Embedded words: antisemitisch

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Kassandro

Mitglied
Alles entscheidet sich in den Köpfen. Durch das, was durch Augen und Ohren hineinkommt. Sogar Kriege. Der Vietnamkrieg wurde in den Köpfen entschieden. Er fand ein Ende, weil freier Journalismus in Wort und Bild über ihn berichtete. Da wollten die Menschen in den USA einfach nicht mehr. Die Politik hat dazugelernt. Seit dem Irakkrieg 2003 gibt es embedded journalists, (engl. to embed „einbetten“, „integrieren“), die für das begehrte Privileg, von vorderster Front berichten zu können, den Preis zahlen, eine gewünschte Perspektive zu vermitteln. Ich bin der Meinung, dass im medialen politischen Diskurs Wörter auftauchen, einfach nur Wörter, die genau wie diese journalists funktionieren. Sie arbeiten zielstrebig an der Perspektive, in der Wirklichkeit aufgenommen wird in die Köpfe. Denn in den Köpfen fallen die Entscheidungen.
Dies ist die Begründung für meine Wortkreation embedded words und dafür, dass ich Glossen zur sprachkritischen Betrachtung solcher Wörter mit ihr im Titel kennzeichne.




Antisemitisch​

Iris Hefets wunderte sich, als sie Anfang Dezember 2016 das Schreiben der Bank für Sozialwirtschaft mit der Kontokündigung in Händen hielt. Die nach Berlin übergesiedelte Israeli ist die Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost (JS). Die JS ist die deutsche Sektion der European Jews for a Just Peace, einer Menschenrechtsorganisation europäischer Juden, die als Konsequenz aus dem Holocaust gerade für die Rechte der Palästinenser eintritt, die nicht für ihn büßen, sondern endlich ihren eigenen lebensfähigen Staat in den völkerrechtlich vorgesehenen Grenzen bekommen sollen.

Iris Hefets bohrte nach, was es mit der unbegründeten und außergewöhnlichen Kündigung auf sich hatte. Schließlich rückte die Bank für Sozialwirtschaft mit politischen Gründen heraus: Da die JS für ihre Ziele auch den Boykott israelischer Waren unterstütze, sei sie laut Expertengutachten, z.B. des Göttinger Politologen Salzborn, als antisemitisch einzustufen, was mit den Ethikrichtlinien des Unternehmens nicht vereinbar sei, und daher habe man die Geschäftsbeziehung beendet. (Quelle 1)

Wer zu wissen meint, was Antisemitismus ist, und dem Auftauchen des Wortes in dieser Kolumne mit gesundem Misstrauen begegnet, dem mag das Widersinnige dieses Falles den Klärungsbedarf verdeutlichen. Antisemitische Juden. Hier stimmt offensichtlich etwas nicht und die Frage ist: Stimmt etwas nicht mit den jüdischen Menschen, die so bezeichnet werden, oder stimmt etwas nicht mit dem Wort antisemitisch, das auf sie angewandt wird.

Niemand in Deutschland sollte einen Schulabschluss machen, ohne gelernt zu haben, dass der Antisemitismus die menschenverachtende Ideologie ist, aus der heraus in diesem Land ein staatlich organisierter, fabrikmäßiger Massenmord an Millionen von Menschen begangen wurde. Er oder sie sollte wissen, dass der Antisemitismus keine Erfindung Hitlers war, sondern schon im 19. Jahrhundert aufkam und in ganz Europa verbreitet war. Dass er sich auf eine krause Pseudobiologie stützte, die höhere und minderwertige Menschenrassen unterscheiden wollte. Dass Antisemitismus also eine Form des Rassismus ist. Und dass die entschiedene Gegenposition in der Anerkennung der einen unantastbaren Menschenwürde und der daraus folgenden universalen Menschenrechte besteht (GG Art 1). Schließlich sollte die Warnung verinnerlicht sein, dass mit dem Ende der Nazizeit rassistische Einstellungen nicht verschwunden sind. Denn das ewige Bedürfnis, sich über andere zu erheben, wird so auf die billigste Weise befriedigt. Soviel eiserne Bildungsration muss sein.

Ressentiments und Feindseligkeit gegen Juden sind aber weit älter. Das ganze christliche Mittelalter ist davon geprägt. Hier liegt das Motiv im Religiösen und dem Absolutheitsanspruch des Christentums. An vielen mittelalterlichen Kathedralen ist das mit zwei Frauenfiguren verkörpert: die siegreiche Ekklesia (Kirche) mit der Krone und die für die Wahrheit blinde Synagoge mit der Augenbinde. Diese Form der Judenfeindlichkeit nennt man Antijudaismus. Auch das Reformationsjubiläum kann daran erinnern. 1523 hatte der junge Luther eine für seine Zeit erstaunlich judenfreundliche Schrift veröffentlicht (Das Jhesus Christus eyn geborner Jude sey), 1545 verfasste der alte Luther eine üble Hetzschrift gegen die Juden (Von den Juden und jren Lügen). Was war geschehen? Luther hatte erwartet, dass die Juden sich zu seinem reformierten Christentum bekehren würden, und als das nicht eintrat, sondern sie an ihrer anderen religiösen Identität festhielten, wurden sie verteufelt. Die Toleranz hat der Reformator nicht erfunden. Beim Antisemitismus der Nazis half es Menschen mit jüdischen Wurzeln allerdings nichts, dass ihre Vorfahren schon vor hundert Jahren zum Christentum übergetreten waren – sie hatten ja „jüdisches Blut“, gehörten zur „minderwertigen Rasse“. (Quelle 2) Nach Auschwitz haben die christlichen Kirchen begonnen, ihre unselige antijudaistische Tradition aufzuarbeiten, die Hitlers Judenverfolgung zweifellos den Boden bereiten half.

Eine weitere Unterscheidung ist angebracht, wenn man auf judenfeindliche Einstellungen insbesondere bei Muslimen trifft. Hier ist das Motiv kein religiöses; die Geschichte des Islam zeigt vielmehr, dass in dessen Einflussbereich mit der jüdischen Minderheit anständiger umgegangen wurde als im christlichen Abendland. Es liegt auch keine antisemitische „Rassenlehre“ zugrunde – nach ihr wären die Araber als „Kinder Sems“, als semitisches Volk selbst betroffen. Auslöser ist hier vielmehr der 1948 auf britischem Mandatsgebiet gegründete Staat Israel, dem in der extremen Position die Existenzberechtigung abgesprochen und in der gemäßigten Position vorgeworfen wird, dass er mit seinem seit 1967 fortdauernden Besatzungsregime die Palästinenser unterdrückt, deren Staatsgründung verhindert und sich völkerrechtswidrig immer mehr von deren Land aneignet, um durch vollendete Tatsachen ein Groß-Israel mit der Hauptstadt Jerusalem zu schaffen. Diese politisch motivierte Position heißt – als Gegenstück zum national-religiösen jüdischen Zionismus – Antizionismus. Sie findet sich auch nicht nur bei Muslimen.

Zurück zum Ausgangspunkt. Die von der Bank für Sozialwirtschaft diskriminierte jüdische Organisation bietet ein Beispiel dafür, dass es antizionistische Haltungen auch im Judentum gibt. Das Judentum in Deutschland ist im Verhältnis zum Staat Israel gespalten. Der Zentralrat der Juden, die offizielle, staatsnahe Vertretung der Juden in Deutschland pflegt enge Beziehungen zum Staat Israel und identifiziert sich mit ihm vorbehaltlos. Er kann sich dabei vor allem auf das orthodoxe Judentum stützen. Im liberalen Judentum gibt es mehr Skepsis und Kritik an Israel, schließlich sitzen in der Regierung Netanjahu Minister (Bennet, Lieberman, Shaket), die aufgrund ihrer rechtsradikal-rassistischen Äußerungen bei uns vom Verfassungsschutz beobachtet werden müssten und mit denen man bei aller Solidarität mit dem jüdischen Staat nichts zu tun haben möchte. Eine kleine Minderheit im deutschen Judentum äußert vehemente Israelkritik und solidarisiert sich mit den Palästinensern. Sie steht unter Dauerbeschuss aller etablierten Kräfte, oft mit der absurden Etikettierung antisemitisch.

Zurück zum ganzen Ausgangspunkt, der Sprachkritik. Antisemitismus ist im Land des Rassenwahns und Massenmords zu Recht geächtet. Daher ist die Beschuldigung des Antisemitismus eine scharfe und wirksame Waffe im öffentlichen Diskurs. Wenn sie das bleiben soll, muss das Wort antisemitisch vor Missbrauch in Schutz genommen werden. Dieser Missbrauch häuft sich seit etwa zehn Jahren, weil wachsende Kritik an einer immer problematischeren Politik des Staates Israel mit dem Antisemitismusvorwurf skandalisiert wird. Wenn Studien einer sich selbst reproduzierenden Antisemitismusforschung melden, in Europa steige der Antisemitismus bedrohlich, habe 2009 einen Spitzenwert erreicht, dann darf sich der Normalverbraucher an die Fernsehbilder dieses Jahres erinnern, wie der extrem dichtbevölkerte und abgeriegelte Gazastreifen zusammengebombt wurde, Operation „Gegossenes Blei“, Bilanz: 14 tote Israelis, 1400 tote Palästinenser, Faktor 100 – den Goldstone-Bericht der UN über Kriegsverbrechen brauchte eigentlich niemand mehr zu studieren. Die Empörung dagegen wurde als Antisemitismus verrechnet.

Wenn der Begriff, der ein rassistisches Vorurteil gegen Juden bezeichnet, psychologisierend aufgeweicht und ein „latenter“, ein „sekundärer“, ein „Schuldabwehr-Antisemitismus“ behauptet wird, der – so die These – im Bestreben, das Täter-Opfer-Verhältnis umzukehren, immer mit dem Finger auf den Staat Israel zeige, dann hat diese „Forschung“ kein solides Erkennungskriterium, sondern nur eine beliebig nutzbare Unterstellung produziert. Jedenfalls hat sie die Aktionen des Staates Israel gegen Kritik aus Deutschland immunisiert: Wer deren Unterstützung durch eine Regierung, die Freundschaft mit Israel zur Staatsräson erhoben hat, nicht folgt, ist des Antisemitismus verdächtig. Zu den Manipulationen an einem seriösen Antisemitismusbegriff gehört auch die willkürliche Konstruktion von Zusammenhängen zu Nazi-Gedankengut, wo keine sind. Es ist ein Faktum, dass eine einflussreiche Israellobby beständig Empörungskampagnen gegen Personen und Veranstaltungen fährt, die Kritik an Israel üben und sich für die Rechte der Palästinenser einsetzen (Beispiele Quellen 3,4,5, unvollständige Auflistung: Quelle 6). Wer diesen Sachverhalt anspricht, sieht sich mit der Unterstellung konfrontiert, er hinge der Nazi-Theorie einer „jüdischen Weltverschwörung“ an. Die weltweite Boykottaktion (BDS) gegen Israel, zu der auch der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu aufruft, ist ein zivilgesellschaftlicher Versuch Druck auf die israelische Regierung auszuüben, weil westliche Regierungen das einfach nicht tun. In vielen Ländern wird sie von Kirchen, Universitäten, und Unternehmen unterstützt, in Deutschland ist sie chancenlos. Vorwurf: Sie sei eindeutig antisemitisch, denn schließlich hätten die Nazis die Devise ausgegeben: „Kauft nicht bei Juden!“ So unsinnig die Gleichsetzung eines gewaltfreien Druckmittels gegen einen Menschenrechte verletzenden Staat mit der Terrorisierung jüdischer Bürger durch das Naziregime ist, sie wirkt. Alle ducken sich weg. (Quelle 7)

Das wichtige Warn-Wort Antisemitismus wird verschlissen und sinnentleert, wenn es als Rufmordwerkzeug an Israelkritikern herhalten muss. Was auf diese Weise passiert, zeigt das Simon-Wiesenthal-Center in Los Angeles. Es war ursprünglich eine geachtete Institution, die große Verdienste beim Aufspüren von Naziverbrechern hatte. Seit 2010 gibt es eine Top-Ten-Liste der gefährlichsten Antisemiten heraus. Kopfschütteln löste 2012 aus, dass auf Betreiben von Henrik Broder auf Platz 9 der Publizist Jakob Augstein auftauchte. (Quelle 8). Gerade ist die neue Liste herausgekommen. Auf Platz 1 findet sich Barak Obama. (Quelle 9). Er hatte als eine seiner letzten präventiven Amtshandlungen vor Trump angeordnet, dass, anders als seit Jahrzehnten, die USA im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Resolution nicht blockierten, in der Israel wegen seiner Siedlungspolitik verurteilt und zum Kurswechsel aufgefordert wird. Das Simon-Wiesenthal-Center hat seinen Ruf endgültig ruiniert und das sinnvolle Wort Antisemitismus gleich mit.

P.S. Ein höflicher Brief, der beim Antisemitismus-Experten Prof. Dr. Salzborn anfragte, ob er die Kontokündigung der JS durch die Bank für Sozialwirtschaft wirklich berechtigt fände und ob es tatsächlich antisemitische Juden gäbe, blieb ohne Antwort.

Quelle 1 : http://www.juedische-stimme.de/?p=2022
Quelle 2 : http://www.hassia-judaica.de/Themen/1648_Zwangspredigten/165017.htm
Quelle 3 : http://www.sueddeutsche.de/muenchen/schwabing-benefizkonzert-zwischen-israelkritik-und-antisemitischer-hetze-1.3184940
Quelle 4: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/adorno-preis-ueberreicht-an-judith-butler-trotz-zentralrat-protesten-a-855137.html
Quelle 5: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/aerger-wegen-eines-vortrags
Quelle 6: http://www.arendt-art.de/deutsch/palestina/Anlagen/AT-alle%20Seiten-01.12.16.pdf
Quelle 7: http://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/charlottenburg-wilmersdorf/streit-um-waren-aus-israels-siedlungen-kadewe-macht-rueckzieher-weine-sofort-wieder-im-regal/12623452.html
Quelle 8 : http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/antisemitismus-vorwurf-eine-offene-gesellschaft-12011369.html
Quelle 9: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/27363
 

Penelopeia

Mitglied
Hallo Kassandro,

der Text ist gut geschrieben, er geht auf einige wichtige Aspekte des "eingebetteten Wortes" ein.

Du verstehst den Begriff "embedded words" als ein Synonym für "Wortwaffe", so zumindest mein Eindruck. An sich kann ja fast jedes Substantiv als Waffe des Geistes verwendet werden, bei bestimmten tritt diese Funktion u.U. stärker in den Vordergrund?

Der leidige, unscharfe, missverständliche, vorschnell und vor allem: inflationär verwendete Begriff des Antisemitismus hat sich m.E. ziemlich stark selbst verbraucht. Man kann ihn in vielen Fällen nicht mehr ganz ernst nehmen, einerseits.

Andererseits: Wirklicher Antisemitismus hat wohl auch eine Funktion. Klingt das verwegen? Vielleicht ein kleines Beispiel. Amos Elon beschreibt in seinem Buch "Zu einer anderen Zeit" die Assimilation der deutschen Juden. Sein Fazit lautet ungefähr: ohne Hitler und die ihm willig-begeistert-hirnlos folgende Mehrheit der Deutschen hätte es möglicherweise irgendwann kein Judentum mehr in Deutschland gegeben.

P.
 

Kassandro

Mitglied
Liebe Penelopeia,

Amos Elon kenne ich als einen, der schon früh keine Freude an der Politik des Staates Israel hatte und deswegen emigriert ist. Sein Buch mit den Biographien deutscher Juden habe ich aber nicht gelesen. Was ich mir allerdings gar nicht vorstellen kann, ist, dass er eine solche These vertreten hätte, wie Du sie wiedergibst.

Dem Holocaust ist m. E. nichts, aber auch gar nichts Gutes abzugewinnen! Er hat mit den Massen jüdischer Menschen auch deren Zukunft vernichtet, ob sie sich assimilierter oder religiös exklusiver entwickelt hätten, all das ist dahin und konnte nie Wirklichkeit werden… daran kann ich einfach keine solche Funktionsbetrachtung anknüpfen.

Für mich nehme ich mit, dass ich die Begriffe „Assimilation“ und „Säkularisierung“ einmal klären müsste. Denn alle Religionen vollziehen Anpassungen an den Fortgang der Zivilisation. Ist nicht Religion immer das Fremde in der Welt und ihr Anhänger immer vor die Frage gestellt, wie viel Kompromisse er/sie eingeht, um sich und ihr noch treu zu bleiben?

Auf eines hat Elons Buch aber gewiss aufmerksam gemacht: Wenn es im „Land der Dichter und Denker“ einen überproportional hohen Anteil bedeutender jüdischer Intellektueller gibt, dann muss es dafür einen Grund geben. Ich denke er liegt tief in der jüdischen Tradition, die eine Schrift-, Überlieferungs- und Auslegungstradition par excellence ist.

Gruß
Kassandro
 

Kassandro

Mitglied
Alles entscheidet sich in den Köpfen. Durch das, was durch Augen und Ohren hineinkommt. Sogar Kriege. Der Vietnamkrieg wurde in den Köpfen entschieden. Er fand ein Ende, weil freier Journalismus in Wort und Bild über ihn berichtete. Da wollten die Menschen in den USA einfach nicht mehr. Die Politik hat dazugelernt. Seit dem Irakkrieg 2003 gibt es embedded journalists, (engl. to embed „einbetten“, „integrieren“), die für das begehrte Privileg, von vorderster Front berichten zu können, den Preis zahlen, eine gewünschte Perspektive zu vermitteln. Ich bin der Meinung, dass im medialen politischen Diskurs Wörter auftauchen, einfach nur Wörter, die genau wie diese journalists funktionieren. Sie arbeiten zielstrebig an der Perspektive, in der Wirklichkeit aufgenommen wird in die Köpfe. Denn in den Köpfen fallen die Entscheidungen.
Dies ist die Begründung für meine Wortkreation embedded words und dafür, dass ich Glossen zur sprachkritischen Betrachtung solcher Wörter mit ihr im Titel kennzeichne.




Antisemitisch​

Iris Hefets wunderte sich, als sie Anfang Dezember 2016 das Schreiben der Bank für Sozialwirtschaft mit der Kontokündigung in Händen hielt. Die nach Berlin übergesiedelte Israeli ist die Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost (JS). Die JS ist die deutsche Sektion der European Jews for a Just Peace, einer Menschenrechtsorganisation europäischer Juden, die als Konsequenz aus dem Holocaust gerade für die Rechte der Palästinenser eintritt, die nicht für ihn büßen, sondern endlich ihren eigenen lebensfähigen Staat in den völkerrechtlich vorgesehenen Grenzen bekommen sollen.

Iris Hefets bohrte nach, was es mit der unbegründeten und außergewöhnlichen Kündigung auf sich hatte. Schließlich rückte die Bank für Sozialwirtschaft mit politischen Gründen heraus: Da die JS für ihre Ziele auch den Boykott israelischer Waren unterstütze, sei sie laut Expertengutachten, z.B. des Göttinger Politologen Salzborn, als antisemitisch einzustufen, was mit den Ethikrichtlinien des Unternehmens nicht vereinbar sei, und daher habe man die Geschäftsbeziehung beendet. (Quelle 1)

Wer zu wissen meint, was Antisemitismus ist, und dem Auftauchen des Wortes in dieser Kolumne mit gesundem Misstrauen begegnet, dem mag das Widersinnige dieses Falles den Klärungsbedarf verdeutlichen. Antisemitische Juden. Hier stimmt offensichtlich etwas nicht und die Frage ist: Stimmt etwas nicht mit den jüdischen Menschen, die so bezeichnet werden, oder stimmt etwas nicht mit dem Wort antisemitisch, das auf sie angewandt wird.

Niemand in Deutschland sollte einen Schulabschluss machen, ohne gelernt zu haben, dass der Antisemitismus die menschenverachtende Ideologie ist, aus der heraus in diesem Land ein staatlich organisierter, fabrikmäßiger Massenmord an Millionen von Menschen begangen wurde. Er oder sie sollte wissen, dass der Antisemitismus keine Erfindung Hitlers war, sondern schon im 19. Jahrhundert aufkam und in ganz Europa verbreitet war. Dass er sich auf eine krause Pseudobiologie stützte, die höhere und minderwertige Menschenrassen unterscheiden wollte. Dass Antisemitismus also eine Form des Rassismus ist. Und dass die entschiedene Gegenposition in der Anerkennung der einen unantastbaren Menschenwürde und der daraus folgenden universalen Menschenrechte besteht (GG Art 1). Schließlich sollte die Warnung verinnerlicht sein, dass mit dem Ende der Nazizeit rassistische Einstellungen nicht verschwunden sind. Denn das ewige Bedürfnis, sich über andere zu erheben, wird so auf die billigste Weise befriedigt. Soviel eiserne Bildungsration muss sein.

Ressentiments und Feindseligkeit gegen Juden sind aber weit älter. Das ganze christliche Mittelalter ist davon geprägt. Hier liegt das Motiv im Religiösen und dem Absolutheitsanspruch des Christentums. An vielen mittelalterlichen Kathedralen ist das mit zwei Frauenfiguren verkörpert: die siegreiche Ekklesia (Kirche) mit der Krone und die für die Wahrheit blinde Synagoge mit der Augenbinde. Diese Form der Judenfeindlichkeit nennt man Antijudaismus. Auch das Reformationsjubiläum kann daran erinnern. 1523 hatte der junge Luther eine für seine Zeit erstaunlich judenfreundliche Schrift veröffentlicht (Das Jhesus Christus eyn geborner Jude sey), 1545 verfasste der alte Luther eine üble Hetzschrift gegen die Juden (Von den Juden und jren Lügen). Was war geschehen? Luther hatte erwartet, dass die Juden sich zu seinem reformierten Christentum bekehren würden, und als das nicht eintrat, sondern sie an ihrer anderen religiösen Identität festhielten, wurden sie verteufelt. Die Toleranz hat der Reformator nicht erfunden. Beim Antisemitismus der Nazis half es Menschen mit jüdischen Wurzeln allerdings nichts, dass ihre Vorfahren schon vor hundert Jahren zum Christentum übergetreten waren – sie hatten ja „jüdisches Blut“, gehörten zur „minderwertigen Rasse“. (Quelle 2) Nach Auschwitz haben die christlichen Kirchen begonnen, ihre unselige antijudaistische Tradition aufzuarbeiten, die Hitlers Judenverfolgung zweifellos den Boden bereiten half.

Eine weitere Unterscheidung ist angebracht, wenn man auf judenfeindliche Einstellungen insbesondere bei Muslimen trifft. Hier ist das Motiv kein religiöses; die Geschichte des Islam zeigt vielmehr, dass in dessen Einflussbereich mit der jüdischen Minderheit anständiger umgegangen wurde als im christlichen Abendland. Es liegt auch keine antisemitische „Rassenlehre“ zugrunde – nach ihr wären die Araber als „Kinder Sems“, als semitisches Volk selbst betroffen. Auslöser ist hier vielmehr der 1948 auf britischem Mandatsgebiet gegründete Staat Israel, dem in der extremen Position die Existenzberechtigung abgesprochen und in der gemäßigten Position vorgeworfen wird, dass er mit seinem seit 1967 fortdauernden Besatzungsregime die Palästinenser unterdrückt, deren Staatsgründung verhindert und sich völkerrechtswidrig immer mehr von deren Land aneignet, um durch vollendete Tatsachen ein Groß-Israel mit der Hauptstadt Jerusalem zu schaffen. Diese politisch motivierte Position heißt – als Gegenstück zum national-religiösen jüdischen Zionismus – Antizionismus. Sie findet sich auch nicht nur bei Muslimen.

Zurück zum Ausgangspunkt. Die von der Bank für Sozialwirtschaft diskriminierte jüdische Organisation bietet ein Beispiel dafür, dass es antizionistische Haltungen auch im Judentum gibt. Das Judentum in Deutschland ist im Verhältnis zum Staat Israel gespalten. Der Zentralrat der Juden, die offizielle, staatsnahe Vertretung der Juden in Deutschland pflegt enge Beziehungen zum Staat Israel und identifiziert sich mit ihm vorbehaltlos. Er kann sich dabei vor allem auf das orthodoxe Judentum stützen. Im liberalen Judentum gibt es mehr Skepsis und Kritik an Israel, schließlich sitzen in der Regierung Netanjahu Minister (Bennet, Lieberman, Shaket), die aufgrund ihrer rechtsradikal-rassistischen Äußerungen bei uns vom Verfassungsschutz beobachtet werden müssten und mit denen man bei aller Solidarität mit dem jüdischen Staat nichts zu tun haben möchte. Eine kleine Minderheit im deutschen Judentum äußert vehemente Israelkritik und solidarisiert sich mit den Palästinensern. Sie steht unter Dauerbeschuss aller etablierten Kräfte, oft mit der absurden Etikettierung antisemitisch.

Zurück zum ganzen Ausgangspunkt, der Sprachkritik. Antisemitismus ist im Land des Rassenwahns und Massenmords zu Recht geächtet. Daher ist die Beschuldigung des Antisemitismus eine scharfe und wirksame Waffe im öffentlichen Diskurs. Wenn sie das bleiben soll, muss das Wort antisemitisch vor Missbrauch in Schutz genommen werden. Dieser Missbrauch häuft sich seit etwa zehn Jahren, weil wachsende Kritik an einer immer problematischeren Politik des Staates Israel mit dem Antisemitismusvorwurf skandalisiert wird. Wenn Studien einer sich selbst reproduzierenden Antisemitismusforschung melden, in Europa steige der Antisemitismus bedrohlich, habe 2009 einen Spitzenwert erreicht, dann darf sich der Normalverbraucher an die Fernsehbilder dieses Jahres erinnern, wie der extrem dichtbevölkerte und abgeriegelte Gazastreifen zusammengebombt wurde, Operation „Gegossenes Blei“, Bilanz: 14 tote Israelis, 1400 tote Palästinenser, Faktor 100 – den Goldstone-Bericht der UN über Kriegsverbrechen brauchte eigentlich niemand mehr zu studieren. Die Empörung dagegen wurde als Antisemitismus verrechnet.

Wenn der Begriff, der ein rassistisches Vorurteil gegen Juden bezeichnet, psychologisierend aufgeweicht und ein „latenter“, ein „sekundärer“, ein „Schuldabwehr-Antisemitismus“ behauptet wird, der – so die These – im Bestreben, das Täter-Opfer-Verhältnis umzukehren, immer mit dem Finger auf den Staat Israel zeige, dann hat diese „Forschung“ kein solides Erkennungskriterium, sondern nur eine beliebig nutzbare Unterstellung produziert. Jedenfalls hat sie die Aktionen des Staates Israel gegen Kritik aus Deutschland immunisiert: Wer deren Unterstützung durch eine Regierung, die Freundschaft mit Israel zur Staatsräson erhoben hat, nicht folgt, ist des Antisemitismus verdächtig. Zu den Manipulationen an einem seriösen Antisemitismusbegriff gehört auch die willkürliche Konstruktion von Zusammenhängen zu Nazi-Gedankengut, wo keine sind. Es ist ein Faktum, dass eine einflussreiche Israellobby beständig Empörungskampagnen gegen Personen und Veranstaltungen fährt, die Kritik an Israel üben und sich für die Rechte der Palästinenser einsetzen (Beispiele Quellen 3,4,5, unvollständige Auflistung: Quelle 6). Wer diesen Sachverhalt anspricht, sieht sich mit der Unterstellung konfrontiert, er hinge der Nazi-Theorie einer „jüdischen Weltverschwörung“ an. Die weltweite Boykottaktion (BDS) gegen Israel, zu der auch der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu aufruft, ist ein zivilgesellschaftlicher Versuch Druck auf die israelische Regierung auszuüben, weil westliche Regierungen das einfach nicht tun. In vielen Ländern wird sie von Kirchen, Universitäten, und Unternehmen unterstützt, in Deutschland ist sie chancenlos. Vorwurf: Sie sei eindeutig antisemitisch, denn schließlich hätten die Nazis die Devise ausgegeben: „Kauft nicht bei Juden!“ So unsinnig die Gleichsetzung eines gewaltfreien Druckmittels gegen einen Menschenrechte verletzenden Staat mit der Terrorisierung jüdischer Bürger durch das Naziregime ist, sie wirkt. Alle ducken sich weg. (Quelle 7)

Das wichtige Warn-Wort Antisemitismus wird verschlissen und sinnentleert, wenn es als Rufmordwerkzeug an Israelkritikern herhalten muss. Was auf diese Weise passiert, zeigt das Simon-Wiesenthal-Center in Los Angeles. Es war ursprünglich eine geachtete Institution, die große Verdienste beim Aufspüren von Naziverbrechern hatte. Seit 2010 gibt es eine Top-Ten-Liste der gefährlichsten Antisemiten heraus. Kopfschütteln löste 2012 aus, dass auf Betreiben von Henryk Broder auf Platz 9 der Publizist Jakob Augstein auftauchte. (Quelle 8). Gerade ist die neue Liste herausgekommen. Auf Platz 1 findet sich Barak Obama. (Quelle 9). Er hatte als eine seiner letzten präventiven Amtshandlungen vor Trump angeordnet, dass, anders als seit Jahrzehnten, die USA im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Resolution nicht blockierten, in der Israel wegen seiner Siedlungspolitik verurteilt und zum Kurswechsel aufgefordert wird. Das Simon-Wiesenthal-Center hat seinen Ruf endgültig ruiniert und das sinnvolle Wort Antisemitismus gleich mit.

P.S. Ein höflicher Brief, der beim Antisemitismus-Experten Prof. Dr. Salzborn anfragte, ob er die Kontokündigung der JS durch die Bank für Sozialwirtschaft wirklich berechtigt fände und ob es tatsächlich antisemitische Juden gäbe, blieb ohne Antwort.

Quelle 1 : http://www.juedische-stimme.de/?p=2022
Quelle 2 : http://www.hassia-judaica.de/Themen/1648_Zwangspredigten/165017.htm
Quelle 3 : http://www.sueddeutsche.de/muenchen/schwabing-benefizkonzert-zwischen-israelkritik-und-antisemitischer-hetze-1.3184940
Quelle 4: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/adorno-preis-ueberreicht-an-judith-butler-trotz-zentralrat-protesten-a-855137.html
Quelle 5: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/aerger-wegen-eines-vortrags
Quelle 6: http://www.arendt-art.de/deutsch/palestina/Anlagen/AT-alle%20Seiten-01.12.16.pdf
Quelle 7: http://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/charlottenburg-wilmersdorf/streit-um-waren-aus-israels-siedlungen-kadewe-macht-rueckzieher-weine-sofort-wieder-im-regal/12623452.html
Quelle 8 : http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/antisemitismus-vorwurf-eine-offene-gesellschaft-12011369.html
Quelle 9: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/27363
 

James Blond

Mitglied
Man muss dem Autor zugutehalten, dass er sich an ein Thema heranwagt, dessen innerer Komplexität man durch die jahrzehntelangen kriegerischen Auseinandersetzungen sowie den gewaltigen historischen Hintergrund eigentlich kaum gerecht werden kann.

Um es kurz zu machen: Zweifellos wird heute im Propagandakrieg der Antisemitismusvorwurf dort erhoben, wo auch immer Kritik an der Staatspolitik Israels laut wird. Ebenso häufig schleicht sich aber auch unter der Tarnkappe einer politischen Israelkritik der alte Antisemitismus tatsächlich wieder ein.

Denn die saubere Trennung Antijudaismus-Antisemitismus-Antizionismus, die der Autor zwar sachlich korrekt erläutert, funktioniert so in der Praxis leider nicht - und hat so auch nie funktioniert. Der Schulterschluss vom Antijudaismus christlicher Kirchen mit dem Antisemitismus des NS-Regimes ist offensichtlich, weniger bekannt - und vom Autor vollkommen ignoriert - ist der Schulterschluss muslimischer Kreise mit dem NS-Antisemitismus bereits vor der Staatsgründung Israels. (http://www.matthiaskuentzel.de/contents/ueber-die-europaeischen-wurzeln-des-antisemitismus-im-gegenwaertigen-islamischen-denken) Man sollte nicht übersehen, dass das traditionelle Ansehen der Deutschen in arabischen Staaten hier seine Wurzeln findet; noch immer wird Hitlers "Mein Kampf" dort nicht nur fleißig gelesen (http://www.taz.de/!5037156/) - er wird sogar von hochrangigen Geistlichen zitiert. Interessant wäre hier gewesen, der Frage nachzugehen, inwieweit muslimische Jugendliche in Deutschland antisemitisch, bzw. antizionistisch eingestellt sind.

Nachdenklich stimmen mich auch die vielen deutschen "Freunde" des palästinensischen Volkes. Nun sind unterdrückte Völker und Minderheiten auf der Welt leider keine Rarität, doch scheinen mir hier die Bestrebungen, dem Anspruch der Palästiner Geltung zu verschaffen, um einiges höher als beispielsweise der Einsatz zur Befreiung Tibets. Auch hätte ich einen Hinweis erwartet, dass die BDS-Bewegung von palästinensischer Seite ins Leben gerufen wurde (https://de.wikipedia.org/wiki/Boycott,_Divestment_and_Sanctions).

Wo hört Zionismus auf - wo beginnt der Antisemitismus? Ich hätte mir mehr zur Klärung dieser entscheidenden Frage erhofft, denn die Grenzen verlaufen unklar, umstritten selbst innerhalb der BDS: Boykottiert man alle Güter aus Israel - oder nur die aus den besetzten Gebieten? Und wem schadet dies? Dem Staat oder seinen Bürgern?

Zuletzt kann ich dem Begriff des "embedded word" nicht viel abgewinnen, als gäbe es unter den Kampfmitteln der Propaganda eine neue Geheimwaffe, dabei handelt es sich nur um den hinlänglich bekannten Abtausch von Schlagworten zur Etikettierung in diffamierender Absicht; "faschistisch" z.B. spielte über Jahrzehnte eine ganz ähnliche Rolle.


Grüße
JB
 

Kassandro

Mitglied
Lieber James Blond,

nicht ganz einfach, jemandem zu antworten, dessen erster Satz lautet: Man muss dem Autor zugutehalten, dass er sich an ein Thema heranwagt, dessen innerer Komplexität man durch die jahrzehntelangen kriegerischen Auseinandersetzungen sowie den gewaltigen historischen Hintergrund eigentlich kaum gerecht werden kann.

Wie soll man sich dazu stellen? Danke für so viel Nachsicht? Oder, kleinlaut: Ich habe mich aber nach Kräften bemüht, die wichtigsten Dinge zu elementarisieren, die immer durcheinander gehen? Ich neige eher zur Rückfrage: Bist Du sicher, dass wir dasselbe Thema haben?

Mein Thema ist nicht der in der Tat komplexe Israel-Palästina-Konflikt.

Mein bescheidenes Thema ist die missbräuchliche Verwendung des Attributs „antisemitisch“, um in unserem Land gezielt Kritik am Agieren des Staates Israel mundtot zu machen.

Und jetzt vom Schluss her. Die Kolumne Embedded words thematisiert manipulativen Sprachgebrauch, nicht nur Killerphrasen, sondern auch subtilere Begriffsbesetzungen und Verschleierungswörter (siehe die anderen Beiträge). Demokratie, so unterstelle ich, lebt von Meinungsfreiheit und einem möglichst qualifizierten öffentlichen Diskurs. Lässt sich ernsthaft bestreiten, dass es darum nicht so gut bestellt ist? Die Journalisten gestehen es inzwischen selber ein. Und der Erklärungsansatz dazu ist nicht die Verschwörungstheorie von einer „Lügenpresse“, sondern der Anpassungsmechanismus einer „political correctness“. Dessen Spiegelungen im Sprachlichen geht die Kolumne nach. Die berüchtigte „Antisemitismuskeule“ kann für den, der nicht an formal verbriefter, sondern an praktizierter Meinungsfreiheit in diesem Land interessiert ist, nicht außen vor bleiben, denn sie gehört zu den wirkungsvollsten Diffamierungstechniken. Mit der coolen Auffassung, dass man „Propaganda“ als etwas ganz Normales hinzunehmen hätte, möchte ich mich nicht anfreunden und die Instrumentalisierung des Holocaust zu Propagandazwecken ist so katastrophal, weil sie der Holocaustleugnung in der fatalen Wirkung kaum nach steht.

Tief eingeprägt hat sich mir das Bild eines fassungslosen Günter Grass, der in die Fernsehkameras stammelte: „Aber das ist ja Gleichschaltung!“ Unisono mit dem Polit-Establishment war die gesamte deutsche Presse mit einem beispiellosen Antisemitismus-Bashing über ihn hergefallen, weil er es gewagt hatte, im Moment, wo ein Krieg Israels gegen den Iran möglich schien, Kritik an Israel zu üben. Grass hatte schlicht darauf hingewiesen, dass Israel die Atomwaffen, an deren Besitz der Iran gehindert werden sollte, selbst längst hat. Halali zum Rufmord. Völlige Enthemmung: Noch der letzte Provinzblatt-Schreiberling sah seine Chance gekommen, einmal einen Literaturnobelpreisträger mit brauner Scheiße bewerfen zu können. Man lese das „Gedicht“ von Grass heute noch einmal mit Abstand: http://www.sueddeutsche.de/kultur/gedicht-zum-konflikt-zwischen-israel-und-iran-was-gesagt-werden-muss-1.1325809 Ich schrieb Grass damals: „Wer immer noch behauptet, es gäbe in Deutschland umfassende Meinungsfreiheit und selbstverständlich sei Israelkritik jedem unbenommen, dem ist ab jetzt mit einem einzigen Wort zu erwidern: Grass!“ Der Antwortbrief des inzwischen verstorbenen Schriftstellers ist mir ein schönes Souvenir.

In meinem Essay sind ganz bewusst als Belege für die planmäßige Diffamierung von pro-palästinensischen Veranstaltungen als antisemitisch nur Links auf Presseartikel gewählt und nicht auf ideologische Websites der Israel-Palästina-Auseinandersetzung. Daher gehe ich auf Matthias Küntzel hier nicht ein – wer Erfahrung in der kritischen Recherche von Netzwerken hat, wird sich vom Ausgangspunkt dieser Website her selbst sein Bild machen.

Sollten Lehrer unter den Lesern sein, dann kennen sie alle eine sehr ärgerliche Argumentationsfigur. Pausenhof. Ein Schüler tritt einen anderen. Der Lehrer greift ihn sich. Der Schüler sagt: Warum gerade ich – andere treten auch! Eine umwerfende Logik: Verantwortungsverweigerung durch Verweis auf andere. Tja, und wenn wir das Pech haben, dass dieser gewalttätige Schüler zufällig eine schwarze Hautfarbe hat,steht dann der intervenierende Lehrer unter Rassismusverdacht? Wer sich darauf einließe, würde leider alle Regeln des Zusammenlebens preisgeben. Darauf habe ich Israelfreunde, die stereotyp mit diesem „Argument“ kommen, schon oft aufmerksam gemacht. Aber wenn UN-, Weltkirchenrats- und unabhängige Menschenrechts-organisationen unter Verdacht gesetzt werden, was soll man da noch sagen? Jüngstes Beispiel:http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.israel-human-rights-watch-mitarbeiter-bekommen-kein-arbeitsvisum.070cee17-db53-49e0-b223-00fbfc57ad7a.html
Ich plädiere einfach dafür, dass die Lehre aus dem Holocaust die unbedingte und ausnahmslose Verpflichtung auf die universell geltenden Menschenrechte ist und die Sensibilisierung für Menschenrechtsverletzungen, wo immer sie geschehen.

Es grüßt
Kassandro
 

Penelopeia

Mitglied
Alte Fragen...

Interessante Diskussion zu einem wichtigen Thema, leider ohne große Beteiligung. Graust es vielleicht manchem vor der Komplexität, oder ist es einfach Überdruss?
Ich hätte mir gewünscht, dass Kassandros Essay ein wenig mehr Beachtung findet.
Für mich stellen sich wieder die alten Fragen, die ich bis heute nicht eindeutig beantworten kann. Zum Beispiel:

- Ist der Begriff „Antisemitismus“ nicht grundsätzlich ein Paradox? Zu den Semiten zählen doch wohl ein paar Völker mehr…
- Sollte man stattdessen nicht besser eindeutigere Begriffe wie Antijudaismus, Antizionismus, Rassismus verwenden?
- Besteht u.U. ein Widerspruch zwischen universellen Menschenrechten und Religionen?
- Kann eine Religion eine Ethnie definieren, und was ist überhaupt eine Ethnie, ein „Volk“?

Im Essay wird die judenfeindliche Einstellung arabischer Jugendlicher erwähnt. Dieser Sachverhalt, so scheint es mir, wird durch das unmissverständliche, einfache Adjektiv „judenfeindlich“ ausreichend präzise charakterisiert; eine antisemitische Einstellung macht – s. Anstrich 1 – keinen Sinn.

Hat jemand Schlomo Sand gelesen? Er klärt gut auf über Mythen, Märchen, nebulöse Begriffe und schwer haltbare Doktrinen im Zusammenhang mit der Geschichte des jüdischen Volkes.

P.
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
„Interessante Diskussion zu einem wichtigen Thema, leider ohne große Beteiligung. Graust es vielleicht manchem vor der Komplexität, oder ist es einfach Überdruss? “
Vielleicht „stört“ es auch nur, dass das hier eigentlich nicht richtige Stelle dafür ist, weshalb Beiträge dieser Art alle ausgeblendet werden. ;)
 

Penelopeia

Mitglied
Vielleicht „stört“ es auch nur, dass das hier eigentlich nicht richtige Stelle dafür ist, weshalb Beiträge dieser Art alle ausgeblendet werden.

Verstehe ich nicht: Warum sollte "das hier" nicht die richtige Stelle sein? Und was wurde ausgeblendet? Hab ich was übersehen?
 

jon

Foren-Redakteur
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Dieses Forum beschäftigt sich mit dem Handwerk des journalistischen Schreibens. Wer Themen in Form journalistischer (oder anderer) Texte aufwerfen und zur Diskussion stellen möchte, kann dies im Forum Lupanum tun.
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Kassandro

Mitglied
Alles entscheidet sich in den Köpfen. Durch das, was durch Augen und Ohren hineinkommt. Sogar Kriege. Der Vietnamkrieg wurde in den Köpfen entschieden. Er fand ein Ende, weil freier Journalismus in Wort und Bild über ihn berichtete. Da wollten die Menschen in den USA einfach nicht mehr. Die Politik hat dazugelernt. Seit dem Irakkrieg 2003 gibt es embedded journalists, (engl. to embed „einbetten“, „integrieren“), die für das begehrte Privileg, von vorderster Front berichten zu können, den Preis zahlen, eine gewünschte Perspektive zu vermitteln. Ich bin der Meinung, dass im medialen politischen Diskurs Wörter auftauchen, einfach nur Wörter, die genau wie diese journalists funktionieren. Sie arbeiten zielstrebig an der Perspektive, in der Wirklichkeit aufgenommen wird in die Köpfe. Denn in den Köpfen fallen die Entscheidungen.
Dies ist die Begründung für meine Wortkreation embedded words und dafür, dass ich Glossen zur sprachkritischen Betrachtung solcher Wörter mit ihr im Titel kennzeichne.




Antisemitisch​

Iris Hefets wunderte sich, als sie Anfang Dezember 2016 das Schreiben der Bank für Sozialwirtschaft mit der Kontokündigung in Händen hielt. Die nach Berlin übergesiedelte Israeli ist die Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost (JS). Die JS ist die deutsche Sektion der European Jews for a Just Peace, einer Menschenrechtsorganisation europäischer Juden, die als Konsequenz aus dem Holocaust gerade für die Rechte der Palästinenser eintritt, die nicht für ihn büßen, sondern endlich ihren eigenen lebensfähigen Staat in den völkerrechtlich vorgesehenen Grenzen bekommen sollen.

Iris Hefets bohrte nach, was es mit der unbegründeten und außergewöhnlichen Kündigung auf sich hatte. Schließlich rückte die Bank für Sozialwirtschaft mit politischen Gründen heraus: Da die JS für ihre Ziele auch den Boykott israelischer Waren unterstütze, sei sie laut Expertengutachten, z.B. des Göttinger Politologen Salzborn, als antisemitisch einzustufen, was mit den Ethikrichtlinien des Unternehmens nicht vereinbar sei, und daher habe man die Geschäftsbeziehung beendet. (Quelle 1)

Wer zu wissen meint, was Antisemitismus ist, und dem Auftauchen des Wortes in dieser Kolumne mit gesundem Misstrauen begegnet, dem mag das Widersinnige dieses Falles den Klärungsbedarf verdeutlichen. Antisemitische Juden. Hier stimmt offensichtlich etwas nicht und die Frage ist: Stimmt etwas nicht mit den jüdischen Menschen, die so bezeichnet werden, oder stimmt etwas nicht mit dem Wort antisemitisch, das auf sie angewandt wird.

Niemand in Deutschland sollte einen Schulabschluss machen, ohne gelernt zu haben, dass der Antisemitismus die menschenverachtende Ideologie ist, aus der heraus in diesem Land ein staatlich organisierter, fabrikmäßiger Massenmord an Millionen von Menschen begangen wurde. Er oder sie sollte wissen, dass der Antisemitismus keine Erfindung Hitlers war, sondern schon im 19. Jahrhundert aufkam und in ganz Europa verbreitet war. Dass er sich auf eine krause Pseudobiologie stützte, die höhere und minderwertige Menschenrassen unterscheiden wollte. Dass Antisemitismus also eine Form des Rassismus ist. Und dass die entschiedene Gegenposition in der Anerkennung der einen unantastbaren Menschenwürde und der daraus folgenden universalen Menschenrechte besteht (GG Art 1). Schließlich sollte die Warnung verinnerlicht sein, dass mit dem Ende der Nazizeit rassistische Einstellungen nicht verschwunden sind. Denn das ewige Bedürfnis, sich über andere zu erheben, wird so auf die billigste Weise befriedigt. Soviel eiserne Bildungsration muss sein.

Ressentiments und Feindseligkeit gegen Juden sind aber weit älter. Das ganze christliche Mittelalter ist davon geprägt. Hier liegt das Motiv im Religiösen und dem Absolutheitsanspruch des Christentums. An vielen mittelalterlichen Kathedralen ist das mit zwei Frauenfiguren verkörpert: die siegreiche Ekklesia (Kirche) mit der Krone und die für die Wahrheit blinde Synagoge mit der Augenbinde. Diese Form der Judenfeindlichkeit nennt man Antijudaismus. Auch das Reformationsjubiläum kann daran erinnern. 1523 hatte der junge Luther eine für seine Zeit erstaunlich judenfreundliche Schrift veröffentlicht (Das Jhesus Christus eyn geborner Jude sey), 1545 verfasste der alte Luther eine üble Hetzschrift gegen die Juden (Von den Juden und jren Lügen). Was war geschehen? Luther hatte erwartet, dass die Juden sich zu seinem reformierten Christentum bekehren würden, und als das nicht eintrat, sondern sie an ihrer anderen religiösen Identität festhielten, wurden sie verteufelt. Die Toleranz hat der Reformator nicht erfunden. Beim Antisemitismus der Nazis half es Menschen mit jüdischen Wurzeln allerdings nichts, dass ihre Vorfahren schon vor hundert Jahren zum Christentum übergetreten waren – sie hatten ja „jüdisches Blut“, gehörten zur „minderwertigen Rasse“. (Quelle 2) Nach Auschwitz haben die christlichen Kirchen begonnen, ihre unselige antijudaistische Tradition aufzuarbeiten, die Hitlers Judenverfolgung zweifellos den Boden bereiten half.

Eine weitere Unterscheidung ist angebracht, wenn man auf judenfeindliche Einstellungen insbesondere bei Muslimen trifft. Hier ist das Motiv kein religiöses; die Geschichte des Islam zeigt vielmehr, dass in dessen Einflussbereich mit der jüdischen Minderheit anständiger umgegangen wurde als im christlichen Abendland. Es liegt auch keine antisemitische „Rassenlehre“ zugrunde – nach ihr wären die Araber als „Kinder Sems“, als semitisches Volk selbst betroffen. Auslöser ist hier vielmehr der 1948 auf britischem Mandatsgebiet gegründete Staat Israel, dem in der extremen Position die Existenzberechtigung abgesprochen und in der gemäßigten Position vorgeworfen wird, dass er mit seinem seit 1967 fortdauernden Besatzungsregime die Palästinenser unterdrückt, deren Staatsgründung verhindert und sich völkerrechtswidrig immer mehr von deren Land aneignet, um durch vollendete Tatsachen ein Groß-Israel mit der Hauptstadt Jerusalem zu schaffen. Diese politisch motivierte Position heißt – als Gegenstück zum national-religiösen jüdischen Zionismus – Antizionismus. Sie findet sich auch nicht nur bei Muslimen.

Zurück zum Ausgangspunkt. Die von der Bank für Sozialwirtschaft diskriminierte jüdische Organisation bietet ein Beispiel dafür, dass es antizionistische Haltungen auch im Judentum gibt. Das Judentum in Deutschland ist im Verhältnis zum Staat Israel gespalten. Der Zentralrat der Juden, die offizielle, staatsnahe Vertretung der Juden in Deutschland pflegt enge Beziehungen zum Staat Israel und identifiziert sich mit ihm vorbehaltlos. Er kann sich dabei vor allem auf das orthodoxe Judentum stützen. Im liberalen Judentum gibt es mehr Skepsis und Kritik an Israel, schließlich sitzen in der Regierung Netanjahu Minister (Bennet, Lieberman, Shaket), die aufgrund ihrer rechtsradikal-rassistischen Äußerungen bei uns vom Verfassungsschutz beobachtet werden müssten und mit denen man bei aller Solidarität mit dem jüdischen Staat nichts zu tun haben möchte. Eine kleine Minderheit im deutschen Judentum äußert vehemente Israelkritik und solidarisiert sich mit den Palästinensern. Sie steht unter Dauerbeschuss aller etablierten Kräfte, oft mit der absurden Etikettierung antisemitisch.

Zurück zum ganzen Ausgangspunkt, der Sprachkritik. Antisemitismus ist im Land des Rassenwahns und Massenmords zu Recht geächtet. Daher ist die Beschuldigung des Antisemitismus eine scharfe und wirksame Waffe im öffentlichen Diskurs. Wenn sie das bleiben soll, muss das Wort antisemitisch vor Missbrauch in Schutz genommen werden. Dieser Missbrauch häuft sich seit etwa zehn Jahren, weil wachsende Kritik an einer immer problematischeren Politik des Staates Israel mit dem Antisemitismusvorwurf skandalisiert wird. Wenn Studien einer sich selbst reproduzierenden Antisemitismusforschung melden, in Europa steige der Antisemitismus bedrohlich, habe 2009 einen Spitzenwert erreicht, dann darf sich der Normalverbraucher an die Fernsehbilder dieses Jahres erinnern, wie der extrem dichtbevölkerte und abgeriegelte Gazastreifen zusammengebombt wurde, Operation „Gegossenes Blei“, Bilanz: 14 tote Israelis, 1400 tote Palästinenser, Faktor 100 – den Goldstone-Bericht der UN über Kriegsverbrechen brauchte eigentlich niemand mehr zu studieren. Die Empörung dagegen wurde als Antisemitismus verrechnet.

Wenn der Begriff, der ein rassistisches Vorurteil gegen Juden bezeichnet, psychologisierend aufgeweicht und ein „latenter“, ein „sekundärer“, ein „Schuldabwehr-Antisemitismus“ behauptet wird, der – so die These – im Bestreben, das Täter-Opfer-Verhältnis umzukehren, immer mit dem Finger auf den Staat Israel zeige, dann hat diese „Forschung“ kein solides Erkennungskriterium, sondern nur eine beliebig nutzbare Unterstellung produziert. Jedenfalls hat sie die Aktionen des Staates Israel gegen Kritik aus Deutschland immunisiert: Wer deren Unterstützung durch eine Regierung, die Freundschaft mit Israel zur Staatsräson erhoben hat, nicht folgt, ist des Antisemitismus verdächtig. Zu den Manipulationen an einem seriösen Antisemitismusbegriff gehört auch die willkürliche Konstruktion von Zusammenhängen zu Nazi-Gedankengut, wo keine sind. Es ist ein Faktum, dass eine einflussreiche Israellobby beständig Empörungskampagnen gegen Personen und Veranstaltungen fährt, die Kritik an Israel üben und sich für die Rechte der Palästinenser einsetzen (Beispiele Quellen 3,4,5, unvollständige Auflistung: Quelle 6). Wer diesen Sachverhalt anspricht, sieht sich mit der Unterstellung konfrontiert, er hinge der Nazi-Theorie einer „jüdischen Weltverschwörung“ an. Die weltweite Boykottaktion (BDS) gegen Israel, zu der auch der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu aufruft, ist ein zivilgesellschaftlicher Versuch Druck auf die israelische Regierung auszuüben, weil westliche Regierungen das einfach nicht tun. In vielen Ländern wird sie von Kirchen, Universitäten, und Unternehmen unterstützt, in Deutschland ist sie chancenlos. Vorwurf: Sie sei eindeutig antisemitisch, denn schließlich hätten die Nazis die Devise ausgegeben: „Kauft nicht bei Juden!“ So unsinnig die Gleichsetzung eines gewaltfreien Druckmittels gegen einen Menschenrechte verletzenden Staat mit der Terrorisierung jüdischer Bürger durch das Naziregime ist, sie wirkt. Alle ducken sich weg. (Quelle 7)

Das wichtige Warn-Wort Antisemitismus wird verschlissen und sinnentleert, wenn es als Rufmordwerkzeug an Israelkritikern herhalten muss. Was auf diese Weise passiert, zeigt das Simon-Wiesenthal-Center in Los Angeles. Es war ursprünglich eine geachtete Institution, die große Verdienste beim Aufspüren von Naziverbrechern hatte. Seit 2010 gibt es eine Top-Ten-Liste der gefährlichsten Antisemiten heraus. Kopfschütteln löste 2012 aus, dass auf Betreiben von Henryk Broder auf Platz 9 der Publizist Jakob Augstein auftauchte. (Quelle 8). Gerade ist die neue Liste herausgekommen. Auf Platz 1 findet sich Barak Obama. (Quelle 9). Er hatte als eine seiner letzten präventiven Amtshandlungen vor Trump angeordnet, dass, anders als seit Jahrzehnten, die USA im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Resolution nicht blockierten, in der Israel wegen seiner Siedlungspolitik verurteilt und zum Kurswechsel aufgefordert wird. Das Simon-Wiesenthal-Center hat seinen Ruf endgültig ruiniert und das sinnvolle Wort Antisemitismus gleich mit.

P.S. Ein höflicher Brief, der beim Antisemitismus-Experten Prof. Dr. Salzborn anfragte, ob er die Kontokündigung der JS durch die Bank für Sozialwirtschaft wirklich berechtigt fände und ob es tatsächlich antisemitische Juden gäbe, blieb ohne Antwort.

Quelle 1 : http://www.juedische-stimme.de/?p=2022
Quelle 2 : http://www.hassia-judaica.de/Themen/1648_Zwangspredigten/165017.htm
Quelle 3 : http://www.sueddeutsche.de/muenchen/schwabing-benefizkonzert-zwischen-israelkritik-und-antisemitischer-hetze-1.3184940
Quelle 4: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/adorno-preis-ueberreicht-an-judith-butler-trotz-zentralrat-protesten-a-855137.html
Quelle 5: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/aerger-wegen-eines-vortrags
Quelle 6: http://www.arendt-art.de/deutsch/palestina/Anlagen/AT-alle%20Seiten-01.12.16.pdf
Quelle 7: http://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/charlottenburg-wilmersdorf/streit-um-waren-aus-israels-siedlungen-kadewe-macht-rueckzieher-weine-sofort-wieder-im-regal/12623452.html
Quelle 8 : http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/antisemitismus-vorwurf-eine-offene-gesellschaft-12011369.html
Quelle 9: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/27363

AKTUALISIERUNG
Die Bank für Sozialwirtschaft hat die Kontokündigung gegen die "JS", nachdem hartnäckiger Protest nicht verstummen wollte, jetzt zurückgenommen. Mitteilung darüber:

http://www.juedische-stimme.de/?p=2290
 

Kassandro

Mitglied
Engagement lohnt sich

Engagement lohnt sich
Der Essay hat einen erfreulichen Zusatz bekommen, der eines zeigt: Den Mund auftun, Unrecht nicht stehen lassen, Vertrauen in die Wirksamkeit seines kleinen Beitrags zum Protest - das ist die Lehre aus der Nazi-Vergangenheit in Deutschland. Und sie trägt Früchte.
Dank an Leselupen-Teilnehmer, die dazu vielleicht beigetragen haben.

Kassandro
 

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