Lust und Wahnsinn.

G

Gelöschtes Mitglied 20939

Gast
Es ist Hochsommer. Ich liege auf meiner großzügigen Terrasse und überblicke das blaue Meer. Die Sonne bestrahlt meinen heißen Körper. Ich sehe, wie sich allmählich Schweißtropfen auf meiner Brust bilden. Eine rote Badehose ist alles, was meinen durchtrainierten, gebräunten Körper bedeckt. Sie sitzt locker und dennoch kann ich die Umrisse meines Gliedes erkennen. Ich schließe meine Augen und lasse mich von den Sonnenstrahlen verwöhnen. Neben mir steht ein Glas Scotch mit Eis. Ich trinke einen Schluck und versinke anschließend wieder in meiner eigenen Gedankenwelt. Leider war mein Science-Fiction Roman, den ich vor etwa zwei Jahren veröffentlicht hatte, mein einziger Erfolg geblieben. Immerhin konnte ich mir deshalb dieses Loft an der Küste leisten. Gerne wies ich auf dessen architektonische Besonderheiten hin, nachdem ich meine Freunde hier draußen empfing. In meinem Roman ging es um Telepathie. Genauer gesagt darum, wie zwei liebende Menschen diese spezielle Fähigkeit für sich entdecken. Der Haken an der ganzen Sache war, dass einer von ihnen sterben würde, sobald er jene abstrakte Verbindung unterbräche. Mit besagten fiktiven Figuren verhielt es sich also tatsächlich so, dass sie sich niemals vermissen mussten. Scheinbar sehnten sich die Menschen nach Verrücktheit und Unwirklichkeit, aber vor allem nach Liebe.
Ich war noch nie ein Fan von Emotionen gewesen, jedoch war ich schon immer ein großer Fan von Scheinen. So ist das Leben nun mal. Mit meinen 27 Jahren hatte ich wahrscheinlich schon mehr Geld verdient als so mancher Fünfzigjährige. Vielleicht lag das auch daran, dass ich nebenbei noch mit Immobilien hantierte. Dennoch verhält es sich mit den Zahlen auf dem Konto sowie mit allem anderen im Leben auch. Nichts ist für immer. Es musste eine neue Idee her, aber wie. Es fühlte sich an, als könne ich diesen Staudamm in meinem Kopf niemals durchbrechen. Das Ertönen der Klingel lässt meine Blase der Überlegungen zerplatzen. Ein äußerst angenehmes Geräusch kann sich in dieser Sekunde an mein Trommelfell drängen. Es fühlt sich an wie die ersten Töne einer recht bekannten Symphonie Beethovens. Etwas schwerfällig setze ich mein linkes Bein auf den warmen, mit Sandsteinen gepflasterten Boden und erhebe meinen gestählten Körper. Gediegen schlüpfe ich in meinen cremefarbenen seidenen Bademantel und schlendere zur Tür. Die Wohnung ist spürbar kühler als die Luft draußen. Ein kurzer Blick auf den Bildschirm des modernen Überwachungssystems genügt, um zu erkennen, dass meine Lektorin auf der Matte steht. Meine Mundwinkel bewegen sich instinktiv ein kleines Stückchen nach oben. Ich muss mich zwingen meinen emotionalen Impuls zu unterdrücken, sodass ich nicht verletzlich wirke.
Sie trägt eine enge dunkle Jeans und ein weißes Top, durch das ich die Form ihrer wohlgeformten Brüste erahnen kann. Schmale rote Träger liegen sanft auf ihrer hellbraunen Haut. Ihre dunkelbraunen Haare hat sie zu einem Pferdeschwanz gebunden. Die kleinen glitzernden Ohrringe konkurrieren mit ihren blitzenden Augen. Zählte ich romantische Seiten zu meinen Charakterzügen, hätte ich vielleicht gesagt, sie habe die schönsten Augen, die ich jemals gesehen habe. Ihr Pony ließ sie noch süßer aussehen, als sie es ohnehin schon war. An ihrer Schläfe hatten sich aufgrund der Hitze kleine Locken gebildet. Mein Mund wird blitzartig trocken, weshalb ich lediglich mit einer Geste signalisiere, dass sie doch hereinkommen solle. Glücklicherweise läuft sie vor mir in das riesige Wohnzimmer, weshalb ich einen Blick auf ihren knackigen Po riskieren kann. Sie trägt strahlend weiße Chucks, die die Bräune ihrer Knöchel noch besser zur Geltung bringen. Ich muss mich zwingen meine Augen von ihrer Erscheinung abzuwenden. Ich sage ihr mit verführerischer Stimme, dass sie sich doch setzen solle. Unter kontrollierten, eleganten Bewegungen lässt sie sich auf dem schwarzen Ledersofa nieder, das ihr kurz darauf eine zaghafte Gänsehaut um die Schultern legt. Ich frage sie aus der Küche, ob sie auch einen Drink wolle. Ein Bier reicht, antwortet sie in einer beruhigenden Melodie. Es fiel mir schon immer schwer sie adäquat zu beschreiben. Eine Mischung aus bescheidener Schüchternheit, weiblicher Zärtlichkeit, zurückhaltender Nachdrücklichkeit und einladender Erotik.
Begleitet von einem klirrenden Geräusch nehme ich das eiskalte Getränk aus dem Kühlschrank, reiche es ihr wenig später und setze mich interessiert neben sie. Gerade so weit entfernt, dass ich sie noch riechen kann. Genug Distanz lassend, sodass ich sie nicht berühren kann. Ihre kleine Hand führt die Flasche an ihren Mund. Ich fokussiere kurz ihre dunkelroten Nägel. Ihre vollen glänzenden Lippen umschließen nun vollständig die Öffnung der Flasche. Ich beobachte außerdem, wie sie ihren kleinen Kopf leicht nach hinten neigt, um den flüssigen Inhalt zu schlucken. Kurz darauf verändert sie unerwartet ihre Körperhaltung. Dieser Vorgang lässt die Kontrolle meiner Gedanken noch weniger zu. Sie sitzt nun, ein Bein ist angewinkelt, seitlich auf dieser Sitzgelegenheit. Ich muss meine Augen davon abhalten weiter nach unten zu wandern. Sie wendet ihren eindringlichen Blick von mir ab und lässt ihn sprunghaft über das maritime Panorama schweifen. Hast du eine neue Idee, fragt sie hoffnungsvoll. Hoffnungslos schüttele ich sprachlos den Kopf. Um meine Worte, die mir daraufhin durch den Kopf rasen, im Keim zu ersticken, presse ich meine Lippen angestrengt aufeinander. Ich merke, wie mein Verlangen nach ihr größer wird. Wie es spürbar meine Venen flutet. Sie ist dreiundzwanzig, sieht jedoch mindestens drei Jahre jünger aus. Sie ist eine alte Bekannte, die ich noch aus meiner Kindheit kannte. Hatte sie sich seither allerdings ausgesprochen positiv entwickelt. Ihre kleinen straffen Brüste berühren sich leicht, wenn sie ihre ansehnlichen Arme zwischen ihren muskulösen Beinen abstützt. Am liebsten hätte ich mich zunehmend von ihr distanziert, um der Vernebelung meiner Rationalität aus dem Weg zu gehen. Eine Brise Meersalz, gepaart mit holzig süßer Verlockung.
In der Vergangenheit hatten wir die Grenzen von Geschäftspartnern schon einige Male überschritten. Ich wusste, dass sie die französische Sprache ausgezeichnet beherrschte, was ihre Lippen umso begehrenswerter erscheinen lässt. Somit machte mich mein Wissen noch weniger handlungsfähig, als ich es in diesem Moment ohnehin schon war. Ich zwinge mich dazu ihr in die Augen zu schauen. Dementsprechend ertrinke ich gleichzeitig darin. Ihr Mund öffnet sich zum Verbalisieren erneut. Die Worte klingen, als tauchten wir gemeinsam. Mit einem Mal kann ich meinen Instinkt nicht mehr davon abhalten zaghaft über ihren Oberarm zu streichen. Sie lächelt und sagt etwas, das ich nicht mehr vernehmen kann. Großflächige Gänsehaut nimmt meinen Körper gefangen. Sie schaut mich an und schüttelt ihr Haupt. Sie lacht kurz und steht auf. Sofort setzt sie sich auf meinen Schoß, spreizt deshalb ihre Beine. Ich hebe meinen Kopf, sodass sich unsere Blicke kreuzen. Ich umfasse ihre Taille und spüre, wie sie ihre schmale Hüfte sanft bewegt. Ich beiße mir erregt auf die Unterlippe. Mein lustvolles Verlangen hat jegliche Vernunft aus meinen Gehirnwindungen vertrieben. Ich spüre, wie sich das Gefühl zuerst in meiner Brust ausbreitet, mir dann den Hals hinaufkriecht, bis es sich in meinem Kopf verteilt. Vertrauensvoll lege ich meinen Kopf auf die Lehne. Ich lasse mich treiben. Die elektronische Musik im Hintergrund nimmt mich zusätzlich gefangen. Zumindest scheint sie sich immer lauter und deutlicher in mir zu vergießen.
Sie spürt, wie das Verlangen nach mir größer wird. Küsst deshalb sanft meinen Hals. Meine Sehnsüchte scheinen sich für einen Augenblick zu beruhigen. Die Ruhe vor dem Sturm, denkt sie freudig aufgeregt und öffnet meinen Bademantel. Entschlossen zieht sie ihr transparentes Top über den Kopf und steht auf. Langsam wendet sie sich von mir ab und öffnet ihre Hose. Sie kann meine Blicke deutlich spüren. Behutsam lässt sie die Jeans auf den Boden gleiten. Sie beugt sich tiefer nach unten als nötig. Sie ergreift also die Möglichkeit mir eine vielversprechende Auskunft zu geben. Ich betrachte die Aussicht und erblicke ein rotes Höschen. Meinen teuren Bademantel lege ich wenig achtsam neben mich. Sie zieht meine verschwitzte Badehose über meine strammen Beine, bis sie meine Knie geradeso berührt. Sie weiß sehr wohl, inwiefern mich ein Gefühl von Befangenheit aus der Bahn werfen kann. Liebevoll liebkost sie die Stellen, die sie an Männern am attraktivsten findet und umschließt ihn anschließend mit ihrer filigranen Hand. Ich atme tief ein und genieße das Gefühl nahezu machtlos zu sein. Ich liebe es, dass sie mich bis an meine Grenzen und darüber hinausbringen kann. Ich presse sie wenig zögerlich an die kühle Wand. Ich musste mich bei ihr stets beherrschen das Ganze nicht zu schnell zu beenden. Ich höre, wie ihr Atem schneller und lauter wird. Ich greife in ihre weichen Haare. Ich weiß, dass sie diese Machtlosigkeit in den Wahnsinn treibt. Spüre ich meinen Herzschlag in dieser Ekstase überhaupt noch. Mir geht es nur noch darum den Zenit zu erspüren. Plötzlich hält sie inne und läuft ins Badezimmer. Eine kurze Unterbrechung des Luststroms zu meinen Gunsten.
Kaltes Wasser erfrischt meinen erhitzten Körper. Begehren durchdringt mich merklich. Kurz darauf befreie ich zuerst sie und dann mich. Ich laufe zurück ins Wohnzimmer und werfe mich wieder in meinen Bademantel. Ich genieße den Augenblick, in dem sie sich anzieht. Wir verabschieden uns mit einer freundschaftlichen Umarmung, dann trennen sich unsere Wege wieder für unbestimmte Zeit.
Ich drehe die Musik lauter, setze meine teure Sonnenbrille auf und laufe nach draußen. Ich ruhe nicht lange auf dem Liegestuhl, bis ich beschließe meinen Dealer anzurufen. Eine halbe Stunde später steht er vor der Tür. Ich drücke ihm einen Schein in die Hand, sage stimmt so und schließe sie wieder. Das ist also Freiheit, glaubte ich zu wissen. Wie Schuppen fällt es mir von den Augen. Ein Buch über Freiheit. War das nicht der Zustand, nach dem alle strebten. Ich könnte allerdings auch über sie schreiben, über die Frauen oder über diese eine von unendlich vielen. Ich könnte wieder über die Liebe schreiben. Über das Finden der Freiheit in der Liebe. Wie konnte ich nur so dumm gewesen sein. Alles war doch jahrelang offensichtlich gewesen. Hastig drücke ich meinen fertiggerauchten Joint aus und begebe mich in mein Arbeitszimmer. Ich schalte meinen Laptop ein. Der Titel jener Geschichte ist mir bereits jetzt völlig klar.
Sie war eine gesunde, starke Frau von atemberaubend schöner Natur, beginne ich zu schreiben. Meine Konzentration übersteht allerdings nur diesen einen Satz. Ich lehne mich zurück und betrachte das riesige Gemälde eines halbnackten männlichen Körpers über meinem monumentalen Schreibtisch. Mein bester Freund hatte es vor nicht allzu langer Zeit für mich gemalt. Ich weiß nicht wie lange ich in diesem wenig produktiven Zustand verweile. Intuitiv öffne ich irgendwann eine neue Seite. Beinahe schmutzige Worte gebe ich in die schmale weiße Leiste ein. Mittlerweile war ich nicht mehr allzu wählerisch. Ich öffne mein Gewand und berühre mich. Von der Marmorplatte der neuzeitlichen Küchenzeile nehme ich mein Smartphone und tippe auf die Kurzwahltaste drei. Besagter Freund antwortet mit gestresster Stimme.
Er war schon immer ein Mann von aufbrausender Natur gewesen. Beruflich war er so etwas ähnliches wie ein Lebensberater. Das Geschäft lief allerdings nur bedingt gut. Was gibt‘s, fragt er zwischen Autotür und Angel. Ich wollte fragen, ob du Lust hättest mal wieder nach Bordeaux zu fahren. Er hält kurz inne und lässt mich dann wissen, dass es im Moment schlecht aussähe. Die Zeit, das war schon immer sein größtes Problem. Ich dachte, wir könnten zusammen in einen Stripclub gehen, sage ich nachdrücklich, in der Hoffnung er würde das Angebot daraufhin dankend annehmen. Er entgegnet, dass sich in den letzten Tagen etwas mit einer Frau ergeben habe. Dies sei aber kein Hindernis, lasse ich ihn wissen. Er überlegt kurz. Samstag, frage ich. Samstag, bestätigt er. Grinsend drücke ich auf die kleine rote Taste.
Der Samstagabend kommt schneller als gedacht. Auf dem Nachhauseweg werde ich ärgerlicherweise in Eile geblitzt. Mein Telefon klingelt und ich nehme den Anruf kurzerhand entgegen. Fahren wir dann zusammen, höre ich ihn fragen. Geht klar, antworte ich kurz angebunden. Hastig springe ich unter die Dusche, mache mir die Haare, ziehe die schwere Eingangstür hinter mir zu und fahre los. Es war bereits kurz vor elf. Bis nach Bordeaux brauchten wir in der Regel etwas länger als eine Stunde. Schick siehst du aus, bemerke ich beeindruckt, während er einsteigt. Wir drehen die Musik lauter und heizen über die Autobahn. Den Wagen hast du gut ausgesucht, gesteht er ein wenig neidisch. Unterdessen huscht sein Blick über die roten Linien, die der sportlichen Innenausstattung angehören. Sportversion, Komplettausstattung, ergänze ich mit gehobenem Kopf. Kennst du den Weg, fragt er, sichtlich an meinem Orientierungssinn zweifelnd. Wozu haben wir ein Navi, kontere ich. Beruhigt folgt sein Blick den vorbeiziehenden Lichtern. Ob es etwas Ernstes ist, will ich wissen. Lachend vereinen sich unsere Blicke. Dank seiner Einparkhilfe dauert es nicht lange, bis wir sicher in der Parkbucht stehen.
Wir beschließen unsere Jacketts im Auto zu lassen, dann sparten wir immerhin das Geld für die Garderobe. Außerdem rechneten wir nicht mit einem rasanten Temperaturabfall. Nackte, scheinbar polierte Körper blitzen uns entgegen, sobald wir die Treppe nach unten nehmen und uns einen Platz, möglichst in der Mitte des Raumes, suchen. Die laute Musik umhüllt unsere mächtigen Körper. Sofort läuft er zur Bar, um uns einen Drink zu besorgen. Kurz darauf setzt er sich wieder und holt eine kleine Plastiktüte aus der Tasche seiner Anzughose. Die kleine Pille spülen wir mit trockenem Martini hinunter. Die Olive lassen wir im Glas zurück. Sie beginnen zu tanzen, bemerkt er. Wir wenden uns also voneinander ab und lassen unsere Blicke für einige Minuten auf ihren anzüglichen Körpern verweilen. Sie wirken von alltäglichen Sorgen und Ängsten verlassen. Er steht auf und läuft zu einer von ihnen.
Ich wusste, dass er eher auf blonde Frauen stand. Er zückt einen weiteren Schein und steckt ihn in ihr Strumpfband. Zu gerne hätte er sie dort länger berührt. Er sitzt keine fünf Minuten, bis jenes weibliche Wesen an unseren Tisch kommt. Sie bietet ihm einen Tanz an, während eine Dame brünetter Gestalt auf uns zu kommt. Sie offeriert mir dasselbe Angebot. Ich kann meinen Blick nicht von ihr lassen. Die beiden fragen uns daraufhin ohne Worte eine etwas speziellere Frage. Getrieben von unserem animalischen Instinkt folgen wir ihnen mit großen Schritten. Die Ladies fordern die beiden auf sich auf das rote Polster fallen zu lassen. Die Eindrücke scheinen sie ihres Bewusstseins zu berauben. Sie genießen das bunte Treiben in vollen Zügen. Sie haben keinen blassen Schimmer mehr, nicht den Hauch eines silbernen Mondstrahls. Sie wissen nicht, wie viele Stunden sie in diesem Club verbringen. Sie befreien sich von einengenden Mustern, sündhaften Strukturen und konventionellen Vorstellungen. Sie geben sich einander hin. Unterbewusst, zwischen stillender Lust und tobendem Wahnsinn. Sie kosten von betäubender Süße, warmen Pfirsichen, verbotenen Äpfeln und goldigen Zuckerstangen. Paradiesische Momente sind das wohl. Sie laufen erschöpft nach draußen, atmen die kühle Luft hoffnungsvoll ein.
Auf dem Heimweg strömen zutiefst bewegende Worte aus der teuren Anlage. Vielleicht bin ich viel zu müde, um diese Worte tiefgründig zu begreifen, denkt der Fahrer. Vielleicht werde ich niemals genau wissen, was oder wen ich wirklich will, denkt der Beifahrer. Unter einer müden Geste verabschieden sie sich voneinander. Die beiden Gemüter scheinen, in einem lauwarmen Sommernachtstraum schwebend, mehr Emotionen in sich zu tragen, als die beiden jemals zuvor zu träumen wagten.
Ich öffne die Tür, ziehe meine Schuhe aus und hänge die dunkelblaue Jacke direkt neben das Thema meines neuen Buches.
 

Susi M. Paul

Mitglied
Servus Valirella,
diesmal ist es also ein Mann und Sommer am Meer, mit ein paar Absaätzen drin. Doch leider finde ich seine Ich- (oder besser Ego-?) geschichte nicht sehr viel gelungener als die andere aus Paris. Ich versuche einmal, das zu begründen.
"Ich merke, wie mein Verlangen nach ihr größer wird. Wie es spürbar meine Venen flutet" - Das grundsätzliche Problem deiner Geschichten: dass du ständig zwischen Präsens und Vergangenheit hin- und herspringst. Die Passagen in der Gegenwartsform sollen wohl als historisches Präsens fungieren, tun sie aber nicht. Das "merke" hier ist viel zu schwach; flutet das Verlangen die Venen? Immerhin so etwas wie eine Alliteration, aber warum die Venen und nicht die Arterien?
"Sie ist dreiundzwanzig, sieht jedoch mindestens drei Jahre jünger aus. Sie ist eine alte Bekannte, die ich noch aus meiner Kindheit kannte." - Immerhin reimt es sich: Bekannte - kannte; und ein hübsches Gegensatzpaar, das aber wohl nicht beabsichtigt war: jünger - alte; ist -ist, zwei nichtssagende Verben. Und hier kommt sehr klar heraus, dass das mit den Zeitensprüngen hinten und vorne nicht funktioniert. Außerdem möglicherweise ein logisches Problem: er 27, sie 23, ziemlich viel Abstand für Kinder.
"Hatte sie sich seither allerdings ausgesprochen positiv entwickelt. Ihre kleinen straffen Brüste berühren sich leicht, wenn sie ihre ansehnlichen Arme zwischen ihren muskulösen Beinen abstützt." - Worauf bezieht sich positiv entwickelt- auf die Brüste, waren die in der gemeinsamen Kindheit nicht klein und straff, sondern groß und schwabbelig? Eher unwahrscheinlich, oder? Die Arme ansehnlich, die Beine muskulös? Das sind so abgedroschene Adjektive, dass du sie und die ganze Beschreibung getrost in die Tonne werfen kannst.
"Am liebsten hätte ich mich zunehmend von ihr distanziert, um der Vernebelung meiner Rationalität aus dem Weg zu gehen." - Was bitte heißt das? Wer vernebelt da? Kann Rationalität vernebelt werden, Was hat die Distanz damit zu tun? Welche Distanz? Sorry, aber so geht das nicht.
"Eine Brise Meersalz, gepaart mit holzig süßer Verlockung. In der Vergangenheit hatten wir die Grenzen von Geschäftspartnern schon einige Male überschritten" - Eine Brise Salz, das könnte eine tolle Metapher sein, war sie auch so beabsichtigt? Auch holzig süße Verlockung ist an sich nicht schlecht, aber woher kommt das Holzige hier? Was allerdings die Grenzen von Geschäftspartnern sind, will sich mir nicht so recht erschließen. Natürlich versteht man das, aber schief ist das schon.
"Ich wusste, dass sie die französische Sprache ausgezeichnet beherrschte, was ihre Lippen umso begehrenswerter erscheinen lässt." - Hier erschließt sich mir der Zusammenhang gar nicht.
" Somit machte mich mein Wissen noch weniger handlungsfähig, als ich es in diesem Moment ohnehin schon war" - Und es wird noch komplizierter: Somit sollte eigentlich eine Folge von etwas einführen, doch die Folge von etwas, das sich mir nicht recht erschließt? Gut, kann an meiner beschränkten Auffassungsgabe liegen. Aber das Wissen von etwas macht ihn weniger handlungsfähig, als er ohnehin schon war? Du musst zugeben, dass das wirklich kompliziert ist oder?
"Ich zwinge mich dazu ihr in die Augen zu schauen. Dementsprechend ertrinke ich gleichzeitig darin." - Ok, er zwingt sich zum Blick in ihre Augen und ertrinkt darin, das ist eine erweiterte Metapher, leicht abgedroschen zwar, aber ok. Doch was, um Himmelswillen, soll das Dementsprechend dabei, eine Metapher mit komplexem Begründungszusammenhang?
"Ihr Mund öffnet sich zum Verbalisieren erneut." - Soll heißen? Sie hebt an zu sprechen? In einer Liebesgeschichte, kurz bevor sie bürsteln, verbalisiert sie etwas - Also bitte, da würden uns, um es mal zu umschreiben, alle irgendwie zu spürenden erotisch-sexuallen Regungen ins Mark gefrieren.
"Die Worte klingen, als tauchten wir gemeinsam." - Ok, das könnte in einem anderen Zusammenhang als einigermaßen originell durchgehen, doch wie geht es weiter?: "Mit einem Mal kann ich meinen Instinkt nicht mehr davon abhalten zaghaft über ihren Oberarm zu streichen." - Der Instinkt streichelt, sehr wohl originell, aber leider gnadenlos schief.
Soweit in Kürze. Leicht polemisch, gebe ich zu. Aber bei deiner/n Geschichte/n sind so viele unpassende Bilder, Beschreibungen und sprachlcihe Wendungen drin, dass die Polemit fast automatisch hochkommt. Soll heißen: Deine Texte sind gänzlich unausgegoren. Sie klingen, als ob du sie einfach runtergeschrieben hättest, ohne daran zu feilen, sie zurechtzustutzen oder auf Schlüssigkeit zu überprüfen. Und das ist die eigentlich schwere Aufgabe beim Schreiben.
 
G

Gelöschtes Mitglied 20939

Gast
Danke für die Kritik
Ist auch einfach runter geschrieben ohne nochmal drüber zu lesen oder zu feilen. Liebe Grüsse:) ps.: ich glaube nicht dass du bestimmst wie die Kunst des Schreibens aussieht. Ich glaube dass du sehr stark aus einer subjektiven Perspektive urteilst. Nur meine Meinung:)
 

Susi M. Paul

Mitglied
Damit hast du wahrhaftig recht, mit dem Urteilen aus subjektiver Perspektive (geht es anders?) und damit, das ich nicht bestimme, wie die Kunst des Schreibens aussieht. Allerdings habe ich, wieder subjektiv, die schwere Aufgabe im Sinne von schwerer Arbeit verstanden.
 
G

Gelöschtes Mitglied 20939

Gast
Dachte das Niveau sei hier nicht ganz so hoch. Aber die Kritiker anscheinend umso härter:D und man muss es ja nicht zu Ende lesen wenn es einem nicht gefällt. Ich dachte das läge auch in der Hand des Lesers. So gesehen könnte man auch sagen die Aufgabe des Lesers ist es das bestmögliche in einem Text zu sehen. Und nur weil ein Text nicht auf Anhieb den eigenen Anforderungen entspricht ist er nicht gleich schlecht.
Abgesehen davon verstehe ich was gemeint ist. Vlt sollte ich als Schreiber dann auch etwas objektiver sein haha. Danke auf jeden Fall ihr Shakespeares! Ps.: solange man selbst nichts schreibt ist es natürlich leicht den ungefilterten Frust den man so aus dem Alltag mitbekommt an anderen rauszulassen. Finde es eher traurig dass so ein harscher Ton herrscht aber gut.
 
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fnsuf

Mitglied
An deiner Geschichte stört mich zu viel, um jedes Detail aufzuzählen. Aber grundsätzlich sind es drei Dinge:
  1. Die extreme Anhäufung von Elativen und Superlativen, auch an Stellen, wo sie komplett sinnlos ist. z.B.: "Musik umhüllt unsere mächtigen Körper"... woanders, wie aus einem Autoprospekt (oder einem für Türsprechanlagen) abgeschrieben.
  2. Kurzerhand ist nicht dasselber wie schnell. Kurzangebunden nicht dasselbe wie eilig. (Will dein Erzähler wirklich schroff auf seinen Freund wirken?) Du kannst anzügliche Bemerkungen machen, anzügliche Blicke auf ausgezogene Körper richten, aber was bitte soll ein anzüglicher Körper sein? Einer, der in einen Anzug gehüllt ist?
  3. Hast du einen Entwurf in der dritten Person geschrieben? Weiter unten sind Reste, z.B. "Die Ladies fordern die beiden auf [,] sich auf das rote Polster fallen zu lassen."
Ja, einen Text schreiben ist Arbeit. Wenn du sie dir nicht machst, müssen Tausende Leserinnen und Leser sie sich machen. Die lesen dann aber lieber etwas anders...
 
G

Gelöschtes Mitglied 20939

Gast
Dann sollen sie sehr gerne was anderes lesen. :) danke für die Anregungen auf jeden Fall!!
 

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