Im Zwiespalt

4,30 Stern(e) 4 Bewertungen

Ciconia

Mitglied
Ich würd so gern auf Wolken schweben
Doch werd ich nie ein Engel sein
Möcht frei und unabhängig leben
Bin bloß nicht immer gern allein.

Am Strand von Paros könnt ich träumen
Die Sonne brennt dort viel zu heiß
Im Nordland keinen Fjord versäumen
Meist ist kalt dort, ja ich weiß.

In höchste Höhen will ich klettern
Nur reicht die Kondition nicht mehr
Führ gern zur See bei allen Wettern
Mir wird oft unwohl auf dem Meer.

Halt ein!

Hör auf, nur um dich selbst zu kreisen,
in Wolkenschlössern dich zu sehn.
Du musst dich endlich mal beweisen
und dir nicht stets im Wege stehn!
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Elke,

das ist doch mal eine angenehme Überraschung: eine Empfehlung von Dir! So ganz ohne Kommentar hätte ich das fast übersehen. Danke - ich freu mich!

Sonntagsgrüße
Ciconia
 

ENachtigall

Mitglied
Hallo Ciconia,

wir sind so sehr der Fülle real existierender, vorgegaukelter und/oder selbst gesponnener Optionen verhaftet, dass uns der Sinn fürs eigentlich Machbare unmerklich abhanden kommt. - Ganz zu schweigen von der Energie, es umzusetzen ...

Diese Kernaussage des Gedichtes scheint mir - bei all ihrer scheinbaren Banalität - ein wesentliches Merkmal des Menschlichen schlechthin.

Die von Dir verwendete Form der differenzierten Formatierung visualisiert diese Zerrissenheit im Schriftbild.

Eine weitere Strukturierung kennzeichnet als Wendepunkt den Ausbruch aus der "Warteschleife Konjunktiv". Der imperative Weckruf:

Halt ein!

Hör auf, nur um dich selbst zu kreisen,
in Wolkenschlössern dich zu sehn.
Du musst dich endlich mal beweisen
und dir nicht stets im Wege stehn!
Menschlich ist dabei auch die Gewohnheit, Ratschläge in "Du musst"-Appelle zu kleiden, wenngleich jeder weiß, dass sie selten Gehör finden.
Doch da in diesem Gedicht Ich und Du identisch sind, mag das in diesem Falle anders sein.

Ich empfehle dieses Gedicht, weil es in seinen Details wie im Gesamtgefüge eine unaufdringliche, jedoch prägnante Stimmigkeit trägt.

Ästhetik darf auch leise sein!


Liebe Grüße von

Elke
 

Ciconia

Mitglied
Ich würd so gern auf Wolken schweben
Doch werd ich nie ein Engel sein
Möcht frei und unabhängig leben
Bin bloß nicht immer gern allein.

Am Strand von Paros könnt ich träumen
Die Sonne brennt dort viel zu heiß
Im Nordland keinen Fjord versäumen
Meist ist es kalt dort, ja ich weiß.

In höchste Höhen will ich klettern
Nur reicht die Kondition nicht mehr
Führ gern zur See bei allen Wettern
Mir wird oft unwohl auf dem Meer.

Halt ein!

Hör auf, nur um dich selbst zu kreisen,
in Wolkenschlössern dich zu sehn.
Du musst dich endlich mal beweisen
und dir nicht stets im Wege stehn!
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Elke,

herzlichen Dank für Dein positives feedback. Gerade bei Gedichten bin ich immer noch sehr unsicher.
Ganz zu schweigen von der Energie, es umzusetzen ...
Genau das ist der Punkt: Dieses Eigentlich, mit dem wir uns oft umgeben. Eigentlich hätte ich so viele Pläne, aaaaaber … Die täglichen Optionen sind heute ja wesentlich vielfältiger als vor Jahrzehnten, wie Du ganz richtig bemerkst, da ist die innere Zerrissenheit und Unentschlossenheit oft schon programmiert.
Danke auch für den Hinweis auf das bei der letzten Überarbeitung verloren gegangene „es“!

Schönen Sonntag und Gruß
Ciconia
 
S

steky

Gast
Ein gelungenes Gedicht, Ciconia! Die Freiheit, nach der sich der "Erzähler" sehnt, kommt allerdings paradox daher, da sie sich mit "bin bloß nicht immer gern allein" nicht vereinen lässt. Das erweckt den Anschein, als wüsste der Erzähler nicht, was er wolle. Am Ende zeigt er sich reumütig.

Zum Text:

Meist ist es kalt dort, ja ich weiß.
"Ja[red]Komma[/red] ich weiß" ist hier ein Zeilenfüller. Das gefällt mir nicht so.


LG
Steky
 

Ciconia

Mitglied
Hallo steky,

ja, da hast Du mich ertappt! Das Komma nehm ich natürlich sofort. ;)

Den Pausenfüller könnte man auch gelten lassen. Nur habe ich im Moment keine andere Idee. Vielleicht kommt ja noch jemand mit einem Vorschlag.

Vielen Dank für Dein aufmerksames Lesen und die Bewertung!

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Ich würd so gern auf Wolken schweben
Doch werd ich nie ein Engel sein
Möcht frei und unabhängig leben
Bin bloß nicht immer gern allein.

Am Strand von Paros könnt ich träumen
Die Sonne brennt dort viel zu heiß
Im Nordland keinen Fjord versäumen
Meist ist es kalt dort, ja, ich weiß.

In höchste Höhen will ich klettern
Nur reicht die Kondition nicht mehr
Führ gern zur See bei allen Wettern
Mir wird oft unwohl auf dem Meer.

Halt ein!

Hör auf, nur um dich selbst zu kreisen,
in Wolkenschlössern dich zu sehn.
Du musst dich endlich mal beweisen
und dir nicht stets im Wege stehn!
 

molly

Mitglied
Hallo Ciconia,

in Deinem Gedicht erkenne ich mich wieder.

Nun zu dieser Strophe:

Am Strand von Paros könnt ich träumen
Die Sonne brennt dort viel zu heiß
Im Nordland keinen Fjord versäumen
Meist ist es kalt dort, ja, ich weiß.

Ich finde alle Strophen passend, schließlich kennt man sich und seine Ausreden, seine Wankelmütigkeit.
"Ja, ich weiß" bringt dies auch zum Ausdruck.

Gern gelesen!

Viele Grüße

molly
 

Ciconia

Mitglied
Hallo molly,

ja, so ist das wohl mit dem inneren Schweinehund. Mittlerweile habe ich das ungute Gefühl, dass er sich mit zunehmendem Alter immer weiter auswächst. Deshalb mein Warnruf: „Halt ein!“ :rolleyes:
Freut mich, dass Dir das Gedicht gefällt. Danke fürs Reinschauen!

Gruß Ciconia
 

wüstenrose

Mitglied
Hallo Ciconia,

auch mir gefällt diese unaufgeregte Zwiesprache, die sehr plastisch und eingängig daherkommt.
Mich überzeugt diese Gabe der Schnörkellosigkeit, die du hier an den Tag legst.

Wär's mein eigenes Geicht, so könnte ich mir auch folgenden Schluss vorstellen:

Hör auf, nur um dich selbst zu kreisen,
in Wolkenschlössern dich zu sehn.
Du musst dich endlich mal beweisen
und einfach gehn!


Die im Raum stehende Änderung wäre dann sozusagen durch den Rhythmusverlust sprachlich schon mal ein Stück weit inszeniert und auf den Weg gebracht.

lg wüstenrose
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Wüstenrose,

danke für Dein Lob und Deine Überlegungen. Dein Vorschlag gefällt mir. Andererseits möchte ich das „Sich-selbst-im-Wege-Stehen“ zum Schluss noch einmal explizit ausdrücken. „Einfach gehen“ ist mir fast ein wenig zu einfach.

Ich denke noch mal darüber nach.

Gruß Ciconia
 

Oben Unten