Kurz vor Schluss

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Ciconia

Mitglied
Ein Fünkchen Hoffnung würde mir schon reichen,
ein Weckruf aus dem langen Winterschlaf.
Ich spür die Jahre rasend schnell verstreichen,
zu oft versagt mein Seelenseismograf.

Selbst wenn das Panorama heller bliebe,
verliefe immer weniger nach Plan.
Als winzig kleines Rädchen im Getriebe
vollende ich den Lebenszeitroman.

Ein Apfelbäumchen werd ich kaum noch pflanzen,
wozu, wenn keine Ernte möglich ist.
Doch will ich mich auch nicht zu früh verschanzen
und nutze meine letzte Galgenfrist.
 
G

Gelöschtes Mitglied 21589

Gast
Hallo Ciconia,

dein Gedicht gefällt mir gut - es erinnert mich ein bisschen an die Lyrik von Mascha Kaleko oder auch Eva Strittmatter. Besonders hervor stechen für mich die ersten beiden Verse von Strophe 3:

Ein Apfelbäumchen werd ich kaum noch pflanzen,
wozu, wenn keine Ernte möglich ist.
Entscheidend ist dabei das Wörtchen kaum, welches im eigentlich traurigen Bild doch noch ein Fünkchen Hoffnung übrig zu lassen scheint (sonst müsste da ja nicht stehen!) - und somit kaum merkbar den Wunsch aus Vers 1 erfüllt.

Liebe Grüße
Frodomir
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Frodomir,

ich freue mich sehr über Deine Einschätzung. Ja, das "kaum" hast Du richtig gedeutet.

Gruß, Ciconia
 
Hallo Ciconia,

auch mir gefällt das Gedicht sehr gut. Es hat etwas Wehmütiges und Berührendes. Besonders das Wort „Seelenseismograph" gefällt mir. Habe ich noch nie gehört.

LG SilberneDelfine
 

Ciconia

Mitglied
Vielen Dank, SilberneDelfine. Der Begriff "Seelenseismograph" ist allerdings keine Erfindung von mir. Aber in Zeiten wie diesen bemerkt man dessen Schwingungen eben deutlicher als in ruhigen Zeiten.

Es freut mich besonders, dass ich auch Leser aus der "Ungereimten-Fraktion" mit diesem Reimgedicht überzeugen konnte.:)

Gruß, Ciconia
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Ciconia,

ich mag das "Augenzwinkern", das zwischen den Zeilen aufblitzt.

Liebe Grüße
Manfred
 

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