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Logbuch eines umbarmherzigen Jahres

Rezension zu:
Connie Palmen, Logbuch eines umbarmherzigen Jahres, Diogenes 2014, ISBN 978-3-257-24175-4


Schon einmal hat die niederländische Schriftstellerin Connie Palmen von einem geliebten Mann Abschied genommen und darüber ein bewegendes Buch geschrieben. In den Jahren von 1991 an bis zu dessen plötzlichem Tod 1995 war Connie Palmen mit dem niederländischen Journalisten, Schriftsteller und Talkmaster Ischa Meijer liiert. Über diese Beziehung schrieb sie 1998 das Buch I.M. Ischa Meijer – In Margine, In Memoriam.

Kurze Zeit später lernte sie den Journalisten und D66-Politiker Hans van Mierlo kennen, mit dem sie eine fast symbiotische Beziehung verband und den sie vier Monate vor seinem Tod am 11. März 2010 heiratete.

Dieser zweite Tod, wie sie ihn nennt, bringt Connie Palmen an den Rand des eigenen Todes, vor dem sie sich nur schreibend zu schützen glaubt. Achtundvierzig Tage nach dem Tod des Politikers und Staatsministers, der fast ein Vierteljahrhundert älter war als die 1955 geborene Connie Palmen, beginnt sie mit ihren Aufzeichnungen, die genau ein Jahr andauern werden und die sie bald schon ihr “Logbuch eines umbarmherzigen Jahres“ nennen wird.
„Die Scham, als ich nach Wochen zum ersten Mal auf die Straße hinausgehe, ächzend, keuchend, schnaufend. Ohne ihn kann ich kaum laufen. Wenn ich Blicke auf mir spüre, bin ich mir bewusst, dass andere vor allem jemanden n i c h t wahrnehmen.
Ich bin jemand nicht.
Ich bin aberwitzig allein.
Manche schlagen die Hand vor den Mund, als sie mich sehen.“

Als der Rezensent, noch immer das Bild einer attraktiven Connie Palmen auf den Umschlägen ihrer letzten Bücher vor Augen, im Internet ein aktuelles Bild aus dem Jahr 2011 sieht, geht es ihm ähnlich. Es ist nicht nur das zunehmende Alter und die tiefe Trauer, die sich in dieses Gesicht eingegraben haben, sondern auch ein von ihr selbst beschriebener teilweise exzessiver Umgang mit Alkohol.

Zunächst noch stockend, stellenweise das eigene Vorhaben anzweifelnd, wird ihr Schreiben in ihrem Logbuch zunehmend flüssiger, gewinnt Struktur und Form. Mit vielen Rückblenden auf die gemeinsame, immer wieder durch Krankheit und Tod bedrohte Lebenszeit, beschreibt sie voller Schmerz und Aufbegehren die Zeit von Mierlos Erkrankung, die vergeblichen Hoffnungen und das schließliche Loslassen, das sie selbst wie in eine Hölle schickt.

Ein Jahr lang dokumentiert sie ihre Trauer, ihren Schmerz und ihre Verzweiflung, immer in einem ständigen Kampf gegen das Vergessen. Dabei ist es nicht nur der Tod des geliebten Partners und Ehemanns, den sie zu bewältigen hat. Der Rezensent hat bei der Lektüre des Buches mindestens ein Dutzend Connie Palmen naher Menschen gezählt, die in dem Zeitraum, den das Buch abdeckt, starben und Lücken in ihr Leben rissen.

Das „Logbuch eines umbarmherzigen Jahres“ ist ein bewegender Bericht über die Sehnsucht nach einem Menschen, der nicht mehr da ist, über den eigenen Selbstverlust und den verzweifelten Versuch, sich selbst in einem Leben und einer Wirklichkeit wieder zu verorten, die die Trauer und der Tod zu einem unwirklichen Platz gemacht haben.
 

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich kenne nur IM und fand es höchst erschütternd, da es eine außergewöhnliche Liebe und ihr Unterbrechen durch den Tod beschreibt. Unterbrechen, da die Autorin weiter liebt und leidet.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass sie das Ganze erneut erlebt - wieder eine so außergewöhnliche Liebe mit allem, was an Tragik hinzukommt.

DAS wäre meine Frage an sie selbst: Gibt es "nur" so atemberaubende Lieben in ihrem Leben, die Normalmaß übersteigen?

Ich habe bereits von dem hier vorgestellten Buch gehört, es aber noch nicht gelesen. Werde es nachholen, um zu sehen, dass es entweder ein Aufguss von IM ist oder tatsächlich etwas Neues.

LG Doc
 

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