Lebens-Etüde

Ciconia

Mitglied
So viele Pläne, die du angedacht,
verglühten flugs wie Feuerwerk bei Nacht.
Nach jedem Reinfall, der dich runterzog,
warst du es meistens selbst, der sich belog.

Oft nahmst du dir zu viel vom großen Kuchen,
du fandest stets und mochtest niemals suchen.
Getrieben ranntest du durch die Jahrzehnte -
ein kleiner Mensch, der sich nach Großem sehnte.

Vom Leben wolltest du das Maximum,
sahst nur voraus, nie blicktest du dich um.
Du galoppiertest stur auf hohem Ross
im Teufelskreis, der deine Welt umschloss.

Mir scheint, in letzter Zeit wirst du nun leiser,
vielleicht macht dich das Alter wirklich weiser.
Zufrieden wirkst du nicht, wohl eher müde -
vom Üben einer lebenslangen Moll-Etüde.
 
Hallo Ciconia,
warum wendest du das „du“ und nicht das „ich“ an.
Ich fühle mich eigentlich nicht angesprochen. So ist mein Leben nicht.
Viele Grüße,
Marie-Luise
 

Ciconia

Mitglied
Meins auch nicht, liebe Marie-Luise.

Es muss sich ja nicht jeder persönlich angesprochen fühlen. Aber es würde mich nicht wundern, wenn auch Du Menschen wie den beschriebenen kennen würdest.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Liebe Marie-Luise,

Du verwirrst mich ein wenig. Müssen jetzt alle Gedichte, in denen ein „Du“ angesprochen wird, umgeschrieben werden, damit sich niemand persönlich angegriffen fühlt? Ich bin jetzt vier Jahre in der LL, aber so etwas habe ich noch nicht gehört.

Und warum sollte ich „Er“ schreiben? Meinst Du nicht, dass heutzutage auch Frauen ein ähnliches Leben führen können?

Gruß Ciconia
 
Hallo Ciconia,
es ist dein Gedicht. Du kannst es ja so stehen lassen. Vielleicht denken die anderen Leser ganz anders darüber.
Ich fühlte mich auf jeden Fall angesprochen und es gefiel mir nicht.
Ansonsten finde ich das Gedicht gut.

Gruß,
Marie-Luise

Ps. Ich dachte an Eugen Roth. Seine Gedichte fingen meistens mit „Ein Mensch“ an.
 

molly

Mitglied
Liebe Ciconia,

ich fühlte mich nicht angesprochen, las Dein Gedicht wie einen Brief an einen unzufriedenen Menschen.

Wenn er sein Leben lang nur in "Moll" unterwegs war, ist es fraglich, ob er je weise wird. Nur leiser und müde.

Gruß

molly
 

Ciconia

Mitglied
Danke, liebe Molly, dann bin ja erst mal beruhigt.

Allerdings möchte ich das Gedicht nicht so verstanden wissen, dass der Mensch sein Leben lang „in Moll unterwegs war“ – er wäre es aber vielleicht gern gewesen und hat sich an einer Moll-Etüde abgearbeitet. So hatte ich es mir gedacht.

Gruß Ciconia
 

Ciconia

Mitglied
Ich wundere mich immer noch sehr, warum die Verwendung des Lyrischen Du in diesem Gedicht angeprangert wird, in vielen, vielen anderen jedoch nicht. Wo ist der Unterschied? Ich wäre sehr dankbar für eine Erklärung.

Gruß Ciconia
 
Hallo Ciconia,
ich war doch die einzige, die es nicht so gut fand.
Ich fühlte mich eben angesprochen.
Da mich dein Gedicht sehr interessierte, habe ich das geschrieben. Bei vielen anderen würde mich das gar nicht berühren.
Wie ich oben erwähnte, hat sich ja sonst niemand beschwert – siehe molly -.
Wenn ich gewusst hätte, dass dich das so wundert, hätte ich mich gar nicht gemeldet.
Viele Grüße,
Marie-Luise
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Marie-Luise,

bitte nimm mir das Wundern nicht krumm: Ich habe mich doch nur gewundert, weil ich einen derartigen Einwand vorher noch nie gehört hatte. Und nachdem außer molly niemand mehr etwas dazu sagte, ging ich davon aus, dass Andere ebenfalls ein Problem mit dem „Du“ hatten und das Gedicht deshalb für misslungen hielten. Daher meine nochmalige Nachfrage.

Gruß Ciconia
 
Hallo Ciconia,
ich habe das Gefühl, dass ganz andere (unverständliche) Gedichte in der LL die Richtung bestimmen.
Ich möchte jetzt keine Namen nennen, du wirst schon wissen, was oder wen ich meine.

Nochmals Grüße von mir.
 

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