Eiserne Zeiten

5,00 Stern(e) 1 Stimme

blackout

Mitglied
Nicht meine Schuld,
dass die Schönheit den Larven
gewichen, den willigen Leugnern -
wer klug scheint, schweigt sich hinter
Worten aus der Welt.

Lichtlos gehen die Tage,
das gute Wort in der Schleuder
des Schlussverkaufs, und die Grimasse
jedes lebenden Dichters
hat ihren Preis.

Wie sie wiederfinden
in dieser Welt zertretener Seelen,
jene Schönheit des Wirklichen, ohne die
selbst die prachtvollste Rose
zum Scheusal wird.
 
Zuletzt bearbeitet:

noah-p

Mitglied
...
jene Schönheit des Wirklichen, ohne die
selbst die prachtvollste Rose
zum Scheusal wird

Es ist eher so, dass nicht das Fehlen der Schönheit des Wirklichen die Welt hässlich erscheinen läßt.
Es sind unsere Bewertungen.
Es ist nicht unser Schweigen.
Es sind unsere falschen Gedanken und Worte.
Wobei „falsch“ wieder eine Bewertung ist.
 

blackout

Mitglied
Danke, Noah, fürs Reinsehen. Ich denke schon, dass die Wirklichkeit zur Unwirklichkeit umfunktioniert wurde, wir leben in einer Welt, in der die Irrationalität triumphiert, die aber mit Mitteln der Rationalität hergestellt wird. Schließlich haben auch die Hersteller der Irrationalität gelernt, wie man "es" richtig macht. Und wenn du der Ansicht bist, dass es unsere falschen Gedanken und Worte sind, dann ist das schon richtig, aber sie kommen nicht aus Nichts, sondern sie werden uns in die Köpfe getrieben, unsere Seelen werden zertreten. Und natürlich ist es unser Schweigen. Oder weißt irgendwas von Protesten hierzulande? Und dass ich das beklage, dass es sie nicht gibt - hilft das was? Ich frage mich schon: Warum eigentlich schreiben? Wer liest und versteht noch dazu? Literatur kann aufrichten, kann aus uns bewusste Menschen machen, aber Literatur hat auch die andere Seite, nämlich die, die uns sämtlicher Kraft beraubt. Und genau an diesem Punkt sind wir. Es wird gemosert, aber nicht in die Wirklichkeit eingegriffen, um sie zu verändern.
Das ist unsere Situation.

Gruß, blackout
 

Oben Unten