Gelebtes oder Gelerntes - Gedachtes oder Gelebtes

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Gedankenspiele zu Sein und Bewusstsein – Bewusstsein und Sein


2012 starben in Deutschland 1450 Menschen durch Heroinmißbrauch

2010 starben auf Deutschlands Straßen 3648 Menschen. 1990 waren es 11.000.

Wie schaut ein Dompteur auf einen Tiger, wie ein Konzertpianist ?

Was löst der Regentag beim Sonnenbrillenverkäufer aus im Vergleich zu seinem Kollegen, der sein Geld mit dem Verkauf von Regenschirmen macht?



Die einen lernen, lernen, lernen - Stoffe. Irgendwann bekommen sie ein Zertifikat in Hand, in dem ihnen bescheinigt wird, dass sie erfolgreich gelernt haben. Nebenbei versuchen sie ein Leben zu bauen, ein Haus zu bauen, eine Beziehung zu bauen, Kinder zu bauen. Sie leben physisch. Gelernt haben sie ja schon.

Die anderen denken, denken, denken. Sie denken und hinterfragen und sie finden Antworten. Antworten auf das Leben. Ihr Denken bringt sie auf neue Ebenen, sie erkennen das Leben, sie wissen genau, wie Leben funktioniert. Sie denken das Leben, sie leben es nicht. Ihr physisches Leben hat für sie keinen Wert, ja verwirrt sie oft und macht ihnen Angst. Immanuel Kant hatte keine Familie, Frauen spielten in seinem Leben keine Rolle. Und über seine Geburtsstadt Königsberg kam er nie mehr als hundert Kilometer hinaus.

Es gibt ein Leben in uns und es gibt ein Leben um uns. Der Blick auf das Leben um uns beeinflusst das Leben in uns. Marx sagt, das Sein bestimmt das Bewusstsein. Das gilt umgekehrt dann auch. Da es aber weder ein objektivierbares Sein, noch ein objektivierbares Bewusstsein gibt - was beeinflusst die Masse mehr?


Nur philosophieren verstellt den Blick auf das Leben um uns. Kein philosophieren verstellt den Blick auf das Leben in uns.

Da wo nur gedacht wird existieren Ur-Ängste. Da wo nicht gedacht wird existieren Ur-Ängste.
 
D

Dominik Klama

Gast
Marx: "Das Sein bestimmt das Bewusstsein."
Schreibensdochauf: "Das gilt umgekehrt dann auch."

Logisch ist das ein Fehler.
"Der Herr bestimmt, was der Slave tut."
"Also bestimmt auch der Sklave, was der Herr tut."
Das ist nicht logisch. Logisch ist nur: "Der Sklave tut, was der Herr bestimmt."

Dass das Bewusstsein das Sein aber sehr wohl bestimmt, sagen uns eben andere Leute als Marx, zum Beispiel die philosophische Schule des "Konstruktivismus" oder etliche Biologen.

Der Einstieg mit den statistischen Zahlen ist meines Erachtens sehr verwirrend. Nachdem von Drogen- und Verkehrstoten zu lesen war, erwartet man einen ganz anderen Text als den, der dann kommt.

Die Verwirrung wird noch gesteigert, weil bei der einen Zahl steht, wie sie sich in 20 Jahren verändert hat, bei der anderen aber nicht. Man fängt daher unwillkürlich an nachzudenken: Was mag die Verkehrstotenzahl so stark reduziert haben und was könnten wir daraus lernen, um die Zahl der Drogentoten zu verringern?

Ich weiß selbst jetzt noch nicht, was diese Zahlen mir eigentlich sagen sollten. Ich tippe darauf, in etwa dieses:
1. Zahl der Herointoten. Au Mann, was für eine hohe Zahl! Wie schrecklich! Was für ein Problem!
2. Zahl der Verkehrstoten. Na ja. Weiß man ja, dass im Verkehr immer jemand stirbt. Ist aber höher als die Zahl der Herointoten. Möglicherweise ist die Zahl der Herointoten also doch gar nicht so schlimm, wie ich vorher dachte.
Andererseits nehmen aber viel weniger Leute Heroin als teil am Straßenverkehr. Also, vielleicht ist die Drogentotenzahl ja noch viel brutaler, als ich dachte.

Solche Spielchen kann man auch gut machen, wenn man die Zahl der Aidstoten nennt. Und dann die Zahl der Diabetes-Toten und der Übergewichttoten.
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Meine Probleme mit der Textstruktur:
* Ich versteh (auch) nicht, was die so fett an den Eingang gestellten Dinge mit dem Thema zu tun haben.
* Eine Überschrift sollte bei einem so kurzen Text eigentlich reichen. Wenn sie dann auch noch kurz wäre, wäre das toll ;)
* Unglücklich empfinde ich, dass bei der einen Gruppe verallgemeinert, bei der zweiten ein konkreter Vertreter genannt wird.

Meine Probleme mit der Glaubwürdigkeit/Wirksamkeit der Aussagen:
* Das falsch umgedrehte Marxzitat hat Dominik schon angemerkt.
* Wieso gibt es kein objektivierbares Sein? Es gibt kein "statisches" Sein. Und man kann ein Sein unterschiedlich werten (sind es viele Kinder?). Aber es ist in einem bestimmten Moment, wie es ist (es sind x Kinder).
* Bei Bewusstsein ist es ähnlich, oder? Es gibt sicher einen momentanen, objektiv existierenden Zustand, uns fehlt "nur" die Möglichkeit, diesen Zustand umfassend objektiv zu erfassen.
* „Sie leben physisch. Gelernt haben sie ja schon.“ Ich versteh, was du meinst, aber sprachlich wird hier etwas gegeneinander gestellt, was miteinander „nichts“ zu tun hat – das Lernen und das Leben. Der eigentliche Gegensatz wäre eventuell „physisch leben - psychisch leben" (wobei sie natürlich auch psychisch leben, denn sie hören ja z. B. nicht auf zu fühlen) oder noch eher „lernen – Gelerntes nur noch umsetzen"
* „Da es aber weder ein objektivierbares Sein, noch ein objektivierbares Bewusstsein gibt - was beeinflusst die Masse mehr?“ Versteh ich nicht. „Was von zwei nichtexistierenden Dingen hat mehr Einfluss?" empfinde ich als nicht sehr sinnvolle Frage. (Es ist ja nicht gemeint, welche Idee von von zwei nichtexistierenden Dingen mehr Einfluss hat. Also ob z.B. Godzilla oder Nessie mehr bewirkt.)
* Da wo „ein bisschen“ gedacht wird, existieren auch Ur-Ängste. Was soll dieser Satz also an Denkerei anstoßen?

(PS: Das Marx-Zitat deutet es schon an: Die „Masse“ wird stärker durch das Sein geprägt, schon weil dieses „Sein“ eben viel mehr umfasst als der im Text genannte grundsätzliche Lebensansatz.)


Tippfehler:

Irgendwann bekommen sie ein Zertifikat in Hand, in dem ihnen bescheinigt wird, dass sie erfolgreich gelernt haben.
in die Hand

Nur philosophieren verstellt den Blick auf das Leben um uns. Kein philosophieren verstellt den Blick auf das Leben in uns.
Das erste „philosophieren" kann klein geschrieben sein, das zweite muss groß geschrieben werden.

Da wo nur gedacht wird existieren Ur-Ängste. Da wo nicht gedacht wird existieren Ur-Ängste.
Kommas jedweils nach „gedacht wird"
 
Gedankenspiele zu Sein und Bewusstsein – Bewusstsein und Sein


2012 starben in Deutschland 1450 Menschen durch Heroinmißbrauch

2010 starben auf Deutschlands Straßen 3648 Menschen. 1990 waren es 11.000.

Wie schaut ein Dompteur auf einen Tiger, wie ein Konzertpianist ?

Was löst der Regentag beim Sonnenbrillenverkäufer aus im Vergleich zu seinem Kollegen, der sein Geld mit dem Verkauf von Regenschirmen macht?



Die einen lernen, lernen, lernen - Stoffe. Irgendwann bekommen sie ein Zertifikat in die Hand, in dem ihnen bescheinigt wird, dass sie erfolgreich gelernt haben. Nebenbei versuchen sie ein Leben zu bauen, ein Haus zu bauen, eine Beziehung zu bauen, Kinder zu bauen. Sie leben leer. Gelernt haben sie ja schon.

Die anderen denken, denken, denken. Sie denken und hinterfragen und sie finden Antworten. Antworten auf das Leben. Ihr Denken bringt sie auf neue Ebenen, sie erkennen das Leben, sie wissen genau, wie Leben funktioniert. Sie denken das Leben, sie leben es nicht. Ihr stoffliches Leben hat für sie keinen Wert, ja verwirrt sie oft und macht ihnen Angst. Immanuel Kant hatte keine Familie, Frauen spielten in seinem Leben keine Rolle. Und über seine Geburtsstadt Königsberg kam er nie mehr als hundert Kilometer hinaus.

Es gibt ein Leben in uns und es gibt ein Leben um uns. Der Blick auf das Leben um uns beeinflusst das Leben in uns. Marx sagt, das Sein bestimmt das Bewusstsein. Ich will so sagen, das kollektive Sein bestimmt das individuelle Bewusstsein. Das kollektive Bewusstsein bestimmt wiederum das individuelle Sein.


Nur philosophieren verstellt den Blick auf das Leben um uns. Kein Philosophieren verstellt den Blick auf das Leben in uns.

Wer nur denkt, ist in Ur-Ängsten gefangen. Wer nicht denkt, ist in Ur-Ängsten gefangen.
 
Dominik und Jon

Danke für Euer Bemühen. Ich bin mal über den Text gegangen, inhaltlich. Zu Eurer Frage, das Fettgedruckte im Einstieg. Das ist ein Spiel zum aufwärmen, nach dem Motto: Gleiches wird aber sowas von ungleich wahrgenommen, je nach persönlichem Hintergrund, also eigentlich nur ein "warm up". Das Du Dich auf die falsche Spur geführt fühlst Dominik, ist natürlich doof. Vielleicht hilft die Erklärung. Diese Einstiege sind für mich wie Fingerübungen, um selbst sozusagen ins Thema reinzukommen.

Gruß
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Den Marx-Absatz finde ich jetzt viel verständlicher
Ich würde allerdings mit Doppelpunkt arbeiten, dabei bleiben die beiden hinteren Sätze als Zusammenhang bestehen: "Ich will (es) so sagen: Das kollektive Sein bestimmt das individuelle Bewusstsein. Das kollektive Bewusstsein bestimmt wiederum das individuelle Sein."
 

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