Ein unterhaltsamer und dennoch anspruchsvoller Roman

Rezension zu:

Tatiana de Rosnay, Drei Tage in der Sonne, Bloomsbury 2014, ISBN 978-3-8270-1175-6

Nicolas Kolt ist ein in der ganzen Welt berühmter Schriftsteller auf dem Gipfel seines Ruhms. Sein erster Roman, beim kleinen Verlag einer engagierten Verlegerin erschienen, die von Anfang an an ihn glaubte, hat sich zu einem Riesenerfolg entwickelt. Dutzende von Übersetzungen überall auf der Welt, Millionenauflagen und einen Oscar für die nach kurzer Zeit entstandene Filmversion des Romans haben Nicolas Kolt zu einem reichen Mann gemacht.

Aber auch zu einem, dem der Erfolg zu Kopf gestiegen ist, der sich in seinem Ruhm suhlt und in Geld badet. An die Arbeit an einem neuen Roman ist da natürlich nicht zu denken. Immer wieder probiert er es, hat von seiner Verlegerin auch schon einen unverschämt hohen Vorschuss erhalten und verbrannt, doch er lügt sich und anderen in die Tasche.

Aus dem ehemals sympathischen und bescheidenen Newcomer ist ein fauler, ausgebrannter Hedonist geworden. Nun will er endlich mit dem Buch beginnen und zieht sich dazu auf eine einsame Insel zurück vor der italienischen Küste in ein Hotel, das nur Superreichen einen Platz bietet.

Zusammen mit seiner neuen Freundin Malvina, die eifersüchtig seine zeitraubenden Internetaktiviäten beäugt, will er dort die Inspiration sich holen für einen neuen Roman. Doch es kommt ganz anders. Während dieser „drei Tage in der Sonne“ erlebt er nicht nur eine schmerzhafte Konfrontation mit seiner Vergangenheit und mit sich selbst und seinem Abrutschen in eine Kultur, die ihm zwar gefällt, von der er aber auch spürt, dass sie ihn krank und phantasielos macht. Er sieht sich auch mehrmals täglich aktuellen Bildern gegenüber, die ein unbekannter Fotograf im Hotel von ihm macht und sie auf Kolts Facebookseite einstellt.

Als ein Kreuzfahrtschiff vor der Insel kentert (Costa Concordia und Giglio lassen grüßen) sieht sich Nicolas Kolt plötzlich mit dem wirklichen Leben konfrontiert und er handelt – endlich.

Tatiana de Rosnay ist mit diesem neuen Roman nicht nur ein eindrucksvolles Porträt einer aus den Fugen geratenen Spaßgesellschaft gelungen, die in den angeblich „sozialen“ Netzwerken sich selbst und ihren Kult feiert, sondern sie hat auch den schnellen Erfolg und die darauf folgende Leere im Literaturbetrieb zum Thema gemacht.

Wie sie Nicolas Kolt mit seiner Familiengeschichte, die sie ihn rekonstruieren lässt mit immer mehr Konturen versieht, die den Leser die Innenwelt eines zunächst total unsympathischen Gecks immer besser verstehen lässt, ist beeindruckend und berührend.

Ihre Sprache ist anspruchsvoll und vermag dennoch den Leser von der ersten bis zur letzten Seite gut zu unterhalten.
 

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