Gaudi, eingezäunt

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A

aligaga

Gast
Die Metrik von Musikstücken und von Gedichten ist nicht beliebig und nicht von der Willkür eines Publikumsgeschmackes abhängig, sondern folgt, wie das Kleine und das Große Einmaleins, den Naturgesetzen.

Eine Gleichung ist nur dann eine, wenn sie aufgeht. Wenn sie nicht aufgeht, nennt man sie eine Ungleichung. Sind Verse im Ungleichgewicht wie hier, stürzen sie ab und erzeugen beim Vortrag Misstöne.

Mag sein, dass so etwas jemandem gefällt. Richtungsweisend ist das aber ganz gewiss nicht. In der Schul' würde der in Rede stehende Patzer knallrot angestrichen werden.

Quietschvergnügt

aligaga
 

Zeder

Administrator
Teammitglied
Voraussetzung ist allerdings, dass Bavaria dreisilbig (Bavarja) gesprochen wird, dann bleiben wir im Metrum.
Hallo Ciconia,

genau so ist es, wenn der Text vorgelesen wird: Bavaria ist dann dreisilbig.

Viele Grüße von Zeder
 

Udogi-Sela

Mitglied
Bavari... AAHHH, die!

Hallo Ciconia,

schreib' doch:

selbst Bavari... senkt den Kranz...

Bavaria ist ja angesichts des Trubels etwas sprachlos.
Ihr fehlen die Worte, naja, in dem Fall ein Buchstabe, der einer Silbe gleichkommt.
Man weiß ja, wer gemeint ist und die Diskussion über Jamben, Trachäen und dergleichen Silbengedöns hat sich erledigt...

Gruß
Udogi
 
A

aligaga

Gast
Bavarja? ...*ächz* ...

Ludwig I, Klenze und Schwanthaler würden sich alle drei im Grabe umdrehn ob dieses Gestammels.

Bavarnein!

Amüsiert

aligaga
 
Gedanken der Bavaria:

„ Ich habe ganz müde meinen Kranz gesenkt, da mir der Trubel nicht gefällt. Wenn das müde wegfällt, hört es sich an, als ob ich vor lauter Hochachtung meinen Kranz gesenkt hätte, wie wenn man vor irgendetwas den Hut zieht.
Außerdem bin ich sehr enttäuscht, dass man mich Bavarja nennt. Hört mal das Naabtal-Duo an. Laut und deutlich singen sie von „Patrona Bavariae.“

https://www.youtube.com/watch?v=xdbPdGqjZGM

Eure enttäuschte Bavaria
 

Penelopeia

Mitglied
Sprechfluss, ungestörter

Selbst Bavaria senkt den Kranz

Zählt man stupide die Silben und meint auch, man müsse jede erste Silbe stark und jede zweite schwach betonen, um dem Trochäus Genüge zu leisten, stolpert man natürlich in den von "o @Ali" beschworenen "Orchestergraben", in dem angeblich Pegasus mit gebrochenen Flügeln auf erste Hilfe wartet.
Zum Glück verhält es sich mit dem normalen Sprechen doch ein wenig anders: Trotz der nicht stimmigen Silbenzahl kommt keine Störung im Sprechfluss zustande. Warum? Ich denke, es liegt einfach daran, dass die vier Silben von "Bavaria" mehr oder weniger zu drei zusammengezogen werden, ohne dass das "i" völlig mit dem "a" verschmilzt bzw. zum „ja“ mutiert. Der Grund dürfte in der „Taktbeschleunigung“ bei Silbe drei und vier liegen.
Ich muss also Ciconia recht geben.
Allgemein fällt mir immer wieder auf: viele halten sich sehr an einer Silbenzahl oder einem vorgegebenen Betonungsschema auf, blenden aber den natürlichen Sprechfluss aus. Wenn ich o@Ali mal einen Tipp geben darf (vermutlich umsonst): lese der sich doch einmal ein paar Gedichte von Ringelnatz - oder auch Heine! - durch und zähle die Silben. Und wundere sich vielleicht...

P.
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Marie-Luise,

es allen recht zu machen, ist nicht nur in der Leselupe unmöglich. Du siehst an diesen (teilweise ausufernden) Diskussionen, dass man es so oder so sehen kann.
Wenn das müde wegfällt, hört es sich an, als ob ich vor lauter Hochachtung meinen Kranz gesenkt hätte, wie wenn man vor irgendetwas den Hut zieht.
Diese Ansicht kann ich allerdings nicht teilen, denn genau das Gegenteil ist für mich der Fall.
Das wichtigste Attribut der Bavaria bleibt jedoch der Eichenkranz in ihrer linken Hand. Der Kranz bedeutet eine Ehrengabe für diejenigen, deren Büsten im Inneren der Ruhmeshalle aufgestellt werden sollten. (Wikipedia)
Wenn die Bavaria nun ihren Kranz senkt, bedeutet dies für mich, dass selbst sie in diesen Tagen resigniert hat. Aber ich glaube, weitere Diskussionen über diese eine Zeile führen zu nichts.

Schade, dass Du so enttäuscht bist.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Penelopeia,

ich danke auch Dir für Deine Beschäftigung mit diesem Gedicht (und freue mich natürlich, dass Du mir Recht gibst). ;)

Gruß Ciconia
 

lapismont

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ist wahrscheinlich sehr Dialekt abhängig.
Germanja kann ich dreisilbig nachvollziehen. Bavarja kann ich ohne Zungen- bzw. Rachenbrecherei nicht flüssig sprechen.
Gerade wenn ich die betreffende Strophe laut lese, komme ich ins Stolpern.
 
A

aligaga

Gast
Unabhängig von der falschen Aussprache eines Eigennamens - in der ursprünglich angebotenen Form hätte man die Patrona Bavarjäh aussprechen können, wie man wollte, den Stolperer hätte man damit ja nicht beseitigt.

Das ist ein wenig unter den Tisch gefallen, inzwischen. Ali holt's wieder rauf und fügt dem Vorwurf, er sei ein Silben-Fetischist, vergnügt hinzu, dass manche Dinge durch eine Winzigkeit, nur durch ein winziges Löchlein, unbrauchbar werden: eine Fahrkarte, ein Luftballon oder ein Gedicht, dem man den 2/4-Takt mit einem alleinstehenden dritten Viertel das Lebenslicht ausbläst. Ihm ist kein Reimgedicht von Ringelnatz oder Heine geläufig, in dem ein solcher Fehler gemacht worden wäre. Die Jungs waren nie einsilbig, sondern haben, wenn's nötig war, die Verse um Silbenpaare erweitert. Das geht immer. Oder Jamben mit Päuschen davor. Das geht auch. Jedenfalls störte es den Kammersänger nicht beim Vortrag.

In einen Foxtrot passt nun mal kein solitärer Walzertakt. Es sei denn, er wäre Bestandteil eines Schemas. Wie bei "Take Five" oder dem Bayerischen "Zwiefachen".

Heiter, sehr sehr heiter

aligaga
 

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