Eine Sonntagsträumerei

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blackout

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Am Sonntag wirkt mein Viertel wie verträumt.
Kaum bellt ein Hund. Auf Dächern gurren Tauben.
Die halbe Welt steht still. Man will’s nicht glauben
und denkt, ein Gott hätt hier mal aufgeräumt.

Es riecht nach Gras und irgendwie nach Baum.
Man hört die Uhren ticken. Fenster gähnen.
Man könnte beinah sich im Himmel wähnen.
Das täuscht. Es ist ja bloß ein Sonntagstraum.

Denn montags geht der Krach dann richtig los.
Der Tiefbau gräbt, man hört die Männer fluchen,
die irgendwas jetzt bei den Rohren suchen.
Es dröhnt und dröhnt gewaltig mitleidlos.

Nur fort wünscht man sich in ein stilles Tal.
Denn selbst im Hause zittern nun die Wände,
wer draußen bastelt, hat wohl tausend Hände.
Herrgott, was Ruhe ist, das war’s dann mal.

Doch wie gesagt, am Sonntag ist nichts los.
Vermutlich schläft er durch, mein Nachbar Krause,
und selbst der Tiefbau macht jetzt eine Pause –
als ginge nun der Tageslärm auf Moos.
 

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