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Frauen nicht auf ihre Mutterrolle festlegen - eine Intervention

Rezension zu:

Elisabeth Badinter, Der Konflikt. Die Frau und die Mutter, DTV 2012, ISBN 978-3-423-34691-7

Dieses Buch ist der verzweifelte Versuch einer in Frankreich berühmten Wissenschaftlerin und Feministin gegen eine Entwicklung anzuschreiben, die sie mit Sorge erfüllt. War Frankreich, auch durch den Einfluss von Frauen wie Elisabeth Badinter und einen anderen kulturellen Hintergrund über lange Zeit geradezu das Paradebeispiel für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen mit einer entsprechend hohen Geburtenrate, scheint sich eine Entwicklung anzubahnen, die das Rad zurückdreht. Es ist das Bild der "guten Mutter", das Badinter beschreibt und kritisiert und das sie in einem Interview so definiert:
"Die 'gute Mutter' kehrt zu den Ursprüngen zurück, sie lehnt Wegwerfwindeln und Babynahrung in Gläschen ab, sie stillt lange, sie arbeitet nicht, sie kümmert sich ausschließlich um ihr Kind."

Der Druck, den dieser Trend auf viele Frauen in Frankreich ausübt, ist enorm, die meisten können sich dem kaum entziehen. Zwei Faktoren benennt Badinter als Auslöser und Motor dieser für sie beklagenswerten Entwicklung, die die Frauen wieder auf die reine Mutterrolle zurückwirft, so als ob man nicht schon viel weiter gewesen wäre: Die Wirtschaftskrise und die Ökobewegung. Durch die Krise sind viele Arbeitsverhältnisse prekär und schlecht bezahlt geworden, und die Ökobewegung mit ihrem Trend zurück zur Natur erfordert viel häusliche Arbeit statt fertig produzierter Produkte vor allem für die Ernährung der kleinen Kinder.

Doch auch unabhängig davon beklagt sie die Tatsache, dass die materielle Unabhängigkeit von Frauen, die ihrer Generation so wichtig war und für die sie gekämpft haben, immer mehr jungen Frauen nicht mehr wichtig ist. Ohne Not reklamieren sie ihre Rolle als Mutter, und drängen damit diejenigen, die nach wie vor von Anfang an Beruf und Familie miteinander verbinden wollen, zunehmend in die Rolle von Rabenmüttern.

Badinter setzt sich ausführlich mit den verschiedenen Modellen und Mustern von "Mutterschaft" auseinander und fordert, vollkommen zu Recht, eine stärkere Einbeziehung der Väter.
Im Hinblick auf die demographische Entwicklung in Deutschland sagt sie in dem schon erwähnten Interview:
"Langfristig kann kein Land eine rückläufige Demographie hinnehmen. Deutschland kann nicht akzeptieren, dass es auf lange Sicht verschwindet, auch wenn uns das jetzt sehr weit entfernt scheint. Ich bin mir sicher, dass sich der Blick auf das Mutterbild wandeln wird, dass die politisch Verantwortlichen daran arbeiten werden. Kurioserweise scheint Frankreich den entgegengesetzten Pfad zu beschreiten."

Entwicklungen, auch soziale, laufen nie linear, sondern in Wellenbewegungen. Deshalb bin ich mir nicht sicher, welche Entwicklung die Debatte und vor allen Dingen die tatsächlichen Entscheidungen der Menschen in der nächsten Zeit bei uns nehmen werden.

Ein Buch, das vehement dafür plädiert, Frauen nicht auf ihre Mutterrolle festzulegen und ihnen die freie Wahl für ihr Leben zu überlassen.
 

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