Klaas

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Ciconia

Mitglied
Regungslos starrte der Mann mit der Pfeife über den grauen Strom. Auch Hund Fiete, aufrecht an Herrchens Seite, blickte stur ins Nirgendwo; ein muskulöser Männerarm ruhte auf seinem Nacken.

Sie saßen hier fast jeden Abend auf der Bank am Deich. Seit Antje eines Tages im Fluss verschwand, wusste Klaas nichts mehr mit seinem Leben anzufangen. Alles, was ihm jemals etwas bedeutete, schien schlagartig nicht mehr wichtig. Zeit erlebte er nun in einer völlig veränderten Dimension. Eine Stunde, die früher einem gleichmäßigen, zufriedenstellenden Rhythmus unterlag, dehnte sich jetzt endlos und qualvoll, und dabei trieb ihn immer nur dieselbe Frage um: Warum hatte Antje ihn nach so vielen gemeinsamen Jahren allein gelassen?

Von ferne ertönten Schiffshörner. Klaas schreckte zusammen, seine Pfeife war längst erkaltet. Erwartungsvoll stupste Fiete sein Herrchen an. Vergeblich. Noch fühlte Klaas sich nicht bereit für den Nachhauseweg.

Während später die Sonne hinter Weiden am Strand versank, meinte er plötzlich schemenhaft Antjes Umrisse im Dunst über dem Wasser wahrzunehmen. Das Bild verschwamm so schnell, wie es ihm erschienen war. Klaas fröstelte - und spürte zum ersten Mal nach all den Monaten: Dieser Fluss tat ihm nicht mehr gut.

Er brauchte noch einige Minuten, um sich zu sammeln. Dann gab er dem Hund einen Klaps.
„Komm, Fiete, wir gehen!“
Seine Stimme klang entschlossen. Es wurde endlich Zeit für eine neue Sicht.
 

Ji Rina

Mitglied
Hallo Ciconia,

Schön, dass du, trotz Abschied bis zum Herbst, mit deinen Texten wieder zurück bist.

Was ich von “Klaas” halte? Viel – sehr viel.

Aber das Kommentieren deiner Texte werden sicherlich andere machen. Ich kommentiere sie nicht mehr, bist du nicht auch mal ein positives Wörtchen der Anerkennung, ein Lob für irgendeiner der ca. 35 Kurzprosastücke, die seit Anfang Juni, hier veröffentlicht wurden,übrig hast. Ausser drei Kritiken mit 1-2 Sternen für Manfred, und eine 2* Kritik für Hardt, habe ich bisher noch nie ein Wort des Lobes, für irgendjemanden hier bei Kurzprosa, von Dir gehört. Das wird irgendwann langweilig. Ich denke, ein Minimum an Austausch ist auch wichtig.
Nehme mir meine Ehrlichkeit nicht übel.

Mit Gruss, Ji
 

Ciconia

Mitglied
Oha, JiRina, da hast Du Dir aber viel Zeit genommen, um meine Aktivitäten akribisch aufzulisten. Hast Du dabei auch nichts vergessen?

Darf ich fragen, in welcher Funktion Du Dir anmaßt, mich persönlich anzugreifen? Und warum Du Dich ausschließlich auf Kurzprosa beziehst, obwohl ich doch in fast allen Unterforen einschließlich Lyrik unterwegs bin? Gibt es denn inzwischen schon eine neue Forenregel, die besagt, dass nur noch gelobt werden darf? Es scheint fast so, denn kritische Kommentare meinerseits werden neuerdings gar nicht mehr beantwortet. Merkwürdig.

Ich meine, es sollte jedem selbst überlassen bleiben, was, wo und wie oft er kommentiert. Die Eine plaudert gerne und viel, die Andere ist eben ein wenig wortkarg und stellt sich nicht so gern in den Mittelpunkt.

Nur so nebenbei: Solange hier die Meinung vorherrscht, dass korrekte Rechtschreibung und Zeichensetzung, Stil und Grammatik nur zweitrangig sind, wird es für mich grundsätzlich nicht viel zu loben geben. Und wenn man meine Texte nur aus diesem Grund ignoriert, kann ich auch damit gut leben.

Gruß, Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Franke,

die „neue Sicht“ ist ja nicht nur im Hinblick auf den Trauernden gemeint, sondern auch auf die (Aus-)Sicht auf den Fluss. Warum sollte man diesen Satz streichen? Ich finde, in der Prosa kann man ruhig Klartext sprechen.

Gruß, Ciconia
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich finde, in der Prosa kann man ruhig Klartext sprechen.
Das ist richtig, Ciconia. Aber es ist dann dein Klartext, vielleicht hätte ja dem Leser ein offener Schluss besser gefallen und er hätte die Gschichte mit Klaas gerne selbst weitergesponnen.

Liebe Grüße
Manfred
 

Ciconia

Mitglied
Natürlich ist es mein Klartext, es ist ja auch meine Geschichte. Wie soll ich denn im Voraus wissen, was dem Leser besser gefällt? Also kann ich doch nur so schreiben, wie ich es für richtig halte und wie ich es beim Lesen auch bevorzuge.

Gruß, Ciconia
 

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