Macht (Terzine)

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Ciconia

Mitglied
Ein kleiner Mann, der eisern Macht errungen
durch Drängeln, Treten, lautes Maulaufreißen,
hat seine ärgsten Gegner bald bezwungen.

Mit seinesgleichen wird er Bünde schweißen
und ein Regime nach eigner Art gestalten.
Die neuen Kumpel werden Freunde heißen.

So kann er ohne Kompromisse walten
und rege rücksichtslose Pläne schmieden.
Doch dieses Bündnis wird nicht ewig halten,

denn selten ist dem Unrecht Glück beschieden.
 

blackout

Mitglied
Macht

Tja, wenn's so wäre, Ciconia. Nun will ich nicht ganz meinen Optimismus aufgeben und hoffe, dass Unrecht wenigstens nach längerer Zeit aufgedeckt und beseitigt werden wird. Dennoch, das Unrecht kann manchmal ziemlich standfest sein und sich sehr lange halten. Und meist ist es nicht nur ein einziger Mann, der das Maul weit aufreißt, sondern ganze Massen von Leuten reißen die Mäuler auf. Aber man soll nie aufgeben, insofern ist dein Gedicht ein sehr gutes Gedicht, auch wenn du diesen Konflikt bzw. Widerspruch nicht aufgreifst, dass sich eben Unrecht so lange hält, wie ihm nicht Einhalt geboten wird. Von allein wird es nicht verschwinden, man muss ihm schon einen Tritt in den Allerwertesten geben.

blackout
 

Ciconia

Mitglied
Danke für Deinen Eintrag, blackout.

Einer der vielen Lieblingssprüche meiner Großmutter war immer „Alle Schuld rächt sich auf Erden.“ Nach all dem, was sie erlitten hatte (zwei Weltkriege, Verlust der Heimat, früher Verlust des Ehemannes und und und), konnte man ihr diese Hoffnung sicher nicht übelnehmen. Aber es ist dann auch größtenteils bei der Hoffnung geblieben. Eine alte Frau tut sich halt schwer mit dem „Tritt in den Allerwertesten“. Die jüngste Geschichte hat uns ja gezeigt, dass man für vieles einen sehr langen Atem braucht …

Mir kam es hier neben dem Inhalt auch auf die Form der Terzine an, an der ich mich zum ersten Mal versucht habe. Bis jetzt hat keiner gemeckert. ;)

Gruß Ciconia
 

blackout

Mitglied
Macht

Die Terzine ist einwandfrei. Ich lese allerdings immer erst auf Inhalt, lasse das Gedicht auf mich einwirken und sehe mir dann die Ausführung an. Nein, wegen der Terzine - alles okay. Gewöhnlich sind Terzinen etwas länger. Aber so ist es auch in Ordnung.

Was nun den Tritt in den Allerwertesten angeht, so ist es natürlich verständlich, dass ein einzelner, noch dazu eine alte Frau, da gar nichts ausrichten kann. Dazu habe ich aber mal eine Frage: Warum hast du nicht das Leben deiner Oma zum Gedicht gemacht, sondern bleibst im unverbindlich Theoretischen? Der Einzelfall, zum Gedicht gemacht, steht für alle Fälle. Er würde auch für das Leben meiner Großeltern stehen: Heirat, erster Weltkrieg, Inflation, Arbeitslosigkeit, Nazizeit, zweiter Weltkrieg, Nachkriegszeit, immer am Rande der Armut. Keine gute Zeit, um gut leben zu können.

blackout
 

Ciconia

Mitglied
Danke, Zirkon!

Manchmal handelt es aber auch nur um ein kurzfristiges Glück. Wie ich schon in einem vorigen Kommentar sagte: Für manches braucht es einen langen Atem.

Gruß Ciconia
 

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