Im Hollerbusch (Haiku)

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A

aligaga

Gast
Wer sich mit Buntspechten und mit Hollerbüschen ein wenig auskennt, weiß, dass die Spechte nicht im Unterholz flattern wie die Goldammern und die Zaunkönige, sondern die freie Sicht suchen wie Eichelhäher, Krähen und Waldkäuzen: Nicht unten, sondern hoch oben; allenfalls mal auch auf einer von weit einsichtigen Wiese.

Der Holunder ist alle andere als ein Klangholz. Das morsche Mark im Innern seines kümmerlichen Stammes und seiner Äste dämpft jeden Schlag auf dessen Rinde sofort. Über solchen Plunder rümpft der wahre Specht den Schnabel.

TTip: Bei einem Haiku die Naturgesetze achten! Aus dem surrealen Klopfen des Spechts ein Surren und Schnurren der Spatzen und Meisen machen. Die finden im Holler das, was sie brauchen. Der Specht necht!

Heiter, sehr heiter

aligaga
 

Ciconia

Mitglied
Na, was mag der (norddeutsche) Specht, der sich heute an einem angebrochenen Ast abarbeitete, und zwar ziemlich weit unten am Stamm, sich bloß dabei gedacht haben – so gänzlich gegen Naturgesetze handelnd …

Sehr belustigt über @alis neuerlichen (mittlerweile wohl 30.!) vergeblichen Versuch, meine Werke mit unsinnigen Kommentaren plattzumachen

Ciconia
 
A

aligaga

Gast
Man klopft nicht an, sondern auf den (Holler)Busch, o @Ciconia. Das macht per se eher kein Geräusch, hat aber mitunter große Auswirkungen: Es wird offenbar, was zuvor im Dickicht verborgen lag...

Quietschvergnügt

aligaga
 

Mondnein

Mitglied
Mich würde eher der Anthropomorphismus am Ende stören. Der legt eine Deutung hinein, die den aufgelösten Impressionismen, aus denen Haikus bestehen, widerspricht. Es wird dann auch putzig, wie ein Disney-Comic. Heiter ist gut, putzig ist Kitsch.

Ich verstehe andererseits gut, daß auf der Leselupe fast nur noch Haikus für die "festen Formen" übrig bleiben, nachdem die Sonette selbstveröffentlichender Dichter gerade in einem Kurzpamphlet im "Ungereimten" runtergemacht worden sind ("Fehlkauf") und dann auch noch fast die ganze Runde der (nichtreimenden) Lelupoeten das mit Achten und Neunen unterschrieben hat. Es ist glaubich "bestes Werk der Lyrik in diesem Monat", dieser Witz auf Kosten eines alten Mannes, der seine Werke genau so schlecht bei einem Verlag unterbringen kann wie jeder einzelne Poet hier in der Lupa, und nun mit einem Flatterrandprosavers dafür bestraft wurde, daß er sich auf der Frankfurter Buchmesse dem Spott ausgesetzt hat. Schlimm ist gewiß weniger dieser Vers, als die Unterschriftenliste, dieses Mobbing.

Wenn Sonette verpönt und ihre Hauptvertreter aus der Lupa herausgeekelt werden (wie z.B. Walther, der jahrelang eine Reihe guter Beispiele geliefert hat, abgesehen von den tausendfünfhundert anderen Gedichten im Abyssus des Vergessens) und meine Rubaiyat gar nicht erst gelesen werden, dann bleiben fast nur noch die unfesten Haikus als Lieblingsspielwiese "fester Formen"-Dichter bzw. -Auflöser.

So gesehen ist es erfreulich, daß wenigstens hier und da noch ein Haiku durchdiskutiert wird. Besser als nicht gelesen zu werden.
 

Ciconia

Mitglied
Im Prinzip gebe ich Dir ja Recht, Mondnein. Nur – kann man das, was zu diesem Haiku bisher erfolgte, wirklich als „durchdiskutieren“ bezeichnen? Oder ist es nur wieder mal ein bewusstes Veralbern der Autorin?

Wie wäre denn Dein Vorschlag für die letzte Zeile, um sie nicht ins Kitschige abdriften zu lassen?

Gruß Ciconia
 

Mondnein

Mitglied
Alles, was mir spontan einfällt, ist schlechter.

"Dreh mich zur Seite"

"Lass mich doch schlafen"

"Buntspecht schon fleißig"

Dann erscheint (mir) Deine "Frühschicht" immer besser.

grusz, hansz
 
A

aligaga

Gast
Der böhse @ali hat hier, wie auch sonst üblich, nicht die Mängel der Autorin, sondern die Mängel des Gedichterls aufgezeigt. Dass er dafür sofort wieder persönlich haftbar gemacht wird, erstaunt nicht, sondern amüsiert zu wiederholtem Male.

Hollerbüsch' sind das weichste Holzgewächs Doitschlands. Da muss man den Zimmermannsnagel nicht hineinhämmern, sondern steckt ihn ohne großen Aufwand einfach hinein. Wenn da ein Specht "hämmerte", blieb's stumm. Machte nicht rattattat, sondern nur pffft. Hollerbüsch' eignen sich nicht zur Spechtschmiede.

Vielleicht hat der Haiku-Specht ja einen wehen Schnabel und muss deshalb Schonkost schlürfen? Aber wie käm's dann zu dem hämmernden Geräusch im Busche?

Heiter, sehr heiter

aligaga
 
A

aligaga

Gast
Jaja, die mächtigen Holunderbretter! Die sind besonders zäh und hart. Aus denen haben die alten Rittersleut' ihre Schilde geschmiedet und damit jedem gift'gen Pfeil widerstanden.

Heute schreinert man Särge aus diesem steinharten Holze. Aber nur für Haiku-Fehlgeburten. Das in Rede stehende Gebüsch gibt nicht viel mehr her.

Quietschvergnügt

aligaga
 

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