Herr Sander (Zweiter und letzter Teil)

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CPMan

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Venedig, 1962. Ich bin eine italienische cameriera, ein Zimmermädchen, und arbeite im Hotel Moresco. Ich trage ein traditionelles Kostüm, ein schwarzes Kleid mit weißem Saum und einer weißen Schürze aus hochwertiger Spitze. Mein langes, schwarzes Haar habe ich zu einer Hochsteckfrisur drapiert. Selbstvergessen putze ich, eine italienische Melodie pfeifend, das Schlafzimmer. Plötzlich geht die Tür auf.
Buon giorno“, sagt Herr Sander mit deutschem Akzent.
Scusi tanto“, sage ich sogleich, verschreckt und verschüchtert. Herr Sander fixiert mich mit seinen Augen. Er trägt eine dunkelblaue Hose, dazu ein weißes Hemd, der Kragen ist offen. Sein Blick durchdringt mich, wie ein schleichender Panther bewegt er sich auf mich zu. Ich bin erstarrt, in mir spüre ich eine schöne Angst und ein wohliges Kribbeln. Als er ganz nah bei mir ist, hebt er die Hand und fasst mir sachte ans Kinn. Er will, dass ich ihn angucke. Ich schaue zu ihm hoch und schlage unbewusst die Augen auf. Durch das Fenster weht ein schwacher Lufthauch in das heiße Zimmer. Ein schwülwarmer Tag. Aus der Ferne hört man den Glockenschlag vom Campanile di San Marco. Ich vernehme das Geräusch von aufgeschreckten Tauben, die sich mit einem hastigen Flügelschlag fortbewegen. Auch ich verspüre einen Fluchtinstinkt, bleibe aber wie angewurzelt stehen.

Herr Sander schlägt mit seiner rechten Hand eine Schneise in meine Bluse, greift in den leichten Büstenhalter und ertastet meinen schweren Busen. Er nimmt die linke Hand zu Hilfe und öffnet mit sinnlicher Langsamkeit die Knöpfe meines Kleides. Er zieht mich aus, geduldig und gierig zugleich, er hilft mir aus dem Kleid, entledigt mich meiner Unterwäsche und führt mich zum großen Spiegel vor dem Doppelbett. Er positioniert mich so, dass ich ihn und mich im Spiegel beobachten kann. Ich bin fast vollständig entkleidet, trage nur noch die schwarzen Stiefeletten und die halbtransparente Damenstrumpfhose. Herr Sander lächelt mich über den Spiegel an, seine rechte Hand umfasst wieder meinen Busen. So stehen wir da, ich fast nackt, er noch angekleidet. Seine linke Hand hält meinen rechten Oberarm, übt einen leichten Druck aus, der sagt: Du kannst gehen, aber ich wünsche mir, dass du bleibst. Seine rechte Hand lässt von meinem Busen ab, erkundet begierig den Rest meines Körpers. Wir betrachten uns beide im Spiegel, als wären wir Fremde, die Fremden beim Liebesspiel zuschauen.

Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit, dreht Herr Sander mich wieder zu sich hin, schaut mir in die Augen und küsst mich. Dann wirft er mich aufs Bett und ich verliere mich augenblicklich in der Intensität der Gefühle.

Als ich aus dem Höhepunkt erwache, liege ich alleine in meinem Bett, das Foto von Herrn Sander in meiner linken Hand.


*​

Um 13 Uhr übergebe ich immer an die Spätschicht. Dann habe ich den Rest des Tages für mich. Manchmal fahre ich dann nach Hause und lege mich erst einmal ins Bett. Manchmal fahre ich aber auch in die Stadt, kaufe Kleidung, trinke einen Kaffee oder gehe sogar ins Kino. Das hängt immer davon ab, wie ich in der Nacht zuvor geschlafen habe. Ich versuche, die Arbeit für den Tag zu vergessen und mich nicht zu sehr mit Gedanken an die Bewohner zu beschäftigen. Das klappt ganz gut. Das hängt aber auch von den jeweiligen Bewohnern und ihrem Zustand ab. Bei einigen Bewohnern bin ich traurig, wenn sie sterben, bei vielen empfinde ich wenig bis gar nichts, und bei den meisten bin ich sogar froh. Froh, weil sie so gelitten haben und das Leid nun ein Ende hat, aber manchmal auch froh, weil sie so unausstehlich waren. Nun soll man niemandem den Tod wünschen, aber in meinem Beruf hat der Tod einen so alltäglichen Charakter, dass er seinen Schrecken verliert. Manchmal glaube ich, dass, wenn ich einem Bewohner den Tod wünsche, man es vergleichen kann mit einem Schüler, der einem anderen Schüler, auf den er neidisch ist, eine schlechte Note wünscht. Oder mit einem Mädchen, das ihrer besten Freundin, die immer die tollen Jungs abbekommt, einen kleinen Unfall wünscht, der ihr hübsches Gesicht entstellt.

Bei Herrn Sander war das alles anders. Wenn ich um 13 Uhr gehen konnte, war ich betrübt, weil ich Herrn Sander allein ließ. In den vorherigen Heimen war häufig einer der Pfleger krank oder hat gekündigt, so dass ich nicht selten eine Doppelschicht machen musste. Im Dreilindenhof sind Doppelschichten grundsätzlich verboten. Ich muss dann nach Hause gehen.
Als Herr Sander Bewohner war, fühlte ich mich um 13 Uhr wie ein Heranwachsender, der frühzeitig eine Party verlassen muss, weil die Eltern es so wollen. Ich wollte nicht gehen. Ich wollte bei Herrn Sander bleiben. Gleichzeitig verstand ich nicht, was mich an ihm so faszinierte. Hatte ich einen Vaterkomplex? War ich verliebt, fühlte ich mich bei ihm geborgen? Wollte ich an sein Erbe? War ich in sein jüngeres Ich verliebt? Warum beschäftigte er mich so?

*
Julian hatte ausgefallene Ideen. Auch experimentierte er gerne mit verschiedenen Stoffen. Schwarzes, glänzendes Leder erotisierte ihn ganz besonders. Dafür stürzte er sich auch in Unkosten. Er kaufte mir von seinem Ersparten einen Jumpsuit aus Leder mit Wetlook-Effekt. Dazu schwarze, hochhackige Stiefel, deren Schaft bis zum Oberschenkel reichte. Am liebsten mochte er es, wenn ich ganz nackt unter dem Jumpsuit war und ihm beschrieb, wie es sich anfühlte. Wie die harten Nippel meiner dicken Brüste von innen gegen den Stoff rieben, wie ich feucht wurde, wie mein Körper zu glühen begann, wie mir schwindlig wurde und wie ich mich dabei nach ihm verzehrte. Wieder und wieder wollte er bis ins Detail hören, wie mein Bewusstsein sich veränderte und wie ich auf seine Anwesenheit reagierte. Oft ging es darum, den eigentlichen Sex möglichst lange heraus zu zögern, ihn vielleicht sogar gar nicht zu vollziehen. Diese Spannung bis ins Unerträgliche auszudehnen, das war es, was ihn am meisten faszinierte. Der eigentliche Geschlechtsverkehr dauerte dann, wenn er überhaupt passierte, nicht sehr lange. Er öffnete hastig, nahezu wild, den Reißverschluss meines Jumpsuits und drang dann überstürzt in mich ein. Die ganze aufgestaute Energie entlud sich in einem kurzen Moment und erschöpft fiel er dann zu Boden oder auf das Bett.

Die Macht, die ich in diesen Momenten über ihn besaß, faszinierte mich. Ich bekam das Gefühl, dass ich während dieses Liebesspiels alles von ihm verlangen konnte: Geld, Eigentum, einen Mord gar. Dass ich es mit meinem jungen Körper vermochte, einem so gestandenen Mann, wie Julian es mit achtundzwanzig Jahren schon war, seiner Willenskraft zu berauben, ihn mir hörig zu machen, das berauschte mich maßlos. Er war mir ausgeliefert und das wiederum gab mir ein Gefühl unendlicher Stärke.

*
Als ich einen Monat lang Spätschicht habe, passiert es. Ich komme gegen 14 Uhr in den Dreilindenhof und bei der Übergabe wird es ganz sachlich formuliert.
„Herr Sander ist ins Uni-Klinikum eingeliefert worden. Verdacht auf Schlaganfall. Er ist heut morgen aufgewacht und hat über Taubheitsgefühle im linken Arm und in den Beinen geklagt. Die Frau Kröger hat zunächst vermutet, er hätte über Nacht nur ungünstig im Bett gelegen, aber ausgerechnet Frau Nguyen war aufgefallen, dass er etwas lallte und hat sofort darauf gedrängt, einen Notarzt zu rufen. Ich möchte die Gelegenheit nochmal nutzen, Sie alle an das Protokoll bei Schlaganfällen zu erinnern. Typische Symptome sind..“

Ich sitze da wie versteinert. Herr Sander. Mir fällt plötzlich ein, dass ich ihm noch einen langsamen Walzer schulde, einen sehr langsamen. Mir fällt, ein, dass ich sein Foto noch zuhause habe und dass ich es noch zurücklegen muss. Mir fällt das Lächeln des Herrn Sander ein, die Güte und Wärme, die es ausstrahlt. Ausstrahlte.

Ich habe schon viele Menschen mit Schlaganfall gesehen. Ich kenne das Davor und das Danach. Ich sitze also da und hoffe und bete inständig, dass es falscher Alarm war. Plötzlich bin ich so von dieser Nachricht ergriffen, dass ich mich unter dem Vorwand, ich müsse auf die Toilette, entschuldige und mich dann tatsächlich auf dem Klo verschanze. Mir kommen die Tränen und ich muss mir die geballte Faust in den Mund stecken, um nicht laut los zu schluchzen. Wieder wundere ich mich über meine Ergriffenheit. Warum Herr Sander? Was ruft er in mir hervor?

Nach einem längeren Aufenthalt in einer Reha-Klinik kommt Herr Sander tatsächlich zu uns zurück. Zuerst wirkt er wie immer, aber dann fällt mir auf, dass sein Blick sich verändert hat. Früher war da diese Klarheit, jetzt ist da ein nebliger Dunst auf der Iris. Als er mich anschaut, glaube ich, dass er mich erkennt, aber es mag auch einstudiert und reflexartig sein. Er schenkt jedem diesen Blick, selbst Pflegern und Bewohnern, von denen ich weiß, dass er sie nicht kennt. Er sagt keinen Ton, sein Sohn, der auch da ist, meint zu mir, dass sein Vater gemerkt habe, dass er schnell ins Lallen kommt und aus Scham darüber lieber gar nichts sagt. Immerhin, erklärt sein Sohn weiter, die Mobilität sei noch recht gut erhalten, er kann stehen, ein bisschen gehen und die Arme sind wieder beweglich.

Tagelang schleiche ich um ihn herum, beobachte ihn aus der Ferne, gebe Aufgaben, die eine Nähe zu ihm erfordern, aus fadenscheinigen und vorgeschobenen Gründen an Kolleginnen und Kollegen ab. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Manchmal habe ich das Gefühl, dass da noch etwas ist. Die Art, wie er mich ansieht, lang und eindringlich, lässt mich glauben, dass er doch noch weiß, wer ich bin, dass er mich erkennt, wiedererkennt.

Eines Abends, ich habe Nachtschicht und es ist insgesamt sehr ruhig, fasse ich mir ein Herz und gehe in sein Zimmer.

*
Den einen Sommer verbrachten wir in Lacanau am Atlantischen Ozean. Wir hatten über einen Kontakt von Julians Eltern ein kleines Ferienhäuschen direkt am Meer für uns allein. Wir füllten die Tage mit ewig langen Spaziergängen am Strand. Es war ungewöhnlich warm, selbst für diese Gegend. Wir trugen beide nur das Nötigste, und selbst das klebte auf unserer Haut wie ein Klettverschluss. Julians straffer Körper und mein feminines Pendant waren ein Blickfang für die Menschen, denen wir begegneten. Wir waren in der Blüte unserer Jugend, und schlimmer noch: wir wussten es. Wir waren uns der Blicke bewusst, wir spürten das Verlangen in den Augen der Männer und Frauen, die uns beäugten. Die Begierde, die wir auslösten, erzeugte eine noch größere Begierde in uns. Begierde aufeinander. Wir besaßen noch die Scham und den Anstand, nicht am hellichten Tag übereinander herzufallen, aber mit Einbruch der Dunkelheit entstand diese knisternde Spannung, die uns bedeutete: Gleich passiert es.

Die prägendste Erinnerung dieses Sommers war diese Nacht am Meer. Im Schutze der Dunkelheit verließen wir splitterfasernackt unser Ferienhäuschen und gingen ruhig und ohne Hast zum Strand. Hand in Hand liefen wir ins Wasser, empfanden das kühlende Nass wie ein erquickendes Elixier, das uns Kraft für das bevorstehende Liebesspiel gab. Wir liefen zurück, bis wir nur noch in der Gischt standen. Im fahlen Licht des Mondes fanden sich unsere Lippen, verliehen dem aufkeimenden Verlangen ihren ersten, zarten Ausdruck. Als unsere Zungen sich fanden, waren unsere Körper elektrisiert und erregt. Im Einklang mit den Wellen, die sich im Sand verloren, verschmolzen wir ineinander, unternahmen den Versuch, eins zu werden. Wir warfen uns in den Sand, er drang in mich ein und ich spürte die Verkörperung aller Naturgewalten in mir. Ich war so erfüllt und beglückt, dass alle Gedanken sich erübrigten und ich in einen Zustand des Seins überging, den ich als so pur und rein und klar empfand, wie das Wasser, das uns umgab. Ich fühlte mich wie ein Geschöpf, das sich der Zivilisation entledigt hatte und in einen ursprünglichen, fast animalischen Zustand überging, bestimmt und dominiert von der Lust des Fleisches. Ich wollte ihn, Julian, mit Haut und Haaren, und ich bekam ihn, verleibte ihn mir ein, mit Haut und Haaren.

Zurück im Ferienhäuschen schauten wir uns für den Rest der Nacht verliebt und erschöpft an. Aus dem Wunsch heraus, diesen Moment für immer bewahren zu wollen, holte ich meine Analogkamera und machte ein Foto von Julian auf dem Bett. Er hatte den Kopf in die Hand gestützt und schaute nach unten auf den Boden. Eine Strähne von seinem dunklen, vollen Haupthaar hing herunter und fiel ihm in die Stirn. Das schwache Licht des Zimmer verlieh seinem Gesicht eine Wärme und Güte, die mich bis heute glauben lässt, einen Menschen fotografiert zu haben, der mit sich im Reinen ist.

*​

Behutsam öffne ich die angelehnte Tür und sehe im abgedimmten Lichtschein der Nachttischlampe das Gesicht eines vor sich hin dösenden Herrn Sander. Ich nähere mich ihm in kleinen Schritten und setze mich auf den Stuhl neben seinem Bett. Unschlüssig darüber, was ich eigentlich will, greife ich mit der linken Hand unter seine Bettdecke und ertaste seine Hand. Als ich sie finde und sanft drücke, nehme ich keine Regung wahr. Herr Sander liegt immer noch ausdruckslos da, und wäre da nicht ein vernehmbares, leichtes Atmen, ich würde ihn für tot halten. Ich drücke ein wenig fester zu, fast so, als wollte ich eine Reaktion erzwingen. Doch anstatt, dass er die Augen aufschlägt und mich anschaut, rutscht er mit dem Kopf nach links auf den Rand des Kissens. Ich stehe auf und beuge mich über ihn, um das Kissen für ihn herzurichten. Ich weiß nicht, ob der Stoff meines Schlupfkasacks oder mein Körpergeruch ihn weckt, aber plötzlich merke ich, wie er sich regt und offenbar die Augen aufschlägt. Bevor ich weiß wie mir geschieht, verspüre ich den überraschend festen Druck seiner Hand an meiner Hand. Ich spüre seinen Versuch, mich an sich zu drücken, mich zu ihm herunter zu ziehen. Seine andere Hand ertastet meinen Schlupfkasack und greift nach meinen Brüsten. Statt in Panik zu geraten, löse ich mich kontrolliert aus seinem Griff und drücke ihn an den Schultern zurück ins Bett.
„Herr Sander“, sage ich kalt und nüchtern, „bitte lassen Sie das.“
Er schaut mich an, aber ich weiß seinen Blick nicht zu deuten. Scham? Angst? Ein Flehen, ein Weinen gar?

Ich richte mich auf, nun doch ein wenig ergriffen von dieser, seiner Unbeherrschtheit. Ich richte meine Kleidung und will gehen. Doch an der Tür drehe ich mich noch einmal zu ihm um. Seine Augen sind immer noch geöffnet, er schaut mich eindringlich an. Ich wende mich wieder der Tür zu, will sie öffnen und kann es nicht. Ich verharre einen Moment in dieser Pose. Dann, instinktiv, schließe ich die angelehnte Tür und gehe zurück zu Herrn Sander. Ich ziehe meinen Schlupfkasack aus, nehme meinen Büstenhalter ab und lege beides über die Stuhllehne. Ich setze mich hin und rücke den Stuhl ein wenig näher ans Bett. Ich nehme die Hand von Herrn Sander und führe sie behutsam an meinen schweren Busen. Sein Gesicht zeigt keine Regung, aber sein Atem wird deutlich ruhiger und gleichmäßiger. So sitze ich da, mit seiner Hand an meiner Brust, vielleicht zehn, fünfzehn Minuten.

Seine Augen fallen zu, sein Kopf neigt sich zur Seite. Er schläft. Leise ziehe ich mich wieder an und verlasse, ohne mich nochmal umzusehen, das Zimmer. Draußen vor der Tür realisiere ich, dass Herr Sander noch ein bisschen leben wird, aber dass ich gerade Abschied genommen habe.







 
Also ich hatte beide Teile heute Mittag schon gelesen.
Ich fragte mich, was die Einschübe an die Zeit mit Julian bedeuten sollten (die im Übrigen wirklich schön erotisch geschrieben sind). Sieht die Protagonistin in Herrn Sander die Reinkarnation von Julian? Eine andere Vermutung fällt mir momentan nicht ein.

Ich muss doch noch einmal drüber nachdenken.

LG SilberneDelfine
 
Hallo CPMan,

also mein Fazit: Die Einschübe gefallen mir, der Plot an sich ist flüssig erzählt, erscheint mir jedoch nicht sehr glaubwürdig. Das liegt wohl am Schauplatz der Geschichte.

Worüber ich gestern grübelte, erkläre ich mir jetzt so: Ich vermute, in der Gedankenwelt der Protagonistin kreuzen sich Erinnerungen an Julian und jetzige Wünsche. Da kein anderer Mann zur Verfügung steht, projiziert sie diese auf Herrn Sander.

LG SilberneDelfine
 

CPMan

Mitglied
Liebe Silberne Delfine,

vielen Dank fürs Lesen, Kommentieren und Bewerten. Als ich las, dass du auch mal in einem Altenheim gearbeitet hast, fürchtete ich schon, dass du die
Geschichte als nicht sehr glaubwürdig empfinden könntest. Ich hab mich im Vorfeld ein bißchen durch Erfahrungsberichte von AltenpflegerInnen gelesen und
dort eigentlich nur unterirdische Zustände beschrieben bekommen, selbst in den teurerern und besseren Pflegeheimen wie dem in meiner Geschichte.

Ziel meiner erotischen Geschichten (es sollen noch welche folgen) ist es, ungewöhnliche, teils undenkbare und vor allem schwierige Liebesbeziehungen zu beschreiben anstatt immer nur den Plot 'gutaussehender Mann trifft wunderschöne, hübsche und Junge Frau' fortzuschreiben. Allerdings habe ich auch hier
nicht darauf verzichten können, wollen, eine gutaussehende, junge Frau zu beschreiben. Noch benötigt Erotik m.E. mindestens einen ansehnlichen Körper, aber vielleicht krieg ich das auch noch anders hin.

In Bezug auf deine Analyse will ich diese weder bestätigen, ncoh dementieren, ich finde es eigentlich spannender, wenn offen bleibt, woher genau Frau Roths Faszination für Herrn Sander kommt.

Lieben Gruß und Dank,

CPMan
 
Hallo CPMan,

. Ziel meiner erotischen Geschichten (es sollen noch welche folgen) ist es, ungewöhnliche, teils undenkbare und vor allem schwierige Liebesbeziehungen zu beschreiben
Das finde ich eine interessante Idee. Ich bin auf weitere deiner Geschichten gespannt.

Was die Protagonistin nun genau an Herrn Sander findet, weiß sie ja auch eigentlich selbst nicht - da finde ich es auch besser, wenn das nicht verraten wird.

LG SilberneDelfine
 

Susi M. Paul

Mitglied
Lieber CPMan, das Ineinanderschieben der beiden Geschichten und Zeitebenen gefällt mir gut - Geschichten sind es ja eigentlich drei: mit Julia, im Altenheim, allein mit ihrer Phantasier und ihren Wünschen. Etwas zu holzschnittartig fand ich Frau Nguyen und das so tolle Altenheim; der Schluss, nun, natürlich nicht sonderlich glaubwürdig, aber Glaubwürdigkeit ist, finden wir jedenfalls, an sich keine absolut entscheidende Kategorie; allerdings passt er, der Schluss, nicht wirklich in den Rahmren des so absolut korrekten Altenheims - es sei denn, es handelt sich um eine letzte Phantasie der Protagonistin.
 

CPMan

Mitglied
Liebe Susi M. Paul,

vielen Dank für das Lesen, Kommentieren und Bewerten meines Textes. Schön, dass dir das Ineinanderschieben der beiden Geschichten und Zeitebenen zugesagt hat. Ich für meinen Teil bin es manchmal ein wenig leid, in meinen Texten wieder und wieder auf Montagetechnik zurückzugreifen, oft erscheint es mir lediglich als die bessere von zwei mäßigen Lösungen.

Die Beschreibung von Frau Nguyen, das wurde mir an anderer Stelle vorgeworfen, zeuge von einem unterschwellligen Rassismus meinerseits, die Motivation war aber eigentliche eine ganz banale. Ich habe im Vorfeld Erfahrungsberichte von Altenpflegern gelesen, und in jedem tauchte die Problematik der ausländischen Pflegekräfte auf, die im fast Jeden Pflegeheim arbeiten. Ich wollte also nur eun realistisches Abbild eines Pfelegeheims zeichnen, wobei der hier
beschriebene Dreilindenhof sicher nicht 'typisch' ist.

Der Kommentar, dass der Schluss nicht in den Rahmen des absolut korrekten Altenheims passt, verwundert mich. Die Ich-Erzählerin bietet Herrn Sander heimlich und eigeninitiativ ihre Brust, Zeugen von offizieller Seite des Altenheims gibt es nicht. Letztlich soll die Szene zeigen, dass die Faszination für das weibliche Geschlecht und seine Attribute bei Männern alterslos ist. Rollig bis ins Grab, um es mal sehr salopp zu formulieren.

LG,

CPMan
 

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