Ein unterhaltsamer vorweihnachtlicher Lesegenuss

Rezension zu:

Eveline Hasler, Engel im zweiten Lehrjahr, DTV 2011, ISBN 978-3-423-21327

Nicht zum ersten Mal in der letzten Zeit hat sich eine Autorin an das Engelthema gewagt. Auch Eveline Hasler, im Tessin lebende Schweizer Schriftstellerin, mehrfach mit bedeutenden Preise ausgezeichnet, ist fasziniert von jenen mythologischen Wesen, die bei Gott wohnen und mit ihren Missionen den Menschen helfen sollen, das Gute im Leben und vor allen Dingen in ihnen selbst zu entdecken und nicht verkümmern zu lassen.

So hat auch, neben etlichen anderen mit putzigen Namen, der junge Engel im zweiten Lehrjahr, Eleusius, von Petrus den Auftrag erhalten, auf die Erde zu fliegen und dort Gutes zu wirken. Vor einiger Zeit schon nämlich ist die Leitung der himmlischen Heerscharen zu der Erkenntnis gelangt, dass die Menschen zu Beginn des dritten Jahrtausends die Unterstützung der Engel ganz besonders nötig haben. Den Engeln wird dabei an jedem 24. Dezember des Jahres ihr Reiseziel frei gestellt, obwohl Petrus nicht über jeden Wunsch der Engel begeistert ist. Vieles findet er doch noch arg "ungeläutert". Sei`s drum.

Eleusius, dessen Reise über die Erde an jenem Heiligabend irgendwann in den Nullerjahren von Eveline Hasler verfolgt wird, möchte zuerst in Manhattan mit dem Lift fahren. Die gestresste Roy und ihr Sohn Tom fühlen sich nach der Begegnung mit diesem jungen Mann, der da dauernd mit dem Lift hoch und runter fährt, seltsam anders, ruhiger und glücklicher irgendwie. Immer wieder an diesem Heiligen Tag, der für viele Menschen ihr Leben besonders trostlos erscheinen lässt, begegnet Eleuius "den Nöten der Menschen". Jedes Mal hilft er den Menschen, die er trifft, etwas Wichtiges in ihrem Leben zu erkennen, etwas Zuversicht, Hoffnung und Frieden zu spüren, und etwas von der Transzendenz, ohne die unser Menschenleben so arm und leer ist.

Eleusius und seine Schöpferin Eveline Hasler lassen sich dabei leiten von einer Erkenntnis eines Gedichtes, das ein Schriftsteller, dem Eleusius in einer Schaffenskrise beisteht und dem er zu einer neuen Liebesbegegnung mit sich selbst und mit einer genauso einsamen und unglücklichen Frau verhilft, bei einer Weihnachtsveranstaltung in einem Altenheim vorträgt. Johann Gottfried Herder hat es geschrieben:

"Ein Traum, ein Traum ist unser Leben
auf Erden hier.
Wie Schatten auf den Wogen schweben
und schwinden wir.
Und messen unsere trägen Tritte
nach Raum und Zeit;
Und sind (und wissen`s nicht) die Mitte
der Ewigkeit."


Fast auf jeder der knappen 93 Seiten gelingt es Eveline Hasler, diese Lebensweisheit und spirituelle Erkenntnis an den Leser weiterzugeben. Deshalb ist dieses kleine Buch nicht nur ein unterhaltsamer vorweihnachtlicher Lesegenuss, sondern auch Anlass zu tiefem Nachdenken über das eigene Leben in diesen Zeiten.
 

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