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Garde

Mitglied
Hallo Ciconia,

der Text liest sich für mich ein wenig,wie eine Erklärung, warum eine Frau Kinderlos geblieben ist. Zwischen den Zeilen steckt natürlich viel Schicksal, aber bei dieser Art zu erzählen, bleibt dieses Schicksal vergraben. Der Text liest sich leicht, man fliegt über die Zeilen, wie bei einem Zeitungsbericht. Ein wenig lakonisch, ohne Höhen und Tiefen, wobei die sicherlich vorhanden waren.
Ich weiß nicht so genau, was ich damit anfangen soll, wie ich ihn einordnen soll.

LG
Garde
 
E

eisblume

Gast
Hi Ciconia,

das hier finde ich jetzt von der Struktur her deutlich besser als deine erste Version.

Insgesamt ist es mir aber einfach zu berichtend und daher zu leblos. Wenn das von dir so beabsichtigt war, dann ok. Ist wohl zum einen Geschmackssache, zum anderen liegt es im Ermessen des Autors, wie man sich einer bestimmten Thematik nähert. Ich meine aber, dass der Geschichte ein paar Emotionen und eine erkennbare Grundstimmung gut täten, vor allem auch, da es aus der Ich-Perspektive heraus geschrieben ist und es sich von daher fast schon aufdrängt.
Geschrieben an sich ist es aber ganz ordentlich.

Lieben Gruß
eisblume
 

petrasmiles

Mitglied
Hallo Ciconia,

der erste Absatz führt sehr gut in das Thema ein und eröffnet auch einen Spannungsbogen.
'Was kommt jetzt?', fragt man sich. Eine tragische Geschichte, ein flammendes Bekenntnis, eine 'Rechtfertigung'?
Aber es ist nichts von alledem; eine alltägliche Geschichte, in der der rechte Zeitpunkt irgendwie verpasst wurde, man sich aber doch gut 'arrangierte'. Was man nicht kennt, kann man nicht vermissen.
Dass dann aber gegen Ende dieses Bedauern durchscheint, irritiert mich.
Bis dahin ist die Geschichte ein wenig lapidar, so in etwa, na ja, von nichts kommt nichts, man muss halt die Entscheidung dafür treffen, und wenn man das nicht tat, hat man eben keine Enkel, weil man keine Kinder hatte.

Man kann sehr gut ein Leben ohne Kinder führen, das geschieht, absichtlich und unabsichtlich. Und auch in unabsichtlichen Fällen muss nicht immer Tragik dabei sein.

Ich glaube, was mich an dem Bedauern stört, ist dieses unreife und selbstbezogene. Unreif, weil der letzte Lebensabschnitt im Leben einer Frau an so ein Bedauern verschwendet ist. Da stehen andere Themen zur Bewältigung an. Und selbstbezogen, weil erst die Enkel vermisst werden, also die kleinen Sonnenscheinchen, die man am Ende des Besuches wieder an Erziehungsberechtigte und -verpflichtete abgeben kann.

Vielleicht stört mich aber am allermeisten, dass Deine Protagonistin offensichtlich hinter ihren Entscheidungen nicht stand und der Eindruck ensteht, ihr Leben und ihre Entscheidungen eher oppportunistisch 'im Mitschwimmen' getroffen und gelebt zu haben.
Das wäre allerdings eine besondere Tragik - die aber weder mit Kindern noch Enkeln zu tun hat.

So oder so, aus den möglichen 'Dramen', die sich aus Deiner Einleitung ergeben, hast Du das blasseste gewählt. Da wäre mehr drin - wenn Deine Protagonistin ehrlich zu sich wäre.

Schreiben ist doch nicht wohlgesetzte Worte, berauschende Bilder und korrekte Interpunktion. Schreiben ist, die ungeweinten Tränen sichtbar machen.
Nur Mut!

Liebe Grüße
Petra
 

Ciconia

Mitglied
Danke für Eure ausführlichen Kommentare! Ich erkenne daraus, dass ich auch mit der zweiten Fassung leider nicht das rüberbringen konnte, was mir vorschwebte: Die Darstellung einer kühlen, aber durchaus nicht gefühlskalten Frau, für die Kinder und Familie jahrzehntelang einfach keinen Stellenwert hatten, bis ihr im Alter späte Zweifel kommen, ob sie alles richtig gemacht hat. Da war dieser "lakonische", "leblose" Ton durchaus gewollt!

Bei beiden Versionen scheine ich unterschätzt zu haben, dass mein Thema bei den meisten Menschen (und vor allem Menschinnen) sehr emotionsbeladen ist und die von mir beabsichtigte Darstellung daher für einen Schreib-Anfänger ein schwieriges Unterfangen darstellt.

Ich war der Meinung, es könnte durchaus möglich sein, einen Schwangerschaftsabbruch ohne Emotionen und auch später ohne Reue zu erleben. Da müssen die Lebensentscheidungen nicht unbedingt opportunistisch getroffen worden sein!
Schreiben ist, die ungeweinten Tränen sichtbar machen
Dies ist eine schöne Aussage, und ich würde sie gern in einem anderen Text verwirklichen. Nur für diese Geschichte scheint sie mir nicht zuzutreffen – denn es gibt bei der Protagonistin keine ungeweinten Tränen, nur einen späten Zweifel.
Dass dann aber gegen Ende dieses Bedauern durchscheint, irritiert mich.
Warum irritiert? Ich halte es für selbstverständlich, dass mit dem Verstand (ich will nicht sagen: der Weisheit) des Alters und der Ruhe, die man plötzlich ohne Beruf hat, durchaus vieles neu überdacht wird -
Da stehen andere Themen zur Bewältigung an.
und ich kann mir vorstellen, dass mein Thema durchaus dazugehört.

Meine Erfahrung nach knapp drei Wochen LL: Ich finde es faszinierend, wie unterschiedlich Geschriebenes interpretiert werden kann, und ich würde mich freuen, wenn Ihr Euch auch weiterhin Zeit nehmt, meine Texte zu kommentieren.

Danke und Gruß
Ciconia
 

petrasmiles

Mitglied
Hallo Ciconia,

ja, der Leser bringt immer 'Seins' mit und macht daraus u.U. einen anderen Text. Entgegen anderer Auffassungen bin ich der Ansicht, dass es eigentlich kein 'falsch' und 'richtig' beim Schreiben gibt.

Du hast natürlich Recht, dass auch diese Art des Erlebens von Konsequenzen aus Entscheidung in der Rückblende unter veränderten Lebensumständen ein Thema des letzten Lebensabschnittes ist.

Ich persönlich halte es für einen wichtigen Wert, immer auf der Höhe seiner Entscheidungen zu sein und voll hinter sich stehen zu können, um diesem Bedauern die Nahrung zu entziehen - vielleicht erlebe ich ja noch die Überraschung, dass man sich davor nicht wirklich schützen kann.

Ich freue mich schon auf Deinen nächsten Text.

Liebe Grüße
Petra
 
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