Ella Dobrinck, Kieler Str. 147

Ciconia

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Hastig entleerte Ronny Jarmund mehrere Plastiktüten mit bunten Heften in den fast randvollen Altpapiercontainer. Die Titelbilder musste ja nicht jeder sehen. Er drückte sich an der kleinen alten Frau mit Strickmütze vorbei, die hinter ihm wartete. Sie warf ihm einen missbilligenden Blick zu, stopfte dann einen großen Papierbeutel samt Inhalt in die Tonne und eilte davon. Während Ronny am Auto seine leeren Tüten zusammenfaltete, entdeckte er im Kofferraum ein weiteres Heft und wollte es zu den übrigen werfen. Doch der Einwurfschlitz des Containers war mittlerweile vom Papierbeutel der alten Frau verstopft. Ronny zerrte an dem Beutel, mehrere Schriftstücke landeten vor dem Container. Fluchend sammelte er die Blätter auf. „Frau Ella Dobrinck, Kieler Str. 147“ lautete die Adressatin eines der Schreiben. Ronny pfiff leise durch die Zähne, als er den Briefkopf sah: „Bauträgergesellschaft Jarmund & Jarmund“.

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„Angermann, was ist eigentlich mit der Kieler Straße 147?“, knarzte die Stimme von Volker Jarmund durch die Gegensprechanlage. Einen zweiten Jarmund gab es derzeit zwar nicht, aber ganz hatte Volker Jarmund die Hoffnung nicht aufgegeben, dass eines Tages sein Sohn doch noch ins Geschäft einsteigen könnte, in dritter Generation. Leider ging der Junior bisher völlig anderen Interessen nach. Den richtigen Biss für dieses Geschäft brachte er sowieso nicht mit, vermutete Jarmund. Aber daran könnte man arbeiten.
Angermann, den Jarmund seinen Assistenten nannte, wieselte herein und blätterte beflissen in einem Schnellhefter. Jarmund sah ihm ungeduldig entgegen.
„Wollte Bohrmann nicht schon in der letzten Woche mit den Arbeiten beginnen? Ich hab gar nichts mehr davon gehört.“
„Ja, Chef, wollte er. Aber dann gab‘s Probleme mit den Gerüstbauern, jetzt will er wohl nächste Woche anfangen.“
Jarmund schnaufte. Dieses Objekt bereitete ihm schlaflose Nächte. Die Mietverträge waren seit zwei Jahren gekündigt, nach und nach waren fast alle Mieter ausgezogen und mit einem für Jarmund lächerlichen Abfindungsbetrag zufrieden gewesen . Bis auf die alte Dobrinck. Sie wohnte seit vierzig Jahren in dem Haus und dachte gar nicht daran, das Feld zu räumen. Sie sei unkündbar, behauptete sie. Sicher steckte da wieder der Mieterverein dahinter, für einen Anwalt hatte sie bestimmt kein Geld. Die Korrespondenz, von ihrer Seite stets feinsäuberlich per Hand auf liniertem Papier geführt, ging nun schon ewig hin und her. Er musste endlich härter vorgehen.

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Ronny genoss es, an seinem freien Tag eine längere Tour mit dem Rennrad zu unternehmen. Seine Arbeit in der Redaktion des Tagesanzeigers, wo er seit einem Jahr angestellt war, langweilte ihn jetzt schon. Er müsste mal was Anderes schreiben als über unwichtige Lokalereignisse, etwas, was die Menschen wirklich bewegte, grübelte er.
Sein Weg hinunter zum Fluss führte über die Kieler Straße. Er nahm sich vor, auf dem Rückweg Hausnummer 147 einmal näher anzuschauen. Die Geschichte hinter dem Schreiben, das er vormittags am Container gefunden hatte, arbeitete bereits in ihm.
Er fuhr zwei, drei Stunden mit hohem Tempo, um am späten Nachmittag völlig ausgepumpt in die Kieler Straße einzubiegen. Auf Höhe der Nummer 141 stieg er ab, als er weiter vorn eine kleine Person mit einem strubbeligen Dackel an der Leine aus dem Haus treten sah. Ronny musste unwillkürlich lachen: Die Trippelschritte der alten Dame und des Dackels schienen perfekt synchronisiert zu sein. So war Oma Erna früher auch immer getrippelt, erinnerte er sich. Er wartete einen Moment und schob sein Rad drei Häuser weiter. Das riesige, ein wenig windschiefe Bauschild der Firma „Jarmund & Jarmund“ im Vorgarten verdeckte die halbe Hausfassade.

Hier entstehen demnächst luxuriöse Eigentumswohnungen
Kaufpreis ab € 329.000
Das galt sicher für eine Zweizimmerwohnung, dachte Ronny grimmig. Das alte Spiel. Und so gut wie immer erfolgreich. Offensichtlich waren die meisten Mieter schon herausgeekelt worden, wie die vielen schmutzigen, vorhanglosen Fenster vermuten ließen. Nur an zwei Fenstern im zweiten Stock hingen blitzsaubere weiße Gardinen. Zwei üppig blühende Alpenveilchen kündeten davon, dass hier noch Leben herrschte. Ein kurzer Blick auf das Klingelschild bestätigte seine Vermutung: Dobrinck 2. Stock.

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Ella Dobrinck beendete den nachmittäglichen Spaziergang mit ihrem Wasti am Supermarkt. Der Hund wartete geduldig vor dem Laden, er kannte die Prozedur und konnte sicher sein, dass sein Frauchen auch für ihn ein kleines Leckerli dabeihaben würde.
Sie aßen wie immer gemeinsam zu Abend: Ella eine Scheibe Brot mit Käse, Wasti den Inhalt einer Dose seiner Lieblingssorte "Happi". Während sie anschließend den Tisch abräumte und gleich den kleinen Abwasch erledigte, sprach sie leise zu Wasti.
„Heute haben wir wieder ein wenig entrümpeln können, gell Wasti? Morgen machen wir weiter. Ich muss nur aufpassen, dass ich nichts Wichtiges wegwerfe. Man weiß ja nie, wozu man es noch braucht … aber das ist Blödsinn, was brauche ich im Pflegeheim denn noch …Heute gibt es wenigstens wieder warmes Wasser, da können wir froh sein … Ach, wenn das mein Werner noch erlebt hätte … Der hätte gesagt: Das stehen wir durch … Aber noch einen Winter halte ich hier nicht aus … Wenn Jarmund wieder die Heizung abstellt … Was meinst du, sollen wir aufgeben?“
Wasti schien dieses Thema ziemlich egal zu sein, er war friedlich in seinem Körbchen eingeschlafen.

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Zuhause setzte Ronny sich gleich nach dem Duschen an seinen Schreibtisch und startete das Notebook. Die farbenprächtige Internetpräsens des Unternehmens Jarmund & Jarmund wies mehrere aktuelle Bauvorhaben aus; die meisten der angebotenen Wohnungen schienen verkauft. Beim Objekt Kieler Str. 147 ging es wohl nur zögerlich voran; der geplante Beginn der „Umgestaltungsarbeiten“ lag schon ein halbes Jahr zurück. Ronny grinste. Vielleicht würde Volker Jarmund bald noch mehr Ärger bekommen.

Am nächsten Tag betrieb Ronny Recherche. Wo waren die ehemaligen Bewohner des Hauses Kieler Str. 147 geblieben? Mit Hilfe seines besten Freundes, einem Anwalt, gelang es in kürzester Zeit, deren Adressen aus dem Melderegister abzufragen. Acht von neun ehemaligen Bewohnern des Objektes konnte er ausfindig machen, zwei davon waren in einem Pflegeheim gemeldet. Dort wären sie früher oder später sowieso gelandet, dachte Ronny sarkastisch. Dies waren wahrscheinlich diejenigen, die Jarmund & Jarmund aus Altersgründen den geringsten Widerstand entgegengebracht hatten. Da war Ella Dobrinck bestimmt ein anderes Kaliber.

Unter dem Namen Dierksen, dem Mädchennamen seiner Mutter, telefonierte er diesen Personenkreis durch und gab an, eine Reportage über Entmietung, speziell über die Machenschaften der Bauträgergesellschaft Jarmund & Jarmund, zu planen. Fünf von ihnen willigten in ein Gespräch ein. Ronny besuchte sie nacheinander am folgenden Wochenende. Teilweise wurde er mit Kaffee und Kuchen empfangen, in fast allen Fällen waren die überwiegend älteren Leute froh, einen Ansprechpartner gefunden zu haben. Sie hätten sich zu schnell über den Tisch ziehen lassen, meinten sie, man hätte wesentlich mehr Geld herausschlagen können. Aber hinterher sei man immer schlauer.

„Der war so ein begnadeter Schnacker“, erzählte ein älterer Herr, „der hat uns ganz schnell weisgemacht, dass es für uns alle das Beste sei, das Haus zu verlassen, da es jahrelange Umbauarbeiten mit viel Lärm und Dreck geben würde. Zuerst hieß es ja, die Wohnungen würden nur modernisiert und wir könnten bei einer höheren Miete wohnen bleiben. Aber wir wollten ja gar keine Modernisierung, uns hat es doch gereicht, was wir hatten. Erst nach unserem Auszug haben wir erfahren, dass er etwas komplett Anderes damit vorhatte: Nämlich teure Eigentumswohnungen für eine ganz andere Schicht. Ich bin aus allen Wolken gefallen! Jarmund hat uns nicht mal bei der Suche nach einer neuen Wohnung unterstützt, sondern uns nur jeweils zehntausend Euro in die Hand gedrückt. Für die meisten von uns war das ja auch viel Geld.“
Ronny brauchte nicht groß zu rechnen, um sich die Gewinnspanne auszumalen, die Volker Jarmund nach Umbau und Verkauf einstreichen würde.
„Wissen Sie eigentlich, dass eine Mieterin immer noch standhält?“
„Wirklich? Trotz der ganzen Schikanen, die Jarmund auffährt? Manchmal gab`s keinen Strom, manchmal kein Wasser. Dann kamen ständig sogenannte Baufachleute, um die Wohnungen zu begutachten, Statiker, Architekten … und wir haben uns nicht getraut, sie einfach rauszuschmeißen … Ist die alte Dobrinck die Letzte? Respekt!“

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Volker Jarmund war mit seiner Geduld am Ende. Nicht Geld, nicht gute Worte halfen bei der alten Dobrinck, er hatte es wirklich lange genug versucht. Er war ja kein Unmensch. Aber jetzt würde nur noch eine Räumungsklage helfen, die würde sein Anwalt in gewohnter Manier durchziehen.
„Angermann, lassen Sie morgen früh mal Rechtsanwalt Ströbel antanzen. So gegen neun wäre recht.“

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Ella spazierte jetzt fast täglich zum Platz mit den Containern, sie hatte ihre nachmittägliche Route erweitert, um nach und nach Dinge zu entsorgen. Mal eine große Tüte mit Altpapier und Büchern, mal ein paar Kleidungsstücke für den Kleidercontainer. Immer nur so viel, wie sie bequem tragen konnte. Wasti tappelte tapfer mit. Bloß die Gerüche rund um den Altglascontainer gefielen ihm gar nicht.

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Ende der folgenden Woche fand Ronny endlich Zeit, Kontakt mit Ella Dobrinck aufzunehmen. Er kündigte sich telefonisch mit derselben Aussage an wie bei den ehemaligen Mietern, nuschelte diesmal einen unverständlichen Namen. Sie fragte nicht nach und stimmte einem Treffen zögerlich zu. Als er am späten Nachmittag in der Kieler Str. 147 eintraf, sah er entsetzt, dass das Haus mittlerweile eingerüstet war, man hatte mit dem Abklopfen des alten grauen Putzes begonnen. Im Vorgarten türmten sich herausgerissene Sanitärobjekte. Jetzt wurde es hier endgültig ungemütlich.
Ella beäugte ihn misstrauisch, als sie die Tür öffnete.
„Hab ich Sie nicht schon mal gesehen? Sind Sie nicht der mit den Pornoheften neulich am Container?“, empfing sie ihn unverblümt.
Ronny schaute reichlich verdattert. Geistig war sie also noch voll auf der Höhe. Sie gefiel ihm immer besser. Tatsächlich wie Oma Erna. Er räusperte sich, bevor er das Gespräch eröffnete und sich als Ronny Jarmund vorstellte.
Er versuchte zu erklären, dass er eine Umfrage bei ihren früheren Nachbarn durchgeführt und genügend über das Vorgehen von Jarmund & Jarmund in Erfahrung gebracht habe, um eine Reportage zu schreiben und vielleicht für sie einen besseren Verhandlungsspielraum zu erwirken …
„Entschuldigen Sie, wenn ich Sie unterbreche, junger Mann: Sie heißen auch Jarmund? Oder hab ich mich da verhört?“
Ronny schluckte ein zweites Mal, bevor er antworten konnte.
„Ja, Frau Dobrinck, das ist richtig. Volker Jarmund ist mein Vater.“
„Was wollen Sie eigentlich mit dieser ganzen Aktion erreichen? Es geht Ihnen doch nicht etwa um Rache an Ihrem alten Herrn? Dann will ich mit der Sache nichts mehr zu tun haben. Das machen Sie mal schön unter sich aus. Ich will doch nicht in der Zeitung abgebildet sein … Und damit Sie’s gleich wissen: Heute kam nun endgültig die Räumungsklage, ich hab sowieso verloren. Vierzig Jahre hab ich hier gewohnt, davon die meiste Zeit mit meinem Mann. Seit zehn Jahren schlag ich mich nun allein durchs Leben und hab spät gelernt, mich durchzusetzen. Aber man muss erkennen, wann es genug ist. Heute Morgen haben sie mir mal wieder das Wasser abgedreht, weil sie in den Bädern arbeiten. Ich hab mich entschieden: Ich ziehe demnächst ins Pflegeheim Sonnenwinkel unten am Fluss.“
„Nein, Frau Dobrinck, das dürfen Sie auf keinen Fall tun!“
Ronny war außer sich. Was wollte diese hellwache und agile Frau im Pflegeheim?
„Frau Dobrinck, ich will doch nur versuchen, für Sie etwas mehr Geld rauszuschlagen als die läppischen zehntausend Euro. Wollen Sie mir nicht wenigstens gestatten, mit meinem Vater ein wenig zu verhandeln? Glauben Sie, er würde gern in der Zeitung lesen, was er mit seinen Altmietern macht?“
Vom Hundekorb her starrten zwei aufmerksame braune Augen auf Ronny.
„Den Hund dürften Sie bestimmt auch nicht mitnehmen ins Pflegeheim, stimmt’s?“
Die alte Frau nickte betrübt.
„Ja, von Wasti müsste ich mich wohl trennen …“
Ihre Augen wurden sehr traurig, während es in Ronny zu arbeiten begann.
„Wissen Sie was, Frau Dobrinck. Lassen Sie uns doch morgen bei mir alles Weitere besprechen. Ich hab da nämlich so eine Idee …“

***​
Zur Zwangsräumung kam es nicht mehr. Volker Jarmund begriff sehr schnell, als sein Sohn ihm klarmachte, dass ein geplanter Zeitungsartikel viel negative Publicity für das Unternehmen bedeuten könnte. Er willigte, wenn auch nach langem Palaver, in dreißigtausend Euro für Frau Dobrinck ein. Die übrigen ehemaligen Mieter sollten ebenfalls einen Nachschlag erhalten. Nur für die zwei im Altenheim sei es sowieso zu spät, maulte der Alte. Aber Ronny bestand darauf. Der Senior staunte über Juniors Verhandlungsstärke.

Einen Monat später zog Ella Dobrinck mit ihrem Wasti in das Gartenhaus hinter Ronnys Wohnblock. Sein Vermieter hatte das schnuckelige Fachwerkhäuschen erst vor wenigen Monaten für seine Nichte, eine junge Studentin, komplett renoviert, aber das Mädchen hatte es sich schnell anders überlegt. Fünfzig Quadratmeter reichten Elsa vollkommen. Ronny handelte mit dem Vermieter einen guten Preis aus und half beim Umzug, für den Volker Jarmund sogar ein Firmenfahrzeug samt Mitarbeiter zur Verfügung stellte. Jetzt konnte Wasti den ganzen Tag im Garten herumtoben, während Ella gemütlich auf der kleinen Holzterrasse saß und vom Mittelmeer träumte. Sie überlegte, ob sie sich von dem vielen Geld eine Kreuzfahrt leisten sollte.
Für seine Reportage musste Ronny sich ein anderes Thema suchen. „Senioren auf Reisen“ schlug Ella vor, und ob er sie nicht begleiten wolle. Aber das konnte er wirklich nicht annehmen. Außerdem würde er in Ellas Abwesenheit auf Wasti aufpassen müssen.

In den Folgemonaten warf Ronny regelmäßig einen Blick auf die Internetseite seines Vaters und stellte mit Genugtuung fest: Altbausanierungen gehörten offensichtlich nicht mehr zum Portfolio.
 
Hallo Cicionia,

hier wendest du einen auktorialen Erzählstil an und erzählst in einer Kurzgeschichte gleich aus der Sicht von drei Personen: Ronny Jarmund, Volker Jarmund und Ella Dobrinck. Das machte das Lesen etwas mühsam, aber sobald man dies entwirrt hat, kann man sich ein- und mitfühlen und der Plot an sich sowie das Ende ist interessant.

LG Silberne Delfine
 

MicM

Mitglied
Hallo Ciconia,

eine schöne Geschichte, die ich gern gelesen habe. Die wechselnde Erzählperspektive finde ich durchaus gelungen - jedenfalls was die Verständlichkeit angeht. Mir fehlte dabei aber, dass der Wechsel der Perspektive auch (durchgängig) einen wirklichen Mehrwert für die Geschichte bietet. Die Geschichte wird ganz überwiegend aus Ronnys Perspektive erzählt. Das Gespräch von Ella mit ihrem Hund bringt einen echten zusätzlichen Einblick, der ohne Wechsel der Perspektive kaum möglich gewesen wäre. Soweit so gut. Die Passagen von Volker und die zweite von Ella fallen dagegen dann aber etwas ab. Da könnte man noch etwas feilen.

Eine anderer Punkt, der mir aufgefallen ist, ist die gewisse Vorhersehbarkeit einiger Geschehnisse. Bspw. die "bunten Hefte" am Anfang - da wartet man förmlich auf den Gag. Besser fände ich es, das am Anfang nur die Begegnung am Altpapiercontainer stattfindet (die ohnehin kürzer ausfallen sollte, um schneller in die Geschichte rein zu kommen). Weiter unten in der Geschichte könnte man die "bunten Heftchen" dann (einmal im Kontext) einbauen, in etwa so: "... Sind Sie nicht der mit den Pornoheften neulich am Container?“, empfing sie ihn unverblümt.
Ronny schaute reichlich verdattert. [blue]Peinlich berührt fiel ihm wieder ein, dass er seine bunten Heftchen direkt vor ihren Augen entsorgt hatte. [/blue]Geistig war sie also noch voll auf der Höhe. …" Auch fände ich es spannender, nicht sofort zu offenbaren, dass Jarmund der Sohn ist, d.h. zu Beginn würde ich ihn nur Ronny (ohne Nachnamen) nennen.

Zu guter Letzt das Ende der Geschichte: Das ist schon sehr rosarot und Zuckerguss, alles löst sich in Wohlgefallen. Okay, kann man machen. Aber dann hätte ich gern doch etwas zu den Motiven erfahren. Ist der Papa jetzt stolz auf seinen Sohn und bietet ihm den Geschäftsführerposten? Warum verzichtet Ronny auf diese gute Story? etc. Da könnte man vielleicht noch ein Schippchen drauflegen.

Wie immer nur subjektive, erste Eindrücke.

Auf bald,
MicM
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Delfine,

freut mich, dass Du doch noch in die Geschichte hineingefunden hast. Danke für Deinen Eintrag.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Hallo MicM,

vielen Dank für Deinen konstruktiven Kommentar.
Die Geschichte wird ganz überwiegend aus Ronnys Perspektive erzählt.
Sicher ist Ronny der „Motor“ der Geschichte, deshalb sollten ihm auch die längsten Passagen gelten.
Auch fände ich es spannender, nicht sofort zu offenbaren, dass Jarmund der Sohn ist.
Über die Namensgebung habe ich lange nachgedacht, auch darüber, ob es mehr Sinne machte, ihm einen Allerweltsnamen wie Müller zu verpassen, habe diese Idee dann aber verworfen. Wenn man Ronny nur ohne Nachnamen einführt, rätselt der Leser meines Erachtens zu lange, welche Intention Ronny mit seinen Nachforschungen überhaupt verfolgt.
Besser fände ich es, das am Anfang nur die Begegnung am Altpapiercontainer stattfindet (die ohnehin kürzer ausfallen sollte, um schneller in die Geschichte rein zu kommen).
Finde ich nicht: Das Auffinden des Schriftstückes und das Zusammentreffen mit der alten Dame müssen ja erst einmal ausreichend beschrieben werden.
Das ist schon sehr rosarot und Zuckerguss
Da gebe ich Dir Recht, diese Überraschung ist aber durchaus gewollt, denn der Leser erwartet ja aufgrund Ronnys Bemühungen wahrscheinlich eine härtere Variante.
Ist der Papa jetzt stolz auf seinen Sohn?
Ja, ich glaube schon, denn er staunt über Ronny Verhandlungsstärke und unterstützt Ella und Ronny bei den Umzugsarbeiten.
Warum verzichtet Ronny auf diese gute Story?
Das ist doch klar: Weil Ella ihre Mitarbeit verweigert – und sie wäre ja die Hauptperson dieser Story geworden.

Ich hoffe, ich konnte Deine Zweifel ein wenig zerstreuen.

Gruß Ciconia
 

molly

Mitglied
Hallo Ciconia,

ich bin an diesem Satz hängengeblieben:

"aber das Mädchen hatte es sich schnell anders überlegt." Da frage ich mich warum? Würde das nicht genügen:

Sein Vermieter hatte das schnuckelige Fachwerkhäuschen erst vor wenigen Monaten [strike]für seine Nichte, eine junge Studentin,[/strike] komplett renoviert, (aber das Mädchen hatte es sich schnell anders überlegt.)

Du hast Recht, ich erwartete eine härtere Gangart, denn nach dem, was Ronnys Vater für Schikanen bei seinen Mietern aufgefahren hat, ist er doch sehr schnell vom Tiger zum Schmusekater geworden.

Eine interessante Geschichte.

Viele Grüße

molly
 

Ciconia

Mitglied
Hallo molly,

danke auch für Deinen Eintrag.

Ich meinte, eine Begründung für die Renovierung liefern zu müssen. Warum sollte der Vermieter das Häuschen renoviert haben, wenn es dann doch leer steht? Ich glaube, bei der Länge der Geschichte ist der Zusatz, dass es sich um die Nichte des Vermieters handelt, nicht zu viel.
ist er doch sehr schnell vom Tiger zum Schmusekater geworden.
Ja, das ist er. Vielleicht hat ihm Ronnys Drohung, die Geschichte öffentlich zu machen, doch für alle Zeiten die Augen geöffnet.

Gruß Ciconia
 
R

Ray Catcher

Gast
Sehr schöner Erzählstil. Die Details gut dosiert um einzutauchen ohne den Fluss zu verlieren.
Inhaltlich, na ja, hat es mich eher an eine Episode Soap erinnert. Das war mir in Protagonisten und Plot doch etwas schablonenhaft und die Sinneswendungen zu schnell.
 

 
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