Ende und Anfang

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blackout

Mitglied
Auch ich will flüchten, insgeheim
lasse ich schon jetzt diese Welt hinter mir,
diese Welt mit den Händen voll Blut,
dem Leichengestank, der Gier und des Hasses,
der zerstörten Menschen, die sprachlos,
angstvoll auf sie blicken.

Kalt das Herz der Welt, in die
ich gezwungen, die Leere, der Schmerz
wollen mich erdrücken. Mein Herz bebt
beim Anblick der Bettler auf dem Asphalt,
die um Brot, Liebe und Rosen flehen,
übersehen von Menschen und Zeiten.

Hinwegsehen, wie könnte ich es?
Doch kein Schmerz, der vergeblich,
nichts bleibt, wie es ist, von heute die Welt
nur eine zwischen den Zeiten. Und kein
Schmerzensmann, ans Kreuz genagelt,
wird uns erlösen. Nicht er, allein wir.
 
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Sabine Sanmann

Mitglied
Guten Morgen, Blackout!

Nachdem ich einiges an harscher bis barscher Kritik an anderen Gedichten von dir gelesen habe, war ich gespannt, was mich in deinem Text erwartet. Es ist der erste, den ich von dir gelesen habe, und ich bin gespannt auf weitere. Dieser hat mir leider überhaupt nicht gefallen. Das mag daran liegen, dass mir jegliches undifferenzierte Gejammer über die entsetzliche Schlechtigkeit und Kälte dieser Welt ohnehin ungeheuer auf die Nerven geht, und das ist natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Aber ungeachtet dessen finde ich, dass du mit diesem Text deinen eigenen hohen literarischen Anspruch leider nicht mal ansatzweise erfüllst.

Mal abgesehen vom larmoyanten Inhalt finde ich es auch technisch nicht gelungen: Der Wechsel von Dativ zu Genitiv in der ersten Strophe ist unsauber.
Formulierungen wie "Kalt das Herz der Welt, in die ich gezwungen" und "kein Schmerz, der vergeblich" sorgen ohne Hilfsverben für eine Überdosis an Pathos. "Von heute die Welt" klingt unschön. "Das Flehen der Bettler um Rosen" soll wohl einen Hauch Poesie vermitteln, klingt aber in dieser Generalabrechnung mit der ach so grausamen Realität deplatziert (ich habe noch nie einen Bettler getroffen, der mich um Rosen angefleht hätte).

Am besten gefällt mir der Satz "Nicht er, allein wir", weil zumindest dieser einen winzigen Kontrapunkt darstellt und die Einsicht erahnen lässt, dass eigenes Handeln gefragt ist. Ganz im Sinne von Kästner: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es."

Schöne Grüße
Sabine
 
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blackout

Mitglied
Nun, das ist deine Ansicht, Sabine Sandmann. Ich habe von dir noch nichts gelesen und kann nicht einschätzen, auf welchem Niveau sich deine Texte befinden. Ich habe da nach diesem Kommentar eine gewisse Vorstellung: Was Larmoyanz angeht, so übertreibst du doch wohl ein bisschen. Oder gefällt dir die Welt, wie sie ist? Und was die Rosen angeht: Das ist ein Bezug auf die Kämpfe der Frauen in den USA um gleichen Lohn, dir sicher nicht bekannt. Die Bewegung nannte sich "Brot und Rosen". Und warum soll ein Mensch, dem das Brot fehlt, nicht um Rosen betteln dürfen? Zum Menschsein gehört doch wohl mehr als das Brot. Mit "Poesie" hat dieser Bezug gar nichts zu tun. Seit wann aber darf man den Kasus innerhalb eines Satzes nicht wechseln? Hattest du in der bundesdeutschen Schule Deutsch, darf ich das mal fragen? Und die Stilfigur Ellipse stört dich ebenfalls? Sie wird vor allem in der Lyrik angewandt, um Überflüssiges zu vermeiden. Es ist also völlig korrekt, zu schreiben: "in die ich gezwungen" statt "in die ich gezwungen bin". Dir sicher auch nicht bekannt. Und was das "Pathos" angeht - solche Dummheiten erspart man sich.

Ich hätte mir gewünscht, dass du dich zum Inhalt äußern würdest. Ich schreibe meine Gedichte nämlich auch, weil ich der Ansicht bin, dass es nötig ist, sich über unsere Zeit auseinanderzusetzen. Und meiner Ansicht nach ist dies die Hauptaufgabe der Literatur, die von Grund auf manipulierten Menschen zum Fühlen und zum Denken zu bringen, frei mit Brecht gesagt: Die Andersdenkenden denken nicht anders, sondern sie sind Nichtdenkende. Diesen Beweis brauchte ich aber nicht.

Gruß, blackout
 
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Mondnein

Mitglied
"Nicht er, allein wir."

Selbstverständlich.
Es sei denn, man nimmt diese Konsumentenhaltung ein: Die "Welt" (was auch immer das sein soll, eigentlich nur das Erscheinungskonglomerat, das sich jedem in anderer Perspektive auffächert) sei uns als eine Art Geschenk vor die Nase gesetzt, von einem "Schöpfer" oder von den grünen Männchen (Aliens?) auf der Krim oder von raffinierten Psychologen, die uns "von Grund auf" manipulieren (rechnest Du Dich dazu?), oder von den Nerds in der Sankt Petersburger Trollfabrik. Aber mit dieser "geschenkten Welt", für deren Mängel immer nur andere verantwortlich sind, verträgt sich die Selbstverantwortungsforderung der Schlußklausel nicht. Logisch gesehen.

Bettler betteln seltener um Rosen, als daß sie vielmehr Rosen zum Verkauf anbieten, etwa auf der Straße oder in Restaurants; so ist es weltweit üblich.

Natürlich sind Ellipsen Stilmittel. Und eben diese Funktion läßt sie gelegentlich gestelzt erscheinen. Der Hinweis, daß sie "Stilmittel" seien, verstärkt diesen Eindruck beim Leser. Es wäre geschickter gewesen, ihre alltagssprachliche Brevitas, zu betonen, wie in dem schnoddrig vorgeworfenen "Dir sicher auch nicht bekannt".
 

James Blond

Mitglied
Je eindringlicher das Lamento, je lauter die Klage, desto mehr Druck lastet auf einem Text, dem er dann zumeist nicht standhält.

So auch hier. Ich mag lyrische Klagen, wenn sie klug vorgebracht und treffend formuliert werden. Hier aber wird wieder einmal die übliche Blut-Gier-Hass-Weltsülze aufgefahren, auch Religionskritik darf am Schluss nicht fehlen, oder genauer, die Heilserwartung wird zum Appell umgemünzt: "Wir allein" werden uns von der "Welt der zerstörten Menschen" lösen. Tatsächlich hatte die Autorin zuvor aber auch den mittel Kälte und Ignoranz zerstörenden Menschen im Fokus und das sind "wir".

Wie also soll die Lösung des Menschen vom Menschen erfolgen? Ganz einfach: durch Er-Lösung. In den ersten beiden Versen hat es die Verfasserin bereits angedeutet: Weltflucht - was sie anderen Autoren übrigens vorwirft. Warum ihr (Welt-)"Schmerz" dennoch nicht "vergeblich" bleibt, weiß allein die Autorin. Uns verrät sie es jedenfalls nicht.

Sicher hat das Lamento der Jahrtausende auch die Welt verschönert: nämlich koloriert, verbessert hat es sie aber nicht.

Gern kommentiert. :)

Grüße
JB
 

Oscarchen

Mitglied
Ja, von der Rechtschreibung her lesbar.
Nur...hier schreibt jemand über den Schmerz der Welt und sonstige Unerträglichkeiten, obwohl sie selbst für viele User hier unerträglich ist.​
Ungern gelesen​
Oscarchen​
 

Druidencurt

Mitglied
Recht so James Blond

"Ich mag lyrische Klagen, wenn sie klug vorgebracht und treffend formuliert werden" ICH AUCH.

Von Blut-Gier-Hass-Weltsülze wird zum einen die Welt nicht besser und zum anderen
es gibt solches Gesabber zu Hauf im Netz. Das "Werk" trief nur so vor Selbstmitleid!

In diesem Sinne:
Auch ich will flüchten, nicht insgeheim
und lasse diese Welt hinter mir :cool:
 

Sabine Sanmann

Mitglied
Ach, liebe/r/s Blackout...

Ich muss gestehen, dass ich mit einem Kommentar dieser Güte gerechnet habe, wenngleich ich insgeheim gehofft hatte, du würdest mich überraschen.

Natürlich ist es nur meine persönliche Ansicht. Ich erhebe nicht den Anspruch auf die ultimative Wahrheit, weil jeder seine eigene Sichtweise hat.
Du trittst ja auch recht vehement für deine ein, hier und da vielleicht eine Spur unsachlich. Aus meinem Kommentar auf meine Schul- und Allgemeinbildung zu schließen finde ich übrigens etwas gewagt und wenig erwachsen. Nicht ganz klar ist, wer sich die Dummheiten ersparen soll ("man"), ich gehe einfach mal davon aus, dass ich damit gemeint bin. Sei's drum.

Zum Text: Auf die Verbindung zu "Brot und Rosen" bin ich durch die "Bettler auf dem Asphalt" nicht gekommen - danke für den Hinweis.
Die "Ellipse" stört mich per se keineswegs, ich empfinde sie hier nur als zu gewollt, einfach als zu viel des Guten.
Und natürlich ist es erlaubt, Dativ und Genitiv in einem Satz zu verwenden, das heißt aber noch lange nicht, dass es immer ohne Holprigkeit gelingt.

Du möchtest, dass auf den Inhalt eingegangen wird. Okay. Wenn ich jetzt gemein wäre, würde ich sagen: "Dann schaffe doch einfach welchen". Ich sehe hier eine Aneinanderreihung von Begriffen, die allesamt das Elend dieser Welt beklagen, aber mich nicht abholen, weil mir dazu die Tiefe fehlt. Bei mir kommt Gejammer an. Mimimi. Kitschhappen in Moralinsoße, vom hohen Ross aus in die tumbe Menge geworfen. Nicht mehr. Immerhin gibt es einen kleinen Hinweis auf die Verantwortung der Menschheit selbst, in einer Welt, in der es keinen Retter gibt. Allerdings auch nicht besonders originell, dieser Ansatz, und das "wir" bleibt so anonym wie ein Reiskorn im Feld. Wo bleibt der Paukenschlag? Wen willst du damit erreichen oder gar aufrütteln? An welcher Stelle bringt dein Text irgendjemanden zum Nachdenken oder erzeugt die Betroffenheit, die du dir ja offenbar so wünschst?

Ja, Literatur und Kunst überhaupt haben die wichtige Aufgabe, Emotionen zu wecken. Du kannst das ohne Zweifel. Ich bin ziemlich sicher, dass sich schon so mancher hier über deine rüden Kommentare geärgert hat. Wunderbar. Nutze doch dieses Talent! Provoziere! Polarisiere! Sei spitz, sarkastisch oder meinetwegen sogar zynisch. Aber hör um Himmels willen auf zu jammern und um dich zu beißen, wenn du willst, dass dir jemand ernsthaft zuhört. Habe etwas zu sagen.

Es ist verdammt schwer zu akzeptieren, dass die eigenen Texte der Optimierung bedürfen, aber ich habe genau das als Sinn dieses Forums verstanden. Die Chance, das Geschriebene zu verbessern und durch das Auge des Lesers zu sehen. Wenn du das nicht möchtest, empfehle ich dir den Selbstverlag bei Amazon, am besten mit deaktivierter Bewertungsfunktion, falls möglich. Und vielleicht einen Vermerk unter deinen Beiträgen, dass nur Lob erwünscht ist.

Ich kenne einige Menschen, die sich in ganz unterschiedlicher Form engagieren - sie haben alle eins gemeinsam: Sie klagen wenig und tun viel. Und mit ihrem Tun erreichen sie die Menschen auch - nicht etwa, weil sie sich vorgenommen haben, jemanden zu berühren. Es ist spürbar echt - das vermisse ich in deinem Gedicht, den gefühlten Schmerz, den Stich ins Herz, das Bedürfnis nach einem Taschentuch. Aber deine Zeilen berühren mich ebenso wenig wie das Geschrei orientalischer Klageweiber.

Mir tut es herzlich leid, dass du die Welt so negativ siehst, obwohl sie doch nun wirklich groß genug ist, um wenigstens ein paar positive Aspekte zu finden. Obwohl es mir nicht zusteht - es soll hier ja um den Text gehen - kann ich dir aus meiner Erfahrung sagen, dass sich das Innen im Außen spiegelt. Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus. Die Menschen, die Welt, das Universum - nenne es wie du willst, zeigen dir, was du sehen willst. Wie ein Fernseher, seitdem es Netflix & Co. gibt. Ich schweife ab - bitte entschuldige. Aber du hattest mich gefragt, ob mir denn die Welt etwa so gefällt wie sie ist. Nun, das steht nicht zur Debatte. Sie ist nun mal wie sie ist, ob mir das nun passt oder nicht. Ich kann sie nicht ändern, die Änderung beginnt bei mir selbst.

Was dein Zitat von Brecht betrifft, so fürchte ich um seine Grabruhe angesichts dieser Interpretation, die exakt das Gegenteil seines Denkens bedeutet. "Andersdenkende sind Nichtdenkende". Aha. Wer weiß, vielleicht steht mir, um das zu verstehen und mit deiner Forderung nach allgemeinem Umdenken in logischen Einklang zu bringen, ja ganz einfach mein Mangel an Bildung im Weg....

Nichts für ungut, ich wünsche dir eine schöne, produktive Woche und viel Erfolg.

Es grüßt dich herzlich
Sabine
 

blackout

Mitglied
Dir, Sabine Sandmann, kann ich nur meinen Avatar empfehlen. Aber vielleicht kannst du mich korrigieren, indem du selbst mal einen guten Text postest.

Gruß, blackout
 
Zuletzt bearbeitet:

Sabine Sanmann

Mitglied
Aber blackout.,,

Was soll ich denn mit deinem Avatar? Ich habe auch gar nicht den Eindruck als wolltest oder könntest du ihn hergeben.
Wie sonst wäre es zu erklären, dass dein Post an die anderen Kommentatoren dermaßen überheblich und unverschämt ausfällt, mit einer kolossalen Selbstüberschätzung, die beinahe schon wieder komisch ist?

Eine gute Kinderstube hast du offenbar entweder nicht genossen oder nichts davon mitgenommen. Das wäre ja nicht weiter wild, wenn du dir nicht ausgerechnet auf die Fahnen geschrieben hättest, diese "kaltherzige Welt" freundlicher zu gestalten. Oder habe ich dein Anliegen da falsch verstanden?

Meine Güte. Ich beneide dich wirklich nicht.

Gute Besserung
Sabine Sanmann ohne "d"
 
G

Gelöschtes Mitglied 20370

Gast
Sabine, eben aus dem Lachen herausgekommen wegen der Wutattacken der Person "blackout", kann ich noch nicht einmal, wie du, gute Besserung wünschen, sondern nur den Kopf schütteln. Fast kommt Trauer in mir hoch ...
Dyrk
 

Thomasius

Mitglied
Liebe Leseluper, und innen, natürlich,

ich kenne dieses Form kaum. Die Kommentare zu diesem Gedicht verwundern mich etwas. Mir fiel auf, dass in all den vielen Wortmeldungen im Grunde nicht auf den Text eingegangen wurde. Ich möchte deshalb ein paar Dinge sagen, die mir an diesem Gedicht auffallen.

Es beginnt mit der Überschrift, die nicht, normal "Anfang und Ende" lautet, sondern "Ende und Anfang". Zusammen mit den Schlussworten "Nicht er, allein wir" ergibt das einen Rahmen, der mich nicht verstehen lässt, wieso in Kommentaren von "larmoyantem Inhalt" gesprochen wird. Wenn ich sage: "Auch mich kotzt einiges an, aber ändern muss ich es selbst und kann nicht auf einen Erlöser warten." dann ist das nicht larmoyant.

Der Autor sagt sogar ausdrücklich, dass sogar der über das Elend empfunde "Schmerz" nicht "vergeblich" ist, sondern notwendiger Teil der Veränderung.

Der Inhalt des Gedichtes, wenn man ihn erkennen will, gefällt mir. Auch die Form finde ich Großteils gelungen. "Liebe und Rosen" ist auch mir zu dick aufgetragen, nur eines der beiden Wort wäre stärker, wobei ich die Rosen behalten würde. In der ersten Strophe klingt mir der Genitiv etwas gestelzt. Nicht optimal empfinde ich, dass die Bilder der ersten Strophe die Einbildungkraft deutlich stärker beschäftigen als die der folgenden. Umgekehrt wäre wohl besser.

Insgesamt ein Gedicht, welches die vorgebrachte Kritik am Autor nicht zu rechtfertigen scheint.

Liebe Grüße
Thomasius
 
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Sabine Sanmann

Mitglied
Nun ja, Dyrk - ich muss schon gestehen, dass ich ein wenig sprachlos bin über dieses Gespenst, das sich offenbar selbst für relevant genug hält, um unbequem zu sein. Mit diesem verzerrten Selbstbild wird ihm allerdings ein "Umgehen" im größeren Stil verwehrt bleiben, im Gegensatz zum Vorbild, dem "Urgespenst" 1848.
 

Oscarchen

Mitglied
Hallo Blackout,
ich freue mich.
Du hast wieder 2 Sternchen.
Ja, da bist wütend.
Wir können uns hier gerne weiter mit geistigen Waffen streiten. Nur scheinst du mir völlig unbewaffnet.
 

Sabine Sanmann

Mitglied
Hallo Thomasius,

das Schöne und Bereichernde an einem Forum wie diesem ist der Meinungsaustausch und die unterschiedlichen Sichtweisen, ich finde das wirklich spannend. Die "Umkehrung" des Titels ist mir zum Beispiel gar nicht aufgefallen. Guter Aspekt!

Dennoch bleibe ich dabei, dass die Suppe aus Blut, Leichengestank, Gier, Hass, zerstörten Menschen, Sprachlosigkeit, Angst, kaltem Herz, Leere, Schmerz und flehenden Bettlern (das meiste davon als Substantiv serviert) zumindest für mich unverdaulich ist. Vielleicht hast du ja recht, wie gesagt - ich erhebe nicht den Anspruch, dass meine Meinung "richtig" ist. Aber um ehrlich zu sein, habe ich nach dem Hauen und Stechen unter der Gürtellinie keine Lust mehr, mich weiter mit diesem Text zu befassen.

Herzliche Grüße
Sabine
 
G

Gelöschtes Mitglied 20370

Gast
Sabine, du hast Recht ... bloß raus hier! Alles Weitere würde einen zweitklassigen Text und eine Person "blackout" über Gebühr aufwerten!
 

blackout

Mitglied
Thomasius, danke für dein Eingehen auf den Text. Du siehst ja, sie versuchen Fehler zu finden, wo keine sind. ich muss sie mit dem Inhalt meines Textes in die Eingeweide getroffen haben. Es ist eben immer der Standpunkt entscheidend. Was aber den Genitiv angeht, so hat er etwas Elegantes, ich mag ihn, er hat heute leider Seltenheitswert. Leider wird heute statt seiner immer mehr der etwas tramplige Dativ gesetzt. Und da wundert man sich, dass ich nach der Schulbildung frage. Ich kann mich sehr gut an eine Livesendung aus Rom anlässlich des Todes des polnischen Papstes erinnern, als der Reporter unschuldig wie ein Säugling in die Kamera blickte und mit Bibber in der Stimme sagte: "All die Menschen hierherum gedenken dem Papst." Wer hat es bemerkt? Wer weiß schon, dass das Verb "gedenken" den Genitiv verlangt? Das scheint die höhere Mathematik der deutschen Sprache zu sein. Außerdem bin ich der Meinung, dass wir Schreibenden die Verpflichtung haben, zumindest die deutsche Sprache zu beherrschen und zu pflegen.

Aber du sprichst die Rosen an. Ich will darauf gern eingehen. Indem ich auf den berühmten Kampf der Frauen in den USA anspiele, die ja, wie ich geschrieben habe, unter der Losung "Brot und Rosen" gegen die Unternehmer angetreten sind (es gibt sogar eine US-Verfilmung dieser Frauenbewegung), bereite ich die Conclusio "Nicht er, allein wir" indirekt vor. Da habe ich einen F'ehler gemacht, denn ich hätte wissen müssen, dass ich bei so manch einem auf Unverständnis stoße, wahrscheinlich bei den meisten. Die Frage Ist: Soll ich mich am niedrigsten Standard orientieren? Aber ich finde es sehr sympathisch, wenn du der Ansicht bist, dass ein Bettler ruhig um Rosen betteln sollte, denn damit drückt er aus, dass er auf seine Menschenwürde nicht verzichtet. Und das war eben auch meine Überlegung, die Rosen in den Text hineinzunehmen, nicht, wie mir unterstellt wird, "Poesie". Aber so wird eben gelesen.

Noch ein Problem: Autoren sind eitel, die meisten jedenfalls. Sie halten ihr Werk für nobelpreisverdächtig, zumindest verlangen sie einen Trostpreis. Und wenn da ein Spielverderber kommt und sagt, das ist Käse, hat der Spielverderber keine Chance mehr bei ihnen. Wobei sich sogar Leute eingemischt haben, von denen ich noch nie etwas gelesen, geschweige Kommentiert habe. Trotzdem, die Diskussion hier ist eine Retourkutsche, alles halb so wild. Ich war's nicht, der ihre Texte schrieb. Für die sind sie selbst verantwortlich. Ich kommentiere nur manch einen von ihnen, nicht gern, aber manchmal ist es sehr nötig.

Gruß, blackout
 
Zuletzt bearbeitet:

blackout

Mitglied
Sabine Sandmann, gestatte noch ein Wort. Dir ist nicht nur der Titel nicht aufgefallen, sondern so manch anderes auch nicht, weil du aus welchem Grund auch immer - wie gesagt, ich habe noch nie einen Text von dir gelesen - auf Fehlersuche warst. Aber um in einem Gedicht einen Fehler zu finden, benötigt man auch eine gewisse Dosis lyrisches Wissen.

Ich freu mich schon auf einen Text von dir, und ich verspreche dir, was gut ist, werde ich als gut kennzeichnen, was nicht so gut ist, lass ich dir zuliebe einfach unter den Tisch fallen. Einverstanden?

Gruß, blackout
 

Tula

Mitglied
Hallo blackout

Die Idee der Rosen mag sogar gut sein, dennoch glaube ich nicht, dass der Text für diesen Bezug einen wirklichen Hinweis gibt.

Deine Absicht in Ehren, der Text wirkt extrem "die Welt ist schlecht" - lastig und verallgemeinernd, allein die mehrfache Benutzung dieses Begriffs (Welt) im Gedicht als Metapher für alles Böse und Schlechte erscheint mir fragwürdig weil verbraucht. Die Menschen sind zerstörte Opfer und AUSSCHLIEßLICH Lyri steht dieser Szene moralisch überlegen gegenüber, mit bebendem Herzen (wolltest du vielleicht nicht so meinen, aber so liest es sich). Verwundernd überhaupt 'die Welt' im Vergleich zu 'den Menschen', Bettlern usw. Wir wissen doch, dass es der Mensch selbst ist, der die Welt schlecht macht. Wen genau also klagst du an?

Wir haben uns hier schon des öfteren über politische Gedichte gestritten. Du willst die Leser aufrütteln? - Gut, aber dazu will er auch nachdenken dürfen bzw. müssen. Stilistische Details sind da eher unerheblich, wichtiger wäre mir auch hier "hinterfragen" statt "verurteilen".

Es bleibt im Abschluss ein Aufruf zum Handeln - Zustimmung! (wann? wenn nicht jetzt, wo? wenn nicht hier ... sang der alte Rio), was allerdings der Resignation in S1 irgendwie entgegensteht.

In dieser Hinsicht mein Versuch einer alternativen Essenz:


beim Anblick jener
die um Brot, Liebe und Rosen flehen

den ewigen Siegen voller Verlierer und
stetigen Gesten ohne Gewinner

hinwegsehen, wie könnte ich es?

kein Schmerzensmann, ans Kreuz genagelt,
wird uns erlösen.

Nicht er, allein wir.



Soweit mein Schlichtungsversuch :)

LG
Tula
 

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