Isabel Allende kann auch Krimi

Rezension zu:

Isabel Allende, Amandas Suche, Suhrkamp 2014, ISBN 978-3-518-42410-0

Wenn eine Schriftstellerin wie Isabel Allende nach unzähligen erfolgreichen Romanen plötzlich das Genre wechselt und als Kriminalschriftstellerin reüssiert, da sind schon vor Beginn der Lektüre stirnrunzelnde Zweifel an der Tagesordnung. Tatsächlich haben auch mich Kritiken von Kollegen, deren literarische Urteilskraft ich sehr schätze, fast abgehalten, „Amandas Suche“ zu lesen. Gut, dass ich das Buch doch in die Hand genommen und Isabel Allende eine Chance gegeben habe. Ich habe es nicht bereut, ganz im Gegenteil.

Die Geschichte der hochintelligenten Amanda, die bei ihrer Mutter in San Francisco aufwächst und einen wunderbaren Großvater, Blake Jackson, hat (hier brilliert Allende wieder mit einer klassischen Familiengeschichte) hat mich sofort gefangen genommen. Sie leben in Isabel Allendes Wahlheimat San Francisco, wo Amandas Mutter Indiana eine Praxis für Reiki und Duftöltherapien führt in einem Haus voller weitere skurriler Personen und Therapeuten. Amandas Vater, von Indiana geschieden, aber in gutem Kontakt, ist Chef des Polizeidezernats.

Amanda kann perfekt mit den elektronischen Medien umgehen und hat sich im Internet mit einer Gruppe Halbwüchsiger verbündet, die über den ganzen Globus verteilt sind. Darunter befinden sich ein Querschnittsgelähmter, ein Mädchen mit Essstörungen und ein Waisenjunge mit einem IQ von 156. Sie treffen sich regelmäßig im Internet, um fiktive Verbrechen zu untersuchen. Doch plötzlich wird aus dem Spiel Ernst. Der Ripper-Club macht es sich zur Aufgabe, eine Serie von realen Morden aufzuklären, die San Francisco erschüttern. Immer wieder unterstützt von ihrem Vater und ihrem Großvater, kann Amanda mit ihrem Freunden Wesentliches zur Aufklärung beitragen.

Bis eines Tages ihre Mutter Indiana verschwindet. Perfekt führt Allende den Leser an der Nase herum und setzt ihn immer wieder auf neue Spuren.

Doch „Amandas Suche“ ist mehr als ein spannender Krimi. Wieder schreibt Allende von starken (über)sinnlichen Frauen und führt uns in eine Welt ganz außergewöhnlicher interessanter und ungewöhnlicher Menschen, wie sie sie offenbar in San Francisco häufiger kennengelernt hat.

Der klassische Krimileser mag von dem Buch enttäuscht sein, ich jedoch halte die Mischung, die Allende gefunden hat, für gelungen. Sprachlich wieder auf allerhöchstem Niveau, war die Lektüre dieses Romans für mich von Anfang bis Ende ein Genuss und trotz respektabler 476 Seiten war das Buch schnell ausgelesen.
 

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