Kehraus

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Oscarchen

Mitglied
Kehraus

Wenn abends nach diversen Schlachten
An Theken und Metallregalen
Vor Türmen aus Bananenkisten
Und pappbeklebten Preisschildleisten
Der letzte Krieger seine Beute
Genervt mit Plastikgeld bezahlt
Beginnen an den Laderampen
Die Orgien der Vernichtung

Tomaten rot, in voller Pracht
Noch eingeschweißt und ausgepreist
Das Brot, das jeden Frischetest besteht
Und Käse, der ein wenig blass
Wo alles, was für schlecht befunden
In einem Schlund aus Blech verschwindet
Und Äpfel praktisch portioniert
Zerdrücken auf der Bodenwanne
Berliner, die nach Augenschein
In Hast und Eile aussortiert

Die Schälchen mit den Fleischportionen
Gesellen sich aus Zufall
Zu angetauten Krabbenspießen
Und dann, als wäre Scham im Spiel
Wird alles flüchtig abgedeckt
Mit einer Tageszeitung
Wobei sich noch, mit etwas Mühe
Die Titelzeile lesen lässt:
„Millionen Hungertote jährlich!“
 
Zuletzt bearbeitet:

klauskuckuck

Mitglied
Hi Oscarchen,
2. Strophe, dritte Zeile: Das "dass" ist ein "das"! Sonst keine Anmerkungen. Alles rund, die Pointe eine Ohrfeige.
Gruß Klaus
 

Oscarchen

Mitglied
Hi Kläuschen,
meine Frau hat es auch gelesen. Deutschlehrerin. Sie kann was erleben!
Dir lieben Dank fürs Beleuchten und aufmerksame Lesen.
LG
Oscarchen
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Oskarchen,

es ist immer schwierig so ein Gedicht zu schreiben ohne übertrieben mit dem moralischen Zeigefinger zu drohen.
Das ist dir ausgezeichnet gelungen!

Liebe Grüße
Manfred
 

Oscarchen

Mitglied
O Herr, welch Sternenregen!
Lieben Dank für Kommentare und Sterne.
Tja, ein großes Problem.
Walther hat es in einem anderen Faden treffend benannt...solange es uns noch so gut geht, wird nichts passieren. Das Gleiche gilt für den Umgang mit der Natur!
Lieben Gruß
Oscarchen
 

Oscarchen

Mitglied
Tach Albert,
ja, wer kann bei so einem Gemansche noch ein frisches Äußeres bewahren?
Dir danke fürs Beleuchten und Kommentieren
LG
Oscarchen
 

anbas

Mitglied
Mir gefällt der Text auch gut, frage mich aber, ob der Abschluss wirklich so sein muss - der Rest spricht eiegntlich für sich. Ein anderer, vielleicht subtilerer, Abschluss würde aus meiner Sicht besser passen.
Z.B. in Richtung:
Schon längst sind die Regale neu befüllt
mit dem Abfall für morgen

Das war jetzt ein "Schnellschuss", eigentlich auch nicht so subtil, wie ich es meine... Was anderes fällt mir aber im Moment auch nicht ein...

Liebe Grüße

Andreas
 

atira

Mitglied
Ich bin immer skeptisch, wenn gesellschaftspolitische Botschaften in lyrischer Form - vor allem professionell gereimt - daherkommen.

Bin mir noch nicht sicher, was ich wirklich davon halten soll. Die Pointe wirkt schon sehr aufgesetzt und plakativ. Aber irgendwie scheint mir darin zumindest auch ein ehrliches Anliegen verpackt zu sein (?).

LG
atira
 

Oscarchen

Mitglied
Hi Andreas,
mit deinem Vorschlag der neu befüllten Regale kann ich mich durchaus anfreunden. Schnellschüsse....wem sagst du es...neige ich auch zu.
Manchmal kommt es auch zum Treffer...


Hallo atira,
Dieses Thema kann nicht beiläufig abgehandelt werden. Demonstrativ, ausdrücklich und betont, das ist die gebührende Art, darauf aufmerksam zu machen.
Wie dem auch sei, bewahre dir deine Skepsis und lege Misstrauen an den Tag. In der heutigen Zeit sicherlich sinnvolle und kluge Begleiter.

Ich bedanke mich fürs Kommentieren und Benoten und an Phaeton einen lieben Gruß und Dank für die Sternchen.

Euch noch einen schönen Abend
LG
Oscarchen
 
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