Sie macht keine Fragen nötig. Sie fordert nichts. Sie braucht keine Erklärung. Sie kommt aus uns selbst und komplettiert den jeweils anderen auf beinahe mystische Art und Weise. Seine Kraft und Ausdauer verlangen mir alles ab. In diesen Stunden lerne ich mehr über mich selbst, als in den letzten vierzig Jahren. Die Unerschütterlichkeit dieses Moments erfasst die Verletzungen meiner Seele und legt sich sanft darüber. Zeitlupen unvergessener Augenblicke brennen sich in mein Herz. Für immer unauslöschlich verbunden. Wie Blitz und Donner an einem heißen Sommerabend. Sie haben recht, denke ich, die Farbe Ihres Hemdes spielt keine Rolle. Auch Ihr Gesicht nicht. Gar nichts spielt eine Rolle; nur diese Momente werden uns für immer aneinander fesseln. Eine Gefangenschaft die ich gerne eingehe und dabei frei bin wie nie zuvor. Das „Sie“ ist kein Widerspruch, sondern gehört zum Weltlichen, das uns im Moment der Vereinigung nicht erreicht, weil wir es abgelegt haben. Mit dem Ankleiden nehmen wir wieder unsere Konventionen auf und an.

Die Landschaft fliegt geisterhaft an mir vorbei, während der Zug mit atemberaubenden Tempo durch die flache Landschaft gleitet. Zutiefst befriedigt schmiege ich mich in den Sitz und folge meinen Gedanken. Wenn ich überhaupt mal Sex hatte, dann gehörten immer öfter Schmerzen dazu. Meine Frauenärztin wollte mir sogar etwas hormonelles verschreiben. Wenn der Körper in die Jahre kommt wäre das normal, merkte sie mit ihrer sonoren Stimme an. Ein Problem, das wohl viele Frauen über vierzig haben. Diesmal war alles anders. Ich hatte keine Schmerzen und ich hatte reichlich Sex, an einem einzigen Tag! Es war also ein reiner Bedienungsfehler. Mein Körper funktioniert! Und wie! Irgendwie erfüllt mich das mit Stolz und Beruhigung. Leise lächle ich. Zum Glück habe ich die nächste Fahrt nach Berlin schon gebucht.
 

timilu

Mitglied
Leise Musik liegt über den Gästen dieses Cafés, das sie mit dem Auf und Ab ihres Gemurmels immer wieder übertönen. Das Klappern von Geschirr dringt an mein Ohr, was ich kaum wahrnehme. Ich schaue gebannt aus dem großen Panoramafenster vor mir. Es ist so lang wie das Café breit ist und sein Ausblick spektakulär.
„Entschuldigung.“ Die Bedienung schiebt sich schwerfällig zwischen meinem Stuhl und dem Nachbartisch hindurch und stößt dabei gegen meine Schulter. Ihr Tablett wankt bedenklich. Es wären nicht die ersten Getränke, die sich über mich ergießen würden.

Seufzend lege ich ein paar Münzen auf den Tisch und stelle mich ans Fenster. Meine Hände legen sich auf den Handlauf des Geländers, der sich an einem warmen Tag wie heute angenehm kühl anfühlt. Vor mir liegt Berlin in seiner ganzen Pracht. Der Blick auf seine Dächer ist fantastisch. Das Rote Rathaus zieht mich magisch an. Der untere Teil des Fernsehturms wird von leichten Nebelschwaden umhüllt, so dass die Kugel darüber zu schweben scheint. Gierig sauge ich diesen Anblick auf. Ich habe mich für einen Tag losgeeist, um nach Berlin zu kommen. Raus aus meinem Alltag, der sich oft deprimierend über meine Seele legt. Weg von meinem eintönigen Eheleben, das mir keinerlei Aufregung bietet. In diese Stadt einzutauchen ist Urlaub für meine vernachlässigten Emotionen. Sie zu fühlen, zu hören und ihren Pulsschlag ganz tief in meinem Herzen zu spüren, macht mich glücklich. Sobald ich den Zug aus Nirgendwo verlasse und den Boden von Berlin betrete, schießt mir das Blut dieser einzigartigen Stadt in den Körper und pulsiert heftig durch meine Venen. Nirgendwo fühle ich mich lebendiger, geerdeter, als in dieser Metropole. Ich bin neugierig, was dieser Tag für mich bereit hält. Keiner der Anwesenden Gäste scheint einen Blick für sie zu haben. Sie vergessen sich in Nichtigkeiten und beschäftigen sich lieber mit ihren Smartphones. Sie sind fernab jeder Wirklichkeit; blind für die Einzigartigkeit um sich herum.

Ein leichtes vibrieren unter meinen Händen läßt mich aufschauen und zwingt meinen Blick geradezu nach rechts. Einige Meter neben mir steht ein Mann, dessen gebräunte Hände kraftvoll den gebürsteten Edelstahl umfassen. Augenblicklich schießen mir Bilder in den Kopf, die meine Wangen zum Glühen bringen. Ich spüre seine Hände auf mir, auf meinem ganzen Körper, wie sie mich fest umschlingen, während ich unter der heftigen Lust erzittere, die sie mir eben bereitet haben. Mein Atem geht schnell und flach, während der Puls meine Halsschlagader rhythmisch gegen die dünne Hautwand presst. Zögernd wandert mein Blick über das weiße Hemd, dessen Arme locker zurückgekrempelt sind und schaue in ein Gesicht, das mich unverwandt ansieht. Mir wird leicht schwindelig. Er ist bei mir und irgendwie in mir.

Ein arrogantes Lächeln umspielt seine Lippen und er wirft mir einen: ich-weiß-alles-über-dich Blick zu. Schlagartig versiegt mein Speichelfluss. Vorsichtig räuspere ich mich. Diesen Kloß, der sich spontan in meinem Hals gebildet hat, werde ich nicht los. Langsam kommt er auf mich zu, obwohl ich keinerlei Bewegungen an ihm ausmachen kann. Er kommt näher; unaufhaltsam, Meter für Meter. Als er vor mir steht klopft mein Herz so laut, dass ich Angst habe er könne es hören. Zarte Duft-Akkorde schweben um meine Nase, dringen tief in meine Lungen und betören meine Sinne. Die warme Holznote im Hintergrund wird feurig und legt sich wie schützende Arme um mich. Diese Aromen wirken heiß und kalt, nah und fern, zurückhaltend und drängend. Alles an ihnen ist ein Widerspruch, der sich mit seiner persönlichen Note in mir zu einem Gesamtwerk vereint.
„Sie machen sich zu viele Gedanken.“ Himmel diese Stimme. Sein Vibrato zieht mich augenblicklich an den Rand eines gefährlichen Abgrunds. Mit beiden Händen umklammere ich das Geländer fester, um nicht zu fallen.

Sein Stöhnen dringt an mein Ohr und er flüstert mir sündige Worte hinein; teilt seine Fantasien mit mir. Alles klingt so unglaublich gut mit dieser Stimme. Meine Haut beginnt vor Erregung zu prickeln. Unerbittlich hält er meinen Blick fest als er weiter spricht: „In Kürze werden Sie sich nicht mehr an mein Hemd erinnern, nicht an mein Gesicht, nicht an mich. Nur an die süßen Momente die ich Ihnen schenken werde.“ Seine Augen schauen mit großer Ruhe in meine. Vergebens suche ich das Lodern der Flammen in ihnen, oder ist es nur der Feuerschein meiner Selbst den ich zu finden hoffe?
„Wie ist ihr Name?“
„Helen“, kommt es über meine bebenden Lippen. Er lächelt spöttisch. Verdammt, er hat mich durchschaut, aber scheinbar spielt es gar keine Rolle wie ich heiße. Ich möchte seinen Namen gar nicht wissen. Dieser Mann hat mich körperlich nicht berührt und doch bin ich das reinste Nervenbündel. Ausgelöst durch seine Präsenz und diese Stimme mit ihren markigen Worten; und dann ist da dieser Duft, der ein Versprechen an meine geheimen Sehnsüchte beinhaltet.
„Was erwarten Sie von mir?“, wage ich ihn zu fragen. Seine Braue zieht sich sexy nach oben und mir wird schon wieder schwindelig.
„Es geht nicht darum was ich von Ihnen erwarte, sondern nur um das, was Sie so dringend benötigen.“ Wieder schwingen Abertausende Versprechungen auf mich zu. Ich muss nur die Hand heben und mir etwas aussuchen. Es ist alles dabei was sich mein Verstand vorstellen kann. Gierig schaue ich sie durch, drehe sie und lasse auch die Rückseiten nicht aus. Was brauche ich denn schon? Und was von all diesen Dingen will er mir geben?

„Wenn Sie bereit sind sich von Ihren Dogmen zu befreien, werden Sie leben. Mit dem Leben werden Sie lieben lernen. Seien Sie nicht länger Gefangene in einer Welt, die nicht die Ihre ist. Fühlen Sie sich nur sich selbst verpflichtet und Sie werden Ihr Bewusstsein erweitern.“

In einer stillen Übereinkunft dreht er sich um und ich folge ihm. Angezogen von nicht definierbaren Kräften ergebe ich mich in das, was jetzt kommt. Als er in einem abgedunkelten Raum die Tür ins Schloss schnappen lässt, kann ich nicht sagen wie ich hierher gekommen bin. Wo ich überhaupt bin. Ich hatte die ganze Zeit nur Augen für ihn. Seine Energie nimmt mir den Atem. Schlägt mich in ihren Bann. Jedes Alltagsgeräusch verliert sich in anderen Sphären. Nichts zählt mehr. Es gibt nur noch hier und jetzt - ihn und mich - diesen Raum. Nur schemenhaft kann ich Umrisse ausmachen. Sein Atem weht in meinen Nacken. Sofort zucke ich zusammen. Mit magischen Kräften dirigiert er mich zu einem Bett. Was für ein profanes Detail. Seine Dominanz finde ich erregend und keinen Gebrauch von ihr zu machen noch viel mehr. Ungläubig schüttle ich meinen Kopf. Die Haare tanzen dabei um mein Gesicht. Es muss ein Traum sein. Alles andere ist rational nicht zu erklären.
„Befreien wir uns von der Kleidung.“ Welch nüchterner Satz in einer so aufgeladenen Atmosphäre. Langsam legt er Stück für Stück der weltlichen Sachen von seinem Körper ab. Ich folge seinem Beispiel.

„Wünschen Sie Licht oder ist Ihnen die Anonymität der Dunkelheit lieber?“
„Dunkel“, kann ich nur flüstern. Sein Grinsen ist spürbar. Wieso macht mich seine arrogante Art nur so an. Ich bin doch kein Schulkind, das man mit nichts beeindrucken kann. Warum fühle ich mich in seiner Gegenwart so schwach? Die nächste Geste macht alle klaren Gedanken in meinem Kopf zunichte. Die bloße Berührung meiner Haut löst einen Flächenbrand in mir aus. Er ist mit jeder Faser seines Körpers in meinen getaucht, hat Besitz von mir genommen, obwohl kaum etwas passiert ist. Wie kann das nur sein? Ich finde mich unter ihm, auf ihm, neben ihm, über ihm. Wir rollen wie verirrte Seelen durchs Bett. Krallen uns in den Körper des anderen, riechen und schmecken ihn. Endlich vereinen sich unsere Münder und ich zerfließe unter seiner Leidenschaft. Oder ist es meine eigene die in meinem Kopf explodiert und verzweifelt SOS an meinen Unterleib sendet?

Die Kühnheit seiner Zunge raubt mir den letzten Nerv. In seinem Mund koste ich die Freiheit, Wildheit, Zügellosigkeit. In diesem Geschmack liegt die pure Lust auf Leben und die Liebe. Diese Kombination treibt mich durch das erregende Zungenspiel in ungeheure Geilheit. Meine Brüste schreien nach Aufmerksamkeit, die er ihnen augenblicklich zuteilwerden lässt. Alles von ihm entfacht ein Feuerwerk der Emotionen in mir. Die leuchtendsten Farben glitzern über meiner Seele auf. Jedes saugen, ziehen und zarte beißen an ihnen, schickt eine große Scharr Schmetterlinge los, die unbeschreibliche Gefühle in meinem Bauch auslösen. Zwischen meinen Beinen pulsiert es heftig. Ich schmecke das Salz seiner Haut, lecke darüber und beiße in seine Schulter, als er meine Perle berührt. Der Trommelwirbel auf meinem Lustpunkt und die Finger die mich dehnen, treiben meine Lust in ungeahnte Höhen. Wolkenfetzen streifen mein Gesicht. Während ich nach ihnen greife, verliere ich mich selbst.

Als ich es nicht mehr aushalte und meine Lust hinausschreie, kommt er mit der Kraft und Geschmeidigkeit eines Raubtiers über mich. Sein Schwanz bohrt sich unerbittlich in mich hinein. Spielend leicht stößt er an, füllt mich aus und läßt mich fliegen. Wir lieben uns mit einer Vertrautheit die es gar nicht geben kann und doch passiert es. Genau so, hier und jetzt. Zwischen uns, in uns, mit uns. Er stillt mein Verlangen nach Sanftheit und schenkt mir im richtigen Moment Rauheit. Er zieht sich zurück und überläßt mir die Führung, aber unterwirft mich augenblicklich, wenn mein Körper danach verlangt. Wir sind ein einziger Widerspruch und dennoch ist es perfekt. Er ist perfekt. Wie er mich liebt, wie er in mir ist. In diesem Momenten scheint er ich zu werden, oder bin ich er? Meine Mitte hat sich längst verschoben und Zeit und Raum existieren nicht mehr. Ich beginne mich aufzulösen, während er meine Seele um das fehlende Puzzle-Teil ergänzt. Im Gleichklang unserer Herzen erleben wir diese Lust, die so viel mehr ist, als die Sehnsucht nach Befriedigung. Sie macht keine Fragen nötig. Sie fordert nichts. Sie braucht keine Erklärung. Sie kommt aus uns selbst und komplettiert den jeweils anderen auf beinahe mystische Art und Weise. Seine Kraft und Ausdauer verlangen mir alles ab. In diesen Stunden lerne ich mehr über mich selbst, als in den letzten vierzig Jahren. Die Unerschütterlichkeit dieses Moments erfasst die Verletzungen meiner Seele und legt sich sanft darüber. Zeitlupen unvergessener Augenblicke brennen sich in mein Herz. Für immer unauslöschlich verbunden. Wie Blitz und Donner an einem heißen Sommerabend. Sie haben recht, denke ich, die Farbe Ihres Hemdes spielt keine Rolle. Auch Ihr Gesicht nicht. Gar nichts spielt eine Rolle; nur diese Momente werden uns für immer aneinander fesseln. Eine Gefangenschaft die ich gerne eingehe und dabei frei bin wie nie zuvor. Das „Sie“ ist kein Widerspruch, sondern gehört zum Weltlichen, das uns im Moment der Vereinigung nicht erreicht, weil wir es abgelegt haben. Mit dem Ankleiden nehmen wir wieder unsere Konventionen auf und an.

Die Landschaft fliegt geisterhaft an mir vorbei, während der Zug mit atemberaubenden Tempo durch die flache Landschaft gleitet. Zutiefst befriedigt schmiege ich mich in den Sitz und folge meinen Gedanken. Wenn ich überhaupt mal Sex hatte, dann gehörten immer öfter Schmerzen dazu. Meine Frauenärztin wollte mir sogar etwas hormonelles verschreiben. Wenn der Körper in die Jahre kommt wäre das normal, merkte sie mit ihrer sonoren Stimme an. Ein Problem, das wohl viele Frauen über vierzig haben. Diesmal war alles anders. Ich hatte keine Schmerzen und ich hatte reichlich Sex, an einem einzigen Tag! Es war also ein reiner Bedienungsfehler. Mein Körper funktioniert! Und wie! Irgendwie erfüllt mich das mit Stolz und Beruhigung. Leise lächle ich. Zum Glück habe ich die nächste Fahrt nach Berlin schon gebucht.
 

timilu

Mitglied
Leise Musik liegt über den Gästen dieses Cafés, das sie mit dem Auf und Ab ihres Gemurmels immer wieder übertönen. Das Klappern von Geschirr dringt an mein Ohr, was ich kaum wahrnehme. Ich schaue gebannt aus dem großen Panoramafenster vor mir. Es ist so lang wie das Café breit ist und sein Ausblick spektakulär.
„Entschuldigung.“ Die Bedienung schiebt sich schwerfällig zwischen meinem Stuhl und dem Nachbartisch hindurch und stößt dabei gegen meine Schulter. Ihr Tablett wankt bedenklich. Es wären nicht die ersten Getränke, die sich über mich ergießen würden.

Seufzend lege ich ein paar Münzen auf den Tisch und stelle mich ans Fenster. Meine Hände ruhen auf dem Handlauf des Geländers, der sich an einem warmen Tag wie heute angenehm kühl anfühlt. Vor mir liegt Berlin in seiner ganzen Pracht. Der Blick auf seine Dächer ist fantastisch. Das Rote Rathaus zieht mich magisch an. Der untere Teil des Fernsehturms wird von leichten Nebelschwaden umhüllt, so dass die Kugel darüber zu schweben scheint. Gierig sauge ich diesen Anblick auf. Ich habe mich für einen Tag losgeeist, um nach Berlin zu kommen. Raus aus meinem Alltag, der sich oft deprimierend über meine Seele legt. Weg von meinem eintönigen Eheleben, das mir keinerlei Aufregung bietet. In diese Stadt einzutauchen ist Urlaub für meine vernachlässigten Emotionen. Sie zu fühlen, zu hören und ihren Pulsschlag ganz tief in meinem Herzen zu spüren, macht mich glücklich. Sobald ich den Zug aus Nirgendwo verlasse und den Boden von Berlin betrete, schießt mir das Blut dieser einzigartigen Stadt in den Körper und pulsiert heftig durch meine Venen. Nirgendwo fühle ich mich lebendiger, geerdeter, als in dieser Metropole. Ich bin neugierig, was dieser Tag für mich bereit hält. Keiner der Anwesenden Gäste scheint einen Blick für sie zu haben. Sie vergessen sich in Nichtigkeiten und beschäftigen sich lieber mit ihren Smartphones. Sie sind fernab jeder Wirklichkeit; blind für die Einzigartigkeit um sich herum.

Ein leichtes vibrieren unter meinen Händen läßt mich aufschauen und zwingt meinen Blick geradezu nach rechts. Einige Meter neben mir steht ein Mann, dessen gebräunte Hände kraftvoll den gebürsteten Edelstahl umfassen. Augenblicklich schießen mir Bilder in den Kopf, die meine Wangen zum Glühen bringen. Ich spüre seine Hände auf mir, auf meinem ganzen Körper, wie sie mich fest umschlingen, während ich unter der heftigen Lust erzittere, die sie mir eben bereitet haben. Mein Atem geht schnell und flach, während der Puls meine Halsschlagader rhythmisch gegen die dünne Hautwand presst. Zögernd wandert mein Blick über das weiße Hemd, dessen Arme locker zurückgekrempelt sind und schaue in ein Gesicht, das mich unverwandt ansieht. Mir wird leicht schwindelig. Er ist bei mir und irgendwie in mir.

Ein arrogantes Lächeln umspielt seine Lippen und er wirft mir einen: ich-weiß-alles-über-dich Blick zu. Schlagartig versiegt mein Speichelfluss. Vorsichtig räuspere ich mich. Diesen Kloß, der sich spontan in meinem Hals gebildet hat, werde ich nicht los. Langsam kommt er auf mich zu, obwohl ich keinerlei Bewegungen an ihm ausmachen kann. Er kommt näher; unaufhaltsam, Meter für Meter. Als er vor mir steht klopft mein Herz so laut, dass ich Angst habe er könne es hören. Zarte Duft-Akkorde schweben um meine Nase, dringen tief in meine Lungen und betören meine Sinne. Die warme Holznote im Hintergrund wird feurig und legt sich wie schützende Arme um mich. Diese Aromen wirken heiß und kalt, nah und fern, zurückhaltend und drängend. Alles an ihnen ist ein Widerspruch, der sich mit seiner persönlichen Note in mir zu einem Gesamtwerk vereint.
„Sie machen sich zu viele Gedanken.“ Himmel diese Stimme. Sein Vibrato zieht mich augenblicklich an den Rand eines gefährlichen Abgrunds. Mit beiden Händen umklammere ich das Geländer fester, um nicht zu fallen.

Sein Stöhnen dringt an mein Ohr und er flüstert mir sündige Worte hinein; teilt seine Fantasien mit mir. Alles klingt so unglaublich gut mit dieser Stimme. Meine Haut beginnt vor Erregung zu prickeln. Unerbittlich hält er meinen Blick fest als er weiter spricht: „In Kürze werden Sie sich nicht mehr an mein Hemd erinnern, nicht an mein Gesicht, nicht an mich. Nur an die süßen Momente die ich Ihnen schenken werde.“ Seine Augen schauen mit großer Ruhe in meine. Vergebens suche ich das Lodern der Flammen in ihnen, oder ist es nur der Feuerschein meiner Selbst den ich zu finden hoffe?
„Wie ist ihr Name?“
„Helen“, kommt es über meine bebenden Lippen. Er lächelt spöttisch. Verdammt, er hat mich durchschaut, aber scheinbar spielt es keine Rolle wie ich heiße. Ich möchte seinen Namen gar nicht wissen. Dieser Mann hat mich körperlich nicht berührt und doch bin ich das reinste Nervenbündel. Ausgelöst durch seine Präsenz und diese Stimme mit ihren markigen Worten; und dann ist da dieser Duft, der ein Versprechen an meine geheimen Sehnsüchte beinhaltet.
„Was erwarten Sie von mir?“, wage ich ihn zu fragen. Seine Braue zieht sich sexy nach oben und mir wird schon wieder schwindelig.
„Es geht nicht darum was ich von Ihnen erwarte, sondern nur um das, was Sie so dringend benötigen.“ Wieder schwingen Abertausende Versprechungen auf mich zu. Ich muss nur die Hand heben und mir etwas aussuchen. Es ist alles dabei was sich mein Verstand vorstellen kann. Gierig schaue ich sie durch, drehe sie und lasse auch die Rückseiten nicht aus. Was brauche ich denn schon? Und was von all diesen Dingen will er mir geben?

„Wenn Sie bereit sind sich von Ihren Dogmen zu befreien, werden Sie leben. Mit dem Leben werden Sie lieben lernen. Seien Sie nicht länger Gefangene in einer Welt, die nicht die Ihre ist. Fühlen Sie sich nur sich selbst verpflichtet und Sie werden Ihr Bewusstsein erweitern.“

In einer stillen Übereinkunft dreht er sich um und ich folge ihm. Angezogen von nicht definierbaren Kräften ergebe ich mich in das, was jetzt kommt. Als er in einem abgedunkelten Raum die Tür ins Schloss schnappen lässt, kann ich nicht sagen wie ich hierher gekommen bin. Wo ich überhaupt bin. Ich hatte die ganze Zeit nur Augen für ihn. Seine Energie nimmt mir den Atem. Schlägt mich in ihren Bann. Jedes Alltagsgeräusch verliert sich in anderen Sphären. Nichts zählt mehr. Es gibt nur noch hier und jetzt - ihn und mich - diesen Raum. Nur schemenhaft kann ich Umrisse ausmachen. Sein Atem weht in meinen Nacken. Sofort zucke ich zusammen. Mit magischen Kräften dirigiert er mich zu einem Bett. Was für ein profanes Detail. Seine Dominanz finde ich erregend und keinen Gebrauch von ihr zu machen noch viel mehr. Ungläubig schüttle ich meinen Kopf. Die Haare tanzen dabei um mein Gesicht. Es muss ein Traum sein. Alles andere ist rational nicht zu erklären.
„Befreien wir uns von der Kleidung.“ Welch nüchterner Satz in einer so aufgeladenen Atmosphäre. Langsam legt er Stück für Stück der weltlichen Sachen von seinem Körper ab. Ich folge seinem Beispiel.

„Wünschen Sie Licht oder ist Ihnen die Anonymität der Dunkelheit lieber?“
„Dunkel“, kann ich nur flüstern. Sein Grinsen ist spürbar. Wieso macht mich seine arrogante Art nur so an. Ich bin doch kein Schulkind, das man mit nichts beeindrucken kann. Warum fühle ich mich in seiner Gegenwart so schwach? Die nächste Geste macht alle klaren Gedanken in meinem Kopf zunichte. Die bloße Berührung meiner Haut löst einen Flächenbrand in mir aus. Er ist mit jeder Faser seines Körpers in meinen getaucht, hat Besitz von mir genommen, obwohl kaum etwas passiert ist. Wie kann das nur sein? Ich finde mich unter ihm, auf ihm, neben ihm, über ihm. Wir rollen wie verirrte Seelen durchs Bett. Krallen uns in den Körper des anderen, riechen und schmecken ihn. Endlich vereinen sich unsere Münder und ich zerfließe unter seiner Leidenschaft. Oder ist es meine eigene die in meinem Kopf explodiert und verzweifelt SOS an meinen Unterleib sendet?

Die Kühnheit seiner Zunge raubt mir den letzten Nerv. In seinem Mund koste ich die Freiheit, Wildheit, Zügellosigkeit. In diesem Geschmack liegt die pure Lust auf Leben und die Liebe. Diese Kombination treibt mich durch das erregende Zungenspiel in ungeheure Geilheit. Meine Brüste schreien nach Aufmerksamkeit, die er ihnen augenblicklich zuteilwerden lässt. Alles von ihm entfacht ein Feuerwerk der Emotionen in mir. Die leuchtendsten Farben glitzern über meiner Seele auf. Jedes saugen, ziehen und zarte beißen an ihnen, schickt eine große Scharr Schmetterlinge los, die unbeschreibliche Gefühle in meinem Bauch auslösen. Zwischen meinen Beinen pulsiert es heftig. Ich schmecke das Salz seiner Haut, lecke darüber und beiße in seine Schulter, als er meine Perle berührt. Der Trommelwirbel auf meinem Lustpunkt und die Finger die mich dehnen, treiben meine Lust in ungeahnte Höhen. Wolkenfetzen streifen mein Gesicht. Während ich nach ihnen greife, verliere ich mich selbst.

Als ich es nicht mehr aushalte und meine Lust hinausschreie, kommt er mit der Kraft und Geschmeidigkeit eines Raubtiers über mich. Sein Schwanz bohrt sich unerbittlich in mich hinein. Spielend leicht stößt er an, füllt mich aus und läßt mich fliegen. Wir lieben uns mit einer Vertrautheit die es gar nicht geben kann und doch passiert es. Genau so, hier und jetzt. Zwischen uns, in uns, mit uns. Er stillt mein Verlangen nach Sanftheit und schenkt mir im richtigen Moment Rauheit. Er zieht sich zurück und überläßt mir die Führung, aber unterwirft mich augenblicklich, wenn mein Körper danach verlangt. Wir sind ein einziger Widerspruch und dennoch ist es perfekt. Er ist perfekt. Wie er mich liebt, wie er in mir ist. In diesem Momenten scheint er ich zu werden, oder bin ich er? Meine Mitte hat sich längst verschoben und Zeit und Raum existieren nicht mehr. Ich beginne mich aufzulösen, während er meine Seele um das fehlende Puzzle-Teil ergänzt. Im Gleichklang unserer Herzen erleben wir diese Lust, die so viel mehr ist, als die Sehnsucht nach Befriedigung. Sie macht keine Fragen nötig. Sie fordert nichts. Sie braucht keine Erklärung. Sie kommt aus uns selbst und komplettiert den jeweils anderen auf beinahe mystische Art und Weise. Seine Kraft und Ausdauer verlangen mir alles ab. In diesen Stunden lerne ich mehr über mich selbst, als in den letzten vierzig Jahren. Die Unerschütterlichkeit dieses Moments erfasst die Verletzungen meiner Seele und legt sich sanft darüber. Zeitlupen unvergessener Augenblicke brennen sich in mein Herz. Für immer unauslöschlich verbunden. Wie Blitz und Donner an einem heißen Sommerabend. Sie haben recht, denke ich, die Farbe Ihres Hemdes spielt keine Rolle. Auch Ihr Gesicht nicht. Gar nichts spielt eine Rolle; nur diese Momente werden uns für immer aneinander fesseln. Eine Gefangenschaft die ich gerne eingehe und dabei frei bin wie nie zuvor. Das „Sie“ ist kein Widerspruch, sondern gehört zum Weltlichen, das uns im Moment der Vereinigung nicht erreicht, weil wir es abgelegt haben. Mit dem Ankleiden nehmen wir wieder unsere Konventionen auf und an.

Die Landschaft fliegt geisterhaft an mir vorbei, während der Zug mit atemberaubenden Tempo durch die flache Landschaft gleitet. Zutiefst befriedigt schmiege ich mich in den Sitz und folge meinen Gedanken. Wenn ich überhaupt mal Sex hatte, dann gehörten immer öfter Schmerzen dazu. Meine Frauenärztin wollte mir sogar etwas hormonelles verschreiben. Wenn der Körper in die Jahre kommt wäre das normal, merkte sie mit ihrer sonoren Stimme an. Ein Problem, das wohl viele Frauen über vierzig haben. Diesmal war alles anders. Ich hatte keine Schmerzen und ich hatte reichlich Sex, an einem einzigen Tag! Es war also ein reiner Bedienungsfehler. Mein Körper funktioniert! Und wie! Irgendwie erfüllt mich das mit Stolz und Beruhigung. Leise lächle ich. Zum Glück habe ich die nächste Fahrt nach Berlin schon gebucht.
 

timilu

Mitglied
Leise Musik liegt über den Gästen dieses Cafés, das sie mit dem Auf und Ab ihres Gemurmels immer wieder übertönen. Das Klappern von Geschirr dringt an mein Ohr, was ich kaum wahrnehme. Ich schaue gebannt aus dem großen Panoramafenster vor mir. Es ist so lang wie das Café breit ist und sein Ausblick spektakulär.
„Entschuldigung.“ Die Bedienung schiebt sich schwerfällig zwischen meinem Stuhl und dem Nachbartisch hindurch und stößt dabei gegen meine Schulter. Ihr Tablett wankt bedenklich. Es wären nicht die ersten Getränke, die sich über mich ergießen würden.

Seufzend lege ich ein paar Münzen auf den Tisch und stelle mich ans Fenster. Meine Hände ruhen auf dem Handlauf des Geländers, der sich an einem warmen Tag wie heute angenehm kühl anfühlt. Vor mir liegt Berlin in seiner ganzen Pracht. Der Blick auf seine Dächer ist fantastisch. Das Rote Rathaus zieht mich magisch an. Der untere Teil des Fernsehturms wird von leichten Nebelschwaden umhüllt, so dass die Kugel darüber zu schweben scheint. Gierig sauge ich diesen Anblick auf. Ich habe mich für einen Tag losgeeist, um nach Berlin zu kommen. Raus aus meinem Alltag, der sich oft deprimierend über meine Seele legt. Weg von meinem eintönigen Eheleben, das mir keinerlei Aufregung bietet. In diese Stadt einzutauchen ist Urlaub für meine vernachlässigten Emotionen. Sie zu fühlen, zu hören und ihren Pulsschlag ganz tief in meinem Herzen zu spüren, macht mich glücklich. Sobald ich den Zug aus Nirgendwo verlasse und den Boden von Berlin betrete, schießt mir das Blut dieser einzigartigen Stadt in den Körper und pulsiert heftig durch meine Venen. Nirgendwo fühle ich mich lebendiger, geerdeter, als in dieser Metropole. Ich bin neugierig, was dieser Tag für mich bereit hält. Keiner der Anwesenden Gäste scheint einen Blick für sie zu haben. Sie vergessen sich in Nichtigkeiten und beschäftigen sich lieber mit ihren Smartphones. Sie sind fernab jeder Wirklichkeit; blind für die Einzigartigkeit um sich herum.

Ein leichtes vibrieren unter meinen Händen läßt mich aufschauen und zwingt meinen Blick geradezu nach rechts. Einige Meter neben mir steht ein Mann, dessen gebräunte Hände kraftvoll den gebürsteten Edelstahl umfassen. Augenblicklich schießen mir Bilder in den Kopf, die meine Wangen zum Glühen bringen. Ich spüre seine Hände auf mir, auf meinem ganzen Körper, wie sie mich fest umschlingen, während ich unter der heftigen Lust erzittere, die sie mir eben bereitet haben. Mein Atem geht schnell und flach, während der Puls meine Halsschlagader rhythmisch gegen die dünne Hautwand presst. Zögernd wandert mein Blick über das weiße Hemd, dessen Arme locker zurückgekrempelt sind und schaue in ein Gesicht, das mich unverwandt ansieht. Mir wird leicht schwindelig. Er ist bei mir und irgendwie in mir.

Ein arrogantes Lächeln umspielt seine Lippen und er wirft mir einen: ich-weiß-alles-über-dich Blick zu. Schlagartig versiegt mein Speichelfluss. Vorsichtig räuspere ich mich. Diesen Kloß, der sich spontan in meinem Hals gebildet hat, werde ich nicht los. Langsam kommt er auf mich zu, obwohl ich keinerlei Bewegungen an ihm ausmachen kann. Er kommt näher; unaufhaltsam, Meter für Meter. Als er vor mir steht klopft mein Herz so laut, dass ich Angst habe er könne es hören. Zarte Duft-Akkorde schweben um meine Nase, dringen tief in meine Lungen und betören meine Sinne. Die warme Holznote im Hintergrund wird feurig und legt sich wie schützende Arme um mich. Diese Aromen wirken heiß und kalt, nah und fern, zurückhaltend und drängend. Alles an ihnen ist ein Widerspruch, der sich mit seiner persönlichen Note in mir zu einem Gesamtwerk vereint.
„Sie machen sich zu viele Gedanken.“ Himmel diese Stimme. Sein Vibrato zieht mich augenblicklich an den Rand eines gefährlichen Abgrunds. Mit beiden Händen umklammere ich das Geländer fester, um nicht zu fallen.

Sein Stöhnen dringt an mein Ohr und er flüstert mir sündige Worte hinein; teilt seine Fantasien mit mir. Alles klingt so unglaublich gut mit dieser Stimme. Meine Haut beginnt vor Erregung zu prickeln. Unerbittlich hält er meinen Blick fest als er weiter spricht: „In Kürze werden Sie sich nicht mehr an mein Hemd erinnern, nicht an mein Gesicht, nicht an mich. Nur an die süßen Momente die ich Ihnen schenken werde.“ Seine Augen schauen mit großer Ruhe in meine. Vergebens suche ich das Lodern der Flammen in ihnen, oder ist es nur der Feuerschein meiner Selbst den ich zu finden hoffe?
„Wie ist ihr Name?“
„Helen“, kommt es über meine bebenden Lippen. Er lächelt spöttisch. Verdammt, er hat mich durchschaut, aber scheinbar spielt es keine Rolle wie ich heiße. Ich möchte seinen Namen gar nicht wissen. Dieser Mann hat mich körperlich nicht berührt und doch bin ich das reinste Nervenbündel. Ausgelöst durch seine Präsenz und diese Stimme mit ihren markigen Worten; und dann ist da dieser Duft, der ein Versprechen an meine geheimen Sehnsüchte beinhaltet.
„Was erwarten Sie von mir?“, wage ich ihn zu fragen. Seine Braue zieht sich sexy nach oben und mir wird schon wieder schwindelig.
„Es geht nicht darum was ich von Ihnen erwarte, sondern nur um das, was Sie so dringend benötigen.“ Wieder schwingen Abertausende Versprechungen auf mich zu. Ich muss nur die Hand heben und mir etwas aussuchen. Es ist alles dabei was sich mein Verstand vorstellen kann. Gierig schaue ich sie durch, drehe sie und lasse auch die Rückseiten nicht aus. Was brauche ich denn schon? Und was von all diesen Dingen will er mir geben?

„Wenn Sie bereit sind sich von Ihren Dogmen zu befreien, werden Sie leben. Mit dem Leben werden Sie lieben lernen. Seien Sie nicht länger Gefangene in einer Welt, die nicht die Ihre ist. Fühlen Sie sich nur sich selbst verpflichtet und Sie werden Ihr Bewusstsein erweitern.“

In einer stillen Übereinkunft dreht er sich um und ich folge ihm. Angezogen von nicht definierbaren Kräften ergebe ich mich in das, was jetzt kommt. Als er in einem abgedunkelten Raum die Tür ins Schloss schnappen lässt, kann ich nicht sagen wie ich hierher gekommen bin. Wo ich überhaupt bin. Ich hatte die ganze Zeit nur Augen für ihn. Seine Energie nimmt mir den Atem. Schlägt mich in ihren Bann. Jedes Alltagsgeräusch verliert sich in anderen Sphären. Nichts zählt mehr. Es gibt nur noch hier und jetzt - ihn und mich - diesen Raum. Nur schemenhaft kann ich Umrisse ausmachen. Sein Atem weht in meinen Nacken. Sofort zucke ich zusammen. Mit magischen Kräften dirigiert er mich zu einem Bett. Was für ein profanes Detail. Seine Dominanz finde ich erregend und keinen Gebrauch von ihr zu machen noch viel mehr. Ungläubig schüttle ich meinen Kopf. Die Haare tanzen dabei um mein Gesicht. Es muss ein Traum sein. Alles andere ist rational nicht zu erklären.
„Befreien wir uns von der Kleidung.“ Welch nüchterner Satz in einer so aufgeladenen Atmosphäre. Langsam legt er Stück für Stück der weltlichen Sachen von seinem Körper ab. Ich folge seinem Beispiel.

„Wünschen Sie Licht oder ist Ihnen die Anonymität der Dunkelheit lieber?“
„Dunkel“, kann ich nur flüstern. Sein Grinsen ist spürbar. Wieso macht mich seine arrogante Art nur so an. Ich bin doch kein Schulkind, das man mit nichts beeindrucken kann. Warum fühle ich mich in seiner Gegenwart so schwach? Die nächste Geste macht alle klaren Gedanken in meinem Kopf zunichte. Die bloße Berührung meiner Haut löst einen Flächenbrand in mir aus. Er ist mit jeder Faser seines Körpers in meinen getaucht, hat Besitz von mir genommen, obwohl kaum etwas passiert ist. Wie kann das nur sein? Ich finde mich unter ihm, auf ihm, neben ihm, über ihm. Wir rollen wie verirrte Seelen durchs Bett. Krallen uns in den Körper des anderen, riechen und schmecken ihn. Endlich vereinen sich unsere Münder und ich zerfließe unter seiner Leidenschaft. Oder ist es meine eigene die in meinem Kopf explodiert und verzweifelt SOS an meinen Unterleib sendet?

Die Kühnheit seiner Zunge raubt mir den letzten Nerv. In seinem Mund koste ich die Freiheit, Wildheit, Zügellosigkeit. In diesem Geschmack liegt die pure Lust auf Leben und die Liebe. Diese Kombination treibt mich durch das erregende Zungenspiel in ungeheure Geilheit. Meine Brüste schreien nach Aufmerksamkeit, die er ihnen augenblicklich zuteilwerden lässt. Alles von ihm entfacht ein Feuerwerk der Emotionen in mir. Die leuchtendsten Farben glitzern über meiner Seele auf. Jedes saugen, ziehen und zarte beißen an ihnen, schickt eine große Scharr Schmetterlinge los, die unbeschreibliche Gefühle in meinem Bauch auslösen. Zwischen meinen Beinen pulsiert es heftig. Ich schmecke das Salz seiner Haut, lecke darüber und beiße in seine Schulter, als er meine Perle berührt. Der Trommelwirbel auf meinem Lustpunkt und die Finger die mich dehnen, treiben meine Lust in ungeahnte Höhen. Wolkenfetzen streifen mein Gesicht. Während ich nach ihnen greife, verliere ich mich selbst.

Als ich es nicht mehr aushalte und meine Lust hinausschreie, kommt er mit der Kraft und Geschmeidigkeit eines Raubtiers über mich. Sein Schwanz bohrt sich unerbittlich in mich hinein. Spielend leicht stößt er an, füllt mich aus und läßt mich fliegen. Wir lieben uns mit einer Vertrautheit die es gar nicht geben kann und doch passiert es. Genau so, hier und jetzt. Zwischen uns, in uns, mit uns. Er stillt mein Verlangen nach Sanftheit und schenkt mir im richtigen Moment Rauheit. Er zieht sich zurück und überläßt mir die Führung, aber unterwirft mich augenblicklich, wenn mein Körper danach verlangt. Wir sind ein einziger Widerspruch und dennoch ist es perfekt. Er ist perfekt. Wie er mich liebt, wie er in mir ist. In diesen Momenten scheint er ich zu werden, oder bin ich er? Meine Mitte hat sich längst verschoben und Zeit und Raum existieren nicht mehr. Ich beginne mich aufzulösen, während er meine Seele um das fehlende Puzzle-Teil ergänzt. Im Gleichklang unserer Herzen erleben wir diese Lust, die so viel mehr ist, als die Sehnsucht nach Befriedigung. Sie macht keine Fragen nötig. Sie fordert nichts. Sie braucht keine Erklärung. Sie kommt aus uns selbst und komplettiert den jeweils anderen auf beinahe mystische Art und Weise. Seine Kraft und Ausdauer verlangen mir alles ab. In diesen Stunden lerne ich mehr über mich selbst, als in den letzten vierzig Jahren. Die Unerschütterlichkeit dieses Moments erfasst die Verletzungen meiner Seele und legt sich sanft darüber. Zeitlupen unvergessener Augenblicke brennen sich in mein Herz. Für immer unauslöschlich verbunden. Wie Blitz und Donner an einem heißen Sommerabend. Sie haben recht, denke ich, die Farbe Ihres Hemdes spielt keine Rolle. Auch Ihr Gesicht nicht. Gar nichts spielt eine Rolle; nur diese Momente werden uns für immer aneinander fesseln. Eine Gefangenschaft die ich gerne eingehe und dabei frei bin wie nie zuvor. Das „Sie“ ist kein Widerspruch, sondern gehört zum Weltlichen, das uns im Moment der Vereinigung nicht erreicht, weil wir es abgelegt haben. Mit dem Ankleiden nehmen wir wieder unsere Konventionen auf und an.

Die Landschaft fliegt geisterhaft an mir vorbei, während der Zug mit atemberaubenden Tempo durch die flache Landschaft gleitet. Zutiefst befriedigt schmiege ich mich in den Sitz und folge meinen Gedanken. Wenn ich überhaupt mal Sex hatte, dann gehörten immer öfter Schmerzen dazu. Meine Frauenärztin wollte mir sogar etwas hormonelles verschreiben. Wenn der Körper in die Jahre kommt wäre das normal, merkte sie mit ihrer sonoren Stimme an. Ein Problem, das wohl viele Frauen über vierzig haben. Diesmal war alles anders. Ich hatte keine Schmerzen und ich hatte reichlich Sex, an einem einzigen Tag! Es war also ein reiner Bedienungsfehler. Mein Körper funktioniert! Und wie! Irgendwie erfüllt mich das mit Stolz und Beruhigung. Leise lächle ich. Zum Glück habe ich die nächste Fahrt nach Berlin schon gebucht.
 

Susi M. Paul

Mitglied
Liebe timilu, deine Geschichte lässt mich etwas zwiespältig zurück (abgesehen von den vielen Fehlerchen, die sich eingeschlichen haben). Die Liebesszene ist nicht ohne, bringt neben ein paar schon abgegriffenen Ausdrücken durchaus auch schöne Vergleiche und Beschreibungen. Aber die Redeanteile des Mannes sind mir zu esoterisch aufgeladen. Mir ist da gleich der Engel aus "Himmel über Berlin" eingefallen, der dort seinen Platz hat, aber hier? Und auch der letzte Absatz, die sachliche Erklärung der Gynäkologin, passt finde ich auch nicht wirklich zum Ausbruch der Frau aus ihren festgelegten Gleisen.
 

timilu

Mitglied
Hallo Susi M. Paul, vielen Dank für dein Feedback.
Himmel über Berlin kenne ich nicht.
Ich denke der Frau gingen im Zug einige Dinge durch den Kopf. Diese nüchterne Feststellung der Gynäkologin eben auch. Und die Tatsache, dass es nicht an den Hormonen lag ebenso. ;-)
 

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