Frau vorm Spiegel

blackout

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Schon Licht im Zimmer, und die Frau erwacht.
Sie fühlt sich nicht. Und eilt sogleich ins Bad.
Was hat bloß dieser Traum mit ihr gemacht -
dass man sogar im Schlaf noch Ärger hat!

Sie hat geträumt, sie sei jetzt alt und grau,
mit Buckel, und kein Mann sieht sie mehr an.
Noch ist sie ja, das weiß sie sehr genau,
nicht alt, und sie gefällt noch jedem Mann!

Im Spiegel prüft sie das Gesicht, die Haut.
Besichtigt sich dann mal von Kopf bis Zeh.
Vielleicht die Hände? Gleich mal angeschaut!
Die Nagelfarbe stimmt, die ist okay.

Und vor zwei Wochen war sie beim Friseur.
Sie greift sich in das Haar: Sitzt doch ganz gut!
Und noch nicht grau - das wäre ein Malheur!
In Ordnung, sagt sie sich dann resolut.

Und die Figur? Doch immer noch perfekt!
Wenn sie da an die andern Frauen denkt –
da ist doch so ein Mann gleich abgeschreckt!
Als hätte Gott ihr die Figur geschenkt!

O ja, sie ist noch schön wie – wie hieß die gleich?
Dass sie den Namen auch vergessen muss,
na, die im Fernsehn neulich, superreich …
Sie seufzt. Und gibt dem Spiegel einen Kuss.
 

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