• Liebe Leselupe-Mitglieder,

    das Forum "Lust und Liebe" wird am 26.05.2022 deaktiviert werden. Ab sofort sind schon keine Neuveröffentlichungen mehr möglich. Alle Inhalte aus diesem Forum werden ebenfalls am 26.05.22 deaktiviert und damit für alle Leser, Mitglieder und Autoren unsichtbar. Falls Sie Werke in diesem Forum veröffentlicht haben, sichern Sie sich diese bitte vor dem 26.05.22 z.B. auf Ihrem lokalen Computer.

    Hintergrund: Suchmaschinen stufen Websiten mit erotischen Inhalten (dazu gehören auch erotische Texte) als teilweise problematisch und altersbeschränkt ein. Das hat deutliche (und negative) Einflüsse auf die Platzierungen von Websiten wie der Leselupe innerhalb von Google und Co. und damit auch auf die Besucherzahlen und Werbeeinnahmen.

    Viele Grüße
    Das Leselupe-Team!

Ein Topf

4,30 Stern(e) 3 Bewertungen

Kati

Mitglied
Einmal nahm er sie mit nach Hause. Sie waren beide ein bisschen angetrunken, er mehr als sie, und hatten Hunger. Er wohnte im vierten Stock, ohne Lift, so dass sie ganz auẞer Atem gerieten, bis sie oben ankamen. Während er sich zum Schlüsselloch bückte und mit unsicheren Fingern seine Schlüssel einen nach dem andern ausprobierte, schaute sie ihm über die Schulter und kicherte.

Er lieẞ sie vorangehen. Auf dem Boden im Flur standen leere Wein- und Bierflaschen aufgereiht, an den vergilbten Wänden hingen gerahmte Fotos. Alte Fotos. Benny als junger Bursche, lachend, braungebrannt.

Nachdem er sich umständlich Jacke und Schuhe ausgezogen hatte – auch die gestrickten Socken, die er schon die ganze Woche getragen haben musste – ging er barfuẞ zur Küche.

Unter übertriebenem Geächze griff er nach einer staubbedeckten Flasche Rotwein, die neben einem Regal auf dem Boden stand, und stellte sie auf ein Tischchen in der Mitte des Raumes. Er redete ununterbrochen. Sie ging aufs Klo. Um es zu erreichen, musste sie vor der Waschmaschine über einen Berg schmutziger Wäsche steigen.

Das ehemals weiẞe Waschbecken hatte einen bräunlichen Belag. Fast war sie überrascht, dass das Wasser klar aus dem Hahn kam.

Er suchte immer noch nach dem Zapfenzieher, hatte aber schon die Herdplatte auf mittlere Hitze eingeschaltet und wärmte in einem gusseisernen Topf ein gestriges Gericht. Sein einziger, sagte er. Bei ihm gebe es immer Eintopf.

Sie schaute sich inzwischen um. Die Möbel waren alle aus Naturholz und sahen irgendwie unfertig aus. Überhaupt hatte das Logis etwas von einer Werkstatt. Auf dem Tisch im Wohnzimmer lag nebst anderem Gerümpel eine Beiẞzange und am Boden ein längliches Stück Holz. Natürlich, er war Schreiner.

Auf einem Gestell an der Wand, dem man ansah, dass es mit viel Herzblut gezimmert worden war, stand ein übervoller Aschenbecher. Sie nahm ihn mit zur Küche und leerte ihn in den überquillenden Abfallsack neben der Tür, bevor sie ihn wieder zurückstellte.

Benny kam mit der Flasche und zwei matten Gläsern nach, setzte sich in den einzigen Sessel, einen umgebauten Autositz, und schenkte ein. Als er bemerkte, dass sie immer noch stand, deutete er auf das schmale Bett an der gegenüberliegenden Wand. Sie solle es sich bequem machen. Das habe ein ehemaliger Mitbewohner da gelassen.

Auf einer dünnen Matratze lag eine filzige Wolldecke mit Mottenlöchern, in der Ecke saẞ eine vergammelte Marionette.

Benny zündete sich eine Zigarette an und stellte die immer noch nackten Füẞe vor sich auf einen gepolsterten Schemel. Als sie ihm ein Kompliment über die Möbel machte, fing er an, von seiner Arbeit zu erzählen. Sie legte sich auf dem schmalen Bett seitlich hin, indem sie den Kopf auf den angewinkelten Ellbogen stützte, und schloss die Augen.

Das Zischeln, das seine raue Stimme begleitete, nahm sie nur am Rande wahr. Es kam nicht von ihm. Allmählich wurde es stärker. Vielleicht ein Nachbar, der das Wasser laufen lieẞ?

Ihr Kopf war schwer. Sie legte ihn auf den ausgestreckten Arm. Benny redete jetzt über Politik und war richtig in Fahrt, doch mit der Zeit sprach er immer undeutlicher und verworrener, machte öfter Pausen. In den Pausen hörte sie ein Blubbern. Das Blubbern schläferte sie ein.

Als sie erwachte, wusste sie zuerst nicht, wo sie war.

Jemand schnarchte laut, und es stank nach verbranntem Essen.
 
Zuletzt bearbeitet:

lexor

Mitglied
Hallo Kati

Ich hatte alles gut vor Augen durch deine tollen Beschreibungen. Die Wohnung von Benny und er selbst (jedenfalls sein Hygienesinn) sind auf jeden Fall scheusslich. Wahrscheinlich ist so etwas von einem Junggesellen in einer WG zu erwarten. :)

Seine Socken konnte ich als erstes riechen, nicht, weil "sie stinken", sondern, weil er sie "die ganze Woche getragen haben musste". Zeigt auch, dass er verantwortlich für den Schmutz ist und Hygiene kein grosses Thema bei ihm ist.

Alles in allem stimmige Geschichte.

Nur das Ende gefällt mir nicht so und ich verstehe nicht, wieso "sie" sich mit Benny abgibt, denn offensichtlich stört sie der Schmutz auch, oder er fällt ihr zumindest auf. Aber genug von Bennys Schmutz, zum Ende: Es macht den Eindruck, als wäre es nicht ganz fertig. Irgendwas fehlt, kann dir aber nicht sagen was.

LG
Lexor
 

Hera Klit

Mitglied
Hallo Kati,

ein gut geschriebener, wort- und bildreicher Text.

Ich wunderte mich noch, dass du seine nackten Füße nicht genauer beschrieben hast.
Ob so ein recht unordentlicher Mann saubere Füße hat?

Außerdem befürchtete ich, dass die beiden am Ende in
Flammen umkommen oder wenigstens an einer Rauchvergiftung sterben.
Aber du bist gnädiger mit ihnen umgegangen. Das ist schön.

LG Hera
 

rainer Genuss

Mitglied
hi Kati
Die allererste Geschichte - gleich flüssig erzählt, interessantes Milieu und lebendig handelnde Protagonisten. Applaus von mir.
Sehr orginell auch der Titel, der neugierig macht und die Charaktereigenschaften des Mannes: schlampig & kreativ

Ein Recht auf Verwahrlosung hat jeder von uns, gottseidank
LG rainer
 
Zuletzt bearbeitet:

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Kati,

die vielen Absätze stören ein bisschen den Lesefluss. Da lassen sich einige entfernen.

Für den Markennamen der Zigarette bitte einen Fantasienamen verwenden.

Ansonsten lässt die Geschichte vieles offen - das gefällt mir. Entweder sind die beiden sehr vertraut oder gar nicht. :)

Mit Gruß

DS
 

Kati

Mitglied
Vielen Dank euch allen für eure Rückmeldungen und Anregungen, die ich sehr schätze.

Lexor: Ja, stimmt, der Schluss ist ein bisschen abrupt. Ich neige manchmal dazu, kein Ende zu finden, daher bin ich wohl hier ins andere Extrem verfallen.
Stachelbeermond: Einen Teil 2 gibt es nicht - bis jetzt. Denn was nicht ist, kann ja noch werden. :)

DS: Stimmt, bei so langen Zeilen wie hier im Forum hätten es weniger Absätze auch getan.
Warum meinst du, sollte ich den Markennamen der Zigarette durch einen Fantasienamen ersetzen? Gilt das nur für Zigaretten oder für alle Arten von Produkten? Nur hier im Forum oder allgemein?
Ich habe mir ehrlich gesagt nicht viel gedacht dabei. Ich weiss nur, dass verschiedene Charaktere verschiedene Marken rauchen, und Benny ist für mich ganz klar ein Camel-Typ.

LG
Kati
 

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Warum meinst du, sollte ich den Markennamen der Zigarette durch einen Fantasienamen ersetzen? Gilt das nur für Zigaretten oder für alle Arten von Produkten? Nur hier im Forum oder allgemein?
Ich habe mir ehrlich gesagt nicht viel gedacht dabei. Ich weiss nur, dass verschiedene Charaktere verschiedene Marken rauchen, und Benny ist für mich ganz klar ein Camel-Typ.
Laut Nutzungsbedingungen ist Werbung verboten und dazu zählen auch Markennamen.

Schon schreibe einfach Zigarette. :)
 


Oben Unten