Es war einmal ein Feuerdrachen für Kinder ab 8

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molly

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Es war einmal ein Feuerdrachen

Im Land Dressurien lebte einmal ein großer dunkelgrauer Feuerdrachen. Seine feuerroten Zacken reichten von der Nase bis zur Schwanzspitze. Er herrschte über die hellgrauen Drachen, die lange kein so starkes Feuer spucken konnten. Ihre Rückenzacken sahen rosa aus. Die hellgrauen Drachen mussten dem Großen dienen, die Höhle ausfegen, seine Schuppen bürsten und die Zacken auf dem Rücken pflegen, wenn er in seinem Teich neben der Höhle gebadet hatte. Natürlich waren sie auch für seine Mahlzeiten zuständig. Die fünf hellgrauen Drachen beschäftigten sich den ganzen Tag mit den Wünschen des großen Drachens. Abends verschwand er in seiner Höhle, dann legten sich die Hellgrauen schnell noch in die Abendsonne, damit das kleine Feuer in ihnen nicht ganz erlosch.

Wenn der Feuerdrache spürte, dass seine Kraft nachließ, flog er zum Vulkan, tankte Hitze auf und fühlte sich danach stark und unbesiegbar. Einmal flog ein hellgrauer Drache zum Vulkan, holte sich Feuer und kehrte voll Freude zu seinen Kameraden zurück. Doch als der Große die roten Zacken des Hellgrauen bemerkte, spuckte er wütend eine riesige Flamme in die Luft, packte den Hellgrauen und warf ihn in den Teich. Sofort verlor der sein Feuer und die Zacken wurden weiß.

Eines Tages lag der dunkelgraue Drache vor der Höhle und schaute angestrengt nach vorne.
„He, ihr Grauen, kann mir einer sagen, was da in weiter Ferne blau schimmert und glitzert?“
„Das ist das Meer“, antwortete einer.
„Wie ist das Meer, kalt oder warm?“
„Warm“, sagte ein anderer.
„Da will ich hin, ein Meer habe ich mir schon lange gewünscht.“
„Das geht nicht, das ist zu weit entfernt“, riefen alle zusammen.
„Na und? Ich kann doch fliegen und sehr schnell laufen. Schon vergessen?“
„Nein, das wissend wir. Aber zwischen unserem Land und dem Meer liegt das Land der Walddrachen. Da musst du erst fragen, ob du durchreisen darfst“, gab der älteste der Grauen zu bedenken. Zuerst verlor der Dunkelgraue für einen Moment seine Farbe, dann spuckte er eine Riesenflamme in die Luft und fegte mit seinem Schwanz die kleine Schar der hellgrauen Drachen in den Teich.
„Ich reise“, sagte der Drache, „und ihr passt auf, dass hier in meinem Land alles bestens geordnet bleibt. Wenn ich fort bin, dürft ihr aus dem Teich aussteigen. Doch wagt es nicht, zum Vulkan zu gehen.“
Der große dunkelgraue Drachen flog zuerst zum Vulkan, um sich noch einmal schweres Feuer zu hohlen.

Kaum war der Große fort, stieg der älteste hellgraue Drachen aus dem Wasser und hüpften zur Grenze.
„He, ihr Wald- Drachen, unser großer Drache reist ans Meer, passt gut auf euch auf!“
Diese Botschaft erschreckte die grünen Drachen so sehr, dass der Älteste zu seinen Nachbarn, den senfgelben Drachen, marschierte. Diese hatten keine Zacken auf dem Rücken, sondern rote Stoppel, aber sie besaßen die Kraft, Feuer zu spucken. Der Wald-Drachen erzählte den Stoppeldrachen, was der Dunkelgraue vorhatte.

Der größte Stoppeldrachen sagte: „Das ist sehr böse von dem Drachen. Wir stehen hinter euch.“
„Warum stellt ihr euch nicht vor uns und schütz uns mit eurem Feuer?“
„Das dürfen wir nicht, der Böse kommt dann auch zu uns, aber wir verurteilen, was er macht und auch, wie er mit seinen hellgrauen Drachen umgeht.“
In dem Moment hörten sie ein gewaltiges Zischen und Prasseln, sie sahen in der Ferne einen riesigen Feuerschein und rochen den Rauch.
Der grüne Drachen legte sich auf den Boden, vergrub sein Gesicht zwischen den Vorderbeinen und weinte leise.
Da setzte sich ein kleiner Stoppeldrachen vor ihn.

„Ich habe etwas für dich“, flüsterte er und reichte ihm ein kleines Bündel.
„Was ist das?“
„Schaschlikspieße! Die habe ich heute geschenkt bekommen, vielleicht kannst du die brauchen“, antwortete der senfgelbe Stoppeldrachen.
Der grüne Drachen nahm sie, bedankte sich und eilte davon. Unterwegs sah er, dass der große dunkelgraue Feuerdrachen eine Straße aus Staub und Asche hinter sich gelassen hatte. Er steckte die Schaschlikspieße in die verbrannte Erde und ging danach zu seinem grünen Drachenvolk.

Inzwischen war der große dunkelgraue Drache am Meer angekommen. Hier gefiel es ihm sehr gut, er kühlte seine Füße im warmen Wasser, setzte sich danach in den Sand, um sich von der Reise auszuruhen. Durch sein Stampfen hatte er die Wasserdrachen aufgeschreckt, die ihn nun beobachteten.
Am nächsten Morgen wachte der Dunkelgraue früh auf und legte sich in die Sonne. Nachdem er seinen Feuertank aufgefüllt hatte, ging er durstig zum Wasser. Er senkte den Kopf hinein und fuhr schreiend wieder hoch. Etwas hatte ihm seinen großen Zacken an der Nase verletzt. Vor Wut und Schmerz spuckte er Feuer aufs Wasser, doch nur ein kleines Dampfwölkchen spritzte hoch. Die Wasserdrachen waren tief hinuntergetaucht, ohne dass der Dunkelgraue sie bemerkt hatte.

Die Sonne allein schaffte es nicht, dem Dunkelgrauen das nötige Feuer zu geben. Er musste noch einmal zurück. Doch das war nun sein Land, sein Meer und er würde es nie wieder hergeben. Seine hellgrauen Drachen würden am Meer mit dem Holz der grünen Drachen eine Feuersstelle unterhalten. Danach würde er den Übeltäter finden, der seine Nasenzacke verletzt hatte. Er hob seine Flügel und flog davon. Seine Kraft reichte nicht für den ganzen Weg, er landete sacht in der Asche und marschierte zu Fuß weiter. Nach zehn Schritten schrie er laut auf. In seinem Fuß steckte ein kleiner Spieß, den der grüne Drachen mit der Spitze nach oben vergraben hatte. Noch drei Mal trat er auf einen Spieß und schwer verletzt humpelte er bis zu seiner Höhle. Die grauen Drachen kümmerten sich um seine Füße, legten heilende Blätter darauf und der dunkelgraue Drachen ging zu seiner Höhle.
„Ich möchte jetzt nur schlafen, wehe, ich werde gestört“, sagte er zu seinen grauen Drachen, und warf den hellgrauen Drachen, der ihm gerade im Weg stand, in den Teich.

Die hellgrauen Drachen warteten, bis der dunkelgraue fest schlief. Dann begannen sie mit ihrer Arbeit, rollten Steine vor den Höhleneingang, türmten einen ganzen Berg davor auf und dieWald- Drachen brachten Baumstämme, die sie gegen die Steine legten. Einen kleinen Spalt ließen sie offen. Dadurch konnte er in der Ferne das Meer sehen. Bis auf den größten der hellgrauen Drachen verließen alle die Gegend. Zwei Wochen lang würde er dem nun feuerlosen Drachen Wasser und Fressen durch die Lucke schieben, danach käme der nächste graue Drachen, um ihn abzulösen. Er atmete tief auf. Nie wieder würde ein hellgrauer Drachen in den Teich geworfen, nie wieder konnte der dunkelgraue Drachen ein fremdes Land verbrennen. Doch alle Drachen durften sich am Vulkan Kraft und Feuer holen. (c)
 
Zuletzt bearbeitet:

Alex.ey

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Hey molly, eine sehr fantasievolle Geschichte , sehr schön geschrieben. Definitiv eine sehr schöne Kindergeschichte
 

molly

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Vielen Dank, Alex.ey für Dein freundliches Echo und Dir, Veral und Inge danke für die Sterne.

Angenehme Sommertage wünscht euch
molly
 

ahorn

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Hubs, kann man die Bewertung nicht mehr kommentieren? :rolleyes:

Hallo molly,

gern gelesen. Ich schließe mich den Vorrednern an, allerdings würde ich den Text, wenn für Kinder 10/11, als Grundschul-Lese-Üb-Text einstufen, denn diese Altersklasse - trifft nicht auf alle zu - liest bereits 'warrior cats' oder 'Harry Potter'. ;)

Liebe Grüße
Ahorn
 

molly

Mitglied
Lieber Ahorn,

vielen Dank für Deine Rückmeldung. Guter Tip: ich werde die Altersstufe etwas zurück stellen lassen. "Harry" habe ich noch immer nicht gelesen.:oops:
Ein angenehmes Wochenende wünsche ich Dir.
Liebe Grüße
molly
 



 
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