Hier und niemand

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blackout

Mitglied
Mit mir trag ich blauende Landschaft,
Fernen, nichts als Fernen, Lärchenwälder.
Ich gebe mich der Stadt zurück,
den Schnellstraßen, dem Laternenlicht,
den streunenden Katzen.

Der graue Nacken hiesigen Himmels
trotz aller Verheerungen schön.
Ich wüsste nicht, was mich abhielte,
ihn zu lieben, ich mag die Melancholie
lautloser Wolkengebirge,

die stillen Morgen ohne Fernsehen,
den Blick in das Halblicht der Straße.
Stadt, die mich nicht vergisst, die ihre Häupter
zusammenhält, wo die Tage ihre Trauer
verbergen, als gehöre sie sich nicht.
 

blackout

Mitglied
Nett von euch, dass ihr so lieb schreibt. Muss ich mich erst dran gewöhnen.

Revilo, aber zu Rose Ausländer habe ich überhaupt keinen Draht, mir liegt Jochen Kelter und Günter Kunert zum Beispiel sehr viel mehr. Und wenn man ihre Gedichte kennt, weiß man, dass ihr Stil in meine ungereimten Gedichte eingegangen ist, sie haben mich inspiriert, meinen eigenen Schreibstil zu finden. Die gereimten Gedichte laufen unter Unbekannt, vielleicht eine Prise Kästner, hätte ich gern, leider bin ich nicht Kästner. Bin ja schon ältere Generation und habe nicht den Ehrgeiz, die Lyrik neu zu erfinden.

Habt vielen Dank für eure netten Worte.

blackout
 

Cellist

Mitglied
Hallo blackout,

Nett von euch, dass ihr so lieb schreibt. Muss ich mich erst dran gewöhnen.
ich meine nicht, dass Dank und Wundern notwendig sind. Die meisten Kolleg(inn)en hier gehen fair mit den Texten anderer um. Sie verreißen durchaus einmal, loben aber auch gute Texte. Ja, manchmal ist es hart hier, aber es ist in der letzten Zeit eindeutig wieder fairer und sachlicher geworden. Auf dem aktuellen Niveau (ohne nervende Trolls etc.) ist die Leselupe in meinen Augen konkurrenzlos. Ich kenne viele Foren, in den meisten lobt man sich gegenseitig und klopft sich auf die Schulter. Der Umgang sollte respektvoll und fair sein, auf Spitzen sollte man tunlist verzichten, weil diese im Internet schnell missverstanden werden. Aber auch der Autor sollte bereit sein, auf ehrlich gemeinte Kritik einzugehen, ohne sich persönlich angegriffen zu fühlen. ;-)

Mir ist völlig egal, welcher Stil dich geprägt hat und ob dein Text an den einen oder die andere erinnert. Ich lese einen Text und urteile danach, was mir Gefühl und Kopf sagen. Und hier sind beide begeistert.

Ich gebe zu, dass du mich mit diesem Gedicht überrascht hast. Es ist wunderschön und ich möchte meinen, dass es auch sehr gut ist. Du malst kraftvolle Bilder, die den Leser ansprechen und mitnehmen. Auch der Rhythmus, besonders wenn man den Text laut liest, ist wunderbar.
Ja, hier habe ich nichts zu mäkeln. Und bei "Verheerungen", über die ich einzig gestolpert bin, denke ich, dass es an mir liegt.

Nein, ein toller Text.

LG
Cellist
 

blackout

Mitglied
Das ist richtig, wer mich geprägt hat, gehört nicht zum Text, Cellist. Aber ich denke, wir sollten uns mal ein bisschen vorstellen, denn bis jetzt weiß ich von niemandem etwas, und da habe ich mal den Anfang gemacht. Für dich ein Lapsus und Grund genug, mir zu zeigen, "wie es hier langgeht". Bisher habe ich mich wirklich nur mit den Texten beschäftigt, die mir aber auch eine Menge über den Autor sagten, und ich habe volles Verständnis dafür, dass meine Kommentare manch einem nicht geschmeckt haben, weil er eben auch hier Schulterklopfen gewohnt ist, aber kaum gewohnt ist, eine Kritik als Hilfe anzusehen.

Deine einzige Äußerung zum Text ist, dass er dich überrascht hat und dir gefällt. Bisschen mager, Cellist. Und jetzt sage ich dir noch etwas: Ich hatte diesen Text zu einem dieser Jahreswettbewerbe im Literaturpodium eingereicht, dort wurde er gar nicht beachtet. Ich selbst halte ihn für einen Text, der gerade so geht.

blackout
 

Cellist

Mitglied
Deine einzige Äußerung zum Text ist, dass er dich überrascht hat und dir gefällt. Bisschen mager, Cellist.
Du solltest vielleicht etwas genauer lesen. Aber egal... ich verschone dich zukünftig von meinen Kommentaren.
 

Cellist

Mitglied
Eins noch:

Das ist richtig, wer mich geprägt hat, gehört nicht zum Text, Cellist. Aber ich denke, wir sollten uns mal ein bisschen vorstellen, denn bis jetzt weiß ich von niemandem etwas, und da habe ich mal den Anfang gemacht. Für dich ein Lapsus und Grund genug, mir zu zeigen, "wie es hier langgeht".
Ich wundere mich über deinen letzten Satz. Sag mal, hast du meinen Kommentar eigentlich gelesen? Wo war dieser dir gegenüber negativ?

Aber egal ...
 

revilo

Mitglied
Günther Kuhnert?? da rennst du eine sperrangelweit offene Tür bei mir ein.....meine Frau hat mir zu Weihnachten einen Band mit Kurzgeschichten von ihm geschenkt......grandios....
 

Ralf Langer

Mitglied
Hallo blackout,

diese Gedicht spricht auf sehr intensive Art mit mir.

Ich sehe eine Heimkehr, Vielleicht eine Urlaubsreise, vielleicht auch nur ein wenig außerhalb der „Stadt“, mit ländlich, friedlichem Charackter.
Sicher aber eine Rückkehr von einem Ort der „Fernblicke“ zulässt.
Jetzt also wieder Stadt. Aber auch hier zauberst du mit deiner Sprachsetzung einen Ort sinnlicher Wahrnehmung. Es wird durch deine Worte wie:
„ der graue Nacken hiesiegen Himmels“ oder „ ich mag die Melancholie lautloser Wolkengebirge“
oder „ den Blick in das Halblicht der Straße“
zu einem poetischen Ort, zu etwas schönem.
Das verstehe ich sehr.
Vielleicht ist Stadt , und ich sehe hier eher eine Metropole, keine Kleinstadt, vielleicht also ist Stadt ein Ort den man nur lieben kann und von dem man geliebt wird, wenn man aus ihr kommt.

Ja Melancholie;
eine Stimmung des Gemüts das doch durch Nachdenklichkeit geprägt ist. Ihr haftet aber nichts pathologisches an. Die Seele des lyrich ist mit sich im „klaren“.

Und dann dieser großartige Wurf am Ende deines Gedichtes:

„wo die Tage ihre Trauer
verbergen, als gehöre sie sich nicht“

Aber so wie ich es lese ist es ja noch kein Tag, es ist früher Morgen, Dämmerungen, Halbschatten, ich empfinde die Stadt als etwas das noch ruht, sich noch nicht den Aufgaben des Tages stellt

Das sind doch die Momente: Ja Melancholie.

Hat mir sehr gefallen
lg
Ralf
 

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