Mädchenaugen

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blackout

Mitglied
Stille Sommer
des Südens, still die kleine Stadt.
Blütenreiche die Gärten, Cafés,
gestreut um den Markt. Träg
gehen die Tage.

Gassenkinder rufen
ihm nach, dem mit dem bösen Blick.
Schwer die Leinwand. Der Verrückte
kauft einen Strauß, lacht der Alten
ins versteinte Herz. In Armen, in Augen
Sonnenreiche. Welt.

Vincent, Vincent.
Gelbe Schatten tragen dich ins Haus.
Malst die Blüten, den Duft
deiner Träume, den Schmerz
des französischen Himmels, verbrennst
im Feuer der Mädchenaugen.
 
G

Gelöschtes Mitglied 21296

Gast
ich lese gerade eine biografie und weine.
blütenreiche ist schön, aber ich würde vielleicht es absetzen.
blütenreiche - die gärten?
oder blütenreiche
- die gärten
so wirkt es wie blütenreich. und das ist nicht so stark nach meinem gefühl
 

Keram

Mitglied
lacht der Alten
ins versteinte Herz. In Armen, in Augen
Sonnenreiche. Welt.
Besonders gefällt mir diese Stelle, blackout.
Dieses Gedicht erzeugt in mir eine Resonanz, es wirkt nach - durch das hier gelungen EINGEFANGENE, als auch durch die Affinität zum Thema, zur Person.

Gruß,
Keram
 

Keram

Mitglied
verbrennst
im Feuer der Mädchenaugen.
Gelungen finde ich auch dieses Bild, da das Feuer aus den Mädchenaugen ganz unterschiedlicher Natur sein kann.
Der Künstler ließ aber sein Verbrennen in gewisser Weise zu.
Insgesamt vermischen sich in dem Gedicht augenscheinliche Farben und innere Stimmungen miteinander / ineinander.
 
Zuletzt bearbeitet:

blackout

Mitglied
Danke, Charlotte, fürs Reinsehen. Ja, das ginge "blütenreich die Gärten". Wobei Blütenreiche (statt Nutzgärten) ja ausdrückt, dass die Menschen in Arles bescheiden lebten, und die Blumen, die Vincent so oft gemalt hatte, waren ihr kleiner Überfluss, ihr sympathischer Luxus, das Auffallendste der Gärten von Arles, wie Vincent es seinem Bruder Theo in einem Brief geschrieben hatte.

Gruß, blackout
 

blackout

Mitglied
Danke, Keram, für deine Kommentare. Es ist nicht so leicht, über einen so berühmten Mann ein Gedicht zu schreiben, ohne dass man wiederholt, was schon tausendmal geschrieben worden ist. Ob mir das gelungen ist, weiß ich nicht. Ich habe es geschrieben, nachdem ich den Band mit den Briefen Vincents an Theo gelesen hatte. Übrigens, Mädchenaugen, das sind Blumen, die Vincent gemalt hatte. Natürlich heißen sie holländisch anders.

Gruß, blackout
 
G

Gelöschtes Mitglied 21296

Gast
blütenreich die Gärten
ich fand ja blütenreiche einen starken ausdruck. so, wie es viele reiche gibt. jeder zweig, jeder ast, jeder baum - viele reiche.
wir haben die ausstellungen in potsdam und frankfurt gesehen. ich würde so gerne in einigen seiner bilder verschwinden.
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo blackout,

du hast nicht versucht van Gogh in deinem Gedicht gerecht zu werden und genau deswegen gefällt es mir gut.
Van Gogh ist absolut nicht mein Maler, aber dieses Gedicht entfacht Bilder im Kopf. Was will man mehr?

Liebe Grüße
Manfred
 

blackout

Mitglied
Nein, kannte ich nicht. Hat mir aber auch nicht gefehlt. Auf solch eine Geschmacklosigkeit können auch nur die Amis kommen. Der weint auch keine Tränen, der weint Dollars. Wenn Vincent das geahnt hätte ...
 
G

Gelöschtes Mitglied 21296

Gast
tut mir leid. ich fände schön, wenn er wüsste, wie heute über ihn gedacht wird.
 

blackout

Mitglied
Charlotte, was hätte der Ärmste davon? Er war sowieso überzeugt, dass er gute Bilder gemalt hatte. Sonst hätte er sie nämlich nicht gemalt. Übrigens hat er das auch seinem Bruder Teo geschrieben, fast jedes neue Bild hat er wirklich stolz beschrieben in allen Einzelheiten, Farben, Aufteilung, überhaupt das ganze Sujet. Ich finde das eine sehr geschmacklose Geschichte, das hat Klippschulniveau. Und wenn das, wie Malte Laurids schreibt, kein Ami-Film war, sondern einer der BBC, dann lässt sich ganz gut einschätzen, wie weit auch die BBC heruntergekommen ist. Auch sie hat ihre große Zeit hinter sich, und das nicht nur auf diesem Gebiet. Ist vielleicht nicht allgemein bekannt.

Gruß, blackout
 
G

Gelöschtes Mitglied 21296

Gast
Er war sowieso überzeugt, dass er gute Bilder gemalt hatte.
nein, war er nicht. er war tief verzweifelt, weil niemand die bilder kaufen wollte. schuldgefühle gegenüber seinem bruder.
und zweifel.
ich bin in seiner biografie gerade bei der sternennacht - und der diagnose epilepsie und er in einer anstalt. es ist unglaublich, dass er immer
weitergemacht hat, obwohl keine*r an ihn wirklich geglaubt hat.
und ja, es ging ihm nicht nur um geld, aber er wäre schon sehr froh gewesen, wenn er es gehabt hätte.
die biografie ist auch von amerikanern, aber ich kann sie nur emmpfehlen: 978-3-10-051510-0
liebe grüße
charlotte
 

blackout

Mitglied
Kannst du mal sehen, die Amis, völlig undifferenziert. Passiert, wenn man Sekundärliteratur liest. Ich hab die Originale, nämlich Vincents Briefe an Bruder Theo gelesen. Natürlich war er traurig, dass er kaum etwas verkaufte, sein Name war noch kein Begriff in der Szene. Theo half ihm ja. Aber auf die Bilder war er stolz, er wusste, die sind ausgezeichnet, besser konnte er sie nicht malen, er hatte alles aus sich herausgeholt. Aber weil niemand seine Bilder kaufen wollte, begann er an sich zu zweifeln. Er hatte Pech, zu seiner Zeit gab es andere Größen in seiner Branche, nach deren Bilder sich die reichen Leute rissen. Auch damals schon war PR und Vitamin B mehr wert als die Ware.

Gruß, blackout
 

blackout

Mitglied
Mondnein, nein, das hat er nicht gemacht. Als er sich das Ohr abgeschnitten hatte, nahm ihn sein Arzt in Obhut, Gelegenheit, sein Ohr an Huren zu verschenken, hatte er gar nicht. Außerdem hatte er im Grunde nur eine Beziehung zu einer aus dem Gewerbe, und die Frau war für ihn keine Hure, er liebte sie. Aber sie hatte sich einen reichen Mann gewünscht, weil sie mal irgendwie gehört hatte, Maler seien reiche Leute. Und der war er nicht. Mir gefällt es nicht, Mondnein, wie du dich gegenüber Frauen äußerst, sofern sie nicht deiner Vorstellung von der züchtig-braven Hausfrau ähneln. Es ist doch noch gar nicht so lange her, dass zum Beispiel ein uneheliches Kind eine Schande für die Familie war, und dann wurde die eigene Tochter samt Kind aus der vorwiegend bürgerlichen Familie verstoßen. Was blieb so einer Frau zu dieser Zeit übrig, sie musste sich und ihr Kind ernähren. Eine große Auswahl an Berufsmöglichkeiten gab es zu dieser Zeit für Frauen nicht. Und am lukrativsten war eben der Strich, mit allen Folgen wie Syphilis und frühem, nicht nur bürgerlichem Tod. Dir hätte das natürlich nicht passieren können, versteht sich. Die meisten Schwanzträger litten schon immer an krankhafter Selbstüberschätzung.

Außerdem, Mondnein, bei allem Respekt vor der Meinungsfreiheit: Mein Gedicht kann ja nun nicht mit deinem Gewurschtel verglichen werden, das du hier als Delikatessen einzustellen pflegst.

Gruß, blackout
 
Zuletzt bearbeitet:

Baskerville

Mitglied
Nun mir hat der Text sehr gefallen, aber ich fürchte das zählt hier kaum noch...schade dass sich der thread hier in eine Schlangengrube bzw. ein Mienenfeld verwandelt hat...
 

blackout

Mitglied
Ach was, Baskerville, doch keine Schlangengrube. Mondnein nehme ich überhaupt nichts mehr übel, und das hat seine Gründe. Er gefällt sich darin, alles zu kritisieren (ist ja nicht das erste Mal), was nicht nach seiner Nase geht. Alles halb so schlimm.

Gruß, blackout
 

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