Film aus Belgien: Mixed Kebab

5,00 Stern(e) 1 Stimme
2012 drehte der Belgier Guy Lee Thys diesen Film, der angesichts der jüngsten Entwicklung in seinem Land nun verstärktes Interesse auf sich ziehen kann.

Die Handlung: Ibrahim – oder flämisch: Bram – (Cem Akkanat) ist ein junger Mann aus Antwerpen mit türkischen Eltern. Er bringt sich als Halbtagskellner und Gelegenheitsdealer so eben durch. Seine Homosexualität ist sowohl der Mutter wie auch den Geschwistern bekannt, vor dem Vater wird sie geheim gehalten. Ibrahim wird genötigt, nach Anatolien zu fliegen, um eine von der Familie arrangierte Hochzeit mit einer Kusine vorzubereiten. Auf die Reise nimmt er seinen neuen flämischen Freund Kevin (Simon Van Buyten) mit. Zwangsläufig endet das Heiratsprojekt mit einem Fiasko. Parallel dazu hat sich der jüngere Sohn Furkan (Lukas De Wolf) einer religiös-fundamentalistischen Gruppe angeschlossen. Die Spannungen innerhalb wie außerhalb der Familie nehmen immer mehr zu, bis es zu einer Gewalttat mit beinahe tödlichem Ausgang kommt. Die Familie rückt in der Krise zusammen – ob in Zukunft an Ibrahims Seite Platz für Kevin sein wird, bleibt fraglich.

Wie wird dieser Stoff umgesetzt? Man kann dem Werk gute Fernsehspielqualität zuerkennen, mehr nicht. Die Handlung ist überladen mit Details, die Spannung erzeugen oder sie aufrechterhalten sollen. Dabei wirkt nicht Weniges davon wie aus dem Musterbaukasten der Fernsehspielästhetik, ist im Ablauf vorhersehbar. Personen wie Situationen neigen zum Plakativen, sind oft überzeichnet. Besonders gilt dies für den in der Türkei spielenden Mittelteil. Ibrahims anatolische Verwandtschaft wie die weiteren Akteure dort sind durchweg unsympathisch. Dagegen erscheinen die flämischen Protagonisten – Kevin und seine Mutter – allzu bieder. Die Kameraführung vermittelt die Atmosphäre der diversen Schauplätze gut, doch cineastisch Aufregendes hat sie nicht zu bieten. Was den Film dennoch rettet, ist Cem Akkanats hervorragendes Spiel. Leider mutet ihm das Drehbuch kurz vor Filmende noch eine unglaubwürdige innere Krise zu.

Jenseits des Künstlerischen hat der Film aktuell beträchtlichen dokumentarischen Wert. Er dringt trotz seiner Neigung zu Schablonen tief in die Struktur und die Widersprüche einer türkischen Großfamilie in Westeuropa ein. Und: Er thematisiert bereits die religiös-fundamentalistische Parallelwelt in Belgiens Großstädten, ihre Strategien und Taktiken, ihre Attraktivität für junge muslimische Männer. Vor allem unter diesem Aspekt stellt der Rezensent den Film jetzt hier vor.
 

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