Ich hab dir ein Gedicht geschrieben

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Ciconia

Mitglied
[ 4]Ich hab dir ein Gedicht geschrieben
[ 4]auf allerfeinstem Briefpapier.
[ 4]Von damals ist mir nichts geblieben
[ 4]als nur ein Urlaubssouvenir.
[ 4]
[ 4]Dein Lachen hör ich noch nach Jahren,
[ 4]steh oft im Traum am Klippenrand,
[ 4]werd stets Erinnerung bewahren
[ 4]an unsre Zeit in Lummerland.
[ 4]
[ 4]Drum hab ich ein Gedicht geschrieben,
[ 4]werf es per Flaschenpost ins Meer.
[ 4]Und hat die Flut sie weggetrieben,
[ 4]wein ich ganz leise hinterher.
 

Mondnein

Mitglied
süß, ziemlich kitschig.
nicht ohne Klischees (z.B. "steh oft im Traum am Klippenrand") -

aus Pubertätszeiten?

warum nicht. ist doch nett.
 

Tula

Mitglied
Hallo

Die Art von Kitsch, die gefällt. Eigentlich kein Kitsch, weil der Text ganz bewusst das jugendlich-naive der Erinnerung verdichtet. Gerade deshalb passen hier Form und Inhalt zueinander. Ich vermute, hier muss man als Leser eben Romantiker sein :)

LG
Tula
 

van Geoffrey

Mitglied
Also, ich kann auch nur beide Daumen hoch halten.
Man muss sich seine Naivität und Romantik bewahren.
Und Kind sein!
Was spricht eigentlich dagegen?
Reim und Rhythmus finde ich auch gut - beides unterstützt den traurigen, sentimentalen Charakter des Gedichts. Man fühlt, dass das Gedicht nicht so dahin geschrieben ist, sondern auf echten Empfindungen fußt.
 

Mondnein

Mitglied
Weiß nicht, Ciconia,
warum ich den Stuß vom "Kitsch" geschrieben habe. Habs gerade wie neu gelesen, dieses schöne Gedicht, und war begeistert.

Ich bin absolut unzuverlässig, q.e.d.,
grusz, hansz
 
G

Gelöschtes Mitglied 20370

Gast
Auch ich habe meine Freude an diesem schönen Gedicht!

Und hat die Flut sie weggetrieben,
wein ich ganz leise hinterher.
Ich weiß nicht, wie's anderen geht, mir jedenfalls ist Heine ganz plötzlich nah...

Wie schön, dass nach so vielen Streitereien in der LL uns eines nicht verloren geht: Liebe!

Es grüßt
Dyrk
 

Mondnein

Mitglied
ach liebe? die habe ich längst schon verloren
nun schreib ich ihr ohrwürmer tief in die ohren
nach der ich mich sehne der stundenden horen
der ersten und letzten und mittleren dann

wie im zöpfe wechsel hab ich die begohren
die einzweidrei zweidreieins eins immer wann
die eins wieder kehrte die faunen und floren
die daunen der schwingen den flaum von den fluren

die horen
 
G

Gelöschtes Mitglied 20370

Gast
es kann nicht Liebe sein, unter der du leidest
 

Mondnein

Mitglied
natürlich nicht. Ich leide nur unter dem Mangel an poetischem Vermögen, ihren Verlust auszudrücken.
 
Hallo Ciconia

Wie du vielleicht noch weißt, habe ich ein paar mal Kritik an deiner Art zu schreiben geäußert. Hier und Da hat man sich ein wenig in die Haare bekommen, aber was tut's. Ich finde dieses Gedicht wunderschön. Mir ist aufgefallen, dass in eigentlich allen deinen "ernsten" Gedichten das Alter(n) und die Rückbesinnung eine große Rolle spielen. Vor ein paar Jahren ist meine Oma gestorben und ich bereue immer sehr, dass ich sie nie nach ihrer Jugend gefragt habe. Als sie gestorben ist, fand ich, zwischen den Briefmarken meines Opas, ein Foto von ihr, das sie im Alter von etwa 16-18 Jahren zeigt. Ich frage mich oft was sie zu dieser Zeit erlebt hat, ob sie sich manchmal sehnsuchtsvoll zurückbesann. Dein Gedicht hat genau das wieder hervorgebracht und mich in einen nachdenklichen und melancholischen Zustand versetzt. Danke dafür!

P.S: Technisch super! Wie eigentlich immer, das kann man schlecht leugnen.

L.G
Patrick
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Patrick,

vielen Dank für diesen lobenden Kommentar, der mich besonders deshalb freut, weil er mir zeigt, dass ich mit diesem Gedicht auch die jüngere Generation erreicht habe und damit bei Dir Erinnerungen an Deine Oma wecken konnte.

Ich glaube, es geht vielen Menschen so, dass sie erst zu spät erkennen, was sie von den Eltern und Großeltern alles nicht gewusst haben und noch gerne gefragt hätten. Das ist sehr bedauerlich und tut manchmal auch weh. Andererseits ist es fast wie in der Lyrik: Es bleibt uns Spielraum für eigene Interpretationen. Lassen wir die Oma auf dem Foto zu der Zeit glücklich gewesen sein, auch wenn vielleicht gerade Krieg herrschte und das Lächeln nur dem Fotografen galt. Die Wahrheit wäre vielleicht schwerer zu ertragen.

Danke auch für die großzügige Wertung!

Gruß Ciconia
 

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