Eine köstliche Komödie

Rezension zu:

Daniel Glattauer, Die Wunderübung, Deuticke 2014, ISBN 978-3-552-06239-9

Wer diese durchaus für die Aufführung auf einer kleinen Bühne konzipierte und geschriebene Komödie von Daniel Glattauer mit seinen früheren Büchern vergleicht, und sich nicht einlässt auf den ganz anderen Stil eines Stückes, der wird zwangsläufig enttäuscht sein.

Er wird sich nämlich nicht einlassen können auf die absolut gelungene Mischung zwischen einer durchaus alltäglichen Beziehungskrise eines Ehepaars und ihrer Geschichte und der hintergründigen und pfiffig-distanzierten Beschreibung eines Beratungsprozesses, wie er so oder ähnlich tatsächlich ablaufen könnte.

Tatsächlich habe ich während meiner langjährigen Tätigkeit als Organisationsberater und Supervisor fast alle die Methoden und Interventionen angewandt, oft auch mit Erfolg, die der hier in diesem Stück als „Berater“ bezeichnete Paartherapeut benutzt, um dem zerstrittenen Paar zu helfen, eine Lösung für ihre Konflikte zu finden.

Die Beratung beginnt nahezu klassisch. Mit gegenseitigen Vorwürfen und der Unfähigkeit, einander wirklich zuzuhören. Auch an einer schönen Übung, in dem der Mann, er heißt Valentin, die geschlossene Faust seiner Frau, sie heißt Joana, versuchen soll zu öffnen ( sie soll das in Wut, Kränkung, Zorn und Trauer verschlossene Herz der Frau symbolisieren), scheitert er. Aber auch seine Frau zeigt sich wenig kooperativ.

Der Berater verzweifelt irgendwann und rettet sich in eine Beratungspause. Nach der Pause kommt er seltsam verändert zurück, schaut dauernd auf sein Handy und macht fremdartige Gesten der Geistesabwesenheit. Diese Veränderung wiederum verändert das ganze bisherige Setting und bringt Valentin und Joana auf einmal in das sorgenvolle Bemühen um das veränderte Verhalten ihres Beraters. Was ist mit ihm los? Hat er Probleme?

Das vorher zerstrittene Ehepaar zieht nun an einem Strang und will genau wissen, was mit ihrem niedergeschlagenen Berater los ist. Sie wissen nicht, dass dieser zu seiner „Wunderübung“, einer paradoxen Intervention gegriffen hat.

Wie die aber genau aussieht, wird hier nicht verraten, nur so viel, dass sie total überraschend ist und auch ich nicht mit einem solchen Ende gerechnet hatte.

Eine köstliche Komödie, die den Schauspielern, die sie aufführen sollen, einiges abverlangt und die ich sehr gerne einmal in einem kleinen Theater sehen würde.
 

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